Krank ist Krank keine Ethik?

Wie reagieren eure Vorgesetzte bei einer AU?

  • OK, sie akzeptieren es und wünschen gute Besserung

    Stimmen: 17 77,3%
  • Naja, ich kann die dummen Kommentare nicht mehr hören

    Stimmen: 5 22,7%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    22
B

Benjo

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Hallo Zusammen,

in unserem Beruf als Pflegende wird uns sehr vieles an Ethik beigebracht rund um den Kranken sowie Hilfsbedürftigen Menschen zu helfen und zu schätzen, habe mir heute Witterungsbedingt auf dem Weg zum Dienst ein Steißbein- sowie Beckenprellung zugezogen, habe also einen Wegeunfall gemeldet und mich zum Durchgangsarzt aufgrund der Schmerzen begeben... Vom Arbeitgeber kam dann die Frage "Können Sie sich nicht irgendwie durch den Dienst quälen?", nein kann ich nicht! Ich finde alleine die Frage schon geringschätzen sowie Ethisch fragwürdig... Gilt also Ethik nur für kranke Patienten und nicht für kranke Mitarbeiter, die sollen unter Schmerzen anderen helfen und fahrlässig arbeiten? Habe nun eine AU erhalten, denn wenn ich Schmerzen habe kann ich nicht wirklich für meine Bewohner da sein, alleine der Gedanke ich transferiere eine 90Kg Person, es schmerzt vermehrt an den Prellungen und ich lasse den Bewohner reflexartig fallen, da ich nicht mehr kann vor Schmerzen (in diesem Moment), ist für mich alleine schon vom Gedanken so fahrlässig das ich definitiv die AU angenommen habe... Ein Pilot ist entweder Flugtauglich oder nicht, warum ist es dann beim Pflegepersonal nicht auch so, dass man entweder Dienstfähig ist oder nicht. Ich finde in unserem Beruf sollten alle in den Ethischen Genuss kommen, denn es hat was mit Wertschätzung von Menschen zu tun, diese private Geldprostitution des Gesundheitswesens geht mir sowas gegen den Strich... Würde mich gerne mal interessieren welche Erfahrungen ihr so gemacht habt? Und als Anmerkung das ist meine erste AU seit 8 Monaten, also gehöre nicht zu den sogenannten Dauerkranken (wobei viele dann auch ernsthaft krank sind), also das es einen Grund gäbe so zu reagieren, es geht wieder nur ums Geld!


Viele Grüße
Benjo
 
S

Surrogat

Die Problematik ist seit Jahrzehnten hausgemacht.
Solange Pflegekräfte dem AG permanent signalisieren, dass geplante Freizeit relativ bzw. verhandelbar, das Arbeitszeitgesetz dehnbar und Einspringen ohne Zusatzvergütung die Regel ist, wird der AG immer annehmen, dass auch "Krank sein" nur eine Einstellungssache ist.
Hier müssen wir uns - gerade als medizinisches Fachpersonal - an der eigenen Nase fassen und konsequent bleiben.
Krank zur Arbeit erscheinen heisst Risiko für Verschlechterung bzw. Chronifizierung erhöhen und Risiken für den Patienten schaffen (Kontamination, reduzierte Aufmerksamkeit, etc.).
Solange man sich mit Aussagen wie "Der Kollege musste für dich einspringen!" und "Dienstverpflichtungen" erflogreich bearbeiten lässt, wird das immer so weitergehen!
 
R

resigniert

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Ich würde gerne die 1. Antwort ankreuzen, aber sie ist für mich/meine AN-Position zu negativ formuliert. Auf meiner Station gibt es keine negative Denke bei AU-Meldung, auch Dank der Stationleitung - sie färbt sehr positiv ab :thumbsup2: :dankeschoen:
 
W

Willy_Wuff

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Ich muß gestehen das ich allein schon die Begründung für die Krankmeldung bezeichnend finde.
Als Begründung dafür das ich mich krank melde anbringen das ich ja Patienten / Bewohner gefährden könnte in dem ich sie vor schmerzen fallen lasse …......
Sorry.....
Aber wenn jemand Krank ist, unwichtig ob er schmerzen hat, einen Infekt hat, bei dem er jemanden anstecken kann oder nicht …..... wenn jemand, aus welchem Grund auch immer, sagt das er nicht in der Lage ist zu Arbeiten, sprich nicht arbeitsfähig ist, dann geht es nicht um irgendwelche Patienten oder Bewohner, oder darum das der Arbeitgeber Hochgefühle bekommt wenn er sich am Jahresende seine Gewinne anschaut ….....
Es geht ausschließlich um die Person die nicht arbeitsfähig ist.
Und wenn man nicht arbeitsfähig ist, gibt es keinen Grund nen schlechtes Gewissen zu haben, welches ich damit beruhigen muß das ich ja meine Patienten/Bewohner gefährde, es geht ausschließlich und in erster Linie darum seine EIGENE Gesundheit wieder her zu stellen.

Und die Frage nach Ethik in der Pflege..... muß ich leider gestehen das ich da immer nicht weiß ob ich weinen oder lachen soll.
Der Begriff Ethik in Alten und Krankenpflege ist in der Medizin und in der Pflege eine so dermaßen hohle Phrase geworden das man eigentlich nur noch weinen kann.
Wo die Monethik herrscht hat die Ethik leider keinen Platz mehr.
Und in einem Land in dem Konzerne mit Alten und Kranken auf kosten eben dieser und ihres Personals Millionengewinne schaufeln können, da kann man eigentlich nur noch verzweifeln oder anfangen zu sagen das man einen Job macht, diesen so gut wie möglich, aber es ist halt ein Job der einem den Lebensunterhalt sichert, aber eben dies auch nur solange man Arbeitsfähig ist.
Denn wenn man sich mit den hohlen Geldgierigen Phrasen seines Arbeitgebers nen schlechtes Gewissen einreden lässt und selbst bleibende Schäden davon trägt, ist eben dieser Arbeitgeber der mit den hohlen Ethik Phrasen ankommt, der erste der seine dauerhaft kranken Mitarbeiter entsorgt, egal wie lange sie im Betrieb Tätig waren und egal wie viele S-Klasse Mercedes dieser Mitarbeiter ihm erwirtschaftet hat.
 
Klartext

Klartext

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Ich nehme mal an, daß Du die Folgen eines unprofessionell durchgeführten oder auch gar nicht existierenden Personalmanagements in der Pflege erlebst. Herzliches Beileid. Sag mir Bescheid, wenn Du eine Einrichtung der Altenpflege findest, in der schon professionell geführt wird. Es gibt sie - nur so am Rande bemerkt. Etwas suchen, dann klappt's auch mit dem ethischen Gefühl.
 
Klartext

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Ach ja, und bezüglich der Frage der Ethik würde ich persönlich empfehlen, mal beim Thema "Altenheim" anzufangen - daß es existiert - und mich vielleicht einfach in die ambulante Pflege orientieren.
 
Dr.Sparflamme

Dr.Sparflamme

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Eigentlich interessiert es den Arbeitgeber nicht nur das man sich durch den Dienst quält, sondern es ist ihn auch egal das man durch die heftigen Arbeitsbedingungen Schaden nimmt physisch wie psychisch, selbst gesund ist die Arbeit mittlerweile kaum auszuhalten.
Es ist dem Arbeitgeber auch egal ob man durch die Bedingungen früher stirbt .
 
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resigniert

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Eigentlich interessiert es den Arbeitgeber nicht nur das man sich durch den Dienst quält, sondern es ist ihn auch egal das man durch die heftigen Arbeitsbedingungen Schaden nimmt physisch wie psychisch, selbst gesund ist die Arbeit mittlerweile kaum auszuhalten.
Es ist dem Arbeitgeber auch egal ob man durch die Bedingungen früher stirbt .
Es darf dem AG auch egal sein - für sich selbst ist man selbst zuständig.
Es gibt in Deutschland keine Leibeigenschaft mehr
 
Dr.Sparflamme

Dr.Sparflamme

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Es gibt natürlich auch Häuser die behaupten man darf dann jemanden zum Dienst verpflichten, was nicht stimmt, weil das darf in Deutschland nur der Katatastrophenschutz und det Staat persönlich. Also offiziell zumindest, in der Pflege wird das mit der Sklaverei unter der Hand natürlich nicht so eng gesehen!
Ausserdem wenn die Geschäftsleitung dann sagt das wir anscheinend nur persönlich überfordert sind und dem Beruf nicht gewachsen , kann dies doch nur so stimmen, schliesslich haben die mehr Ahnung von unserer Arbeit und arbeiten ja mindestens doppelt soviel wie wir und tragen viel mehr Verantwortung. Und dann sind die auch noch ständig damit beschäftigt uns auf die Finger schauen zu müssen das wir unsere Arbeit auch richtig machen und das können die nun mal besser wenn wir niemals krank sind, wie kann man auch überhaupt bei so einen entspannenden Job überhaupt krank werden?
Manche Häuser sind wenigstens so zuvorkommend, das wenn man krank ist sich wenigstens selber dann jemanden durch rumtelefonieren suchen darf, der dann für einen einspringt.
 
R

resigniert

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Du arbeitest in der Pflege, also gehe ich davon aus, dass du volljährig bist. Also höre auf nach Mutti zu schreien und bestehe einfach nur auf deine Rechte. Vorher natürlich sich gut über seine Rechte und Pflichte informieren. Gewerkschaft - Berufsverband - Arbeitsrechtler können da Auskunft geben. Kostet leidder was, aber nix ist umsonst im Leben.
Danach weißt du dann wo der AG Recht oder eben nicht Recht hat - dies gibst du ihm gegenüber dann kund.
Wenn nix hilft, gibt es halt neue AG oder Arbeitsgerichte.
Erwachsenes professionelles Verhalten gegen Emotionalen tauschen wirkt befreiend - habe ich ganz positiv am eigenen Leib erfahren - ich bin jedenfalls kein Opfer mehr und erfahre mehr Respekt von meinem AG
 
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Kalimera

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An dieser Situation haben die Pflegenden selbst mitgearbeitet. Nur allzu bereitwillig haben sie sich über Jahre immer noch eine Schippe drauf packen lassen, sich wortreich gerechtfertigt wenn sie AU waren. Dann kamen die Zeiten, wo es dann zuviel wurde, aber immer noch wurde sich nicht offen gewehrt. Man holte sich eine AU, wenn man frei brauchte bis hin zu Au wenn ein Wunsch nicht erfüllt wurde. Ich nenne es passiven Widerstand, ebenso wie das Vorschalten eines AB am Telefon. Die Krankheitsrate ist erheblich angestiegen, aber nicht bei allen MA. Dass man so naiv sein kann zu glauben, dass man nicht bei Veranstaltungen, in der Stadt, beim Umzug...ect. gesehen wird während man AU ist, und was mal so gar nicht zu dem Krankheitsbild, das man nannte passte.
Es wurden whatsapp Gruppen innerhalb der Mitarbeiter gebildet wo man sich abgesprochen hat wer wann zur Arbeit geht.
Warum fällt es so schwer auf seine Rechte hinzuweisen oder nein zu sagen oder auf Missstände hinzuweisen?
Die armen Patienten, die armen Kollegen, oder Kollegen könnten mich als unkollegial empfinden wenn ich mal nein sage...ect.
Ich habe etliche Argumente gehört um den Missbrauch mit sich selbst zu rechtfertigen aber auch etliche, die es ausnutzten. Für mich ist beides verwerflich, aber eben auch hausgemacht.
Wer einen fairen Umgang wünscht, sollte bei sich selbst anfangen.
 
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Willy_Wuff

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Muss ich Kalimera recht geben. Kla, auch ich war so dämlich ..... kann ja meine Kollegen nicht allein lassen, die Armen.... ( Die interessieren sich auch nicht dafür, wenn ich allein bin ), und die armen Patienten ....… ( Interessieren sich auch nen feuchten scheiß dafür ob ich vor Erschöpfung zusammen breche oder nen Herzinfarkt bekomme, die Motzen rum das sie mal 10 Minuten Warten, obwohl sie sie Sehen das ich im Akkord arbeite. )

Sind es nicht die Arbeitgeber die immer wieder sagen das wir eine Dienstleistung anbieten ?
Sprich ich bin ein Dienstleister, nicht mehr und nicht weniger als der Typ im Reisebüro oder Sonst wo…..
Sprich ich mache einen Job, dessen Bedingungen sind vertraglich geregelt und auf die Einhaltung des Vertrages besteht mein Arbeitgeber, mit recht………….
DANN Soll mein Arbeitgeber eben diesen Vertrag ebenfalls einhalten, denn darauf bestehe ich mit eben dem gleichen Recht.
Ich verkaufe weder mein leben, noch meine Gesundheit, ich verkaufe nur meine Arbeitskraft, wie jeder andere Arbeitnehmer in der Wirtschaft auch.
Solange es noch so viele Kollegen gibt die das nicht begreifen und meinen das sie ihre Gesundheit und ihr Leben dem Arbeitgeber schenken müssen, solange wird sich in der Pflege nichts ändern.
Und wenn ich mich krank zur Arbeit schleppe und mit den daraus resultierenden Folgen leben muß, ist NICHT der Arbeitgeber Schuld, NICHT das System und auch nicht sonst wer oder was, das ist ganz allein meine Entscheidung und somit bin ich auch ganz allein für die Folgen verantwortlich.

Grundvoraussetzung für eine Gute Pflegekraft ist : Sie Pflegt sich selbst und achtet auf sich selbst, eben um eine bestmögliche Versorgung ihrer Patienten/Bewohner zu gewährleisten.

Nun darf sich jede ach so Aufopfernde Hyper Nurce überlegen ob sie nach dieser Definition eine so tolle Pflegekraft sein kann, wie sie selbst immer glaubt :)
 
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