Kompensieren von Krankheitsausfällen

Annexion

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Hallo ihr Lieben,

ich benötige Euer Schwarmwissen, ich habe mich nun schon durch viele Seiten und Beiträge geklickt, ,und finde dennoch nicht wirklich eine fundierte Antwort.

Es kam dazu das es über die Feiertage zum Ausfall des Nachtdienstes in unserer Einrichtung kam, hierbei sei gesagt ich arbeite bei einem kirchlichen Träger, in einem 80 Betten Haus. Der Frühdienst hat nach der Krankmeldung Rücksprache mit der Leitung gehalten, die darum bat das man selber kreativ werde, da sie nicht kommen würde. Es führte dann dazu das ein überlappender Dienst für diesen Tag gemacht wurde, sprich der Spätdienst blieb nach seinem Dienst noch bis 2:30, wurde dann vom Frühdienst des Folgetages abgelöst, dieser wiederrum wurde dann um 10 Uhr vom Spätdienst abgelöst. (Alles auf gegenseitgem mehr oder weniger positivem Einverständnis) Im Gespräch mit der PDL wurde mir dann mitgeteilt, das es nicht Aufgabe der Leitung sei, auch in einem solchem extrem Fall einzuspringen, sondern das über unser QM geregelt sei, das in diesen Notfällen, es der Leitung auch zu stehe zu verlangen als Bsp. 12 Stunden zu bleiben, da der Examinierte erst den Dienst verlassen dürfe wenn ein Folgedienst gesichert sei.

Daraufhin habe ich mich versucht im Netz schlau zu machen, wie die genaue rechtliche Grundlage aussieht, weil ich mir nicht vorstellen kann, das es dann einfach so auf den AN (Arbeitnehmer) abzuwälzen ist. Einiges habe ich auch gefunden, aber mir fehlen die rechtlichen Quellen, und sachdienliche, fundierte Fakten für das nächste anstehende Gespräch. und hierbei könnt ihr mir hoffentlich behilflich sein.

Man muss dazu sagen, das mein AG nun gewillt ist einen Notfall - Plan für etwaige zukünftige Fälle zu schaffen, und auch hier könntet ihr mir echt helfen mit Info´s und Quellen, vielleicht schon funktionierender Konzepte.

Ich danke Euch schonmal im vorraus :D
 
RainMan

RainMan

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Interessantes Beispiel, was Du da schreibst. Klasse, dass Du das so gut organisiert hast und Deine Kolleginnen und Kollegen mitgemacht haben. Was die Leitung angeht, kann ich nur den Kopf schütteln. Es ist klare Aufgabe der Leitung hier aktiv zu werden. Arbeiten über den vereinbarten Rahmen bedeutet Ärger schon aus arbeitsschutzrechtlichen Erwägungen. Wenn in der Zeit irgend etwas passiert, ist der Ärger sehr groß. Die Arbeitnehmervertretung ist auch zuständig.
 
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Menschenkind

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Rechtliche Grundlagen findest du im Arbeitszeitgesetz in Bezug auf Pausen- und Ruheregelungen, sowie Schichtsrbeit und maximale tägliche Arbeitszeit.

In Bezug darauf, ob die Leitung bei Ausfall von Mitarbeitern einspringen muss...Das ist eine interne Regelung.
Als ich Leitung war, bin ich nicht wegen jedem Mitarbeiterausfall eingesprungen und habe nicht immer jeden Ausfall kompensiert...also den Plan B erstellt...
Aber in kritischen Situationen, also wenn absehbar ist, dass keiner einspringt ist es letztlich doch auch Leitungsverantwortung, einen Dienstplan unter rechtlichen, wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu gewährleisten und sicherzustellen.
Darüber hinaus ist die Leitung dafür zuständig, Mehrarbeits- und Überstunden anzuordnen.
Dich so leicht aus der Affäre ziehen geht nicht unbedingt und unterstützt das “Helfersyndrom“ der Pflegenden, die unter den gegebenen Arbeitsbedingungen nie schnell genug auf den Bäumen sind und wenn es hart auf hart kommt über jedes Stöckchen für ihre Bewohner springen.
 
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Care2000

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Wenn im Arbeitsvertrag bzw. Tarif nicht anderes geregelt ist darfst du NICHT mehr als max 10h arbeiten. Es besteht vom AG eine Fürsorgepflicht für die Arbeitnehmer. Stelle dir vor es passiert etwas. Dann freut sich die BG und andere Instanzen über diesen Hinweis der 12h Schicht. Eure Leitung macht es sich aus meiner Sicht eindeutig zu einfach. Wurde die Stunden angeordnet muss (wenn vorhanden) der Betriebrat dieser Anordnung zustimmen. Mehrarbeit wird nicht bzw nie angeordnet!!!!!!! Die Aussage ist in der Antwort zuvor falsch. Ansonsten gilt als Faustregel das mit dem Aushang des Dienstplan das Deligationsrecht des AG erschöpft ist (außer bei Katastrophenfälle/triftt ja selten zu. Zumal ich bei einer Katastrophe in erster Prio meine Familie unterstützen würde und nicht mein AG oder meine Patienten -sorry). Du hast einen Anspruch auf eine planbare Freizeit. Im Umkehrschluss kannst du ja auch nicht einsitg den Dienstplan nach deinen Belangen ändern. Gleiches Recht für alle... Bist du organisiert: Verdi etc.?
 
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Menschenkind

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Ja, das ist die Sicht der Betriebsratsseite.
Dienstpläne haben rechtzeitig und verbindlich vorzuliegen...blablabla....alles richtig!
Und dann gibt es auch noch - und zwar ebenfalls rechtlich gestützt und geschützt - die Bewohnerseite:
Der Bewohner hat nämlich ein Anrecht auf 24/7 bedarfsgerechte Betreuung und einen gesetzlich gesicherten Anspruch auf 24 Std. Anwesenheit einer examinierten Pflegefachkraft.

In einem akuten Krankheitsfall gibt es also zwei Möglichkeiten:
a) der Dienst bleibt unbesetzt - also ist im schlimmsten Fall keine Fachkraft an Bord
b) es springt jemand kurzfristig ein

Bei a) kommt du mit dem Heimgesetz (wie auch immer das im jew. Bundesland heißt) in Konflikt und generierst weitere Kranke wegen Überlastung, bei b) kollidierst du mit dem Anspruch auf geplantes "frei" oder einen Diensttausch.

Im Übrigen sieht das Arbeitszeitgesetz doch Arbeitszeiten von über 12 Stunden vor (§7, Abs 9) und §14 Abs 2 sieht insbesondere Ausnahmeregelungen von den §§ 3 bis 5, 6 Abs. 2, §§ 7, 11 Abs. 1 bis 3 und § 12 vor. Somit sind die außergewöhnlichen Belastungen durch die langen Dienst rechtlich gedeckt!
 
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bowielein

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In einem akuten Krankheitsfall gibt es also zwei Möglichkeiten:
a) der Dienst bleibt unbesetzt - also ist im schlimmsten Fall keine Fachkraft an Bord
b) es springt jemand kurzfristig ein

Bei a) kommt du mit dem Heimgesetz (wie auch immer das im jew. Bundesland heißt) in Konflikt und generierst weitere Kranke wegen Überlastung, bei b) kollidierst du mit dem Anspruch auf geplantes "frei" oder einen Diensttausch.

!
C) Der AG macht Dienstpläne mit Rufbereitschaften. Diese werden dann im Krankheitsfall eines Kollegen aktiv .
 
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Menschenkind

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Ja, aber auch dann kann es zu Problemen kommen. Der einzige Vorteil ist: Ich weiß, dass ich arbeiten werde...denn krank wird immer einer!

Ich habe bei einem Arbeitgeber gearbeitet, der letztlich Rufbereitschaften eingesetzt hat...das Ende vom Lied war, dass die Mitarbeiter, die sich krank fühlten auch wirklich krank waren und sich fast immer am Wochenende mindestens einer krank gemeldet hat - was legitim ist, wenn man krank ist, keine Frage! Ich möchte damit auch nicht in Frage stellen, dass die Mitarbeiter tatsächlich krank waren!

Jedoch gab es eine fast 100%ige Wahrscheinlichkeit, dass ich tatsächlich arbeiten musste, wenn ich Bereitschaft hatte. Was machst du dann, wenn sich jemand aus dem Früh- und dem Spätdienst krank meldet?
 
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Care2000

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Der Bewohner hat nämlich ein Anrecht auf 24/7 bedarfsgerechte Betreuung und einen gesetzlich gesicherten Anspruch auf 24 Std. Anwesenheit einer examinierten Pflegefachkraft.
Richtig - jedoch hat das Personal keinen Vertrag mit dem Patienten/Bewohner/versorgten Person sondern die Pflegeeinrichtung. Das Risiko trägt eindeutig die Pflegeeinrichtung. Die Pflegeeinrichtung muss die Personaldecke entsprechend planen. Desweiteren möchte ich auf die Fürsorgepflicht des AG für die AN. Eine Tatsache die die Leitungsebene gerne vergisst/verdrängt.

Hin und wieder einspringen ist sicherlich bei gegenseitigem Einverständnis kein Problem. Jedoch wenn es sich um einem dauerhaften Zustand handelt, ist es eindeutig ein Planungsverschulden der Pflegeeinrichtung.

Im Übrigen sieht das Arbeitszeitgesetz doch Arbeitszeiten von über 12 Stunden vor (§7, Abs 9) und §14 Abs 2 sieht insbesondere Ausnahmeregelungen von den §§ 3 bis 5, 6 Abs. 2, §§ 7, 11 Abs. 1 bis 3 und § 12 vor. Somit sind die außergewöhnlichen Belastungen durch die langen Dienst rechtlich gedeckt!
Richtig- muss jedoch im Arbeitsvertrag/Tarif vereinbart sein - sonst max. 10h. Desweiteren besagt §3 ArbZG sogar, dass diese 12h Regelung zumindest fragwürdig ist, da klar 10h vorgegeben.

P.S. Deine Einwand bzgl. der Anforderung der WTG Aufsichtsbehörde ist ganz schnell weggebügelt. Wer bekommt bei Abweichung ein Maßnahmenbescheid - die Pflegeeinrichtung oder der Mitarbeiter? Allein dadurch erkennt man wer die Verantwortung hat.
 
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Care2000

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In einem akuten Krankheitsfall gibt es also zwei Möglichkeiten:
a) der Dienst bleibt unbesetzt - also ist im schlimmsten Fall keine Fachkraft an Bord
b) es springt jemand kurzfristig ein
c) Wurde ja schon benannt
d) Die Pflegeeinrichtung stellt mehr Personal ein!
e) Die Pflegeeinrichtung reduziert die Anzahl der Patienten/Bewohner etc.

Solange private Anbieter 20% und mehr Rendite generieren ist noch genügend Spielraum für mehr Personal oder bessere Arbeitsbedingungen. Da muss man noch nicht einmal mit der Kasse nachverhandeln!
 
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Menschenkind

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Ich streite ja nicht ab, dass die Verantwortung bei der Leitung liegt.
Das ist ganz klar so.

D) geht nicht, weil nicht refinanzierbar und Pflegekraftmangel herrscht
E) ist ebenfalls eher eine langfristige Maßnahme.

Meine Meinung: die Personalzahlen, die derzeit für stat. Einrichtungen verhandelt werden sind das Minimum...so kann man keinen Ausfallsicheren Dienstplan erstellen.
 
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Care2000

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Bzgl. der Veranwtortung; Hast du aber irgendwie anders geschrieben bzw. transportiert! Bewohner Anspruch Bla bla bla....

Bzgl. der Refinazierbarkeit: Schaue dir die Renditen an und sage noch mal, dass es keine finanziellen Spielräume gibt! Sind doch alles Totschlagargumente! Genaus wie der obligatorische Leitungsspruch: Will der MDK so!

Bzgl. Personalmangel: In derTat ein RIESEN Problem. Jedoch würde es sich schnell rumsprechen, wenn in einer Pflegeinrichtung sehr gute Arbeitsbedingungen herschen - einen besseren Personalmagnet gibt es nicht.

Und weiterhin ist es noch immer NICHT das Problem der MA!
 
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Menschenkind

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@Care2000

Nein, du hast es anders aufgefasst. Der Bewohner hat tatsächlich diesen Anspruch. Von Verantwortung habe ich in dem Zusammenhang überhaupt nichts gesagt, sondern nur, dass stets ausreichend Personal da sein muss - dies aber bei Ausfällen ohne entsprechende (teils sehr) kurzfristige Kompensation nicht möglich ist - weshalb es problematisch ist, nur von der Betriebsratsseite aus zu argumentieren.

Refinanzierbarkeit...Bei privaten Heimen ergibt sich ein Problem der Rendite...wobei die Leute, die in Pflegeheime investieren eher in die Immobilie investieren, als in den Betrieb - da dürften die Renditen wesentlich höher sein!
Das Problem bei privaten Pflegeheimen, sehe ich ganz genau so, ist, dass irgendwer sich an denen nen goldenes Näschen verdient. Z.B. Aktionäre. Deshalb wäre eine Verstaatlichung gar nicht sooo doof...andererseits sind dann die Kosten auch entsprechend hoch (Tarifvertrag) - was nicht heißen soll, dass ich etwas gegen Tarifverträge habe - sondern ich sehe das Problem aus der volkswirtschaftlichen Sicht...und da wird das Volk die nächsten Jahrzehnte einiges zu stemmen haben!
Und selbst tarifgebundene Träger zahlen tlw. relativ wenig (was ich zufällig weiß, weil ich die Versorgungsverträge kenne).

"Will der MDK so" muss ja nicht schlecht sein! Warum will der MDK das so? Vielleicht weil es das aktuelle pflegefachliche Wissen ist?
Diesen Satz nur als Totschlagargument zu nehmen, ohne ihn zu hinterfragen, ist natürlich quatsch...nicht alles, was meine Einrihctungsleitung unter diesem Satz sagt muss auch so gemeint sein. Was ich schon gehört habe, was der MDK gesagt haben soll...und dann liest man den Bericht...und davon steht gar nichts drin! Oder was ich alles schon gesagt haben soll, in meinen Prüfungen. Sagen, Hören und Verstehen - ganz unterschiedliche Dinge!

Und ja...gute oder faire Arbeitsbedingungen sind der Personalmagnet - absolut richtig! Witzigerweise müssen dabei noch nicht mal riesen Gehälter gezahlt werden! Aber ja, diese Heime kenne ich auch...kann ich an einer Hand abzählen! Und stimmt...die haben keine Fluktuation, kein Personalproblem.
 
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Care2000

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AN können immer nur aus der eigenen Perpektive fordern - der Spagat liegt bei der Leitung ;).

Will der MDK so... Daher bezeichne ich diesen Spruch ja als Totschlag Agrument. Der MDK will ja nicht, sondern die Prüfanleitung, Expertenstandards und Co. Das heißt der MDK fordert nur das ein, was auch pflegefachlich eingefordert werden muss bzw. in der Prüfanleitung hinterlegt ist. Ein weiterer Aspekt ist, dass viele Einrichtungen keine mündigen Mitarbeiter haben möchten. Genau DIE braucht man aber bei der neuen Prüfanleitung. Daher wird es spannend mit der neuen stationären Prüfanleitung ab 01.11.2019. Der MDK bekommt aus meiner Sicht wesentlich mehr Spielräume um muss sich nicht im Korsett einer eng geschnürten Prüfanleitung bewegen, sondern kann REIN PFLEGEFACHLICH Argumentieren. Ist den Pflegeeinrichtungen insgesamt noch nicht so bewusst.

Ich prüfe auch ;)

LG
 
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