kontrakturenprophylaxe

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sophy.s

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22.03.2007
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hallo,


erstmal ein frohes, neues jahr. ich weiss gar nicht,ob meine frage überhaupt hierhin gehört, aber ich stelle sie jetzt einfach mal: wie führt ihr kontrakturenprophylaxen in den händen durch? in der kinderklinik, in der ich gearbeitet habe,wurden in die handinnenflächen waschlappenrollen oder weiche stofftiere gelegt. in dem gerontopsychiatrischen altenheim, in dem ich seit oktober arbeite, sagte mir die wbl, dass dies nicht richtig sei und kontrakturen nur verstärken würde.

wie seht ihr das und was macht ihr an kontrakturenprophylaxen im handbereich?


viele grüße


sophy
 
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gerontopsychiatrisches altenheim
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manuelstahnke

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20.12.2007
12163
hi sophy.
wir hatten das thema kontrakturenprophylaxe grad im unterricht und ich probiere es in meinen pflegerischen alltag noch mehr als zuvor zu integrieren; als prophylaxe nummer 1 wurde der physiologische gebrauch des jeweiligen gelenkes genannt; also beschäftige ich die bewohner möglichst viel (damit schone ich auch meine gelenke etwas und spare mitunter auch zeit)

beispiel eins wäre eine demente dame, immobil, antriebsarm, die in den rollstuhl mobilisiert wird; sie bekommt ein hörgerät nach der gesichtswaschung; ich reiche ihr zuvor den lappen, sprech deutlich in ihr ohr, sie möge bitte das gesicht waschen und mache ihr die bewegung vor; wenn das hörgerät erstmal im öhrle ist kann man sie toll anleiten und zum heben von armen, drehen im bett, etc. anleiten; ist sie mobilisiert, setzt sie ihre zähne allein ein und kämmt sich so gut es geht; ich korrigiere dann (offiziell kämme ich nur den hinterkopf) noch; ist auch für mich viel schöner, wenn die pflege im dialog abläuft und sie sich danach über ein ernstgemeintes lob freut

eine andere dame mit schlaganfall und vielen weiteren erkrankungen wäscht sich trotz starker demenz nach anleitung manchmal die linke gesichtshälfte; anstatt ihr ein getränk mit schnabelbecher zu reichen gebe ich ihr den becher in die gesündere hand und führe diese dann, sodaß auch arm- und schultergelenke bewegt werden.

beispiel drei wären zwei damen, die mit ihren händen und armen nicht mehr viel machen können, die eine mit parkinson, die andere hochdement; bei beiden massiere und streiche ich die hände regelmäßig aus, verwende meist noch eine handcreme oder -lotion und behaupte, es wäre nivea (weil ihnen der name früher sicher mal begegnet ist); dann fasse ich die unterarme oberhalb der handgelenke und spreche von einem bootsausflug am see in einem ruderboot, und dann rudern wir los und bewegen die arme durch.

in unseren papieren aus der AP-schule stand auch ein bewegungsprogramm, u.a. hand zur faust ballen, handgelenke kreisen lassen, etc.; diese übungen sollen 3x täglich 10x durchgeführt werden; wenn du nen entsprechend großen WB hast dauert dass dann schon seine zeit.

ein waschlappen ist meiner meinung nach keine gute prophylaxe, weil damit ja kein gelenk bewegt wird; aber er nimmt feuchte z.b. von handinnenflächen auf und reduziert so keimvermehrung und geruchsbildung etwas (oder? :).

viele grüße erstmal vom manuel
 
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Rananarmo

Rananarmo

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Also, nach meinem Kenntnisstand sollte man bei mittelmäßigen Kontrakturen der Hände/Finger nix hineingeben, da dies einen Greifreflex auslöst, der logischerweise die Kontraktur verstärkt. Allerdings hab ich schon gesehen, wie Schwestern bei starken Kontrakturen schrittweise Binden dazwischengeklemmt haben, um die Finger im Laufe der Zeit etwas auseinander zu kriegen.
Wir haben das Thema gerade bei uns in der Krankenpflegeschule, ich werde mal morgen meine Lehrerin fragen, was sie zu Gegenständen in der Hand meint.
 
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Gesundheits- und Krankenpfleger
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manuelstahnke

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20.12.2007
12163
soweit ich weiß wird der frühkindliche greifreflex durch druck in der handinnenfläche nur bei menschen mit schlaganfall ausgelöst.

bei menschen die ihre hand ganz verkrampft halten und die fingernägel drohen, sich in den handballen reinzudrücken macht ein waschlappen übrigens auch sinn :)
 
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Azubi AP
Fachgebiet
Altenpflegeheim
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José

Hallo zusammen. Bei Schlaganfall-Patienten ist ein künstlich erzeugter Druck in der Tat kontraindiziert, und zwar weil er Spastiken fördert. Daß dies auch Kontrakturen fördert ist mir nicht bekannt, es sei denn der Waschlappen etc. ist über 24h in der Handinnenfläche und die Gelenke werden nicht bewegt, aber davon ist ja nicht auszugehen.
Gruß Josef
 
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sophy.s

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22.03.2007
47805
hallo,


danke erstmal für eure antworten. und nein, der waschlappen sollte- so war es von mir angedacht- nur ca 15 min zusammengerollt in der handinnenfläche liegen. zum beispiel während des essen anreichens. und bei der bewohnerin, die ich meinte,ist kaum noch etwas zu aktivieren : alzheimer im fortgeschrittenen stadium, gänzlich immobil, reagiert gar nicht auf ansprache. es sind auch schon leichte kontrakturen in den händen vorhanden.
heute habe ich noch mal das gespräch mit der wbl gesucht und die meinte dann, die erfahrung habe gezeigt, dass sich häufig aus so einer kontrakturenprophylaxe ein dekubitus entwickeln könne, da von weichen gegendständen bei der prophylaxe ja abstand zu nehmen sei. also die wahl zwischen pest und cholera. :blushing:

naja, vielleicht beschränke ich mich wirklich darauf, es nur während des essen anreichens zu machen und ansonsten während der lagerung die finger und hand gut durchzubewegen. unsere kg im haus konnte mir dazu auch nicht eine befriedigende antwort geben.

in diesem sinne - bin für tips immer zu haben.

viele grüße


sophy
 
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Christian Formanowski

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06.02.2008
58840
Hallo. Hier mal ein bisschen was aus dem Unterricht zusammengefasst :)
Ziel der Prophylaxe:
-[FONT=&quot] [/FONT]Erhaltung der physiologischen Gelenkstellung

Kontrakturenprophylaxe beinhaltet:
-[FONT=&quot] [/FONT]Gefährdung des Bewohners / Patienten einschätzen
-[FONT=&quot] [/FONT]Maßnahmen planen und anwenden
-[FONT=&quot] [/FONT]Wirksamkeit prüfen

Maßnahmen:
-[FONT=&quot] [/FONT]Aktivierende Pflege
-[FONT=&quot] [/FONT]Mobilisation
-[FONT=&quot] [/FONT]Lagerung (ca. alle 2 Stunden)
-[FONT=&quot] [/FONT]Wohlüberlegter und gezielter Einsatz von Hilfsmitteln (z.B.: Fußstützen, Knierollen, Gummi-Noppen-Bälle)


Wenn du die Gelenke bewegen willst, dann denk bitte daran die nächst größeren Gelenke zu unterstützen (Bei den Fingern wäre es dann das Handgelenk)
Dann musst du dich mal einlesen bei "Passive Bewegungsübungen", "Aktive Bewegungsübungen", "Isometrische Spannungsübungen". Das wäre so ein bisschen was zur Kontrakturenprophylaxe. Wenn du dazu nichts findest oder etwas genauer wissen möchtest dann schreib mir bitte eine mail.

Vielleicht konnte ich dir ja ein bisschen weiterhelfen.


Gruß

Christian
 
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Manu5959

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19.10.2005
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Christian Formanowski

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06.02.2008
58840
Dekubitusrisiko !!! Jedoch kann man da keine genaue Zeitangabe machen, da es bei jedem Patienten individuell ist. Nimm mal einen kachektischen Bewohner mit Anämie und nem schlchten Hautzustand... da sind 2 Stunden sicher schon zu lange. Das ist nur ein ungefährer Richtwert.
 
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Hallo Christian,

mit der Antwort kommst du mir nicht so leicht davon!:wink:
woher nimmst du die 2h? warum gerade 2h und nicht 3 oder 1,5h?

Für mich ist eine gute Aussage deine Beschreibung der Individualität.

Gut ist auch, das 2h erst mal als Richtwert gelten.

Woher weißt du, wie der ungefähre Intervall bei deinem beschriebenen kachektischen Patienten ist? Wie ermittelst du diesen?:wink:

Grüßle Manu
 
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Christian Formanowski

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Beobachte den Hautzustand. Sobald eine deutliche Rötung der Haut auftritt hast du die maximale Zeit überschritten. Müsst ihr Praxisanleiter immer alles so genau hinterfragen? :)
 
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Manu5959

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Beobachte den Hautzustand. Sobald eine deutliche Rötung der Haut auftritt hast du die maximale Zeit überschritten. Müsst ihr Praxisanleiter immer alles so genau hinterfragen? :)
:w00t: :neugier: :grin: Jeb, müssen wir!:laughing:

Du siehst eine Hautrötung, dann machst du einen Fingertest! :wink:
Meine 2h- Frage willste mir unterschlagen?:laughing:

Grüßle Manu
 
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Christian Formanowski

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06.02.2008
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Zu häufiges "unnötiges" Lagern ist eine zu hohe Belastung für Patient sowie für das Pflegepersonal. So hat ein Patient keine Ruhephasen.
Zu seltenes "nötiges" Lagern = zu hohes Dekubitusrisiko... dieser ist dann fast schon vorprogrammiert. Je größer der Druck und je länger die Zeit die dieser Druck auf den Körper wirkt, desto höher ist das Risiko.
Falls du jetzt noch mehr wissen willst schreib mir doch einfach über ICQ zurück (habe dich dort bereits angeschrieben), oder öffne ein neues Thema "Dekubitusprophylaxe". Hier sollte es überwiegend um die Kontrakturenprophylaxe gehen. (auch wenn dieses Thema meiner Meinung nach größtenteils behandelt ist)
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
Und wer hat mit der 2-stdl. Lagerung angefangen?

Wassermann
 
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Krankenschwester
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Christian Formanowski

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06.02.2008
58840
Die Lagerung ist ein Bestandteil der Kontrakturenprophylaxe. "ca. alle 2 Stunden" war meinerseits nur eine kleiner Richtwert. Man muss doch nicht gleich aus ner Mücke einen Elefanten machen :blushing:
 
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Huhu:laughing: ,

ja sorry, bin im Thema etwas abgeschweift!:blushing:

@Christian: Die kleine Mücke kann manchmal nen megagroßer Elefant werden, vor allem, wenn man den Hintergrund net weiß! Damit meine ich nicht dich, sondern meine Praxiserfahrung.
Meine Frage wäre mit dem Hinweis auf einen Namen auch ganz kurz beantwortet gewesen!:wink:

Grüßle Manu
 
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