Arbeitsrecht Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

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mupsi

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04.08.2012
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Hallo zusammen,
ich benötige Euren Rat.
Ein potenzieller AG hat mir einen Vertrag vorgelegt. Das Unternhmen begründet sich gerade neu. Ich soll dort laut AG eine leitende Position übernehmen, die sehr verantwortungvoll ist und die ich auch gern hätte.
Es gibt eine Klausel im AV, die besagt, dass wenn das Unternehmen aus irgendwelchen Gründen später zugelassen oder gar nicht zugelassen wird, auch kein Einstellung erfolgt. Im Klartext: Wenn ich den Vertrag unterschreibe, kündige und ide Sache wird nix, habe ich das Nachsehen.
So eine Klausel habe ich noch nie gesehen.
Soweit ich weiß, ist Vertrag eben Vertrag und das unternehmerische Riskiko des Arbeitgebers. Wenn ich unterschreibe und er hat zu Vertragsbeginn keine Arbeit für mich, muss er trotzdem zahlen, oder?
Mir scheint diese Klausel sittenwidrig und ich traue mich ehrlich gesagt nicht, mich darauf einzulassen. Ohne meinen AV kann der Unternehmer aber nicht gründen.
Ist da vielleicht was faul oder ist der Inhaber nur etwas übervorsichtig?
Danke Mupsi
 
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SchwesterWolfgang

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AW: Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

. . . Du siehst das schon ganz richtig! Das ist Abwälzen des unternehmerischen Risikos auf die Angestellte. Anders wäre es, wenn dann in der Folge auch eine prozentuale Gewinnbeteiligung zugesichert wäre. Dann könnte man sich eventuell überlegen, falls man den Mut hat, im widrigen Fall eine gewisse Zeit für Luft und gute Worte zu arbeiten . . .
 
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AW: Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

Hast du denn die Ausbildung für eine leitende Position? Komische Sache, würde ich so nicht machen, nachher stehst du da und bist arbeitslos...
 
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mupsi

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04.08.2012
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AW: Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

Ja, ich habe entsprechende Qualifikationen und auch Erfahrung.
Mit dem AG habe ich nochmals Kontakt aufgenommen. Bezüglich des Vertragsentwurfes habe ich nachgeforscht. Laut AG ist der Vertragsentwurf eine Vorlage einer renommierten Quelle, die sich nicht abändern ließe (... sehr unglaubwürdig). Parallel dazu habe ich mir von dieser renommierten Quelle den Vertragsentwurf besorgt. Wie erwartet, gibt es den Passus in dieser Vorlage nicht und sie lässt sich auch mühelos verändern. Hätte ja auch sonst als Vorlage für AG keinen Wert.
Zusätzlich bestätigte mir die besagte (seriöse) Quelle auch, dass dieser Passus nicht aus ihrer Hand stammt und sie sich dergleichen auch nicht erlauben würde. Die Urheber des Vertragsentwurfes waren auch nicht gerade begeistert davon, dass man solche Vertragsentwürfe in ihrem Namen Arbeitnehmern vorlegt.
Den Vertrag habe ich arbeitsrechtlich überprüfen lassen. Laut Prüfer ist dieser Vertag daruf angelegt, mich jederzeit - auch vor Arbeitsbeginn - wieder hinauskicken zu können. Der AG will sich, so scheint es, alle Türchen offenhalten. So läuft es aber nicht! Ein AV macht dem Arbeitnehmer Hoffnung auf eine Anstellung. Hierfür muss er ja die soziale Sicherheit einer anderen Einstellung aufgeben. Ein AG kann nicht sagen "Kündige mal für mich, sichere meine Gründunginteressen, halte deine Arbeitskarft bereit, aber wenns dann doch nicht klappt, Pech für dich." Die Einstellung von Personal ist das unternehmerische Risiko des AG und er kann sich mit keinem selbstgestrickten Gesetz aus der sozialen Verantwortung herauswinden. Daneben ist er durch die Klausel sittenwidrig und weckt rechtlich den Eindruck einer vorsätzlichen Betrugsabsicht. Dieser Arbeitsvetrag würde keiner arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung standhalten. Durch eine eine andere Angabe im AV, die sich sich als definitiv falsch erwiesen hat, könnte ich den Herrn jetzt schon wegen Betrugs belangen. Mache ich jetzt nicht, ich bin der Ansicht, das sich das Böse immer selbst vernichtet.
Man hat mir geraten, den potenziellen AG damit zu konfrontieren. Da der AG mir bisher wohl nicht die ganze Wahrheit sagte, wird er dies wohl auch im Folgenden nicht tun.
Somit ist wohl der Traum von der beruflichen Verbesserung erst einmal vorbei. Schade!
Ich kann Euch nur Eines raten - Augen auf bei neuen Verträgen. Die Pflege entwickelt sich zum lukrativen Markt und viele Leute wittern das große Geschäft. Profitgeile und unseriöse AG sind auf dem Vormarsch.
 
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nofretete

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01983
AW: Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

Auf einer Art kann ichs ja verstehen, von was wollen sie denn Geld zahlen, wenn keins reinkommt? Aber trotzdem ich habe irgendwie immer gedacht, wenn ich mich selbständig mache, dann kann ich erst jemanden anstellen, wenn ich was verdiene und jemanden zusätzlich bezahlen kann.
 
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AW: Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

. . . Zitat: "ich bin der Ansicht, das sich das Böse immer selbst vernichtet." - dieser Ansicht bin ich nicht ganz. Die Erfahrung zeigt, dass man da schon nachhelfen muss. Und das hast Du ja schon getan, indem Du den Urheber des Vertrages informiert hast, dass da jemand unter seinem Namen Unsinn verzapft. Du hast auch ein weiteres getan, indem Du hier alle Mitleser informiert und gewarnt hast. Mehr kannst Du aus meiner Sich auch nicht tun, denn es ist ja nichts passiert. Du hast ein unseriöses Angebot bekommen und bist nicht darauf eingegangen . . .

P.S.: nofretete, genau so, wie von Dir geschildert, läuft das im Normalfall auch und ist darum die gesündeste Herangehensweise. Oder man ist 99%ig von seinem Vorhaben überzeugt und nimmt einen Existenzgründerkredit auf . . .
 
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AW: Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

na ja, wenn du einen AD aufmachen willst, musst du zu Beginn auch das entsprechende Personal haben, auch wenn noch kein einziger Kunde da ist und bezahlt werden wollen die auch. Dann hat man entweder mehrere 10 T auf dem Konto oder man nimmt einen Kredit auf...
 
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AW: Merkwürdige Klausel in Arbeitsvertrag

. . . seltsamerweise ist das jedem klar, der ein Ladengeschäft eröffnen will, denn der muss die Ladeneinrichtung, die laufenden Kosten der Geschäftsräume, den Lohn für die die Verkäufer/in sowie die georderte Ware bezahlen und hat entweder die Kohle auf dem Konto, oder muss einen Kredit aufnehmen.
Und dann hat man das Risiko: wird mein Laden angenommen, oder nicht.
Ein mir gut bekannter Ladeninhaber hat mir erzählt, dass man bei einer Neueröffnung rund 2 Jahre einplanen muss, ehe man eine Stammkundschaft aufgebaut hat und erst ab da kann man mit Gewinn rechnen. Die zwei Jahre arbeitet man nur umsonst und muss vom Ersparten leben.
Nur in der Pflege scheint dieser Möchtegern-Arbeitgeber zu meinen, dass man das Kostenrisiko mal eben so auf die Angestellten abwälzen könne und das noch mit unlauteren Mitteln (Fälschung des Arbeitsvertragsentwurfs) . . .
 
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