Medikamente durch externe richten lassen

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Chef de Saucier

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Hallo,

persönlich gehe ich davon aus das eine Kooperation zwischen Apotheke und Heim, also die exklusive Belieferung einer Einrichtung durch eine Apotheke eine Goldgrube für den Apotheker darstellt. Persönlich kaufe ich, wenn ich das nicht unmittelbar benötige, im Internet und habe eine Ersparnis.

Bei uns werden die Medikamente durch eine Angestellte der Apotheke einmal wöchentlich gestellt (Dossetten vorbereitet ). Hierfür wird die Angestellte der Apotheke von unserer Einrichtung bezahlt. Meiner Auffassung nach sollte das eine Serviceleistung darstellen, da die Apotheke bereits einen weitaus höheren Umsatz erzielt durch die Belieferung unserers Hauses.

Wie ist das bei Euch ?

Danke und Gruß CDS
 
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josephine

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Hi CD,

also ob das eine Goldgrube für die Apo ist, weis ich nicht und kann ich nicht beurteilen. Allerdings kenne ich das tatsächlich so, dass die Apo das Richten der Medikamente als Serviceleistung zur Verfügung stellt. Die Begründung läuft irgenwie über den Beratungsauftrag der Apotheken oder etwas in der Art. Das weis ich leider nicht genauer.
Hat euer PDL da vielleicht seltsam verhandelt?
Es lohnt sich mit Sicherheit, da mit anderen Apos in der Umgebung zu sprechen.

LG,
josephine
 
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stern3007

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Ich mache mir bei solchen Diskussionen immer wieder Gedanken über die rechtliche Situation, die daraus entsteht. Ich bin verantwortlich für die Medigabe. Da ich aber nicht regelmäßig selbst stelle, kann ich die Medis nicht wirklich identifizieren die ich ausgebe. einige sehen sich doch sehr ähnlich und ohne das stellen verliert man mit der Zeit sowieso den Blick dafür.

Was geschieht, wenn man in so einem Fall falsch gestellte Medis verabreicht.
 
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josephine

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Hi stern3007,

Also ich kenne das Handling so:
Variante a: Auf der Rückseite des Blisters sind die Medikamente mit Foto und bBeschreibung aufgelistet, die der Blister enthält
Variante b: Auf dem Dosiertütchen sind die Medikamente die enthalten sind beschrieben, es gibt einen Katalog mit den Fotografien plus Beschreibung. Dieser enthält alle in der Einrichtung vorkommenden Medikamente (also z.B. auch Paracetamol von 5 verschiedenen Pharmafirmen)
Ich fand das für mich immer ausreichend. Denn ich richte nicht alle Medikamentendosetten selbst, die ich dann auch ausgebe. Wir haben immer am Sonntag für die Folgewoche gestellt und wenn ich erst am Montag Dienst hatte, hatte ich das gleiche Problem.

Uns wurde auch recht anschaulich erklärt, dass wir damit rechtlich abgesichert sind. Der Vertrag lag mir vor und ich fand es so o.k.. Auch nicht von Anfang an, aber ich habe 7 Jahre mit Apoblistern gearbeitet und irgendwann war`s für mich echt gut.

LG,
josephine
 
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stern3007

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Mit Fotos bin ich nicht abgesichert. Es gibt so viele Medis, die sich so ähnlich sehen, dass man sie, selbst wenn sie nebeneinander liegen, nur schwer unterscheiden kann. Spontan fällt mir folgende Kombination ein: Eine Sorte Enalapril und Sulpirid. Kann man nur an einem ganz geringen Farbunterschied erkennen und das auch nicht bei jeder Lichtsituation.
Im Ernstfall bin ich die Dumme die die Medis ausgegeben hat.

Ich finde es derzeit schlimm, wie immer mehr fragwürdige Aktionen gestartet werden, deren Inhalt nur darauf ausgelegt ist, Arbeit einfach einem anderen aufs Auge zu drücken. Für mich steht fest: Das Stellen der Medis gehört in die Hände derer die sie auch verantwortlich ausgeben müssen. Kein rechtliches Konstrukt kann mich derzeit wirklich schützen, wenn eine Vertauschung mit gravierenden Folgen passiert.

Ich arbeite mittlerweile nicht mehr in der Pflege, weil mir das mit meinem Rheuma zu viel wird. Bin derzeit in einer psychiatrischen Praxis als Praxisleitung beschäftigt. Ein Heim ist jetzt auf die Idee gekommen, eine Apotheke via Vertrag dazu zu verpflichten, sich um die Medis, einschl. Rezepte zu kümmern. Das hat zur Folge, dass das Heim einfach nur noch Medianfragen an die Apotheke gibt und diese dann von uns Rezepte haben will, obwohl wir manchen Patienten noch nicht einmal kennen. Denen im Heim scheint nicht klar zu sein, dass erst einmal ein Arzt eingebunden werden muß, bevor überhaupt ein Rezept ausgestellt werden kann. Meine Chefin macht berechtigterweise das Spiel nicht mit, ein Rp. ohne das sie den Patienten gesehen hat, wird es bei uns nicht geben.

Mittlerweile organisiert die Apotheke sogar schon die Überweisungen. Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Der Datenschutz wird hier offensichtlich völlig außen vor gelassen.
 
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nofretete

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Also bei uns wird seit 3 Jahren geblistert, vorher haben wir das selbst gemacht. Bisher konnten wir immer alle Tabletten zuordnen bzw. aus dem Blister entfernen, wenn sie abgesetzt wurden. Bei Fragen ist die Apotheke immer Ansprechpartner. Mir kommt es manchmal so vor, als würdet ihr euch die Probleme auch einreden, wo eigentlich gar keine sind. Schließlich sollte es doch eine Arbeitserleichterung für uns sein.
 
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wendy31

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Hallo...

also ich arbeite bereits seit 8 Jahren mit Blistern. Diese Leistung wurde von den Einrichtungen bisher immer bezahlt. Aber das finde ich persönlich nun nicht schlimm...
Ich habe auch nie Probleme gehabt die Medikamente zu erkennen. In der Anfangszeit gab es noch keine Bilder, das ist erst relativ neu. Aber da konnten wir immer in der Apotheke anrufen und sind die Tabletten dann im Bedarfsfall durchgegangen. Ich finde das System top und eine absolute Erleichterung. Zumal man seine Med. ja nicht von irgendeiner n stellen läßt, sondern mit der arbeiten die Einrichtungen doch eh schon seit Jahren zusammen.

Was das Thema angeht, das man den Bezug zu den Medikamenten verliert...das dachte ich am Anfang auch. Aber wenn man sich trotzdem weiter damit beschäftigt passiert das nicht.
:eek:riginal:
Es werden immer pro und kontra gesucht, gerade bei "neuen" Sachen...Die Fehlerquote die beim Stellen im Nachtdienst passiert ist, wenn die Kollegen für 30-50 Pat. für mehrere Tage vorgestellt haben fand ich viel höher. Und die Tabletten haben auch alle ausgeteilt/ austeilen sollen. Nun werden die Tabletten in der Apo. gestellt, die Mitarbeiterin macht den ganzen Tag nur das- der Vorteil, sie ist ausgeschlafen und hat keine Störfaktoren...gefällt mir persönlich besser. :wink:

Laßt es auf euch zu kommen...von uns möchte inzwischen keiner mehr die Blister weghaben!

In diesem Sinne...Gruß, wendy
 
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ms-sophie

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Hallo,

wir blistern auch seit kurzem, bzw. die Apotheke richtet die Medikamente in unsere Wochendosetts.

Die Apotheke richtet es kostenlos, besorgt sich die Rezepte und auch die Überweisungen für die entsprechenden Fachärzte. Einen Verstoss gegen den Datenschutz kann ich daran nicht erkennen, da die Diagnosen ja kodiert sind und die Fahrerin der Apotheke sicherlich keinen ICD im Auto liegen hat.

Wir hatten zuvor einen Testlauf mit einem Blistersystem mit den Tütchen, da steht genau drauf was drin ist. Das Problem: Blisterzentren dürfen keine halben Tabletten richten. Wir hatten aber etliche die Levodopa in geringerer Dosis erhalten haben. Auch gab es Medikamente, die per se nicht ins Wochendosett gerichtet werden durften, wie z.B. Immunsuppressiva. Das bedeutete für uns: Wöchentliche Kontrolle der Blister und nachrichten der halben, das waren ca. 30%. Nach Angaben des Apothekers wären wir damit aber die Ausnahme. Sonst wäre das nur vereinzelt notwendig. Zusätzliches Problem: Da wir so viele Tabletten zurichten mussten, gab es Probleme beim Austeilen, und dann erst die Blister aufzumachen. Also haben wir sie wenn sie gekommen sind kontrolliert und aufgemacht und in unser Wochendosett eingerichtet. Dies ist allerdings verboten. Der MDK gibt vor. Dass die Blister erst beim BW geöffnet werden dürfen.
Deshalb haben wir den Testversuch nach 4 Wochen beendet, da dann auch noch einmal die Medis einen Tag später kamen (wir hatten Gott sei Dank noch einen Tag in Reserve).

Also haben wir jetzt vereinbart, die Apotheke richtet selbst in unsere Wochendosetts (ist rechtlich eine andere Sache). Die dürfen bislang auch noch halbe Tbl. einrichten. Veränderungen werden direkt von der Apotheke vorgenommen. Die Vereinbarung ist: Die Medis werden in der Apotheke gerichtet und nochmals von einer Apothekerin kontrolliert. Anfängliche Schwierigkeiten haben sich gelegt.

Ich selbst hatte und habe immer noch die Befürchtung den Überblick über die Medikation so ein bisschen zu verlieren. Das liegt aber daran, dass die Zeit fürs Medi richten komplett eingespart wurde.


Ansonsten finde ich es eigentlich gut. Mir tun nämlich nach 7 Stunden Tbl. richten immer die Finger so weh.

Sophie
 
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stern3007

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Es werden immer pro und kontra gesucht, gerade bei "neuen" Sachen...Die Fehlerquote die beim Stellen im Nachtdienst passiert ist, wenn die Kollegen für 30-50 Pat. für mehrere Tage vorgestellt haben fand ich viel höher.
Es geht nicht darum "neue" Angelegenheiten abzublocken. Es gibt auch gute Neuerungen. Allerdings finde ich das derzeitige Abschieben aller möglichen Arbeiten nur noch unmöglich.

Ich persönlich möchte einfach nur schriftlich bestätigt bekommen, dass ich im Rahmen der Durchführungsverantwortung nicht für die Austeilung falsch gestellter Medikamente verantwortlich gemacht werden kann. Ausnahme: Ich habe sie selbst gestellt. Wenn alles so unproblematisch ist, dürfte das ja keine Probleme bereiten ;-)
 
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THOMMY

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Das Stellen der Medikamente und die entsprechende Gabe an die Patienten etc. ist seit jeher ein Streitpunkt. Deutlich wird, dass PFK, die bspw. die die Medis in der Nachtwache für mehrere Tage richten, sich durch Klingelrufe, Patientenwünsche und die Müdigkeit nicht richtig konzentrieren können. Die Gefahr der Ablenkung ist sehr hoch, ergo also auch die Fehlerqoute. Dadurch können Unstimmigkeiten zwischen den Mitarbeitern entstehen (Die hat wieder falsch gestellt!).

Das Apotheken den Service des Stellens oder Blistern anbieten, ist nicht nur eine organisatorische Entlastung der Mitarbeiter sondern auch eine Sicherheit für Bewohner und Angehörige. Welche Tabletten verschreibt eigentlich welcher Arzt? Welche Wechselwirkungen liegen ggf. vor? Der Apotheker erhält bei der Abholung der Rezepte eine Übersicht und kann diese ggf. ausschließen. Gleichzeitig stellt dieses Vorgehen auch eine Entlastung für die Praxen dar. Nicht "Zehn" Anrufe wegen eines Rezeptes sondern nur noch eine Bestellung wird ausgelöst. Ob die Medikamente verblistert oder gestellt werden, muss vor Ort entschieden werden.

Wenn eine oder mehrere Apotheken sich die Arbeit teilen, hat dieser Service einen enormen Vorteil für die Einrichtung. Auch der MDK, die Heimaufsicht und sogar das Gesundheitsamt begrüssen mittlerweile das Verblistern.
 
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stern3007

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Gleichzeitig stellt dieses Vorgehen auch eine Entlastung für die Praxen dar.
Das ist viel zu simpel gedacht. Um ein Rezept zu bekommen müssen einige Vorgaben erfüllt sein. Die Chipkarte sollte da sein, eine Überweisung oder alternativ 10 Euro pro Quartal oder eine Befreiungskarte. ich kann nicht einfach eine Apotheke anrufen lassen um Rezepte für Medikamente zu bekommen. Das wird aber überhaupt nicht berücksichtigt. Da werden sogar Rezepte für Patienten benötigt die meine Chefin noch nie gesehen hat. keiner macht sich Gedanken, dass ein Arzt erst einmal involviert werden muß.

Für uns in der Praxis bedeutet das nur noch Chaos. Mittlerweile überlegen wir uns ob wir überhaupt noch Heime betreuen sollen, bzw. werden wir evtl. nicht mehr mitspielen bei den Bestellungen durch die Apotheken. Und zwar in der Form, dass erst ein Rezept ausgegeben wird, wenn Pat. (bei neuen Patienten) der Chefin vorgestellt wurde (Hausbesuch organisieren für mehrere Patienten ist durchaus machbar). Liegt keine Überweisung oder Chipkarte, Befreiung oder 10 Euro vor, gibts kein Rezept mehr, egal wie dringlich das ganze ist.

Werden diese Bedingungen nicht eingehalten, bedeutet das für mich eine Menge Arbeit alles nachzuhalten, ggf. Überweisungen nachzufordern etc. Es ist nicht meine Aufgabe die Arbeit anderer zu machen. Wenn das Heim Personal sparen möchte nicht auf meine Kosten. Außerdem verstoße ich mit meiner Mitarbeit gegen die Auflagen der Krankenkassen, Patienten nur zu behandeln, wenn die Bedingungen eingehalten werden. Notfälle sind natürlich eine Ausnahme. Aber Heimpatienten sind keine Dauernotfälle.
 
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THOMMY

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Hallo Stern3007,

es mag schon sein, dass Du in der Praxis durch diese Vorgehensweise Probleme bekommst. Die Richtlinien (Visite, Praxisgebühr u.ä.) werden erfüllt und zwar durch meine Mitarbeiter. Alle behandelnen Ärzte und ihre Mitarbeiter, meine Mitarbeiter und die Mitarbeiter der Apotheken begrüssen diesen Weg, denn er ist wesentlich effektiver. Sollten irgendwelche Unstimmigkeiten auftreten, werden diese kurzerhand persönlich oder telefonisch geklärt.

Wichtig sind dabei feste Absprachen und schon funktioniert es!
 
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Chef de Saucier

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Deutlich wird, dass PFK, die bspw. die die Medis in der Nachtwache für mehrere Tage richten, sich durch Klingelrufe, Patientenwünsche und die Müdigkeit nicht richtig konzentrieren können. Die Gefahr der Ablenkung ist sehr hoch, ergo also auch die Fehlerqoute
Das ist auch absoluter Unsinn, die Medikamente von der Nachtwache stellen zu lassen.
Geht so in die Richtung, dass eine PFK ganz allgemein ein ..... ist, oder ?
 
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nofretete

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Ich habe an die Skeptiker mal eine Frage, wie kommt ihr zu der Annahme, dass eine Apothekerfachkraft weniger geeignet ist Medikamente zu stellen als wir, meines Erachtens ist ihr Wissen über Medikamente und deren Wechselwirkungen weitaus fundierter als unseres. Und ja Medikamente im Nachtdienst zu stellen ist sehr stressig, die die es schon machen mußten, wissen wovon ich rede. Und im Tagdienst, wenn man sich nicht in einem eigenen dafür vorgesehenen Raum zurückziehen kann, ist es sicher nicht weniger stressig.

Es wird uns ja dadurch nichts aus der Hand genommen, denn bei den Visiten und Neuverordnungen von Medikamenten sind wir ja weiterhin dabei.
 
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Es geht nicht darum, dass die Apothekerkraft besser ausgebildet ist, sondern darum, dass die genauso unter Stress stehen, weil auch sie nicht ungestört stellen können. Zumindest in den meisten Apotheken geht das so. Zudem schützt das bessere Wissen nicht vor Fehlern beim Stellen. Das Stellen von Medis durch die Nachtwache halte ich auch für sehr übel, zumal die Besetzung heutzutage ein ungestörtes Arbeiten nicht mehr zuläßt. Das Medikamente stellen ist eine äußerst wichtige Angelegenheit und sollte entsprechend gewürdigt werden, indem man dafür sorgt, dass unter möglichst besten Bedingungen gestellt werden kann. Das ist derzeit absolut nicht gewährleistet, egal wer wann wo stellt.

Mir persönlich ist letztendlich egal, wer wann was wo stellt. Ich will aber nicht über die Durchführungsverantwortung für falsch gestellte Medis verantwortlich gemacht werden. Und das hätte ich gerne schriftlich. Wenn es im Ernstfall zu einem Prozeß kommen sollte, habe ich derzeit keine Gewähr, dass ich als Medikamente ausgebende Person aus dem Schneider bin. Ich verlasse mich auch nicht auf mündliche Aussagen. Nur schriftliches hat Gültigkeit, wenn es in der entsprechenden Form aufgesetzt wurde.

Ob ihr euren Kopf riskieren wollt ist eure Sache. Ich würde es nicht tun. Ich weiß, ich mache mich so nicht beliebt bei Arbeitgebern, dass ist mir aber egal in diesem Fall.
 
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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Hier mal ein Link zur Sache:

Verblisterung für Apotheken. Verblistern von Tabletten in Blisterkarten - MTS

Die Verantwortung übernimmt der Apotheker - nicht die richtende Apothekenhelferin - so wie auch der Apotheker bei den wenigen noch selbst hergestellten Salben, Cremes und Tinkturen die Verantwortung trägt.
Ich würde prinzipiell davon ausgehen - wenn die Apotheke bzw. der Apotheker seinen Vincent darunter setzt, dann haftet er - auch wenn ich auf die Schnelle keine explizite Info darüber gefunden habe. Es ist sein urgeigenstes Geschäft!

Jedem Blister würde ich mehr vertrauen als den von einer Kollegin gestellten Tabletten - die hoffentlich doch jeder noch mal kontrolliert - ja bitte auch die, die ich gestellt habe. Das Tablettenstellen ist eine potentiell hoch fehleranfällige Tätigkeit. Die Arbeitsbedingungen sind dabei meist alles andere als optimal.

HIer noch ein Urteil bei dem es eigentlich um etwas anderes geht (Leitlinien des Gerichts, dritter Absatz)

"Nach Auffassung des VG Osnabrück besteht zwar eine Erlaubnispflichtigkeit des individuellen Verblistern in der Apotheke. Das Gericht bejahte zugunsten des Apothekers jedoch das Vorliegen des Ausnahmetatbestandes in § 13 Abs. 2 Nr. 1 AMG. Es wäre, so das VG Osnabrück, bei
wertender Betrachtung kaum nachzuvollziehen, dass die Belieferung von Fertigarzneimitteln an Heimbewohner in den Rahmen des üblichen Apothekenbetriebes fallen solle, nicht dagegen die unter Arzneimittelsicherheitsaspekten eher verlässlichere Verblisterung zugelassener Arzneimittel zur tendenziell risikoärmeren Abgabe an den gleichen Adressatenkreis."

Link: Zur Erlaubnispflichtigkeit des Herstellens von Blistern unter Verwendung von Fertigarzneimitteln durch Apotheker 3 A89/04

Des weiteren dient die Verblisterung nicht nur und ausschließlich der Entlastung von Pflegepersonal oder dazu den Apotheken neue Einnahmequellen zu verschaffen. Es gibt Studien, die eine deutlich höhere Compliance der Patienten festgestellt haben, wenn dies vorgefertigte Blister erhalten. Schon bei drei verschiedenen Tabletten sinkt die Compliance erheblich und es kommt zu gehäuften Einnahmefehlern. Auch deshalb wurden zum Teil Kombipräparate entwickelt, die mehrere Wirkstoffe beinhalten - eine Tablette wird zuverlässiger eingenommen als zwei.
Im Heim entfällt natürlich die Patienten-Compliance... ich bin mir aber trotzdem sicher, dass die Blister deutlich weniger Fehler enthalten als die vom Pflegepersonal gestellten Tabletten. (Ich bin auch seit 15 Jahren im Job und schließe mich da nicht aus)
 
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stern3007

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AW: Medikamente durch externe richten lassen

Warum vertraust du einem Blister mehr? Da steht auch ein Mensch hinter mit allen Fehlern und Schwächen die Menschen haben können. Der Apotheker selbst wird wohl kaum Tabletten stellen. Das delegiert er an die Angestellten und die haben genauso wenig Zeit dafür wie wir. Zudem kann auch jeder Praxisarzt Überblick über die Medis haben, denn es gibt ausreichend Programme die auf Komplikationen, NW und Wechselwirkungen hinweisen. Wenn man diese Programme nutzt bekommt man automatisch angezeigt wenn etwas nicht passt.

Eine Freundin von mir ist in einer Apotheke tätig, die mit Verträgen in Bezug auf Medibesorgung und Verblisterung arbeitet. Sie ist für diesen Bereich verantwortlich zuständig. Ziel ist die Kundenbindung, aber mehr Sicherheit sehe ich nach ihren Erzählungen beim besten Willen nicht. Das ist eine recht große Apotheke, ich glaube nicht, dass es in anderen anders abläuft. Die Verwaltungsprogramme werden überall gleich sein.

Unter den mir bekannten Fakten glaube ich einfach nicht an die große Verbesserung, vor allem im Hinblick auf die Sicherheit.
 
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Natürlich steht da ein Mensch dahinter... aber die Salben kontollierst du auch nicht auf Inhaltstoffe oder orderst diese separat und mischst dann selbst oder?

Über die Gewinne die die Apotheken machen würde ich mir jetzt mal keinen Kopf machen das ist doch nur ein Nebenschauplatz und m.E. für die Apotheke interessant aber nicht für unsere Arbeit vor Ort

. Es hat für mich einen leichten Anflug von Angst irgendwo etwas abgeben zu müssen und ich "noch weniger wert" zu fühlen. Gerade das Medikamente richten ist ja in der Ausbildung so wie ich es erlebt habe ein bißchen eine heilige Kuh - wenn man Glück hat darf man mal im dritten Jahr. Wenn du eine Schülerin Tabletten stellen lässt bist du dafür verantwortlich das zu kontrollieren - klaro. Wenn der Apotheker das seine Helferin machen lässt und die Blister ausgibt ist er veranwortlich, dass im Blister das ist was draufsteht - das sagt mir zumindest mein gesunder Menschenverstand.
Wenn in einem Fertigarzneimittel die Dosierung nicht stimmt hafte ich auch nicht.

Der Blister entbindet natürlich nicht von der Sorgfaltspflicht . Schauen ob sich etwas geändert hat seit der letzten Lieferung - und trotzdem wissen was der Bewohner bekommt, weil man ja auch die möglichen Nebenwirkungen im Blick haben muss.


Tabletten stellen kann prinzipiell mal jeder, der lesen und sich konzentrieren kann. Dass das nicht jeder gerne hört ist mir schon klar. Es scheint mir aber vielleicht einer der Zöpfe zu sein, die die Pflege sich mal irgendwann abschneiden lassen muss, es ist keine Tätigkeit die in die zwingend einer Pflegekraft bedarf. Die reine Tätigkeit mit den Händen ist bestenfalls ein angelernter Job - aber einem Apotheker traue ich aber wesentlich mehr Sachverstand zu in Sachen Wechselwirkungen als jeder Pflegekraft.
 
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Hallo Stern,


Mir persönlich ist letztendlich egal, wer wann was wo stellt. Ich will aber nicht über die Durchführungsverantwortung für falsch gestellte Medis verantwortlich gemacht werden. Und das hätte ich gerne schriftlich. Wenn es im Ernstfall zu einem Prozeß kommen sollte, habe ich derzeit keine Gewähr, dass ich als Medikamente ausgebende Person aus dem Schneider bin. Ich verlasse mich auch nicht auf mündliche Aussagen. Nur schriftliches hat Gültigkeit, wenn es in der entsprechenden Form aufgesetzt wurde.
Für die falsch gestellten Medikamente deiner Kollegen trägst du ebenso die Durchführungsverantwortung wenn du sie austeilst, verabreichst.

Warum vertraust du einem Blister mehr? Da steht auch ein Mensch hinter mit allen Fehlern und Schwächen die Menschen haben können. Der Apotheker selbst wird wohl kaum Tabletten stellen.
meistens kein Mensch, sondern eine Maschine. Der Apotheker gibt die Medikation ein und das Gerät richtet die Medikation. Fehlerquote fast 0.

Kontrolle durch Apotheker oder PTA. Die pharmazeutische Fachangestellte/Apothekenhelferin darf nicht stellen.


Auch dein angsprochenes Problem mit der Praxisgebühr und den Überweisungen ist ein organisatorisches. Bei uns wird das so gehandhabt:
Apotheke lässt am Anfang des Quartals bei allen Ärzten der Patienten die VK einlesen und besorgt sich die entsprechenden ÜW und bekommt so dann auch die Rezepte. Da gibt es kein Problem.


Hallo

die angesprochene Kontrolle auf Wechselwirkungen halte ich persönlich für eine Milchmädchenrechnung. Da die wenigsten Medikamente bei Menschen in diesem Alter getestet werden und schon gar nicht, werden mehrere Medikamente (Wechselwirkungen) gleichzeitig getestet. Hier sind wir gefragt, die Beobachtung.

LG
Sophie
 
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stern3007

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Ich kenne hier in meinem Umfeld keine Apotheke die maschinell stellt. Die hiesigen Apotheken arbeiten noch per Hand.
Für die falsch gestellten Medikamente deiner Kollegen trägst du ebenso die Durchführungsverantwortung wenn du sie austeilst, verabreichst.
Wenn von den Kollegen Medis gestellt werden, stelle ich auch Medis. Bin also laufend am Ball, kenne die Tabletten weil ich sie häufig stelle und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass ich einen Fehler erkenne. Abgesehen davon ist es oft genug vorgekommen, dass ich Medis neu gestellt habe, wenn ich die Tabletten nicht eindeutig erkennen konnte. Die Erkennungsquote ist aber nur dann sehr hoch, wenn ich auch regelmäßig Tabletten stelle. Sehen einige zwar anders, dem kann ich mich aber nicht anpassen, weil ich es anders erlebt habe.

Beobachtung - ok, aber ich hab schon oft genug hier im Thread erklärt was mir fehlt. Nämlich der regelmäßige Kontakt zu den Medis im Rahmen des Stellens. Bei den ständig welchselnden Firmen und den ständig anders ausschauenden Tabletten kann mir keiner hier weiß machen, dass er immer 100% identizifieren kann. Ich denke, wer das sagt, macht sich selbst was vor. Außerdem hab ich auch schon geschrieben, dass es sehr ähnlich aussehende Tabletten gibt mit total unterschiedlichen Wirkstoffen. Und da ist eine Verwechslung vorprogrammiert, denn selbst wenn man die Tabletten genau kennt, kann man sie nicht auseinander halten, wenn sie der Packung entnommen worden sind.

Ich hab langsam das Gefühl, dass einige ihre Fähigkeiten massiv überschätzen, oder so froh sind, dass stellen nicht mehr selbst ausführen zu müssen, dass sie alles tun, um den Umstand zu halten, egal welche Konsequenzen möglich sind. Hier reden einige von Beobachtung. Kann ich aber doch nur, wenn ich regelmäßig Tabletten stelle und weiß, wie die aktuell ausschauen.

Beispiel Omeprazol:
Derzeit kenne ich 5 verschiedene Kapseln mit unterschiedlichen Farben. Eine ist komplett weiß/gelblich. Soll ich jetzt grundsätzlich sagen, aha die weiß-gelbliche ist Omeprazol, obwohl ich genau weiß, dass es auch andere Kapseln mit anderen Wirkstoffen mit dieser Optik gibt? Eine Kapselfarbkombination ist z.B. leicht mit einem Eisenpräparat zu verwechseln. Katadolon gibts in Kapseln, teilweise auch zum Verwechseln ähnlich mit Omeprazol. Thyroxin, Digoxin, Digitoxin, das sind häufig die kleinen weißen, kann man nur sehr schlecht voneinander unterscheiden.

Ich beneide euch für euren Mut sowas einfach mal eben so auszugeben.
 
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