Haftungsrecht Medikamentengabe und PEG

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ernie

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28.02.2006
12345
Hallo, ich bin Erzieherin in einem Wohnheim für geistig behinderte Erwachsene. Dort zählt es zu meinem Aufgabenbereich, ohne jegliche medizinische Grundkenntnisse, vom Arzt verordnete Medikamente zu stellen, zu vergeben und zu entscheiden, wann eine Bedarfsmedikation zu vergeben ist. Ist das rechtens ??
Zudem haben wir in der Gruppe eine Bewohnerin mit einer PEG, die ich auch versorge. Gezeigt wurde mir das von einer Pflegekraft 2 - 3 mal und nun soll ich in der Lage sein, so etwas adequat zu versorgen. Ich dachte immer, dafür bräuchte man eine spezielle Ausbildung ?
Ich bin für rasche Antworten dankbar, da es nicht nur mir ein Anliegen ist, die rechtlichen Hintergründe zu erfahren. Die Hiemleitung gab mir nämlich auf meine Fragen nur so Antworten wie "wir sind als Wohnheim in der Grauzone, da gibt es keine Gesetze zu" oder "wir haben doch die Unterschrift vom Arzt, dann gibts du die Medikamente einfach so, wie er die verordnet hat".
 
Qualifikation
erzieherin
Fachgebiet
wohnheim für geistig behinderte erwachsene
Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
Re: medikamentenvergabe und PEG

:devil: Also, Ihr müsstet auf jeden Fall eine Pflegefachkraft im Haus haben, die die Medikamente richtet und bei Problemen in Rufbereitschaft ist.
-Medikamentengabe ist Behandlungspflege-
So eine Grauzone ist das bestimmt nicht, wie die Leitung meint
Frage doch einfach bei MDK und Heimaufsicht nach, die geben bestimmt gerne Auskunft. Und Du bist auf der sicheren Seite.


http://www.arag.de/de/rechtimalltag/rechtstipps/gesundheit/01973/index.shtml

Hoffe, dass es ein kleine Hilfe war.

:grin: Wassermann
 
Qualifikation
Krankenschwester
J

Joewern

Mitglied
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23.11.2005
63225
Boooooah...das is ja`n Hammer!! Lass die Finger davon, verweiger es. Du kannst (wegen des fehlenden Grundwissens) und darfst rechtlich weder Medikamente stellen noch verabreichen, geschweigedenn Bedarfsmedikationen abschätzen und verabreichen. Das Haus und Du machen sich da definitiv strafbar!!! Eine examinierte Pflegefachkraft muss im Haus sein und das machen!!!
Lass Dir nichts erzählen und nicht zu einer Straftat anstiften.
Gruß

Joewern
 
Qualifikation
Studium Pflegewissenschaft, Altenpfleger
Fachgebiet
Südhessen
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ernie

Gesperrter Benutzeraccount
Themenstarter/in
28.02.2006
12345
Boooooah...das is ja`n Hammer!! Lass die Finger davon, verweiger es. Du kannst (wegen des fehlenden Grundwissens) und darfst rechtlich weder Medikamente stellen noch verabreichen, geschweigedenn Bedarfsmedikationen abschätzen und verabreichen. Das Haus und Du machen sich da definitiv strafbar!!! Eine examinierte Pflegefachkraft muss im Haus sein und das machen!!!
Lass Dir nichts erzählen und nicht zu einer Straftat anstiften.
Gruß

Joewern
Jetzt soll sich da wohl auch einiges ändern, das geht nämlich schon seit Jahren so. In den letzten Jahren sind dann auch mal Pflegekräft eingestellt worden, aber insgesamt 5 für 7 Gruppen ! Die sollen dann demnächst für alle Gruppen die Medis stellen und "nur noch" feste Mitarbeiter sollen dann die Medikamente verabreichen dürfen. Ich selbst habe einen sogenannten Spritzenschein machen müssen, damit ich subcutan Spritzen darf. Der "Test" dafür war, daß ich mit einem Pen in eine Orange gestochen habe. Infusionen oder so darf ich damit aber nicht legen. Momentan stecken und verteilen alle Mitarbeiter ausser FSJ die Medikamente, selbst die Zivis !
 
Qualifikation
erzieherin
Fachgebiet
wohnheim für geistig behinderte erwachsene
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ernie

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28.02.2006
12345
Re: medikamentenvergabe und PEG

:devil: Also, Ihr müsstet auf jeden Fall eine Pflegefachkraft im Haus haben, die die Medikamente richtet und bei Problemen in Rufbereitschaft ist.
-Medikamentengabe ist Behandlungspflege-
So eine Grauzone ist das bestimmt nicht, wie die Leitung meint
Frage doch einfach bei MDK und Heimaufsicht nach, die geben bestimmt gerne Auskunft. Und Du bist auf der sicheren Seite.


http://www.arag.de/de/rechtimalltag/rechtstipps/gesundheit/01973/index.shtml

Hoffe, dass es ein kleine Hilfe war.

:grin: Wassermann
Danke für den Link, ich hab das mal ausgedruckt und werde es der Mitarbeitervertretung vorlegen.
 
Qualifikation
erzieherin
Fachgebiet
wohnheim für geistig behinderte erwachsene
E

ernie

Gesperrter Benutzeraccount
Themenstarter/in
28.02.2006
12345
So, jetzt weiß ich definitiv mehr: Ich als Nicht-Pflegekraft darf Medikamnete verteilen, aber nicht stellen, ich darf sc spritzen und ich darf nach Anleitung / Einführung durch eine Pflegekraft auch PEG´s versorgen und darüber auch Nahrung und Medikamente geben. Das ist jetzt so offiziell bestätigt worden und kann deswegen so durchgeführt werden, da wir Pflegekräfte im Haus haben, die uns anleiten müssen, besonders in den Wohngruppen, in denen noch keine pflegekräfte arbeiten.
 
Qualifikation
erzieherin
Fachgebiet
wohnheim für geistig behinderte erwachsene
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ulscharte

Mitglied
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Vorab ein Frage. Gibt es bei euch einen entsprechenden Pflegestandard?
Du als Nicht-Pflegefachkraft darfst auch nur die Medikamente geben, wenn sich die examinierte Fachkraft über die richtigen Medikamente, den richtigen Zeitpunkt, die richtige Dosis, den richtigen Patient, die richtige Vergabeart uberzeugt hat und auch dieses kontolliert. Sie als exam. Fachkraft steht dafür gerade. Stellen darf nur die examinierte Pflegefachkraft. Deligieren darf sie die Medikakamentengabe nur unter genau festgelegten Regeln. Bei einer Gabe über die PEG ist ausserdem noch wichtig, dass der Arzt abgeprüft hat ob eine Tablette z.B. gemörsert werden darf. Ebenso, ob es zulässig ist sie gemösert mit anderen gemörserten Medikamenten in Wasser über die Sonde zu verabreichen. Manche gemörserten TBL schäumen stark auf, klumpen usw..
Weiterhin ist die exam. Pflegefachkraft und Anleitende dafür zuständig bei fehlender Information über die z.B. Mörserbarkeit, sich darüber entsprechend zu informieren und dieses vorschriftsmäßig zu dokumentieren. Alles dieses und so manches mehr ist für die richtige Medikamentengabe wichtig und das weiss eine Nicht-Pflegefachkraft garnicht. Deligieren darf die PDL und die Einrichtung an dich nur, wenn du entsprechend geschult, ausgebildet und angeleitet wurdest und dein Wissen abgeprüft und festgestellt wurde sowie entsprechende widerkehrenden Fortbildungen stattfinden.
 
Qualifikation
Altenpfleger u. techn. Betriebswirt / QM-Trainer, Mikrosystemtechnologe
Fachgebiet
Medizin- u. Automatisierungstechnik / Qualitätssicherung / CIT-IPC-USA / Pflege nur noch im Nebenberuf
Weiterbildungen
Betriebsswirtschaft / Qualitätsmangement / Miktrosystemtechnologie (Medizintechnik / Elektronik)
Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
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Hallo, kläre es auf jeden Fall mit Aufsichtsbehörden, wie MDK u.ä., ab.
Du musst diese Tätigkeiten nicht verrichten.
Die Sache mit dem Mörsern würde ich auf jeden Fall mit der Apotheke abklären, die Ärzte kennen sich da meist nicht so aus. Und alles schriftlich geben lassen.

Die gemörserten Medikamente werden auch nicht vermischt durch die Sonde gegeben, sondern jedes Medikament einzeln und immer zwischenspülen.
Das macht man nicht mal so nebenbei.

Frohes Schaffen
wünscht der Wassermann:rolleyes:
 
Qualifikation
Krankenschwester
U

UlrichFürst

So, jetzt weiß ich definitiv mehr:
Von wem?

Weil...
Ich als Nicht-Pflegekraft darf Medikamnete verteilen, aber nicht stellen
...bei uns ist das nämlich genau umgekehrt (Krankenhaus). Wer die Medikamente in die verschiedenen Schachteln verteilt ist egal. Verantwortlich für die Richtigkeit der Medikamentengabe ist (wie schon ulscharte schrieb) derjenige der die Medikamente gibt.

Ulrich
 
P

peddel10404

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09.05.2006
79650
Hallo Ernie,
bei uns dürfen nur examinierte Fachkräfte die Medis verabreichen.
Du hast also ein Verweigerungsrecht. Problem bei Mediverabreichung über PEG.: jedes Medikament muss einzeln zermörsert und einzeln verabreicht werden. Wenn alle Medis - die der BW erhält - zusammen zermörsert werden, kann ein neuer Wirkstoff entstehen, bzw die Wirkung verschiedener Medis aufgehoben werden. Dies war bei uns im APH bis zum Besuch der Heimaufsichtsbehörde auch nicht bekannt.
 
Qualifikation
Altenpflege
Fachgebiet
Alten - und Pflegeheim
Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
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05.01.2006
63110
Diesem Glauben schliesse ich mich an.
In meinem ziemlich langen Berufsleben habe ich es noch nie anders erlebt. Weder im KH noch im AH.
Nur "ausgewählte" Hilfskräfte, denen vertraut werden konnte, durften Medikamente verabreichen. (Bitte nicht als geringschätzig deuten.) Ebenso bei Kontrolle der Vitalwerte, sc.-Injektionen usw.
Medikamente wurden unter Aufsicht gestellt. Die Verantwortung trägt aber immer die Fachkraft. Die muss dann auch den Kopf hinhalten, wenn was schief geht.

Wenn man sich 100 %-ig an die Vorschriften hält, dürften Hilfskräfte keinerlei Behandlungspflege durchführen. Was in der Praxis meist nicht klappt.

:blink: Das wird dann ein unendliches Diskussionsthema meint der Wassermann.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

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Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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