Arbeitsrecht Krankmeldung am 3. Tag Probleme

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stern3007

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Bei uns ist es so üblich, dass eine Krankmeldung erst am 3. Tag erforderlich ist. Das wurde nicht im Arbeitsvertrag festgehalten. Dort steht zum Thema Krankmeldung überhaupt nichts.

Ich hake aber grundsätzlich nach, ob das ok ist, wenn die Krankmeldung erst am 3. Tag ausgestellt wird. War bisher auch nie ein Problem.

Ich war letzten Monat 5 Tage krank, die ersten beiden ohne AU und dann ab dem 3. Tag eine AU. Mein Arbeitgeber ist nun plötzlich auf die Idee gekommen, die beiden ersten Tage als Arbeitstage zu ignorieren. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass zu früheren Zeiten diese Krankheitstage ohne AU nicht als Arbeitszeit gerechnet wurden. Es gibt auch nirgendwo eine schriftliche Info dazu.

Darf mein AG so handeln? Hätte er mich nicht zumindest bei meiner Frage ob AU am 3. Tag ok ist, darüber informieren müssen? Ich wäre natürlich dann gleich am 1. Tag zum Arzt gegangen.
 
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Sittichfreundin

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Hallo, folgendes steht im Entgeltfortzahlungsgesetz:
§ 5 Anzeige- und Nachweispflichten
(1) Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und
deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit
länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über
das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer
spätestens
an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen
.


D.h. also, Mitteilung unverzüglich, Vorlage einer Bescheinigung nach 3 Tagen! Also ist Dein Chef im Unrecht! Er muß den Lohn auch für die ersten beiden Krankheitstagen fortzahlen.

Weiter steht allerdings auch im §5:
Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen.

Das muß er aber dann schon VORHER sagen! Also entweder ihr habt diese Vereinbarung in einem Tarifvertrag o.ä. oder in einer Dienstvereinbarung, dann kann sich der Chef darauf berufen. Wenn es aber bisher mit den 3 Tagen bei Euch so üblich war, dann kann der Chef nicht einfach die Regelung ändern.


 
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Hallo sittichfreundin,

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und
deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit
länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über
das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens
an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen.
Dieser Passus liest sich für mich sehr auslegungswürdig. Und ich wäre daraus nicht auf die Idee gekommen zu schließen, dass ich erst ab dem dritten Tag zum Arzt und am vierten Tag die AU vorlegen muß. Sondern vielmehr, dass ich bei einer zu erwartenden länger andauernden Erkrankung als drei Tage unverzüglich zum Arzt muß und die AU entsprechend zeitverzögert zum AG. Je nach Erkrankung lässt sich sicherlich ein "vorraussichtliches" Datum schlecht bestimmen, daher läge in meinem eigenen Interesse eine möglichst frühzeitige Therapie zu beginnen, bzw eine entsprechend lange Erholungsphase frühzeitig anzukündigen.

Und wenn ich am zweiten Tag schon abschätzen kann, dass ich am dritten auch noch nicht wieder arbeitsfähig bin, wozu muß ich dann noch bis zum nächsten Tag warten um zu Arzt zu gehen?

Mal so als Verständnisfrage, ist nicht wertend gemeint, denn mir erschließt sich gerade der Hintergrund nicht. Zumal das ja auch jede weitere Planung verhindert und man den Kollegen unter Umständen auch keinen Gefallen tut.

Gruß Hexe

PS, bei uns wird ab dem ersten Tag ein ärztliches Attest eingefordert.
 
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stern3007

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Hexe das steht doch garnicht zur Debatte hier ob ich auch am 1. oder 2. Tag zum Arzt hätte gehen können. Es gibt genug Erkrankungen die man ganz gut selbst abschätzen kann und auch keine Behandlung erforderlich ist.
Der Körper braucht einfach nur Ruhe um sich zu erholen. Ich gehe in solchen Fällen dann meist am 3. Tag zum Arzt, wenn ich sehe, dass ich noch ein paar Tage zur Erholung brauche. Medikamente nehme ich nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Aber viele Infekte lassen sich auch ganz ohne Medis auskurieren.

Ich wäre auch am 1. Tag zum Arzt gegangen, obwohl mir das aufgrund von heftigem Durchfall und Erbrechen doch sehr schwer gefallen wäre. Da mein Arbeitgeber mir aber gesagt hat, dass eine Krankmeldung ab dem 3. Tag ausreicht, habe ich mir die Tortur erspart. Das er jetzt auf einmal herumzickt konnte ich doch nicht ahnen. Außerdem wäre es ziemlich oversized gewesen, den HA um einen Hausbesuch zu bitten, weil man sich nicht traut, sich weiter von der Toilette zu entfernen ;-), aber dringend eine AU braucht.

@Sittichfreundin
So hatte ich das auch im Kopf. Du hast mir die Bestätigung gegeben, dass ich richtig liege.
 
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ambulante Pflege
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Sittichfreundin

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Hallo sittichfreundin,



Dieser Passus liest sich für mich sehr auslegungswürdig. Und ich wäre daraus nicht auf die Idee gekommen zu schließen, dass ich erst ab dem dritten Tag zum Arzt und am vierten Tag die AU vorlegen muß. Sondern vielmehr, dass ich bei einer zu erwartenden länger andauernden Erkrankung als drei Tage unverzüglich zum Arzt muß und die AU entsprechend zeitverzögert zum AG. Je nach Erkrankung lässt sich sicherlich ein "vorraussichtliches" Datum schlecht bestimmen, daher läge in meinem eigenen Interesse eine möglichst frühzeitige Therapie zu beginnen, bzw eine entsprechend lange Erholungsphase frühzeitig anzukündigen.

Und wenn ich am zweiten Tag schon abschätzen kann, dass ich am dritten auch noch nicht wieder arbeitsfähig bin, wozu muß ich dann noch bis zum nächsten Tag warten um zu Arzt zu gehen?

Mal so als Verständnisfrage, ist nicht wertend gemeint, denn mir erschließt sich gerade der Hintergrund nicht. Zumal das ja auch jede weitere Planung verhindert und man den Kollegen unter Umständen auch keinen Gefallen tut.

Gruß Hexe

PS, bei uns wird ab dem ersten Tag ein ärztliches Attest eingefordert.
Huhu, es kommt gar nicht darauf an, was Du wann abschätzen kannst. Fakt ist laut Gesetz, dass Du eine akute Erkrankung unverzüglich mitteilen mußt. Das Vorliegen einer AUB ist allerspätestens am 4.Tag notwendig. Wenn man sie vorher einreicht, ist das gut, wenn nicht, dürfen einem keine Nachteile daraus entstehen und es darf schon gar nicht das Entgeltfortzahlungsgesetz umgangen werden. :nono:
Das sagt der Gesetzestext eindeutig. Ausnahme ist wie gesagt nur, wenn es im Betrieb von vorneherein anders vereinbart wurde.
 
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