Lohnsteuerbefreiung für die Pflege?

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Hallo Kollegium,

wie der reisserische Titel schon die Gier weckt, was? click-bait vom Feinsten könnte man annehmen, aber ich habe mir da wirklich was überlegt.

Pflegenotstand ist jedem ein Begriff. Dass wir uns über klatschende Menschen & lobende Anerkennung freuen ist bekannt. Dass uns ne Prämie versprochen wurde auch. Wer sie dann zahlen mag ist noch nicht so recht klar. Genauso, ob´s überhaupt dazu kommt.

Was soll`s. Mein Lohn ist, daß ich dienen darf.

Den Beruf finanziell attraktiver machen. Immer mal wieder gehört. Aber wie?

Und da kommt dem lieben Jörg ne Idee:

Bisher sind das alles Zahlen die ich in 5 Minuten aus dem Netz zusammengewürfelt habe, also keineswegs harte Zahlen. Aber schaut´s mal an:


Lt Statistischem Bundesamt 1,7 Mio Pflegekräfte aktuell.

https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berufe/generische-Publikationen/Altenpflege.pdf

Durchschnittsgehälter von 2400 bis 3400 Brutto. Mal mehr mal weniger.

Gehen wir von 3000 aus, gehen wir von Mitte 40 aus, dann kommen wir auf einen
Lohnsteueranteil von ca 440 Euro monatlich. Nehmen wir 400 als Mittelwert.

400 x 12 x 1.700.000 = 8,160 Mrd €

Lohnsteueraufkommen.


Kann das hinkommen? Ich habs nicht näher überprüft.

Wir haben, wenn man google glaubt 2019 Steuereinnahmen von 799 Mrd. Kommt das hin?

Und jetzt die Frage:

Merkt der Staat das schmerzhaft, wenn das die nächsten Jahre 1 % weniger ist?



Die Idee ist: Eine Lohnsteuerbefreiung für diese Berufsgruppe würde den Beruf garantiert
attraktiver machen. Und kosten würd´s erstmal niemanden was, es müsste halt nur mit 1 %
niedrigerem Steueraufkommen gerechnet werden.

Kriegt man mit Tabaksteuer meiner Meinung nach schnell wieder rein.

Ich denke die Krankenpflegeschulen könnten sich die Bewerber AUSSUCHEN!

Und die Arbeitgeber dürften auch nicht meckern, wenn Sie effektiv das gleiche zahlen, nur halt
den Lohnsteueranteil nicht mehr an Vater Staat abdrücken.

Ja, ja.... ist mir bewusst wie viele Leute sich die Lohnsteuer über den Lohnsteuerjahres-
Ausgleich zurück holen. Sehr viele aber auch nicht und auch da könnte man eine Regelung finden.



Der Gedanken-Anstoss ist gemacht. Vielleicht mag jemand sich die Mühe machen da mal in die Tiefe zu gehen? Die Zahlen zu korrigieren.

Ist die Idee durchführbar? Bringt sie was?

Diskussion eröffnet. Viel Spass vom Jörg
 
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Mit genügend politischem Willen wäre sie durchführbar, die Frage wäre, wer von Vergünstigungen profitiert und wer nicht und ob dann nicht verfassungsrechtliche Fragen dagegen stehen - Gleichbehandlung, zum Beispiel. (Mit welchem Recht reduziert der Staat dann zum Beispiel die Steuern bei Pflegekräften, nicht aber bei Ärzten und Reinigungskräften, die im selben KH arbeiten?)

Viell sinnvoller fände ich eine steuerrechtliche Unterteilung in Gruppen, die für die Aufrechterhaltung des Gemeinwohls arbeiten, und solche, die es nicht tun. Dazu zählen dann auch Beamte im Allgemeinen (zu denen dann auch Polizisten und Soldaten gehören), Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher etc.

In Zeiten der Rezession (die steht uns nun wohl wegen Corona bevor) wird es jedoch, denke ich, zusätzliche Bedenken wegen Steuersenkungen geben.

Zu den Zahlen: Nagel mich nicht drauf fest, aber es gibt in D so an die 750000 Vollzeitstellen, auch wenn die Anzahl der Köpfe in der Pflege höher ist. Der Steuerverlust müsste demnach noch geringer sein.

Die Maßnahme hätte meiner Meinung nach zusätzlich folgende Auswirkungen:
1) Die Arbeitsbelastung und die Kultur wird meines Erachtens kaum verändert.
2) Wenn mehr Bargeld im Umlauf in unserer Gehaltsklasse ist, dann dürfte auch mehr konsumiert werden - wodurch der Staat wieder mehr Einnahmen durch die Mehrwertsteuer hat. (Gutverdiener und Reiche stecken das Geld mehr in statische Anlagen, die der eigentlichen Zirkulation des Geldes entzogen ist.)
3) Wenn mehr Geld im Umlauf ist, könnte die Inflationsrate steigen.
4) Es wird ganz sicher eine Neiddebatte geben.
 
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"(...)Grundsätzlich muss jeder Arbeitnehmer und jeder Angestellte in Deutschland Lohnsteuer bezahlen. Dies trifft auch auf ausländische Arbeitnehmer zu, die in Deutschland fest angestellt sind. Von der Lohnsteuer befreit sind Selbständige und Freiberufler, die dafür jedoch einkommensteuerpflichtig sind.

Direkte Lohnsteuerbefreiungen sind in der Bundesrepublik nur in den seltesten Fällen möglich. Befreit von der Pflicht Lohnsteuer zu zahlen sind diplomatische oder konsularische Vertreter, wenn sie keine deutschen Staatsangehörige sind oder wenn sie sich nicht ständig im Inland aufhalten. Angehörige ausländischer Streitkräfte mit festem Wohnsitz in Deutschland müssen ebenfalls keine Lohnsteuer abführen. Arbeitnehmer, die bei Einrichtungen der Europäischen Union oder anderen internationalen Organisationen, wie der UNO, der UNESCO oder OECD angestellt sind, genießen ebenfalls eine komplette Lohnsteuerbefreiung. (...)"

Quelle: Lohnsteuerbefreiung - Steuerlexikon: förderland


Soviel zum "Aufschrei nach Gleichberechtigung".

Die Maßnahme hätte meiner Meinung nach zusätzlich folgende Auswirkungen:
1) Die Arbeitsbelastung und die Kultur wird meines Erachtens kaum verändert.
2) Wenn mehr Bargeld im Umlauf in unserer Gehaltsklasse ist, dann dürfte auch mehr konsumiert werden - wodurch der Staat wieder mehr Einnahmen durch die Mehrwertsteuer hat. (Gutverdiener und Reiche stecken das Geld mehr in statische Anlagen, die der eigentlichen Zirkulation des Geldes entzogen ist.)

Wo ist dann das Problem?

zu deinem 3) : Die Inflation steigt so oder so. Und hat mitunter andere Ursachen: Steigt zB der Ölpreis um 3 Cent ist am nächsten Tag der Joghurt im Aldi 4 Cent teurer. Gestiegene Betriebskosten. Wir akzeptieren das.

Was aber, wenn der Ölpreis mal FÄLLT ? "sehr geehrte Kundschaft, aufgrund gesunkener Betriebskosten sind wir glücklich und in der Lage, dies preislich an Sie weiterzugeben. Hier, bitteschön, der joghurt 2 Cent billiger"

Das möcht ich erleben.... nein nein nein.... sinken die Betriebskosten freuen sich die Aktionäre. Aber sonst bleibts beim Status Quo. Von daher zieht dieses Argument nicht. Man könnte das aushebeln. Denn es wären ja keine KOSTEN sondern nur eine sagen wir mal nicht zu erwartende Zahl. Etwas mit dem der Finanzminister NICHT per se rechnen könnte. Und wenn´s bei all den Freiberuflern und Selbstständigen ebenfalls breite Akzeptanz findet....

Wer sollte dagegen sein, wenn Schwester Uschi lohnsteuerbefreit wäre?

Die Ärzte? Die eine wirklich starke Lobby haben? Die streiken DÜRFEN im Gegensatz zu uns? Die nur n Schild an die Tür hängen müssen "Vertretung in dringenden Fällen..."

Wir dürfen auch. Aber nur wenn die Versorgung gewährleistet ist. Sprich: in meiner Freizeit kann ich machen was ich will.

Bin ich schief gewickelt?

zu 4) Neid.

Wie lange redet man davon wie unterbezahlt der Beruf ist?

Hier wäre eine einfache, klare, sinnvolle und leicht auszuführende Lösung die erstmal niemanden direkt was kostet. Wir reden nur über 1% mit dem der Fiskus halt mal NICHT rechnen könnte. Und wie Du richtig sagtest: Wir würden das ja nicht im Garten verbuddeln. Die meisten würdens ausgeben und wieder in den Kreislauf bringen.

Was also bleibt von Deiner Argumentation?

Es ist trotzdem toll dass Du dich dazu geäussert hast. Ich hoffe trotzdem, meine Argumente sind besser.

Und weiter geht´s! gerne auch einfach nur Eure Meinung dazu drunter setzen. Gerne auch einfach nur was menschliches.

Ich persönlich würde mich über mehr Kohle wirklich freuen. Aber wenns dann die Oma Schmidt auslöffeln darf, weil die Preise steigen und Sie sich meine Pflege einfach nimmer leisten kann....

DANN verzichte ich gerne und sofort.



edit: was zahlen eigentlich zB Ärzte so grob an Lohnsteuer?
 
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Ich finde diese Idee sehr gut und die Argumentation sehr nachvollziehbar!!!
Diese Petition würde ich sofort unterschreiben und weiterleiten. Macht los!
Lasst uns auch gerne noch Infos dazu sammeln.
Sehr interessante Diskussion.
Ich stimme allem zu. Ungerecht finde ich es auch bei weitem nicht.
Was ich noch sehr Positives daraus ziehe:
Tatsächlich ist der Frauenanteil in der Pflege ja sehr hoch, tatsächlich ist auch der Anteil an TZ-arbeitenden Frauen sehr hoch(Familie, Kinder usw.). Wie toll wäre es für alle Frauen(meist sind es hald die Frauen, nicht immer, ich weiß) mit Lohnsteuerklasse 5, diese nicht bezahlen zu müssen!!! Welche Aufwertung für Ihren doppelten Einsatz in der Familie(für die Gesellschaft) und im Krankenhaus(für die Gesellschaft)!!!
 
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:) Danke Rosi. Du hast vor allem einen neuen Gedanken erweckt: Petition.

Soweit ich weiss muss man ca 100.000 Unterschrfiten sammeln, damit ein Anliegen im Bundestag debattiert wird. Ich hab nur keine Ahnung wie man sowas anstellt... Geht man jetzt von einem Mittelwert meiner 1,7 Mio in der Pflege und den 750.000 Stellen die Igel nannte kommen wir auf 1.225.000. Nehmen wir 1 Mio. Das heisst nur jeder 10te in der Pflege müsste unterschreiben, damit das wahr würde. Auf diesem Board sind viele, in ganz Deutschland verteilt. Man könnte, so man dahinter steht etwas formulieren, mit Hinweis auf diese Diskussion und Zettel zur Unterschrift im Dienstzimmer anhängen. Oder hier im Board eine virtuelle Unterschriftensammlung. Wie und ob das überhaupt möglich wäre weiss ich nicht. Hat jemand Erfahrung damit? Ruhigen Dienst Euch allen.
 
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Je öfter ich´s durchlese um argumentatorische Irrwege zu finden bei mir, um so mehr fällt mir auf:

Ich glaub ich muss nochmal betonen worum es eigentlich geht:

Es geht NICHT darum all denen die jetzt in der Pflege sind und ihren "Mann" stehen :) mehr Kohle zu erstreiten. Das zwar auch, aber nicht ausschliesslich.

Eigentlich gehts wirklich darum, den Beruf finanziell attraktiver zu machen und somit für Nachwuchs zu sorgen. Die Krankenpflegeschulen wieder voll zu kriegen. Was dann ja UNS entlasten würde. Denkt doch mal an die schöne Zeit als es noch die vielen Zivis gab.... das nehm ich dem zu Guttenberg bis heute krumm.

Ich denke, es könnte gelingen, darüber viel mehr Auszubildende in die Pflege zu locken, es müsste nur durchgesetzt und vor allem dann beworben werden:

" Komm in die Pflege! Tu Gutes! Verbessere Dein Karma! Und Du wirst anständig bezahlt! Noch Ausreden? "

Und wenn sich zudem alle freuen, die seit Jahren auf Verbesserung ihrer ganz persönlichen Situation warten: wunderbar: win-win-situation vom Feinsten.
 
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Ich hoffe ich darf das hier verlinken?
 
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@submariner: Ich versuche gar nicht ernsthaft, dagegen zu argumentieren. :)
Habe nur versucht aufzuzeigen, was als Gegenargument kommen könnte.

Ich halte die Idee für gut. Meiner Meinung nach sollte der Staat für diejenigen, die in der Krise und auch sonst so alles am Laufen halten, mehr tun. Nicht nur unser Job ist unattraktiv, andere haben ähnliche Probleme. Wenn man die mit ins Boot holt, hat man gleich mehr impact.
 
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komme grad vom Dienst. Mal sehen, ob ich das noch auf die Reihe kriege, das kurz und knapp, quasi biss-gerecht so zu formulieren, dass wenigstens ein paar drauf anspringen. ich versuche, sofern das erlaubt ist auch die Diskussion hier und die Abstimmung (so ichs hinkriege) gegenseitig zu verlinken. Mal sehen was ich aktuell noch zu Stande kriege.
 
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hier der Link. Ich hoffe, ich hab alles soweit richtig gemacht: Checkts mal aus und schreibt am Besten hier, wenn was nicht so klappt wie´s gedacht ist.

 
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Ich hoffe, das ist alles soweit korrekt verlinkt. Man könnte ja jetzt den lieben Admin bitten, ob er nicht bischen helfen kann, das ganze besser zu positionieren, Tips zu geben, wie man den link zur Abstimmung besser in den Fokus rückt, ohne ellenlang runterscrollen zu müssen. Ideen dazu? Dann warte ich mal ab, wie sich das alles so entwickelt. Gute Nacht. Und denen die Dienst haben : eine angenehme Schicht. Gruss Jörg
 
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Mag euch den Spass nicht verderben und päpstlicher als der Papst sein - aber es steht nicht ohne Grund in den AGB:

Verboten sind auch:
  • Mehrfache Registrierungen, die zur sofortigen und endgültigen Sperrung aller Benutzerkonten führen
  • Sogenanntes "Crossposting" (Das mehrfache Veröffentlichen eines gleichlautenden Beitrages in mehreren Bereichen unseres Angebotes)
  • Parteiwerbung jeglicher Art
  • Spendenaufrufe, sofern diese nicht mit dem Betreiber abgesprochen wurden
  • Aufforderungen zur Teilnahme an nicht rechtsverbindlichen Petitionen. Erlaubt sind ausschließlich Petitionen, die über die Petitionsportale des Deutschen Bundestages oder des Europäischen Parlaments erstellt wurden. Alle anderen Petitionsplattformen - wie change.org, openPetition u.a. - sind rechtlich unverbindlich und nicht evident, da mehrfache Stimmabgaben möglich und die Teilnehmer nicht überprüfbar sind.
  • Aufrufe zur Teilnahme an externen Gewinnspielen
;)
 
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Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
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Verzeihung, wenn das gegen die Richtlinien verstösst, es kann auch weg. Ich habe verschiedene Petitions Seiten jetzt ausprobiert und stelle fest: entweder wollen die von mir Kohle oder von denen die unterschreiben wollen. Kommt mir alles sehr dubios vor. Ich stelle das ein und hoffe hier auf weitere Unterstützung / Diskussion. Ansonsten allen eine ruhige Schicht.
 
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