Krisenmanagement in der forensischen Psychiatrie

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
F

Frando

Neues Mitglied
Basis-Konto
Liebe Kolleginnen und Kollegen der Forensik

Mich würde folgendes interessieren bzw. würd ich gerne wissen wie in Eurer Klinik das gehandhabt wird
Wie funktioniert die ( vor allen Dinge psychische ) Nachsorge bei Übergriffen auf das Pflegepersonal ?
An wem wenden sich Kolleginnen und Kollegen die in einen Übergriff durch Patienten verwickelt sind ?
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensische Psychiatrie
I

Igel77

Mitglied
Basis-Konto
23.12.2014
Oldenburg
Soweit ich das noch weiß: Gar nicht.

Es findet maximal durch aufmerksame, aber natürlich ungeschulte Kollegen gleichen Ranges Betreuung statt. Betroffene, die wirklich Hilfe benötigen, werden als zu weich und ungeeignet abgestempelt, was oft noch Jahre nach dem eigentlichen Vorfall durch das Haus getragen wird. Es ist auch zu erkennen, dass arbeitsrechtlich gegen die entsprechenden Kollegen vorgegangen wird.

Bei besonders ungünstigen Konstellationen (der Patient ist der Liebling eines Therapeuten) wird dem betroffenen Kollegen entweder offen oder verdeckt die Schuld für die Eskalation zugewiesen. Es ist auch nicht unbekannt, unliebsame Kollegen in eine selbst ausgelöste und mitgesteuerte Eskalation hineinlaufen zu lassen. Wenn man "Glück" hat, bringt einem der Geschäftsführer oder ein Vertreter einen Blumenstrauß ans Krankenbett.

Ach ja, und die Schwerbehindertenvertretung ist gleichzeitig Leitung einer forensischen Teilklinik, und nimmt an allen BR-Sitzungen voll teil.Sie gilt unter der Hand als eines der Lecks im BR und hatte auch schon so lustige Ideen wie forensisch untergebrachte Frauen und Männer zusammen auf einer Station zu behandeln.

Das ist jetzt keine wirkliche Hilfe, aber zeigt eben auch, wie es NICHT laufen sollte. Betrifft auch alle Kliniken des Hauses, nicht nur die Forensik, wobei im KHG - Bereich schon einige Patienten in die Forensik eskaliert wurden, und auf der anderen Seite bei manchen Patienten kein Paragraph erfolgte, nach Brandstiftung u.ä., mutmaßlich, weil einflussreiche Angehörige im Hintergrund standen.
 
Qualifikation
Gesundheits - und Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
M

mcknickig

Mitglied
Basis-Konto
12.05.2012
74074
Hallo !

Sicher ist es auch bei uns so das sehr viel mit sich selbst ausgemacht wird.
Bei uns ist es so: falls ein Kollege Betreuung wünscht, bekommt er diese durch einen Psychologen. Das alles geschieht ganz anonym. Ich finde allerdings das es zu einer Pflicht gemacht werden sollte.
Übergriffe gibt es bei uns nur ganz selten- und aus meiner Sicht in "gemäßigter Form", z.B. durch wegschlagen der Hände (allerdings ist immer entscheidend wie der Kollege es wargenommen hat).
Bei uns im "64er" sind die Patienten bemüht NICHT mehr in die JVA zu kommen und sich auch noch einen "Nachschlag" wegen KV einzuholen. Diese "Vermeidungsmotivation" ist erstmal eine sehr gute Sache, so ziemlich alle Patienten bei uns haben Störungen der Impulskontrolle.

Zum anderen wird auch sehr viel durch uns Pflegende aufgefangen, ich kann zu recht sagen das wir sehr nahe am Patienten sind. Es ist auch so das die Kollegen die nicht nahe am Patienten sind und sich wie die Axt im Walde aufführen, irgendwann Opfer werden.
Zuvor habe ich im Justizvollzug gearbeitet. Dort wurde ich mehrmals überfallen und auch nicht unerheblich verletzt. Dort war es der Leitung völlig "Wurst" wie es einem geht.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Vollzug
F

Frando

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
Vielen Dank erstmal für die Antworten, bitte entschuldig dass ich jetzt erst antworte, aber ich hatte einen PC-Ausfall.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensische Psychiatrie
F

Frando

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
Ähnliche Erfahrungen hab ich auch gemacht, es wird nach einem Vorfall meiner Meinung nach dem Pflegenden zu wenig Nachsorge bzw. überhaupt nichts angeboten. Ich kenne eine Kollegin, die vor Jahren von einem Patienten geschlagen wurde und jetzt erst den Weg zu einem Therapeuten findet.
Kennt ihr Kliniken, bei denen eine entsprechende Nachsorge beispielhaft ist ?
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensische Psychiatrie
L

lulli00

Aktives Mitglied
Basis-Konto
17.02.2016
Wien
Traurig das versorgt ihr Menschen mit Seelischen Störungen und keiner kümmert sich um die Pfleger.

Das traumatisierte Überfallsopfer bekommt Hilfe. Der überfallene Pfleger muß das wegstecken. Sind das dann gängige Behandlungsstrategien für die Patienten?
 
Qualifikation
Pflege
F

Frando

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
Mich interessiert das Thema da ich seit kurzem im PR bin und ich ein vernünftiges Krisenmanagement initiieren möchte, bisher ist dieses Thema eher vernachlässigt worden. Ich arbeite in einer 63er und 64er Hochsicherheitsklinik bei der Übergriffe sehr häufig vorkommen. Ich würde aber auch gerne wissen wie man in anderen Kliniken damit umgeht. Erfahrungen bitte auch gerne aus A oder CH
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensische Psychiatrie
L

lulli00

Aktives Mitglied
Basis-Konto
17.02.2016
Wien
Evtl. kannst du dir bei der Polizei, JVA und Rettungsdienst noch ein Paar Ideen holen.
Gerade der Rettungsdienst geht aktuell stärker auf das Thema ein.
 
Qualifikation
Pflege
F

Frando

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
Rettungsdienst ist gut, hab ich auch schon dran gedacht
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensische Psychiatrie
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
Dieses Thema hat seit mehr als 365 Tagen keine neue Antwort erhalten und u.U. sind die enthalteten Informationen nicht mehr up-to-date. Der Themenstrang wurde daher automatisch geschlossen. Wenn Du eine ähnliche Frage stellen oder ein ähnliches Thema diskutieren möchtest, empfiehlt es sich daher, hierfür ein neues Thema zu eröffnen.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.