Pneumologie Lungenemphysem

hexe1070

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Hallo, brauche eure Hilfe, Tips, was ihr so habt!

Ich habe eine Kollegin, die vor zwei Tagen die schockierende Nachricht bekommen hat, dass sie ein Lungenemphysem hat, welches bereits die komplette Lunge betrifft, völlig unvorbereitet muß man sagen. Sie ist seit langem wegen immer wieder aufkehrender Luftprobleme in Behandlung, aber diese Diagnose hat sie völlig unvorbereitet getroffen.

Sie ist noch dazu auf einen sehr "sensiblen" Arzt gestoßen, der ihr mitgeteilt hat, sie habe ihre Lunge kaputt geraucht und man könne ihr nicht weiter helfen. Irgendwann werde sie halt keine Luft mehr bekommen. ( Zumindest hat sie das Gespräch so wahrgenommen!)

Das schlimme ist, dass sie auf der einen Seite ganz augenscheinlich eine Wahnsinnsangst hat vielleicht im nächsten Jahr zu sterben und auf der anderen Seite auf Unverständnis bei ihrem Mann zu stoßen. Will sagen sie hat es noch nicht mal ihrem Mann erzählt. Kinder hat sie keine.

Ich hab die Kollegin, die sonst eher reslolut und absolut taff ist, so am Boden zerstört erlebt, dass ich mitheulen mußte.

Sie verfügt nicht über Internet und ich würde ihr gerne helfen, wie auch immer.

Wenn ihr mir da irgendwie helfen könnt, bin ich für jeden Tipp dankbar.

Danke euch Hexe
 
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jackdanielsx84x

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Welche Art von Hilfe suchst du denn?
 
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hexe1070

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Danke Words.myth,
ein sehr interesanter Link.

Hallo Jackdaniels,
ja gute Frage, wonach ich suche? Man steht als unmittelbar Betroffener ja immer nen bißchen vor ner Wand und Flut an Informationen die so gar nicht verarbeitet werden können.

Vielleicht so Infos, was ist vorrangig wichtig?
Aber auch gerne Erfahrungsberichte, falls vorhanden.

Gruß Hexe
 
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jackdanielsx84x

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Ah ja, okay. Na, das ist doch schon mal was.

Ein Lungenemphysem entsteht durch eine dauerhafte Überblähung des Lungengewebes, dadurch werden Alveolen (Lungenbläschen) zerstört und die die Lunge verliert ihre Dehnbarkeit oder besser gesagt, kann sich nicht mehr so weit ausdehnen und zusammen ziehen.

Auf Grund der kaputten Alveolen kann man natürlich nicht mehr so viel O2 und CO2 austauschen und durch die vergrößerte Lunge werden die Lungengefäße komprimiert oder gequetscht, was dann wiederrum zum Cor Pulmonale führen kann.

Sinnvoll wäre es das Rauchen sein zu lassen und die restliche Behandlung ist in der Regel deckungsgleich mit der COPD Behandlung durch atemwegserweiternde Mitteln (z.B. Berotec kurz wirksam und/oder Foradil lang wirksam) dazu oder dafür kommen noch Theophylline oder Anticholinergika (Berodual)

Ansonsten muss man wohl leider sagen......kaputt ist kaputt.... :sick:

Gruß
Dennis

PS: Cor pulmonale

Erhöhter Druck im Lungenkreislauf mit erhöhter Belastung des rechten Herzens, durch die dauerhafte Mehrbelastung wird der Herzmuskel dicker und das Herz größer oder auch hypertroph genannt, dadurch sinkt wiederrum die "Auswurfleistung".
 
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romana

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Hallo !

Mein Vater hatte ein Lungenemphysem, es wurde im Alter von 54 Jahren diagnostiziert, gestorben ist er mit 70 Jahren. Er musste dreimal täglich inhalieren zur Vorbeugung des Bronchospasmus und bekam schleimlösende Medikamente. Das Problem war aber nicht die eingeschränkte Lungenfunktion, sondern die sich daraus ableitende Herzinsuffizienz. Zweimal in den letzten drei Jahren musste er auf Intensiv wegen massiver Wassereinlagerungen in der Lunge verbunden mit Atemnot, hat sich aber anschließend wieder stabilisiert. Er ist ganz ruhig im Bett liegend an einem Herzversagen gestorben.
Das war vor 17 Jahren, die Medizin entwickelt sich ständig weiter, so dass die Diagnose sicher nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, aber man kann trotzdem ein gutes Stück Lebensqualität erhalten .
Ich konnte Dir keine konkreten Tipps geben, aber mein Vater war sehr aktiv und rastlos, konnte auch viel machen bis auf die Einschränkung, eben dreimal täglich inhalieren zu müssen. Vielleicht ermutigt das Deine Kollegin, ganz wichtig ist auch Information, sie nimmt ein Stück Unsicherheit. Dafür hast Du ja schon einen tollen Link von words.myth. bekommen.

Viel Glück Dir und Deiner Kollegin !

LG
Romana
 
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Weiterbildung Stationsleitung mit Zusatzqualif. QMB
hexe1070

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Danke Dennis!

Kann mir jemand den diagnostischen Weg erläutern? Reicht da ne einfache Röntgenuntersuchung?

Also vom Verdacht Lungenemphysem bis zur bestätigten Diagnose. Ist das so klar zu erkennen auf nem Röntgenbild?

Gruß Hexe
 
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pdlandy

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Hi,
das Röntgenbild zeigt durch die überblähte Lunge einen Fassthorax und das Diaphragma ist abgesenkt , da die Lunge durch ihre Überblähung dieses nach unten drückt. Auskultatorisch ist das vesikuläre Atmen abgeschwächt und bei der Perkussion klingt das so , ich sag mal trommelähnlich. Dies Verfahren reichen zur Diagnostic. Zusätzlich ist auch eine BGA möglich: O2 abgesenkt , CO2 erhöht , als Indiz für die verringerte Gasaustauschfläche und die inadäquate Exspiration durch das abgesenkte Diaphragma. Da die Erkrankung irreversibel ist, ist nur eine symptomatische Therapie möglich z.B. antiphlogistisch , O2-Substitution.
mfg
 
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hexe1070

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Danke für die Auskunft pdlandy :thumbsup2:

Gruß Hexe
 
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DieRatsuchende

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Grüß Dich hexe,
Guten Tag Euch allen.

Hier kann auch ich einen Beitrag leisten, wenn auch nur durch einen individuellen Erfahrungsbericht.

Mein Vater war auch an einem Lungenemphysem erkrankt.
Zum Zeitpunkt der Diagnose war er zwischen 50 und 55 Jahre alt, davor lautete die Diagnose etwa 5 Jahre lang Asthma bronchiale.

Der Weg zur Diagnose und die Behandlungsmöglichkeiten sind Dir mittlerweile sicher schon bekannt.

Was ich jedoch unbedingt hier gesagt haben möchte ist:

Ich halte es für sehr unsensibel, unnötig - und ich wage auch zu sagen schlicht unrichtig -, wenn man bei Lungenemphysem gleich sagt, die Lunge sei kaputt.:nono:

Mir ist schon klar, dass eine Erkrankung nicht bei jedem Menschen gleich verläuft. Doch mein Vater ist nicht der erste Mensch, der mit der Erkrankung Lungenemphysem 80 Jahre alt geworden ist (den 81er hat er knapp nicht geschafft).

Freilich gabs Einschränkungen:

Frühpensionierung
Abnehmende körperliche Belastbarkeit
Medikamente wie oben beschrieben
Sauerstoffgabe in den letzten 5 Jahren zu Hause und unterwegs
Zwischendurch auch Cortison
Cor pulmonale kam dazu, zuletzt Grad IV

Dennoch: Mein Vater konnte bis zuletzt noch aufstehen und sich bewegen, wenn auch nur langsam, und seit Oktober 2008 doch deutlich weniger.

Mit seinem Sauerstoffgerät für unterwegs ist er allerdings noch bis zum 78. Lebensjahr Auto gefahren, wenn auch vorsichtshalber nur zum Supermarkt im Ort. Spaziergänge, halt eben langsam (sonst ist's eh kein Spaziergang :wink: ), waren bis dorthin an der Tagesordnung.

Ich denke, neben den Medikamenten sind von Anfang an die entsprechenden Atemtechniken und die bestmögliche Anpassung der körperlichen Aktivitäten an die Belastbarkeit sehr wichtig und hilfreich. (Was freilich auch heißt, die bestehende Belastbarkeit durch gezieltes Training möglichst zu erhalten).

Ich wünsche Deiner Kollegin sehr, dass sie mittlerweile ohnehin für sich persönlich bereits darüber informiert ist, dass man mit dieser Erkrankung doch gute Chancen hat, recht lange zu leben, wobei auch die Lebensqualität annehmbar ist.

Liebe Grüße - DieRatsuchende.
 
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Jens0691

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Hallo Hexe

Das Deine Kollegin nach Erhalt dieser Diagnose grosse Angst verspürt ist vollkommen normal, so geht es allen Betroffenen die eine solche Nachricht erhalten. Sie sollte deswegen aber nicht meinen das Sie im kommenden Jahr auch sterben wird. Niemand kann erahnen wie lange ein Betroffener mit einem Lungenemphysem noch leben wird, auch kein Arzt. Letztlich liegt es zu einem Grossteil auch an dem Verhalten Deiner Bekannten wie sich die Gesamtsituation weiter entwickeln wird. Verhält Sie sich entsprechend der Erkrankung, betreibt also Prophylaxe, körperliche Aktivität, sucht in vom Lungenfacharzt zu bestimmenden Abständen regelmäßig selbigen auf, hält konsequent die medikamentösen Therapie und Einnahmevorschriften ein, vermeidet mit allen Mitteln virale Infekte, dann besteht durchaus auch die Möglichkeit noch viele Jahre mit einem Lungenemphysem zu leben. Ein Quentchen Glück gehört selbstverständlich wie in unser aller Leben auch dazu.

Es gibt viele Möglichkeiten was man alles machen kann um den weiteren Verlauf dieser irreversiblen Erkrankung zumindest in ihrem zeitlich Ablauf zu verlangsamen. Ich würde Deiner Bekannten in jedem Fall empfehlen, sich einen guten Pneumologen zu suchen und zusätzlich sich einer Selbsthilfegruppe anzuschliessen in der andere Betroffene die teilweise schon sehr lange mit der Erkrankung leben über ein breites Wissen über die Erkrankung und das Leben -MIT- derselben verfügen. Was den Aspekt Leben, Akzeptanz und Umgang mit Lungenemphysem und COPD angeht lese einmal hier nach auf unserer Hompage:Mailingliste und Homepage der Selbsthilfegruppe Lungenemphysem-Copd. Definitionen zur Erkrankung sowie alle anderen relevanten Informationen kannst Du unserer Homepage: Selbsthilfegruppe Lungenemphysem - COPD Deutschland entnehmen.

Grüsse von Jens
 
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Koordinator SHG Lungenemphysem-COPD Deutschland
hexe1070

hexe1070

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Hallo Jens,

danke für deinen Beitrag, aber eure Homepage hab ich damals natürlich schon recht schnell entdeckt und wir haben auch schon telefoniert! ;-)

Bekomme auch weiterhin die Newsletter und bring meiner Kollegin alles mögliche davon mit. Inzwischen gehts ihr psychisch wieder sehr viel besser, nur dass mit dem Pneumologen ist sone Sache, naja...

Danke dir...Gruß Hexe
 
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