Arbeitsrecht Minusstunden durch Krankheit?

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ellico

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05.01.2017
Bremen, Deutschland
Liebe Community,

ich arbeite seit 2 Jahren bei einem Pflegedienst mit 35 Stunden die Woche.

Ende November war ich für 4 Wochen das erste mal erkrankt und hatte eine AU.

Alle Mitarbeiter führen ein Zeitkonto, welches laut Vertrag ein Plus von 30 Stunden oder ein Minus von 10 Stunden aufweisen darf.

Mein Einsatzplan gestaltet sich so: Ich arbeite Montag und Dienstag je 5 Stunden in einer festen Tour. Die restlichen Tage, auch WE, bekomme ich Ende des Monats für den nächsten Monat von meiner Chefin zugewiesen, je nach Bedarf werde ich eingeplant sodass ich meine 35 Stunden erreiche.

Dieses mal gab es Ende November vor meiner Erkrankung noch keinen Dienstplan, als ich dann eröffnete dass ich ca. 4 Wochen ausfalle, wurde ich auch nirgends mit eingeplant.

Nun habe ich meine Stundenabrechnung gesehen für Dezember. Auf meinem Konto stehen 100 Minusstunden!

Es wurden nur die Montage und Dienstage mit je 5 Stunden "vergütet" alles andere mit "krank =0 stunden....

Ist das zulässig? Mein Arbeitsplan ist zwar recht frei gestaltet aber nur weil ich krank war und nicht geplant wurde, ist das jetzt mein Nachteil? Würden da nicht zumindest die durchschnittlichen Stunden die ich jede Woche arbeite vergütet werden?

Bin fix und fertig weil ich jetzt fast mit einem Monatsgehalt in den Miesen stehe!

DANKE für das Lesen und kommentieren!
 
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Sabine58

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03.05.2006
Uetersen
Hallo ellico,

was steht den in deinem Arbeitsvertrag? Wenn da 35 Stunde in der Woche steht, müssen diese auch bezahlt werden, wenn dein Dienstplan noch nicht fertig gestellt ist. Bei einem fertigen Dienstplan, das heißt, deine Sollstunden pro Monat, werden die geplanten Dienstzeiten bezahlt.

Ist das so verständlich
 
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Praxisanleiterin im Altenheim
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ellico

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05.01.2017
Bremen, Deutschland
Hallo Sabine58, danke für deine Antwort!

Also in meinem Arbeitsvertrag stehen 35 Stunde die Woche, die ich durchschnittlich auch an verschieden Tagen immer erreiche.

Nur der Montag und Dienstag sind immer mit je 5 Stunden geplant.
Diese wurden dann auch im Stundenkonto trotz AU berücksichtigt, nur da ich wann anders nicht geplant war, wurde da mit 0 gerechnet :/
 
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PflegerPhil

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16.02.2014
Köln
Das ist auf jeden Fall nicht rechtens.
Krank zählt wie gearbeitet. Wenn du un einem noch nicht geplanten Zeitraum AU bist, muss dein AG dir für den noch nicht geplanten Zeitraum die surchschbittliche Arbeitszeit anrechnen. Minus durch krank geht nicht.
Schau mal bei Minusstunden durch Krankheit? - Schichtplan-Fibel für Betroffene
Melde deinen Anspruch bei deinem Arbeitgeber an und wenn sie auf Stur stellen geh zum Anwalt bzw. zu deiner Gewerkschaft. Hier geht es immerhin um über 1000€ (hoffentlich bekommst du mehr als bur10€/h ) Schulden die dir dein AG andichten will.
 
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Krankenpfleger
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mysteha

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24.06.2012
Saarbrücken
0 Arbeitsstunden zu rechnen, wenn du krank bist, ist nicht legitim.
Wenn du 35 Std./Woche arbeiten sollst, dann hast du in einem Monat, in dem du krank bist
35 Arbeitsstunden je Arbeitswoche durch Krankheit abgeleistet.
Was nicht geht, ist im Krankenschein Überstunden aufzubauen.
 
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ellico

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05.01.2017
Bremen, Deutschland
Hallo an alle und danke für eure Antworten!
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir auch, dass das nicht rechtens ist. Zumal ich dieses in meinem gesamten Arbeitsleben noch nicht erlebt habe.

Meine Kollegin machte mich nun auf den nächsten Hammer aufmerksam:

Ende November erkrankte ich ja (Gürtelrose) und sagte meiner Chefin, dass ich erstmal zwei Wochen ausfalle und danach weitersehe. Meine erste AU ging 2 Wochen lang.
Da ja absehbar war dass ich im Dezemver erstmal nicht einsetzbar war, hat meine Chefin mich vorab für den ganzen Dezember als "frei" eingetragen
Ich habe mir ja nicht ausgesucht, frei zu haben! Wäre ich nicht erkrankt hätte ich meine 35 Stunden gearbeitet!

Meine Kollegin meinte nun dass "geplant frei" bedeutet, dass ich auch bei Krankheit 0 Stunden berechnet bekomme, da ich ja eh nicht geplant war!
Ich bin gerade wirklich verzweifelt! Dann hätte meine Chefin es ja so manipuliert als hätte ich eh frei gehabt und daher Pech, nur um sich der Lohnfortzahlung zu entziehen?
Habe ich bei diesem "Witz von einem Dienstplan" überhaupt noch die Grundlage das alles zu bemängeln? :(
 
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Pflegedienst
Christian Kröhl

Christian Kröhl

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25.06.2000
Da ja absehbar war dass ich im Dezemver erstmal nicht einsetzbar war, hat meine Chefin mich vorab für den ganzen Dezember als "frei" eingetragen
Hallo ellico,

das ist nicht nur ein klarer Verstoss gegen das Entgeltfortzahlungsgesetz und dessen normativen Bestimmungen, sondern gleichfalls eine Dokumentenfälschung und - wenn Dein AG das auch so, also mit 0 Stunden abrechnet - Betrug (Du bist die Geschädigte) und insbesondere Sozialversicherungsbetrug (fehlende Zahlungen an die Kranken- & Rentenkasse).

Weise Deinen AG schriftlich darauf hin, dass - sofern der Dienstplan nicht bereits in einer vorhergehenden Version bestand, in dem Du mit Diensten geplant warst (und dann auch für jeden ehemals geplanten Dienst die volle Stundenanzahl berechnet bekommen musst) - für jeden Deiner Krankheitstage die durchschnittliche Stundenanzahl der letzten 3 Monate berechnet werden muss. Grundlage ist §3 des EntgFG - Einzelnorm .

Viele Grüße,
Christian.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
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johannes2017

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Als AG kann ich Dir sagen: Krank wird wie Arbeit behandelt! Genau so wie Urlaub. Damit hat Krank keinerlei Auswirkungen auf die Entlohnung. Es ist sogar so, dass systematisch geplante Dienste an So/F-Tagen und N mit den entsprechenden Zulagen in der Ausfallzeit vergütet werden müssen.
 
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Frank Vilsmeier

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Hallo ellico,
Im geschriebenen Dienstplan wird eine AU nach den darin geplanten Diensten abgerechnet. Diese sind im Voraus festzulegen und nach Veröffentlichung verbindlich. Dann hat der AG sein weiteres Weisungsrecht verwirkt und kann Änderungen nur in Absprache bzw. Frühzeitiger Ankündigung einer Änderung mit Begründung der Notwendigkeit vollziehen. Platzhalter im Dienstplan, ohne eine Stundenangabe zur freien Verfügung des Arbeitgebers sind nicht legitim. Sollte die Einsatzzeit variabel sein, muss mindestens der erwartete Stundenumfang mit einem entsprechenden Kürzel eingetragen sein.

In einem nicht verabschiedeten Dienstplan ist eine AU mit unbekannter Dauer als „Krank im Vorplan“ mit der durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit zu hinterlegen. Damit wird eine willkürliche Schlechterstellung in der Stundenrechnung ausgeschlossen. Eine Aufschlagsberecjnung für entgangene unständige Bezüge/Zuschläge ist meist nur in Tarifverträgen vorgesehen - ich hoffe, dass Dein AG an einem Tarifvertrag gebunden ist. Darin findest Du auch für die Einsatzplanung geltende Regelungen.

Wie bereits angemerkt, ist eine schriftliche Aufforderung zur rechtmäßigen Dienstplanung an den AG erforderlich. Sollte er sich nicht darauf einlassen, ist es nicht wert, für ihn zu arbeiten. Dann hilft nur die Klage gegen ihn und eine Kündigung erhobenen Hauptes. Es gibt genug rechtschaffener Arbeitgeber, die Dich händeringend suchen und beschäftigen würden.
 
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Pflegedienstleitung
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johannes2017

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Die Sozialversicherung sieht das mit den Zuschlägen allerdings anders. Bei den seit diesem Jahr stattfindenden Betriebsprüfungen (alle 4 Jahre) haben die Prüfer genau diese Zuschläge für Ausfallzeiten (Krank, Urlaub) ins Auge genommen. Für nach mehreren Gerichtsurteilen zustehende Zuschläge während Ausfallzeiten sind Sozialversicherungsbeiträge zu leisten und - sobald das Finanzamt die Prüfberichte der SV in die Hände bekommt auch Steuern. Diese werden dann, wenn nicht geschehen, nachberechnet. Das kann dann ganz schön ins Geld gehen und so manchen AG in die Kniee zwingen. Wo die SV und Finanzamt Forderungen stellen, stehen die entsprechenden Gelder natürlich auch den Versicherten zu. Sollte man vielleicht mal drüber nachdenken. Die SV macht allerdings keinen Unterschied zwischen Tarifverträgen und freien Vergütungsvereinbarungen.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
stationär
F

Frank Vilsmeier

Neues Mitglied
Basis-Konto
Dass auf diese Bezüge Steuern und Sozialabgaben fällig werden ist klar. Es sind ja keine tatsächlich erbrachten Leistungen im Rahmen steuerfreier Zushalgszeiten angefallen. Wir verrechnen diese Zuschläge monatlich mit der Gehaltsabrechnung auf die Urlaubs- und krankheitsbedingten Fehlzeiten, so dass die AG/AN Abgaben gleich mitberechnet sind.
 
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Pflegedienstleitung
Exenmeister

Exenmeister

Mitglied
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Liebe Kollegen,
es gibt schon einfallsreiche Arbeitgeber die die unwissendheit von MItarbbeitern gerne ausnutzen. Der Dumme ist doch immer der Arbeitnehmer.

In meinem Fall ist das auch Ähnlich. Ich war vom 01.11.2017 bis Anfang September Dauernachtwache. Meine Arbeitszeit beträgt i.d.R. 32 Stunden pro Woche. Soviel zur Theorie.
Lt Vertrag muss ich an 5 Tagen in der Woche eine Arbeotszeit von 6,4 Stunden täglich Nachweisen. Als Dauernachtwache geht der Dienst jedoch 8,5 Stunden.

Im August 2018 hatte ich einen Arbeitsunfall. Ich war 2 Wochen krank. In diesen 2 Wochen hätte ich an 11 Nächten eigentlich Dienst gehabt. Jetzt kommtz das Kuriose:
11x Nachtdienst à 8,5 Stunden = 93,5 Stunden lait Dienstplan geplant
11x Krank mit AU à 6,4 Stunden = 70,4 Stunden

93,5 - 70,4 = -23,1 Stunden

Ich habe während meiner Krankheit mit AU trotzdem -23,1 Stunden Minus gemacht. Ich wundere mich etwas, da der Dienst eigentlich 8,5 Stunden geht.

So liebe Kollegen was mein ihr dazu?
 
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Pflegeroboter
Fachgebiet
Pflege im Waschstraßenmanie
Weiterbildungen
Bildzeitung
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lulli00

Aktives Mitglied
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17.02.2016
Wien
Wenn ein DP besteht und du AU bist. Gibt die AU wie als Gearbeitet, außer es steht etwas anderes in deinem Vertrag.

Ich kenne es nur so: war ich mit Nacht von 9,5h geplant und werde krank, bekomme ich auch 9,5h bezahlt. War der DP noch nicht fertig z.B. ich falle länger aus, so gilt der Tag/ Woche/ Monat +- Null.
 
Qualifikation
Pflege
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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