Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

G

gemeinsameinsam

Neues Mitglied
Basis-Konto
0
91284
0
Hallo zusammen !

Letztens war bei uns die FQA zu besuch und möchten nun, dass wir nur noch einmal in der Woche die Medikamente unserer Bewohner richten. Sie möchten auch, dass unsere Apotheke eine Liste erstellt mit all den Medikamenten die wir mitsamt dem Blister (also ausschneiden) richten müssen. Jetzt meine Fragen:

1. Gibt es im Netz irgendwo eine schlaue Seite wo man einfach nur das Medikament eingeben muss und dann sagt mir die Seite "Achtung! Muss verblistert bleiben! " oder " Kann ausgedrückt werden" ?
Wenn man versucht die Beipackzettel zu Rate zu ziehen... muss man erst mal definieren:
2. Kann mir jemand erklären, was bei Gabapentin " Blisterpackungen im Umkarton aufbewahren " bedeutet? Blister und Umkarton bleiben ja trotz allem im Medschrank gelagert... ausschneiden?
3. Kann mir jemand erklären, was bei Lisi " Tabletten sind in der Originalpackung aufzubewahren " bedeutet? Da die Originalpackung im Medschrank gelagert ist, sollte es ja auch nicht am ausdrücken hindern, oder?
4. Was muss explizit auf dem Zettel darauf stehen, um mich am ausdrücken zu hindern? Sogar bei Olanzapin steht, dass keiner besonderen Lagerung bedarf ?!?

Bitte gebt mir doch Bescheid, wenn ihr die super Lösung habt.

Vielen Dank schon mal!
Doro.
 
Qualifikation
Hep
Fachgebiet
Bereich Wohnen
H

Hülsi

Mitglied
Basis-Konto
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

Wir richten täglich...ist allerdings KH...bei uns bleibt alles im Blister...ausser nichtgeblisterte Medis wie Nexium und Marcumar... erleichtert die Kontrolle der Medis und schützt diese auch...ausgeblistert wird erst direkt vor der Gabe !
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Ambulante Pflege
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
573
6
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

Deine Frage lässt sich aber nur über das Arzneimittelrecht und dessen grundsätzlichen Vorgaben hinsichtlich Lagerung und Vorhaltung, sowie über die gesonderten jeweiligen Bedingungen der Hersteller beantworten, die Dir zu jedem Medikament eine Handlungsanweisung mitteilen müßten. Letzteres verweigern die Hersteller i.d.R., da somit deren Produkt- und Arzneimittelhaftung auf Situationen erweitert würde, die sie weder kontrollieren noch absehen können (z.B. Luftfeuchte, mechanische Einwirkungen, Temperatur, etc.).

Allgemeine Gültigkeit hat dabei der Grundsatz: luftdicht verschlossene bzw. verblisterte Medikamente, sind per se zur Lagerung und Vorhaltung in der Verpackung vorgesehen. Sobald ein Medikament aus dieser herausgelöst wird, beginnen die Umgebungsebedingungen einen Zersetzungs- und Oxidationsprozess, die das Medikament selbstverständlich in der Wirkung beeinträchtigen könnten. Somit sind auch unerwünschte oder schädliche Wirkungsweisen möglich.

Prinzipiell wäre das eine Fragestellung, mit der ihr eure QMB-Kraft für Monate beschäftigen könntet. Ich befürchte nur, dies wird an der Herstellermitwirkung scheitern, da diese sicherlich keine Untersuchungen über Zerfall, Zersetzung und Oxidation von aus den Umverpackungen entnommene Medikamente durchführen. Zumal dies auch im Arzneimittelzulassungsverfahren nicht gefordert wird, da auch dort von einer zeitnahen Verpackungs-Entnahme vor eigentlicher Medikamenteneinnahme ausgegangen wird.

In wie weit sich damit die Arzneimittelhaftung auf die Pflegekraft oder die Einrichtungsbetreiber verlagert, kann nur ein Medizinrechtler korrekt beurteilen. Aber da die Entnahme aus dem Blister und die Einsortierung in den Dispenser sowie die Verabreichung des Medikamentes durch eine Pflegekraft durchgeführt wird, ist diese sicherlich für daraus resultierende Gesundheitschäden haftbar zu machen, da sie als Fachkraft über die Aufbewahrungs-, Darreichungs- und Verabreichungsmodalitäten jedes Medikamentes hinreichend informiert sein muss. Mit der Handlung der unsachgemäßen Entnahme des Medikaments zu etwas anderem, als der sofortigen bzw. zeitnahen Einnahme, in Verbindung mit einer unsachgemäßen Lagerung - also in Art und Dauer vom Arzneimittelhersteller nicht vorgesehen oder zugelassen - über den Zeitraum X, endet zumindest die des Arzneimittelherstellers; allerdings muss sie auf jemand anderen übergehen, da die Haftung sich nicht in Luft auflösen kann.

Hülsi´s Vorgehensweise scheint hierbei sinnvoller, sofern die Blister nicht in ihrer Schutzfunktion beschädigt werden. Allerdings wird es somit erheblich erschwert bis verunmöglicht, ein Medikament zweifelsfrei zu identifizieren. Auf den ausgeschnittenen Blisterstücken steht auf der Rückseite weder das Verfallsdatum, noch der Medikamentenname oder Wirkstoff, noch die Dosierung - schlicht, weil einfach zu wenig Platz dafür ist. In der Praxis wird diese Vorgehensweise allerings wohl tatsächlich am häufigsten angetroffen.

Es ist wie so oft - die gesetzlichen Vorgaben sollen alle Beteiligten schützen. Die Arbeitsprozesse und Rahmenbedingungen bringen Pflegekräfte aber immer wieder in die Zwickmühle, sich im übertragenen Sinne mit einem Bein ins Gefängnis zu stellen.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
K

Keßler

AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

Und dann haben wir - zu allem Überfluß - auch noch die Brausetabletten,
die gar nicht verblistert sind - aber äußerst hydrophil.
So schleppt man in der ambulanten gerne mal mit einem ganzen
Magazin von Plastikröhren durch die Gegend.

Tipp : Passende Gurte findet man im Jagdzubehör.
 
P

peterQM

Neues Mitglied
Basis-Konto
0
51427
0
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

Da auch in unserer Einrichtung dieses Thema von Brisanz bestückt ist, verfahren wir mittlerweile so, dass und die Lieferapotheke für die Medikamente eine schriftliche Vorgabe erteilt und diese auch mit der Unterschrift des Apothekers absichert. Somit haben wir eine Absicherung beim Stellen.

Bemerkung: Gabapentin, Tillidin und alle anderen in Aluminium verbliesterten Tabletten werden erst bei der Gabe entbliestert und einzeln verabreicht.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Pflegeheim
Weiterbildungen
Ausbildung zum Krankenpfleger
Ausbildung Altentherapeut
Studium QMB
K

Keßler

AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

... und dann hat man noch die lieben Teilchen, wo der Blister solider ist als die Tablette.
Beim Entblistern beim Patienten rinnt der Staub durch die Finger. Husch, Husch zur Station
zurückgefahren und eine neue geholt : Irgendwie unrealistisch - also.... ?!
 
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
573
6
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

... und dann hat man noch die lieben Teilchen, wo der Blister solider ist als die Tablette.
Beim Entblistern beim Patienten rinnt der Staub durch die Finger. Husch, Husch zur Station
zurückgefahren und eine neue geholt : Irgendwie unrealistisch - also.... ?!
Dann sollte man u.U. mal seine Entblisterungsstrategie überdenken und den Gegebenheiten anpassen, wenn das mehr als nur ein mal passiert..
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
leaving-the-moon

leaving-the-moon

Unterstützer/in
Fördermitglied
84
Karlsruhe
0
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

Schlussendlich ist es doch so, dass die armen Phramahersteller einen Haufen an Verantwortung einfach mal an den Endverbraucher abgeben, weil sie für nix Garantie übernehmen sobald man das Ding auch nur aus der Schachtel zieht.

Wenn ich mir das recht überlege - gerade im ambulanten Dienst brauchen wir Stunden mehr an Zeit - denn eigentlich und um auf der sicheren Seite zu sein darf man die Tabletten überhaupt NUR und Ausschließlich direkt vor der Gabe dem Patienten direkt in den Mund drücken aus dem Blister - alles andere könnte irgendwie zu irgendwas führen - auf jeden Fall übernimmt niemand irgendeine Verantwortung für irgendwas und der Blöde ist im Zweifel die PK.

Also nix mehr Tagesdispenser - Patienten die 4 mal am Tag Medikamente nehmen müssen zu den entsprechenden Zeiten angefahren werden, die Tabletten direkt aus dem Blister verabreicht - nix mehr vorrichten und nur 1-2x am Tag vorbeischauen.
DAS ist nicht machbar, würde Unmengen mehr an Zeit (UND GELD) brauchen, gerade in der ambulanten Pflege und ist auch nicht sinnvoll. Es drehen sich verdammt nochmal viel zu viele Fragen nur noch um Haftungsrecht - schlussendlich, dabei bleibt die Arbeit am Menschen auf der Strecke. Finanziert wird dieser Aufwand für die absolute Sicherheit von niemandem - aber haften soll die kleine PK vor Ort - auch hier ist der Holzwurm im System.

Und dann stellt sich mir manchmal die Frage: Gibt es die absolute Sicherheit? Das heißt mitnichten, dass ich für Schlamperei bin - aber wenn der Patient sich seit Jahren seine Tabletten selbst vorgerichtet hat für eine Woche - oder des haben die Kinder gemacht (und zwar aus dem Blister ausgedrückt) - die dürfen das nämlich ohne dass ihnen jemand an den Karren fahren kann - gehe ich dann nicht das Risiko ein, dass ich mit einem ändern der Methode die Wechselwirkung der Tabletten im Schälchen unterbinde, die bisher immer stattgefunden haben und somit der Patient nicht mehr das bekommt was er bisher immer gut vertragen hat? (Ketzerische Frage - weiß ich - bitte nicht SOOO ernst nehmen)

Wenn die Angehörigen bisher das Nexium immer gemörstert haben und die anderen Tabletten auch und miteinander mit Sondenkost verabreicht - was tue ich dann, wenn ich es jetzt anders mache - womöglich war der Blutdruck genau auf diese Pampe gut eingestellt und wenn ich es jetzt korrekt mache passt es nicht mehr?
Viele Medikamente werden nach Wirkung dosiert nicht nach mg. Oder nach Spiegel - womöglich ändert sich der Phenytoin-Spiegel bedenklich, wenn ich die Zentropil eben nicht mehr in die Schokopraline packe wie es der Patient vorher gemacht hat? (ebenfalls eine Ketzerische Frage - aber ich denke ganz gerne mal nach, auch ins Blaue hinein, statt mich immer nur bis ins allerkleinste absichern zu wollen)
Bei den ganzen mg.Diskussionen wird das flexible System Mensch einfach vergessen - viel zu oft. Da bekommt der Patient eben sein x mg von Medikament xy völlig nach Vorschrift und allem verabreicht und das Ergebnis ist trotzdem jeden Tag ein anderes (Blutdruck / Puls / Blutzucker / Bilanz) die Zahlenhörigkeit ist auch bei Ärzten leider sehr weit verbreitet.

Zum Thema zurück: Sicher machen wenn man auf der sicheren Seite bleiben will. Im Sommer nicht über 25 Grad lagern, im Dunkeln, im Blister, im Kühlschrank, nicht Mörsern, vor- nach- zum Essen aber nicht mit Milchprodukten, eine halbe Stunde nach der letzten Mahlzeit... ich mag mich nicht zum Hampelmann machen lassen von Pharmaindustrie und Ärzten. Und ja ich weiß im Zweifel kann mich das was kosten. Deshalb arbeite ich nach bestem WISSEN und Gewissen UND den Möglichkeiten und dem gesunden Menschenverstand.
 
Qualifikation
PFK Intensiv und Anästhesie
Fachgebiet
Freiberufler, Intensiv und Anästhesie
Weiterbildungen
abgebrochenes Studium von anno dunnemal, FWB Anästhesie und Intensiv, FWB Stationsleitung, Peer Toutoring Kinaesthetics,
  • Gefällt mir
Reaktionen: Hülsi
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
573
6
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

Wir können sicherlich Wochen damit zubringen, für uns Pflegekräfte praktikable Vorgehensweisen zu diskutieren, die zwischenzeitlich als empirisch belegt gelten müssten. Das unser Arbeitstag unter Einhaltung sämtlicher Vorschriften und Gesetze 72 Stunden lang sein muss, ist weder eine neue Erkenntnis noch sonderlich originell. Auch, dass wir an diesen Umständen nichts grundlegendes verändern können und jede Einrichtung, jede Station bis hin zur Pflegekraft am Bett letztlich einen eigenen Weg einschlägt, mit diesen - besser: unter diesen - arbeiten zu können.

Natürlich ist es praktisch schier unmöglich, in Zeiten von Pflegeminuten, immer weiter reduzierter Personalausstattung und bisweilen wahnwitzigen Arbeitsprozesssen alle in Frage kommenden und geforderten Vorgaben umzusetzen und man beschränkt sich gezwungenermaßen auf eine wenigstens ausreichende Versorgung der Patienten. Der 'gesunde Menschenverstand' hilft in Verbindung mit Wissen und Erfahrung sicherlich dabei, viele Gefahrenstellen zu entschärfen oder zu vermeiden. Am Ende sind es aber genau diese Pflegekräfte, die im Fall des Falles dann im doppelten Sinn den Kopf hinhalten müssen - oder für ihren Einsatz und ihr Mitdenken gar mit Arbeitsplatzverlust rechnen müssten. Und dafür sollte sich jeder zu schade sein (um den angesprochenen Hampelmann zu bemühen), wenn der Arbeitgeber hier für Klarheit und Rechtssicherheit zu sorgen hat.

Ob das nun über den eigenen Apotheker, den Hersteller oder den Gesetzgeber erfolgt, sollte uns dabei nicht wirklich interessieren. Nur sich alles ans eigene Bein binden zu wollen, obwohl es da nicht hin gehört - das kann nun wahrlich nicht der Weisheit (?) letzter Schluss oder ein ernstgemeinter Rat sein - oder doch?!
Aber wie immer, kann man auch hier anscheinend durchaus geteilter Meinung sein.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
Joan Doe

Joan Doe

Unterstützer/in
Basis-Konto
7
Wolfsburg
0
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

aber wenn der Patient sich seit Jahren seine Tabletten selbst vorgerichtet hat für eine Woche - oder des haben die Kinder gemacht
... oder noch besser: Den Inhalt der ganzen Packung rausgedrückt, damit der / die Angehörigen sich mit dem verflixten Blister nicht abquälen müssen sondern sich nur bedienen brauchen - oder damit sich die Nachbarin drum kümmern kann. (alles schon erlebt) :grin:

Da stehen dann 3 Schüsselchen mit Medis auf dem Küchentisch - voll mit Medis: Ein blaues, ein grünes und ein rotes - daneben ein Zettel:
"Früh eine aus der roten und aus der grünen Schüssel. Mittags eine aus der blauen Schüssel. Abends eine aus der blauen und aus der grünen Schüssel."

Dann kommst du das erste Mal hin, siehst drei Schüsselchen mit Medis und hast keinen Ahnung, was das überhaupt für welche sind :kopfkratz:
 
Qualifikation
Altenpflegerin/Sozial- und Pflegeberater in der Altenhilfe
Fachgebiet
Arbeitsuchend
leaving-the-moon

leaving-the-moon

Unterstützer/in
Fördermitglied
84
Karlsruhe
0
AW: Medikamente richten : Ausdrücken, oder nicht .... das ist hier die Frage ???

Da ich 1,5 Jahre lang ebenfalls drei Tabletten täglich nehmen musst - du wirst es nicht glauben, ich habe mir erlaubt diese aus dem Blister auszudrücken in ein unterteiltes Schälchen mit Clickverschluss (Penny sei dank) - hab dann unterwegs nur dieses Schächtelchen dabei gehabt und mich entsprechend bedient. DAS ist aber meine Sache und ich habe das für mich entschieden - es genau so zu machen.
Im Dienst würde ich das nicht so handhaben, denn da habe ich Verantwortung für einen anderen Menschen, da muss es exakter zugehen - für mich selbst immer wieder so :) war nämlich absolut praktisch.
 
Qualifikation
PFK Intensiv und Anästhesie
Fachgebiet
Freiberufler, Intensiv und Anästhesie
Weiterbildungen
abgebrochenes Studium von anno dunnemal, FWB Anästhesie und Intensiv, FWB Stationsleitung, Peer Toutoring Kinaesthetics,
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.

Ähnliche Themen