Arbeitsrecht Minusstunden durch zu wenig geplante Zeit?

I

ichhabdamalnefrage

Hallo liebe Kollegen.

Ich arbeite nun seit ca 2 Jahren in der häuslichen Pflege. Ich bin auf 30h angestellt und habe mitlerweile knapp 100 Minusstunden angesammelt. Und zwar liegt es daran, dass die Dienste selbst so gut wie immer (ca 90%) einfach zu wenig verplante Minuten haben. Das wären im Spätdienst meist nur 250 statt der 360 Minuten. Oder im Frühdienst nur 300 statt der benötigten 360 Minuten.

Ich habe meinen Chef mehrmals darauf hingewiesen, dass er doch bitte die Dienstzeiten anders planen soll, da so gut wie jeder bei uns Minusstunden aufbaut.

Jetzt meine Frage dazu. Ich habe als Arbeitnehmer ja überhaupt keinen Einfluss darauf, wie viele Minuten ich täglich arbeite, da die Planung eben vom Chef übernommen wird. Wenn ich nun in ein paar Monaten kündige, darf mir mein Arbeitgeber die Minusstunden in Rechnung stellen (Lohnabzug, Urlaubstage verrechnen oä)?

danke für eure Hilfe.
 
PflegerPhil

PflegerPhil

Unterstützer/in
Basis-Konto
10
Köln
0
Hallo @ichhabdamalnefrage
Um deine Frage halbwegs konkret beantworten zu können müsste man Wissen, ob in deinem Betrieb ein Tarifvertrag gilt oder ob ihr einzelvertraglich das führen eines Arbeitszeitkontos vereinbart habt.
Grundsätzlich hat dein Arbeitgeber jedoch nicht das Recht euch jeden Monat weiter ins Minus zu planen. Durch den Arbeitvertrag erkauft sich der Arbeitgeber über (in deinem Fall) 30 Stunden pro Woche zu verfügen. Diese muss er in einem ebenfalls festgelegten Ausgleichszeitraum (wenn nichts anderes bestimmt ist über den Zeitraum des Diensplanes) verplanen. Wenn er die vertraglich angebotene Arbeitsleistung nicht abruft gerät er in einen sog. Annahmeverzug. Hierzu steht im BGB:

§ 293 Annahmeverzug
Der Gläubiger kommt in Verzug, wenn er die ihm angebotene Leistung nicht annimmt.

§ 615 Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko
Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein. Er muss sich jedoch den Wert desjenigen anrechnen lassen, was er infolge des Unterbleibens der Dienstleistung erspart oder durch anderweitige Verwendung seiner Dienste erwirbt oder zu erwerben böswillig unterlässt. Die Sätze 1 und 2 gelten entsprechend in den Fällen, in denen der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt.

Ich hoffe du wirst daraus schlau. Ansonsten empfehle ich dir mal den Besuch der Seite www.Schichtplanfibel.de

Solltest du Hilfe brauchen dein recht durchzusetzen oder weitergehende Beratung brauchen, nimm am besten Kontakt zu deiner Gewerkschaft auf. Fort kannst du dich auch rechtsverbindlich beraten lassen und deine Interessen vertreten lassen.

LG
PP
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Konservative Intensivstation
I

ichhabdamalnefrage

Danke für deine Antwort @PflegerPhil . Wir haben einen Tarifvertrag. Danke für deine Tips. Ich werde mal schauen, ob ich da was erreichen kann.
 
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.