Meine Sorge: Katholische Kliniken und Homosexualität

ciaobella

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Hallo zusammen!

Ich habe eine Sorge... vielleicht kann mir jemand weiter helfen:

Ich bin bald frisch examiniert und habe bereits eine Stelle in einer katholischen Klinik. Heute bekam ich meinen Vertrag, in dem stand "Die Parteien stimmen darin überein, dass ein Verstoß gegen Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre Grund für eine Kündigung sein kann."
Es ist so, dass ich homosexuell bin. Kann dies wirklich zu einer Kündigung führen???
Ich habe mir natürlich bereits vor meiner Bewerbung Gedanken darüber gemacht - schließlich dreht es sich hier um ein christliches Haus, aber ich habe vor einiger zeit einen Pfleger dieser Klinik kennengelernt, der schwul ist. (Nur leider war es nur eine kurze Bekanntschaft, sodass ich ihn nicht näher dazu fragen kann.)
Diese Klinik hat einen sehr sehr guten Ruf, ich habe auch schon bereits hospitiert... das Klima empfand ich als sehr angenehm... Aber, was ist mit meinem Arbeitgeber?
Mir ist einfach wichtig, dass nicht einfach so gekündigt werden kann, und außerdem, dass ich am Arbeitsplatz nicht versteckt leben muss (bezogen auf Kollegen, nicht Patienten).
:blushing:
Bedanke mich schon im voraus für eure Antworten!
Liebe Grüße
ciaobella
 
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ronja1

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Frag doch einfach nach, was dieser Satz zu bedeuten hat.
Aber ich könnte mir vorstellen, dass du mit deinen Befürchtungen richtig liegst.
Wenn du den Vertrag unterschreibst und es kommt heraus, dass du homosexuell bist, kann dir gekündigt werden, unter Umständen fristlos.
Kirchliche Betriebe haben Sonderregeln.
Ich bin nicht 100 prozentig sicher, deshalb frag lieber nach.
 
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Vaiolenz

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Hallo, ciaobella!
Es ist ein Trauerspiel: nach außen geben sich die Kirchen (evangelische wie auch katholische) zeitweilig doch recht offen und diskusionswürdig, nach innen hin modert es nach wie vor vor sich hin. Das sich die katholische Kirche weiterhin gegen Verhütung, gleichgeschlechtliche Ehe und die Ehe an sich von Pfarrern stark macht, spiegelt meines Erachtens sehr viel Inhumanität wieder. Für Jesus stand der Mensch im Mittelpunkt, ohne auf seinen Status, sein Ansehen und seine "Glaubensrichtung" zu schauen.
Die Diskiminierung von Menschen anderer Religion, Hautfarbe, anderer Zugehörigkeiten und anderer "Auffassungen" ist mir seit je her ein Dorn im Auge. In der Schule habe ich gelernt, das wir nur gemeinsam und als Ganzes existieren und agieren können. Das wir einander respektieren und uns nach Möglichkeit wertschätzen. "Die Würde des Menschen ist unantastbar". "Jeder Mensch darf nicht aufgrund seines Glaubens,........ verfolgt werden". So oder so ähnlich. Ich hab es irgendwo als Poster liegen.
Wir sollten einfach so etwas wie ein Papier zur Lage der Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen hearausbringen und hausübergreifend unterschreiben lassen und dann bei entsprechenden Stellen einreichen.
Das Pflegeheim, in dem ich arbeite, gehört auch der Kirche an und es arbeiten hier unter anderem auch Menschen, die einer ganz anderen Glaubensrichtung angehören.
Christ sein bedeutet für mich abschließend, christlich (=human) zu agieren, zu verstehen, zu lernen, zu akzeptieren, zu helfen, sich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen und sie so zu lassen, wie sie sind.
Die sexuelle Revolution ist ein paar Jahrzehnte alt, in den Köpfen existieren aber noch genügend Tabus und Vorbehalte.
Schwul sein? Ja, bitte!!! Jeder nach seiner Fasson!
Meinen Respekt an Dich, dass Du Dich geoutet hast.
Ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit und ein paar gute Tage zum Ausruhen, einen beachtlichen Rutsch ins neue Jahr.
Wir müssen, so oder so, alle etwas tun, damit kommende Generationen weniger Probleme haben. Wir sollten auf etwas stolz sein. Zum Beispiel auf uns selbst.
Bis dann,
Dein Jens.
 
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Altenpfleger, Pflegeexperte Wachkoma, PA, Hygiene
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Ich würde mich auf eine Fachweiterbildung in Palliative Care freuen. Und das schon seit nunmehr sechs Jahren. Ich pack das..........!
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Sittichfreundin

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Huhu,
also ich arbeite auch in einem katholischen Haus. Es kann sein, dass dies ein Problem ist, muß aber nicht. Das kommt ganz auf die Krankenhausleitung an. Manche sind da weniger eng.
Aber es ist leider schon richtig, grundsätzlich kann eine gelebte Homosexualität ein Kündigungsgrund sein, da es ein Loyalitätsverstoß gegen die Grundordnung der kath. Kirche ist. Aber nicht automatisch!
Eine Möglichkeit wäre, dass Du einfach mit offenen Karten spielst und Deine Neigung vorher bekanntgibst (ist ja keine Schande). Möglicherweise ist dies gar kein Hindernisgrund in Eurem Haus. Ich kenne Fälle, wo der Chefarzt mit einer jungen Schwester durchgebrannt ist und seine Frau verlassen hat, er hat aber seine Stelle noch. Wie gesagt, es kommt ganz auf die persönliche Ansicht der Krankenhausleitung an.
Aber wenn Du es vorher sagst, und bekommst die Stelle trotzdem, dann kann Dir hinterher keiner mehr was anhaben.
Ich wünsch Dir viel Glück!
 
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Vaiolenz

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Ich kann Sittichfreundin nur zustimmen: es gibt, Gott sei Dank, auch Ausnahmen. Und das ist auch gut so. Und Brigitte sitzt zudem als Mitarbeitervertreterin an der richtigen Stelle. Wir alle sollten uns fortbewegen können, dazu gehört selbtverständlich auch meine Einrichtung und der Träger dieser (gegebenenfalls). Eindimensionalität und Engstirnigkeit kann sich heutzutage keiner mehr leisten, eben auch kein Arbeitgeber. Sich öffnen bedeutet Fortschritt und Begegnung.
Ich wünsche ciaobella ebenfalls, das er eine Anstellung dort im KH finden wird. Und der Leitung wünsche ich die Einsicht, einen zukünftigen Kollegen, der nicht auf den Kopf gefallen ist, für sich gewinnen zu können, im besten Sinn für das bestehende und zukünftige Klientel.
Wir lesen uns,
Dein Jens.
 
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ciaobella

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Zunächst erst einmal vielen herzlichen Dank für eure Antworten!!!:thumbsup2:

Habe nochmal genau nachgeforscht... Es ist tatsächlich so, dass das AGG (allgmeine Gleichbehandlungsgesetz) bei christlichen Einrichtung bei einer Kündigung nicht zur Wirkung kommt. Kirchen haben Sonderrechte.

Es gibt eine gute Nachricht: Ich konnte über tausend Umwege Kontakt aufnehmen zu diesem Pfleger, der schwul ist und in dieser Einrichtung arbeitet. Er konnte mir mit wenigen Sätzen all meine Bedenken von mir nehmen. Er lebt dort offen, jeder weiß es, sogar die Ärzte und wahrscheinlich sogar auch die Pflegedirektorin, die eine Nonne ist. Er kennt auch viele Mitarbeiter, die anders sexuell Orientiert sind - niemand hat ein Problem, niemand wird gemobbt.... Darüber brauch ich mir nun wirklich keine Sorgen machen! sagte er.

Bin ich froh, dass ich seine Nr. herausgefunden habe....

Also schließe ich daraus, dass dieses katholische Klinikum eine Einrichtung ist, an denen viele sich ein Beispiel nehmen sollen. Ich bin glücklich, dass ich mich jetzt auf meine zukünftige Arbeitsstelle ohne Bedenken freuen kann!

Nochmals danke für eure Bemühungen, habt mir ebenfalls sehr viel weiter gebracht!!!

Wünsche allen wunderschöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue!!!! :thumbsup2:thumbsup2:eek:riginal:

Liebe Grüße
ciaobella

PS: Jens, auch dir besonders Danke für deine Worte! Und übrigens: ich bin eine Frau (kein Mann *lach*).
 
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Flashmob

Hey!
Das sind ja wunderbare Nachrichten! Dann wünsche ich Dir viel Spaß beim neuen Job!
 
theresa

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Bremen
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@ciaobella,
ich freue mich für dich und wünsche dir eine tolle Zeit in deinem neuen Job.
Theresa
 
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Blutsauger

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freu mich für Dich...einen guten Neustart!
 
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ciaobella

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Vielen Dank ihr Lieben!!!! ;))))))))
 
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@ciaobella: Sorry, das konnte ich ja nicht ahnen! Na, sowas passiert mir andauernd, bitte das, zu entschuldigen!
Liebe Grüße,
Dein Jens.
 
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Ich würde mich auf eine Fachweiterbildung in Palliative Care freuen. Und das schon seit nunmehr sechs Jahren. Ich pack das..........!
ciaobella

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No problem, Jens, du konntest es nicht wisse, wie auch? hab mich nur amüsiert :wink:
 
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Ellyrobby

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Ja, zum Glück gibt es auch ein paar fortschrittliche Nonnen, die mitten im Leben stehen. Leider gibt es auch die anderen. Habe jahrelang in jeden Lebenslauf geschrieben, 2 Kinder geschieden. Wäre nie auf die Idee gekommen deswegen diskriminiert zu werden. Arbeitete vor ein paar Jahren als Dauernachtwache im tiefsten Bayern in einem Heim des Bayrischen Roten Kreuzes. Nach einiger Zeit fiel mir auf, das fast alle Kolleginnen geschieden waren, auf der Station war überhaupt nur eine ältere Kollegin noch mit ihrem 1 Mann zusammen. Nun haben wir ja wohl in den neuen Bundesländern immer noch die höchsten Scheidungsraten, das war mir einfach zu viel und wie ich so bin, habe ich ganz einfach gefragt. Was ich da zu hören bekam, machte mich einfach fassungslos. Fast jede Kollegin hatte vorher in einem katholischen Heim gearbeitet und wurde nach der Scheidung so gemoppt, das sie freiwillig gegangen sind. Da hat eine Nonne alle so unter Druck gesetzt, das keiner sich mehr traute mit der Kollegin zu sprechen, wie soll man da arbeiten und wie fühlt man sich da. Anfangs dachten alle, das gibt sich, offiziell wurde ja auch nichts unternommen. Außerdem gibt es in der Ecke nicht viele anderen Möglichkeiten, aber das hält man nicht lange durch. Es ist schon ein Stück her und ich hoffe in den Köpfen hat sich inzwischen was geändert. Jedenfalls haben mir einige Beiträge hier Mut gemacht.
Gruß Elly
 
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Krankenschwester, Medizinprodukteberaterin
Fachgebiet
Mitteldeutschland
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Wundberaterin
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