Arbeitsrecht Merkwürdige Arbeitszeiten

SchwesterWolfgang

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@ Lisy,
ist es nicht vermessen zu glauben, dass wir aus ein paar Zeilen Fragestellung und ohne juristische Ausbildung eine Frage "abschliessend" beantworten können? Sogar mit juristischem Studium wäre ich immer noch vorsichtig, denn auf hoher See und vor Gericht sind wir in Gottes Hand, wie die Juristen gern sagen. Nicht umsonst habe ich in einem langen Erkenntnisprozess lernen müssen, dass man in Deutschland kein Recht bekommt, sondern nur ein Urteil . . .
 
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Hein

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Hallo chriziko
ich versuche das jetzt auch mal zu verstehn
So wie Du das beschreibst arbeitet Deine Bekannte von 19:30 bis 9:30 morgens durch. Das sind nach meiner Rechnung 14 Stunden am Stück. Ich sehe das nicht so, dass diese Arbeitszeit Arbeitsrechtlich gedeckt ist. Es sei denn, dass ich Dich nicht richtig verstanden habe. Ich habe bewußt die Stunden in der Frühe 5:40 - 9:30 nicht berücksichtigt. Wenn gleich ich sagen muß um 5:40 anzufagen ist für sich gesehen schon hart.
Gruß
Hein:innocent:
 
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dieKathi

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Eine Bekannte, die in einem Pflegedienst arbeitet, hat recht merkwürdige Arbeitszeiten:

Tag 1: 5:40-9:30 und 19:30-9:30
Tag 2. nach Dienstschluss um 9:30 frei
Tag 3: 5:40-9:30

Das Ganze wiederholt sich pro Monat mehrmals.

Leider kenne ich ihren Tarifvertrag nicht (Betrieb ist dem Paritätischen angegliedert) und Das Arbeitszeitgesetz erlaubt ja jede Menge tarifvertraglich geregelter Ausnahmen, aber Tag- und Nachdienst an einem Tag, DAS kommt mir sehr seltsam vor. Die Frau ist schon total am Ende.

Kann mir jemand etwas dazu sagen?
Hallo chriziko,
ich habe dazu auch mal eine Frage:

Ist die Arbeitszeit von 19:30 - 9:30 wirkliche Arbeitszeit? Oder ist es vielleicht Bereitschaftszeit?

Du schreibst, dass sie in einem Pflegedienst arbeitet - kommt dort tatsächlich Nachtarbeit in diesem Umfang vor? (Wäre dann wohl 1:1 Betreuung eines Klienten, anders kann ich es mir grad nicht vorstellen.)

Ich frage u.a. deshalb, weil bei uns ähnliche Arbeitszeiten vorkommen, es handelt sich dabei aber zwischen 22:00 und 6:00 Uhr um Bereitschaftszeit, die also nicht voll auf die Arbeitszeit angerechnet wird.

Wenn es tatsächlich reine Arbeitszeit wäre, wäre die zulässige Höchststundenzahl tatsächlich überschritten, auch wenn eine entsprechend lange Pause (müsste sich um 1, mindestens eine 3/4 Std. handeln, wenn ich das richtig sehe) gemacht werden könnte. Es blieben dann immer noch 13 bzw. 13,25 Std. an reiner Arbeitszeit übrig und damit zu viele.

Aber auch wenn es sich um Bereitschaftszeit handelt kann ich mir gut vorstellen, dass deine Bekannte nach häufigen solcher Dienste ausgelaugt ist. Das ist schon sehr anstrengend.

Ich konnte jetzt aus Zeitmangel nicht alle Beiträge gründlich lesen: Ist deine Bekannte gewerkschaftlich organisiert? Dort kann man ihr mit Sicherheit gut raten und sie auch dabei unterstützen, dass die Arbeitszeiten dem geltenden Recht angepaßt werden.

Viele Grüße,
dieKathi
 
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ferdi

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Drei Seiten und was ist dabei herausgekommen.

Diese Arbeitszeit ist nach dem Arbeitszeitgesetz nicht vertretbar.
Mit der von mir gemachten Rechnung Tag 1 - 2 -3 kommt der Arbeitgeber nicht durch.

Wehrt euch.

ferdi
 
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nach Bedarf
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Sittichfreundin

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Hallo Lisy,
in der Fragestellung war von 14 Stunden Arbeitszeit die Rede und darauf wurde gepostet, nicht von Pausenzeiten, das ist richtig. Wir würden uns da auch arg auf das Feld der Vermutungen begeben, zumal der Fragesteller auch nicht für sich selbst, sondern für eine Bekannte gefragt hat. Allerdings hielte ich auch eine "nur" 14-stündige Anwesenheitszeit, also 10 Stunden Arbeit mit 4 Stunden Pause für sehr fragwürdig. Aber wie stets bei allen Foren kann eine hier gegebene Antwort keine ordentliche Rechtsberatung durch Anwalt oder Gewerkschaft ersetzen. Und der Gang zum Anwalt heißt ja erst mal nur, dass man sich rechtskundig macht und ein ordentlicher Fachanwalt für Arbeitsrecht (kein Winkeladvokat) wird seinen Mandanten stets auch erst mal eingehend zum Sachverhalt befragen und dann die Erfolgschancen erläutern. Und danach kann man immer noch überlegen, ob man sich mit seinem Arbeitgeber vor Gericht treffen will, oder lieber klein beigibt. Was ist also schlecht an dem Ratschlag, sich an einen Anwalt zu wenden? Das ist auf jeden Fall besser, als sich auf hier gepostete Ratschläge zu verlassen. Unsere Ratschläge und Meinungen können nur einen Denkanstoß bewirken, bzw. dem Fragesteller kundtun, dass allem Anschein nach hier gesetzliche Grundlagen nicht eingehalten werden. Oder ist bin ich da im Irrtum und ich befinde mich hier auf einer Rechtsberatungsseite - dann müsste ich mich schleunigst zurückziehen . . . ;-)
P.S.: Auch wenn es 14 Stunden mit "nur" 10 Stunden Arbeit und 4 Stunden Pause sein sollten, wäre immer noch zu prüfen (aber nicht von uns), ob da nicht seitens des Arbeitgebers bei der Bestimmung der Arbeitszeit und Lage der Pausen gegen das Gebot des "billigen Ermessens" nach BGB verstoßen wurde.
Wie schon geschrieben - eine ordentliche Einzelfallprüfung können wir hier nicht vornehmen . . .
Ich gebe Dir recht! Ich habe mich oben vertan - tausendmal sorry!
Nachtschicht von 19.30 bis 9.30 ist natürlich eine Verletzung des Arbeitszeitgesetzes, da die Höchstarbeitszeit von 10 Stunden weit überschritten ist! Lisy, wie willst Du da die Pause legen?
 
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Fachgebiet
Innere, Stroke Unit
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