Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

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Teetrinkerin

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Eine Frage an die Kollegen aus der Psychiatrie und auch andere.

Wenn jemand der schon über 20 Jahre in der Pflege arbeitet (Klinik und Pflegeheim) an Depressionen erkrankt, sich behandeln lässt und wieder "auf die Reihe kommt", kann derjenige eurer Meinung nach wieder in seinem alten" Job arbeiten?
Diese Frage stellt sich mir, weil nun schon der dritte Kollege innerhalb weniger Jahre an Depression erkrankt ist, eine Sozialarbeiterin war letztes Jahr am Burnout Syndrom erkrankt und vier Monate nicht da.
Ich empfinde sie seither nicht mehr als den Menschen, der sie mal war. Es umgibt sie eine Traurigkeit, man kommt gar nicht mehr an sie ran.
Den pflegerischen Kollegen macht zu schaffen, dass ihnen einzelne nachreden, sie wären nicht mehr belastbar und macht so jemand einen Fehler, z.B. bei der Apothekenbestellung wurden die Bedarfsmedikamente vergessen, heisst es gleich, naja - psychisch krank.
Zwei davon haben mir schon gesagt, wenn sie es nochmal durchmachen müssten, würden sie lieber eine erfundene Krankheit angeben. Mit der Diagnose Depression wird man nie mehr richtig gesund.

Wie seht ihr das?
 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

weder kenne ich die these, dass depressionen nicht heilbar wären (definitiv sind sie aber gut therapierbar), noch kann man von "der" depression sprechen.

die frage wäre ja erstmal, was für eine depression überhaupt vorliegt bzw. welche begleiterkrankungen oder -störungen.



wenn da allerdings kollegInnen arbeiten, die so, wie du beschrieben hast, reagieren, dann stellt sich mir eher die frage, ob evtl mobbing ein thema ist.
 
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Kessia

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Wieso müssen die Fragen immer so lang sein? Ich verstehe das nicht. Liest sich doch keiner durch.
Aber ich komme morgen wieder und lese Teetrinkerins Frage durch.
 
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Schwester Christa

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Wieso müssen die Fragen immer so lang sein? Ich verstehe das nicht. Liest sich doch keiner durch.
Aber ich komme morgen wieder und lese Teetrinkerins Frage durch.
Dito :grin:
 
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Teetrinkerin

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Na gut, ich versuchs kurz:

Kann eine Pflegefachkraft die an einer Depression erkrankt ist, überhaupt in der Pflege arbeiten und sollte sie sich outen oder lieber nicht. (grins)

Besser so?
 
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Teetrinkerin

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Zitat Zitat von Kessia Beitrag anzeigen
Wieso müssen die Fragen immer so lang sein? Ich verstehe das nicht. Liest sich doch keiner durch.
Aber ich komme morgen wieder und lese Teetrinkerins Frage durch.
Naja, eigentlich sinds ja auch mehrere Fragen!
 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Na gut, ich versuchs kurz:

Kann eine Pflegefachkraft die an einer Depression erkrankt ist, überhaupt in der Pflege arbeiten und sollte sie sich outen oder lieber nicht. (grins)

Besser so?
Eine pauschalisierende Antwort kann man hierauf nicht geben und jemand der selbst nicht betroffen ist, kann dazu sowieso nicht viel beitragen. Es liegt immer im ermessen des Betroffenen inwiefern er sich "outet" und ob er für sich selbst entscheidet, wieder in seinen Beruf zurückzukehren. Es ist ja auch nicht gesagt, dass immer der Beruf der Auslöser für die Depressionen ist. Ich persönlich würde wahrscheinlich die Diagnose Depressionen verschweigen.
 
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Tilidin

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Hallo Teetrinkerin

genau, eine generalisierte Antwort kann es hier nicht geben, eine kleine Hilfestellung schon

1. die sogenannten Vulnerabilitätsfaktoren( auslösende Faktoren) müssen als erstes betrachtet werden.
2. dann die Frage nach endogenen/ exogenen Faktoren( körperlich nicht begründbar/begründbar) müssen geklärt werden.
3. dann kann mann über die Art der Behandlungsform sich genauere Gedanken machen.
4. die Form der Depression sagt sicherlich etwas über die Prognose aus.

Für mich persönlich ist ein offener Umgang immer der Beste, ich nehme zu mindest meinen Kollegen/AG die Möglichkeit, für wilde Spekulationen.( obwohl nicht alle MA können mit Info. etwas anfangen)
Und jeden depressiven sollte man eines zugestehen: Zeit, Zeit, Zeit
 
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thomasmaurer

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Hallo zusammen,

also mal vorneweg, ich hatte während der Krebserkrankung meiner ersten Frau und nachdem sie dann gestorben ist vor 5 Jahren auch schwere depressive Episoden. Diese sind aber Gott-sei-Dank durch Psychotherapie und gute Antidepressiva wunderbar heilbar! Wieso sollte ich also nicht wieder in meinem Job arbeiten? Allein die Frage finde ich schon, um es mal vorsichtig auszudrücken, sehr delikat! Vor allem von jemandem, der sich damit eigentlich auskennen müsste! Ich arbeite auf einer gerontopsychiatrischen Station, auf der wir überwiegend Menschen mit Depressionen behandeln und seit ich selber depressiv war, habe ich oft das Gefühl, ich kann diesen Menschen sogar besser helfen als zuvor, da ich inzwischen wirklich weiß wovon die sprechen und mich viel besser in deren Lage versetzen kann. Natürlich muss ich darauf achten, die professionelle Distanz zu wahren, sprich ich werde mit den von mir betreuten Menschen natürlich nicht über meine Erfahrungen mir Depressionen sprechen. Trotz allem empfinde ich inzwischen die Erfahrung, so schlimm sie während der Krankheitsphase war, als Bereicherung meines Lebens. Ich nehme seit vielen Jahren mein Antidepressivum weiter, da ich es gut vertrage und ich es für mich als Schutz vor Neuerkrankung empfinde.
Um noch einmal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Ich finde jede pauschalisierung diesbezüglich daneben. Wo zieht man die Grenze? Wie ist das z.B. mit an Epilepsie Erkrankten in der Psychiatrie? Oder an Mitarbeitern mit Asthma? Die sind doch auch schnell kurzatmig in Belastungssituationen, oder? Letztendlich muss man sich doch auch fragen, was ist das für ein Team, das mit Mitarbeitern, die erkrankt waren so umgeht, dass speziell bei diesen auf jeden Fehler geachtet wird? Machen wir nicht alle Fehler?

Soweit erst einmal von mir.

Herzliche Grüße

Thomas
 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Wieso müssen die Fragen immer so lang sein? Ich verstehe das nicht. Liest sich doch keiner durch.
Aber ich komme morgen wieder und lese Teetrinkerins Frage durch.
klar, am besten gar keine infos - weil ist ja angenehmer zu lesen - und wirklich nur noch die kernfrage, damit sich die, die lieber hintergrundinfos hätten, um vernünftig antworten zu können, gleich die antwort sparen können.
 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Wir haben doch in der Pflege dass grundsätzliche Problem, dass es keine Konzepte für MitarbeiterInnen gibt, die nicht mehr voll belastbar sind. Hier gibt es gnadenlose Ausschlussverfahren nicht nur von Seiten der lieben KollegInnen. Ich habe erlebt, dass selbst bei der Wiedereingliederung von Krebskranken gemobbt wurde.
Gleichzeitig wird gerne propagiert, das wir auch ältere, und damit potentiell leistungsschwächere Pflegekräfte bis 67 in der Pflege halten wollen. Das passt alles nicht so recht zusammen.
Ohne entsprechende Konzepte werden aber KollegInnen mit Einschränkungen nicht integriebar sein. Die Leistungsverdichtung ist dafür einfach zu hoch. Auch die "gesunden" KollegInnen arbeiten am Limit.
 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

unser kernproblem ist nicht, dass es für überlastete MA keine konzepte gibt, sondern vielmehr, dass es arbeitsstrukturen und mechanismen gibt, die in einer solch absurden zahl zu überforderung und überbelastung führen.
 
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thorstein

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Da würde ich gar nicht widersprechen. Verbunden mit den ensprechenden Kosten, die man sich bei besseren Personalschlüsseln ja einsparen könnte. Aber solche Berechnungen werden bei uns ja leider nicht angestellt.
Es kann ja zum Beipiel kein Zufall sein, dass die Burn-Out-Rate in Ländern wie Holland oder Norwegen deutlich geringer ist als bei uns.
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=bornout pflege europa&source=web&cd=1&sqi=2&ved=0CDQQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.baua.de%2Fde%2FPublikationen%2FUebersetzungen%2FUe15.pdf%3F__blob%3DpublicationFile%26v%3D6&ei=kIwVT8qCEMiRswacgNUi&usg=AFQjCNFTpz1Pgh0qkE8vSt15JkGJkvZ6dA&cad=rja


 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Es kann ja zum Beipiel kein Zufall sein, dass die Burn-Out-Rate in Ländern wie Holland oder Norwegen deutlich geringer ist als bei uns.
Welche Burn- Out- Prophylaxe in diesen Ländern betrieben wird, kann ich nicht sagen, aber man muss immer das Gesamt- Paket der Länder beleuchten.

Bespiel Schweden: hier gibt es für Alle ( 97%) eine staatliche Renten- Zusatz- Versicherung, somit viel weniger Angst vor Altersarmut.
Beispiel Norwegen: ist ein reiches Land, dass von den Vereinten Nationen als ein Land mit den besten Entwicklungsproblemen bezeichnet wurde, das hier die Zufriedenheit größer ist, ist doch auch klar.

die man sich bei besseren Personalschlüsseln ja einsparen
Hier hast Du recht, es währe ein Schlüssel. für das Große Rad.
Leider nicht das Heilmittel, den wenn wir morgen die doppelte Anzahl von Mitarbeitern hätten, dann würden diese wieder Störfaktoren entwickeln.( Selbstbeschäftigung, oder die Frage nach der Auslastung)
P.S. eigentllich gehen wir gerade von der Eingangsfrage weg, sollten dahin zurückgehen.
 
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Eisenbarth

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

selbstbeschäftigung?!?
 
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gsagkk

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Na gut, ich versuchs kurz:

Kann eine Pflegefachkraft die an einer Depression erkrankt ist, überhaupt in der Pflege arbeiten und sollte sie sich outen oder lieber nicht. (grins)

Besser so?

Hallo Teetrinkerin,

nun hast du deine Frage schön klein gemacht, aber die Antworten werfen bestimmt viele neue Fragen auf!

generell gelten Depressionen als heilbar!

Wie bei vielen anderen Erkrankungen gilt auch hier, wer die Ursache beseitigen kann hat ein geringeres Risiko erneut zu erkranken!

Welche Risiken gibt es denn in der Pflege, die Depressionen begünstigen?
ich versuche mal einige auf zu zählen:
- Wechselschicht
- hohes Maß an Belastung, Verantwortung
- Risiko ausgebeutet zu werden
- der permanente Umgang mit dem Elend Anderer im Allgemeinen mit der Erkenntnis sehr machtlos zu sein
- moralische Bedenken (z.B. wie verhalte ich mich wenn ich Missstände erkenne)
- Die Hackordnung im öffentlichen Dienst incl. daraus resultierendem Mobbing
-ggf. fehlende Mitsprache bei Entscheidungen
-die Erwartungshaltung der Pat und deren Angehörigen
- zu kurze Erholungsphasen
- häufig arbeiten müssen wenn Familie/Freunde frei haben

es gibt bestimmt noch viel mehr, aber hier ist schon zu erkennen, dass es im wesentlichen psychische Belastungen in diesem Beruf sind. Einerseits ist es möglich den Umgang mit solchen Belastungen zu erlernen, andererseits machen diese Belastungen sehr mürbe!

Ob ein an Depressionen erkrankter also in der Pflege arbeiten sollte hängt von der Qualität der Psychotherapie ab.

Der Job ist hart und kann krank machen, oft bedeutet das Beseitigen der Ursache einen Berufswechsel!!!!!

Es gibt Studien über die Verweildauer von examinierten Pflegekräften im erlernten Beruf, wonach etwa 20 % nach 5 Jahren den Job noch ausüben!
 
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Stripping

AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Es gibt Studien über die Verweildauer von examinierten Pflegekräften im erlernten Beruf, wonach etwa 20 % nach 5 Jahren den Job noch ausüben!
DAS ist aber interessant. Ich halte das für ganz schön viel. Kannst du Quellen angeben? Mich würde es sehr interessieren.
Mit den derzeitigen Bedingungen in der AP (hauptsache "satt & sauber"), bin ich soweit eigentlich auch durch, aber nicht bedingt durch einer Depression.

Meiner Meinung nach könnte man depressiven Kollegen helfen, sich im Beruf wohlzufühlen. In der AP werden Ressourcen von MA leider nicht immer korrekt eingeschätzt. Es ist wichtig, dort zu funktionieren, egal WIE man es tut, WENN man es tut ist man "gut". :cry: Bevor jemand völlig aus der Pflegelandschaft verschwindet, könnte man sich doch auf solchen Kollegen mit gewissen Einschränkungen einlassen. Selbst wenn dieser nicht als MA zur Verfügung stehen würde, er wäre für Zeiten sehr nützlich, in denen er der Anforderung gewachsen sein könnte. Leider ist DE ein Land, indem man sich zwar nicht für körperliche, aber für geistige Gebrechen schämen muß. Schade! Wenn ein Kollege bei Zust. n. Bandscheiben OP stundenweise arbeiten kann, dann sehe ich es für einen depressiven MA auch nicht anders.
Meine Meinung
 
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Praktikant2011

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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Hallo,

Eigentlich wollte ich gestern schon zu dem Thema meine Erfahrungen preisgeben, musste allerdings erst freigeschaltet werden.
Ich selbst hab nach Abitur, Bundeswehrzeit und falscher Studienwahl einen kplt. Zusammenbruch gehabt, und bin dann nach und nach den Weg eines Patienten mit Depressionen, bzw. Burnouts gegangen, welche unter anderem einen längeren (11 Wochen) Aufenthalt in psychosomatischer Klinik, verfrühter Hoffnung in die eigene Leistungsfähigkeit nach diesem und dann endlich zweijähriger Langzeittherapie und Wiedergewinnung der Leistungsfähigkeit beinhaltete.
Der ganze Weg hat ca. 4,5 Jahre gedauert und ich hab in dieser Zeit neue Wege für mein Leben sowie für die berufliche Laufbahn gesucht und bin dann glücklicherweise in ein Pflegepraktium in ein Krankenhaus gekommen, da ich dieses brauchte für eine der zig Bewerbungen, bzw. durch eine Initiativbewerbung in einer Pflegeschule. Ich bin durchaus offen mit meiner Krankheit umgegangen und hab meinen erfolgreichen Therapieverlauf eigentlich als Beispiel für Ausdauer und Durchhaltefähigkeit angesehen und meinte, das dieses auch honoriert werden würde.
Bei der ersten Bewerbung sagte man mir noch, dass ich nur meine Therapie beenden und eben jenes Praktikum absolvieren solle und mich dann anschliessend erneut vorzustellen. Im Laufe des Praktiums wurden meine Leistunge durchaus positiv bewertet und man legte mir in der zweiten Woche nahe, mich auch in dem Hause zu bewerben, da ich "wie ein Pflegeschüler im 2. Ausbildungsjahr" schon zu gebrauchen sei und stets willig und motiviert war. Ich reichte somit meine Bewerbung ein und wurde trotz guter Leistungen im Auswahlverfahren, eben wegen dem "Lebenslauf" nicht genommen, nach zwei Tagen hatte ich meine schriftliche Absage, obwohl es hieß, dass die Nachricht ob man genommen wird oder nicht im Laufe von 5-9 Tagen ankommen wird.

Gut dachte ich mir, ich habe ja noch die Bewerbung in der anderen Pflegeschule, die auf mich wartete. Nach Abschluss des Praktikums und der Therapie war ich dann zum zweiten Male vorstellig, die Erwartungen waren groß, zumal man mit meinen Leistungen "sehr zufrieden war", die ich im Test 6 Monate zuvor ablieferte. Das ganze Gespräch dauerte dann fast zwei Stunden in denen man mir eigentlich nur jegliche Fähigkeiten sowie Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit absprach, man rechnete wohl nicht damit, dass ich gesunden könnte und das Praktikum "durchhalten" würde - Schwill Schwall Gummiball - man gab mir eine Absage.

Frustriert wie ich war, überlegte ich wie ich weiter vorgehen könnte. Eine Freundin von mir ist Ärztin im Heimatort und riet mir, meine Geschichte für mich zu behalten und diese sozusagen mit Neuorientierung, Ausbildungssuche und Nebenjobs "auszuschmücken" und mich in ihrem Hause zu bewerben. Gesagt, getan und die PDL hatte meine Bewerbung durch sie in die Hände bekommen und kurz überflogen..."Wenn der den Job nicht bekommt... so wisse man auch nicht", hieß es. Also freute ich mich sehr auf das nächste Vorstellungsgespräch und den "Test". Wie erwartet, war alles einfach und es machte auch eine Menge Freude, ich knüpfte abermals schnell Kontakte und man versuchte mich schon in zukünftige Wohngemeinschaften zu integrieren :) ...
Nun, dann war das Abschlussgespräch und man sagte mir, dass ich mit den schlechten Erfahrungen bei der Bundeswehr und der Studienwahl lieber erst einmal eine Therapie machen sollte, "da man das nicht so einfach verarbeiten könne, sowas Schlimmes kann man nicht so einfach wegstecken", "ich könnte mich danach ja mal wieder melden!", ich war verdutzt, meine Freundin war sauer und verwirrt...
Nun, es wurden dann lieber 17-jährige Schüler genommen, deren Noten noch nicht ausreichend waren und die noch kein Praktikum hatten.

Schon witzig, man entschliesst sich also eine Therapie zu machen und wird deswegen nicht genommen, Stichwort Vulnerabilität, zeigt man den "Starken Mann", dann heißt es - man sollte eine Therapie machen und wird deswegen nicht genommen.

Wie gesagt, ich bin gesund geschrieben und fühle mich auch so, ich erlernte eine Menge Tools und auch erfuhr sehr viel über mich und meine Grenzen in dieser Zeit, sodass ich denke ein neuer Mensch zu sein, der sicher mehr auf sich achtet als so manch "Untherapierter", was allerdings meine Erfahrungen mir offenbaren ist, dass die Leute in der Medizin wohl selbst nicht an positive Heilungschancen und Aussichten glauben.
Zu meinem Praktikum muss ich sagen, dass ich jeden Tag versuchte an Grenzen zu gelangen, ich wollte halt schauen, ob ich belastbar bin und habe in Absprache mit Clusterleitung und Stationsleitung sogar Nachtschicht und Wechselschicht gemacht, arbeitete im Wechsel in der Notaufnahme und auf Station - wo gerade Bedarf war und bin früher gekommen und später gegangen. Ich hatte sogar Fürsprecher, die bereit waren, als Ansprechpersonen zu dienen, falls man an meiner Leistungsfähigkeit zweifelt.

Zu meiner momentanen Situation in gesundheitlicher Hinsicht, muss ich sagen, dass ich seit ca. einem Jahr keine depressive Episode mehr hatte, trotz dieser Erfahrungen, ich denke, es wäre schon für "Normalos" enorm niederschlagend, solche Resonanz zu erhalten und gerade weil man diese Krankheit hat, muss man alles doppelt so gut machen - sonst wird man nicht akzeptiert.

Der Hohn ist, dass ich ohne Problem sofort ins Medizinstudium könnte, das muss man sich mal vorstellen, aber keinen Fuss in die Pflege bekomme.

Vermutlich ist es natürlich anders, wenn wie bereits geschrieben die "Trigger" in der Arbeit selbst liegen, doch bei mir lag es nun mal in der Vergangenheit und ich bekomm einfach keine Chance.


Sorry noch einmal für den langen Text, doch ich denke, das ist vermutlich auch mal interessant zu lesen, wie ein Betroffener selbst darüber denkt.
 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Hallo Du!

Oh mensch, da hast Du ja einiges durchgemacht!

So insgesamt finde ich es sehr verwunderlich, das Du auf breiter Front und mit Krankheitsangabe genauso wie ohne abgelehnt wirst.

Evtl. (wenn Du den Job WIRKLICH machen willst) lohnt es da, seinen Bewerbungsrahmen zu erweitern und gegebenenfalls einen Ort weiterzuziehen für die Ausbildungszeit.

---------

Meine Einstellung zu der Sache 'Angabe von Krankheiten (wie Depression oder auch andere)':

Eher grundsätzlich NEIN.

Es gibt ausreichend viele und vielfältig Vorbelastete im Pflegeberuf - auch oft erst über die Jahre in entsprechenden Mühlen entwickelt. Ob Du über Suchterkrankungen, Depressionen oder noch einiges andere mehr gehst ... die Zahl der Betroffenen ist immens.

Was bringt es Dir jetzt, Deine Erkrankung anzugeben? ... Und was steht dabei als Gefahr immer auf dem Spiel?

Letztlich: Machst Du Dich als einziger angreifbar, weil Du Deine Schwäche offen vor Dir her trägst (neben Tausenden, die das nicht tun ... und von denen es dann noch Kandidaten gibt die gerne mittreten, wenn es gegen Dich und Deine achso objektiv abgrenzbaren Defizite geht).

Ein bisschen bluna sind wir alle - viele Deiner Mitkollegen sagen nichts über ihre Diagnoseneigung ... viele raffen auch nicht einmal, dass sie selbst betroffen sind.

Das Risiko, aufgrund Deiner Ehrlichkeit ausgesondert oder später einmal wieder in Schubladendenken runterqualifiziert zu werden, ist einfach zu gross als dass es lohnen würde, es auf sich zu nehmen.

Anders sieht es aus, wenn Du Dir eine Position der relativen Unangreifbarkeit erarbeitet hast.

GENAU DIESE LEUTE braucht es dann unbedingt auch wieder, die offen und ehrlich zu ihren 'Defiziten' (vordergründig solche!) stehen und dann sagen können:

"Sodala! So schaut's bei mir aus - und ?! Trotzdem mache ich gute Arbeit! Im Menschlichen teils erst 'gerade deshalb'! Und? Du willst mir was? Ok, dann komm und wir setzen uns hin und damit auseinander ... erwarte aber nicht, dass ich dabei Deine Anamnese auslassen werde oder Dich selbst in Punkten schonen, in denen ich Offenheit vorantrage! ...." etc. ...

Diese Position hast Du aber nicht, wenn Du Dich als Azubi bewirbst.

Wirst Du Deinen Weg gehen wollen, machst Du das und kannst später einmal so vorgehen - und damit sicher auch vielen anderen helfen, die in ähnlicher Lage stecken, wie Du gerade.

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Zum Thema 'Schaffen in der Pflege mit psychischen Vorbelastungen' lässt sich sicher auch einiges sagen.

Da Du aber ausreichend Praktika hinter Dir zu haben scheinst, wirst Du wissen, was auf Dich zukommt.
Wenn Du bei Dir im stillen Kämmerlein abmachst: "Dennoch, das is der Job, der mich zumindest in Teilen begeistert und den ich mir und meiner Psyche zumuten will." --> dann geht halt wie immer nichts über Probieren und Machen ... halt evtl. bei anderen Aubildungsstätten ohne Deine Angabe der Erkrankung.

(Dabei muss auch gesagt werden, dass selbst eben sehr verantwortungsbeswusst entscheidende Krankenpflegeschulen teils in der Pflicht sind, Leuten abzuraten, für die sie in den Tretmühlen der Ausbildungsverhältnisse, wie sie in Deutschland leider noch immer überall anzufinden sind, eher Gefahren für sie selbst sehen. Auch das kann tatsächlich ein wohl gemeinter Grund der Ausmusterung gewesen sein. Aber da kann man manchen Entscheidern nur vor den Kopf gucken.)

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Der Hohn ist, dass ich ohne Problem sofort ins Medizinstudium könnte, das muss man sich mal vorstellen, aber keinen Fuss in die Pflege bekomme.
Hmmmm ... auch das kann allerdings an manchen Schulen negativ ankommen.
Auch Pflegeabteilungen sind Horte der Missgunst und Niedertracht unter Kollegenschaft, nicht nur, aber allenorts erfahrbar wie in andere Jobs auch.
Du kannst also auch Ablehnung erfahren, weil man sich fragt, WARUM Du denn tatsächlich in die Pflege willst und nicht lieber Medizin studierst. Auch kann das in weiser Voraussicht geschehen, im Wissen darum, wie gern Kollegen/ Azubis mit anderen Qualifikationsprofilen unter manchen Wolfsrudeln gesehen werden.
Du könntest ja mehr Konkurrenz sein als andere ... Du könntest ja was besser wissen wollen als andere ... Du könntest Dich ja tatsächlich für was Besseres halten als andere ... etc.

Spreche da aus eigener Erfahrung, weil ich parallel zu meiner Krankenpflegeausbildung mein Abitur an der Abendschule gemacht habe - zu allem Überfluss noch mit 1,0 abgeschlossen (worauf ich nicht stolz bin - war mein zweiter Anlauf, an dem ich sehr viel Spass hatte, nachdem man mich früher mit 19 Jahren haushoch hat durchfliegen lassen an einer spiessigen Einfaltsdorfschule).
Du glaubst gar nicht, wie sehr so etwas störend sein kann im Azubi-verhältnis auf den Abteilungen, auch wenn man selbst das noch so wenig thematisiert wie möglich.

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Ende vom Lied:

Es kann viele Gründe geben, warum Dich diese 2-3 Schulen abgelehnt haben.

Ich würde mit alle 'Erkankungen'/'Diagnosen'/'Defiziten' soweit stillschweigen, wie es geht.
Und dann, wenn es Dein Weg sein soll: Dich an anderen Schulen bewerben (oder ganz dreist ein halbes Jahr später auch wieder bei denselben .... auch das kann unter Umständen Sinn machen, den es abzuwägen gilt) und Deine 3 Jahre durchziehen.
Irgendwer wird Dich nehmen.
(Ich hatte übriges auch ein paar Brüche im Lebenslauf und habe die Aubildung dann erst mit 24 Jahren begonnen)

Kopf hoch und besten Gruss, bei egal was Du dann jetzt machen wirst! :super:
 
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AW: Mit Depressionen in der Pflege arbeiten?

Hallo Praktikant2011

Sei Dir dessen sicher, Du hast nicht nur tausende von Sympatisanten, nein auch abertausende von Gleichgesinten. Würde man Persönlichkeitsmodelle zu Rate ziehen, dann würden die Pflegekräfte schon ein paar besondere Merkmale aufweisen.
Dein ehrlicher u. offener Umgang mit deiner Lebenskriese zeichnet dich nicht nur besonders aus, nein dieser Umstand wird dich auch zum Erfolg führen.

Ob die Vulnerabilitäts-Faktoren jemals wieder zum tragen kommen, kann kein Mensch prognostizieren, aber Du hast sie kennengelert u. somit die besten Frühwarnsymtome innerlich verankert.

Ich würde die ehrliche Form, bei weiteren Bewerbungen beibehalten, alle anderen Versuche würden bei einem Personaler doch Begehrllichkeiten wecken.( Auszeiten, sind schwer zu erklären.)

Vieleicht ist es auch mal sinnvoll, die Ängste der Arbeitgeber zu beleuchten, denn hier steht die Angst vor langen Krankheitsphasen,außendarstellung der Klinikmitarbeiter,Medikamentendiebstahl, biss zur Suizidalität sicherlich im Vordergrund.
Das diese sich möglichst vor Regress-Vorderungen schützen wollen, ist doch auch verständlich.

Die rechtliche Seite, über das verschweigen der Lebenskrise, sollte vieleicht auch mal mit einem Anwalt beleuchtet werden.

Ich würde versuchen, über ambulante Klinikkonzepte, Selbsthilfegruppen, Arbeitsagentur u. vieleicht über Mitarbeitervertretungen von großen Kliniken, an einen Ausbildungsplatz zu kommen.
Nur wenn Du viele Mitstreiter hast, wirs Du die Mauer der Angst schneller durchbrechen können.

Und natürlich wünsche ich Dir, dass Du einfach über deine Ausstrahlung, deine Mitmenschen überzeugst, die richtige Wahl getroffen zu haben.
Halte durch: die Sonne wird auch für Dich wieder scheinen.
 
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