Studium & Beruf Klare Prozesse und Prozessklärung

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J

Joerg Guenther

Hallo zusammen.

Immer wieder fällt es im Krankenhausalltag auf, das es an allen Ecken in den Arbeitsabläufen knischt und hängt. Mit dem Labor klappt es nicht so richtig, die Patienten kommen schlecht versorgt von der Aufnahme, Die Konsiltermin werden erst nach der Entlassung angeboten etc. .
Hier ist dringend eine Klärung der Prozesse erforderlich. Über das wie, wann und das wer mit wem möchte ich hier gern diskutieren.
MfG
Jörg
 
H

Harald Zagar

Mitglied
Basis-Konto
07.07.2000
Hallo lieber Jörg,

es ist typisch für die Pflege, dass bei einem so gutem Thema keine Rückmeldungen kommen. Warum auch, der eigene Bereich ist doch "scheinbar" kompliktionsfrei. Das sind immer die anderen Abteilungen wo es klemmt.

Das gleiche finden wir doch auch in Mitarbeiterumfragen: eigener Bereich positiv; Verbesserungsvorschläge: bessere Organisation in anderen bereichen. Erst wenn die meisten Krankenhäuser in eine GmbH umformatiert werden, und Stellen gestrichen werden, kommt es zu berufsgruppenübergreifende Maßnahmen. Ja so sind wir nun mal. Damit können wir auch dieses gute Thema ablegen.
Gruß harald.
 
S

sunflower

Mitglied
Basis-Konto
06.07.2000
80469
Hallo,

jetzt zickt mal nicht gleich so rum, nur weil hier noch kaum jemand geantwortet hat;)

Meiner Meinung nach fehlt es in den Häusern deutlich an der Bereitschaft der einzelnen Mitarbeiter zur interdisziplinären, berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit. Dazu muß ich allerdings erwähnen, daß dieses Problem in kleineren Häusern sicherlich weniger gravierend ist, wie in einem großen, anonymen 1500-Betten-Klinikum, wo man sich untereinander kaum kennt und sich auch nicht richtig für irgendetwas verantwortlich fühlt.
Sicherlich spielt auch der Faktor Lob und Anerkennung eine Rolle. Dies bleibt in diesen großen Häusern häufig auf der Strecke (natürlich auch abhängig vom jeweiligen Arbeitsklima).
Die Leitung sollte mit gutem Beispiel vorangehen und ihrer Vorbildfunktion gerecht werden, was leider nicht oft der Fall ist (zumindest was ich bislang erlebt habe).
Um die in Joergs Beispiel genannten Probleme in den Griff zu bekommen, halte ich den Austausch der einzelnen Abteilungen auf Leitungsebene für sehr wichtig. Als nächstes wäre sicherlich die Erstellung eines Verlegungsstandards für die Aufnahme/Nothilfe wichtig. Dieser muß aber den zuverlegten Stationen bekannt sein, damit sie abchecken können, ob da wieder mal "geschluddert" wurde oder ob der Patient ihnen korrekt, laut Standard übergeben wurde.
Damit sind wir schon beim Punkt "Transparenz". Wenn diese nicht gewährleistet ist, klappt auch die ganze Zusammenarbeit nicht. Leider kommt es bei besonders "herrschsüchtigen" Leitungen immer wieder vor, daß diese ihren Mitarbeitern wichtige Abläufe und Informationen vorenthalten, nur um ihre omnipotente Position zu sichern.
Würde man den Mitarbeitern mehr Verantwortung übertragen und für ein sog. "Corporate Identity"-Gefühl sorgen, wäre schon viel gewonnen. Ein hochgestochenes Pflegeleitbild, welches dann letztlich doch nicht so konsequent umgesetzt wird, wie ursprünglich geplant, hilft da herzlich wenig.
Ein weiterer Punkt ist sicherlich auch die noch sehr ausgeprägte Hierarchie und Rangordnung in den Kliniken, die sich häufig Innovationsverhindernd auswirkt.

Viele Grüße,
sunflower
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
Fachgebiet
Intensivpflege
K

Kalimera

Unterstützer/in
Basis-Konto
17.01.2001
Hamburg
Das sind etwas viele Dinge, die Du da genannt hast und m.E. nicht alle pauschal abzuklären.
Oft läuft etwas daneben, weil die jeweils andere Abteilung enfach nicht weiß wie dort gearbeitet wird.
Hier ist Transparenz gefragt als erstes. Ein Mittel dazu wäre beispielsweise, daß sich in gewissen Zeitabständen eine gewisse Abteilung vorstellt und wie dort gearbeitet wird.
Besonders gut geht das bei Funktionsabteilungen. Es ist erstaunlich, wieviel Verständnis man dabei wecken kann, ohne daß man immer, wie oft üblich, auf den anderen einfach rumhackt und motzt.
Wenn es um Verlegungen, Pat. aus der Aufnahme oder ähnliche Dinge geht kann man Formblätter, Standards...ect. entwickeln wo alle wichtigen Informationen darauf vermerkt sind
Wenn es um Konsiliaruntersuchungen geht ist eine Kärung auf ganz anderer Ebene erforderlich, was durchaus auch auf der Pflegeebene angeregt werden kann.


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mit freundlichen Grüßen
Sigrid
 
Qualifikation
Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
M

MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Ihr,

das ist sicher ein ganz interessantes Thema. Um bessere Ergebnisse zu erzielen, ist es unabdingbar, Prozesse zu regeln.
Ich bin jedoch eher Praktiker, und in diesem Zuge fällt mir ein anderes Problem auf, welches ebenso unabdingbar angefaßt werden muß, um das Ziel zu erreichen. Warum wir immer gepredigt, den Patienten als "Kunden" zu sehen? Warum wird nicht der Patient als Mensch gesehen?
In letzter Zeit werden wir immer mehr dazu angehalten, in technischen Begriffen miteinander zu reden, gerade im Zuge des QM.
Neben allen positiven Aspekten sehe ich in der gesamten "Prozeßklärung" auch eine ganz große Gefahr.
Was passiert denn, wenn Leitungsebenen und Arbeitsgruppen Prozesse klären, aber letztlich die Einstellung die gleiche ist wie vor dem ganzen Zauber? In welche Richtung läuft denn das wohl?
Ich habe immer das Gefühl, das Bild des "PATIENTEN" wird eingetauscht gegen das Bild des "KUNDEN", der Faktor "MENSCH" bleibt auf der Strecke.

Die Frage ist doch, warum kommt ein Patient schlecht versorgt von der Aufnahme, warum interessiert sich das Labor nicht so richtig dafür, das wichtige Werte schnell am Ziel ankommen, warum bestellen manche Funktionseinheiten Patienten immer wieder zur Essenszeit ab.

Ich denke, so lange nicht daran gearbeitet wird, ein Menschenbild zu installieren, so lange das Umfeld für die Arbeit in der Pflege nicht so geschaffe wird, daß zufriedenheit möglich ist, so lange an technischen Abläufen gebastelt wir, so lange kann es für die Patienten nur weniger gute Lösungen angeboten werden.
In diesem Zuge schockt mich auch etwas der Einwurf von Harald bezüglich der möglichen Stellenstreichungen und Privatisierungen. Ich weiß, daß dieses Thema ziehen kann, doch um welchen Preis denn.

Mich macht es traurig, denn ich sehe, was die Prioritäten der Krankenhausleitungen sind. KOSTENEINSPARUNG !!!


Gruß,

Marc
 
S

Sigi

Themenstarter/in
Hallo Marc,

auch Dir sollte mittlerweile deutlich sein, welcher Veränderungsdruck auf den Anbietern sozialer Dienstleistungen lastet und diese zum Handeln zwingt.
Trotzdem gibt es in vielen Institutionen und Einrichtungen noch Hindernisse und Widerstände auf den Weg zu einem modernen sozialen Dienstleistungsunternehmen. Einerseits sehen viele MitarbeiterInnen ein schier unüberwindliches Spannungsfeld zwischen dem ökonomischen Zwang zu einer wirtschaftlichen Betriebsführung und dem sozialen Auftrag, hilfebedürftige und/oder kranke Menschen umfassend zu unterstützen, zu helfen und zu pflegen.
Andererseits werden soziale Dienstleistungen oft noch in Strukturen und unter organisatorischen Bedingungen sowie mit Management-Instrumenten erbracht, die einer modernen Dienstleistungsgesellschaft hinterherhinken. In Zukunft werden Anbieter sozialer Dienstleistungen meiner Meinung nach nur bestehen können, wenn sie moderne Management-Techniken aus der Wirtschaft übernehmen bzw. adaptieren. Wir nennen das innerhalb des QM übrigens Benchmarking: Von anderen lernen und Spitzenleistungen erreichen.
Der Mensch wird innerhalb des QM auch nicht vergessen oder ignoriert, sondern er erhält mit der Bezeichnung Kunde die Ansprache, die im Dienstleistungssektor üblich ist. Sie verdeutlicht ihm auch, dass er kein Bittsteller ist, sondern für eine Dienstleistung bezahlt / bezahlen muss und wenn diese Leistungen nicht korrekt abgeliefert werden, kann er sich darüber beschwerden, Ersatz verlangen oder letztlich auch den Dienstleistungsvertrag kündigen. Mit Kunden bezeichen und meinen wir nicht nur den Menschen, Bewohner oder den Patienten, sondern verstehen darunter auch sein komplettes Umfeld.
Dort, wo QM eingeführt ist, hat der Kunde schon längst das Menschenbild, welches Du gerne sehen würdest, leider hinkt auch in diesem Bereich die Pflege wie so oft hinterher. Es geht dabei auch nicht vorrangig darum, dass die Pflege zufrieden ist, sondern der Kunde und genau das ist der feine Unterschied.
Wenn Veränderungen innerhalb eines Pflegesystems ( ich spreche von Prozessklärungen ) nicht als positives Zukunftsmerkmal erkannt werden bzw. Mitarbeiter nicht willens sind an Prozessklärungen mitzuarbeiten, dann manöverieren sie sich sehr schnell in ein pflegerisches Abseits. Stillstand bedeutet Rückschritt, lieber Marc.


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Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
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Gruß Sigi

[Dieser Beitrag wurde von Sigi am 02. Februar 2001 editiert.]
 
M

MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Sigi,

nun denn, ich habe doch gar nicht einer Prozeßklärung und -optimierung widersprochen. Auch ich sehe, daß dieses dringend notwendig ist, um effektiver zu arbeiten. Auch die Rolle des "Kunden" ist sicher unter dem Aspekt des Leistungserwerbes notwendig.
Die Frage ist aber doch, wie weit persönlicher Einsatz, menschliche Nähe und Eingehen auf diese Kunden in dem System erfaßt werden. Als Beispiel nehme ich die PPR zur Leistungserfassung (ich weiß, daß sie offiziell nicht mehr erhoben werden). Ich kann den ganzen Tag mich intensivst um einen Patienten kümmern, aber kann doch nicht einen einzigen Strich auf dem Bogen machen.
Ich lehne QM gar nicht ab, ich frage mich nur, was neben der Optimierung von Prozessen alles so auf der Strecke bleibt.
Vielleicht wird alles ja auch ganz toll am Ende, es ist ja schließlich ein langer Prozeß. Vielleicht werde ich sagen: meine Herren, warst du damals vielleicht blind.
Doch wenn ich jetzt nicht meine Fragen stelle, wann dann?
Sigi, Du sprichst sehr überzeugt von diesem Thema. Hast Du nicht ähnliche Zweifel manches Mal?

Gruß,

Marc
 
S

Sigi

Themenstarter/in
Hallo Marc,

nein, Zweifel habe ich in Sachen Qualitätsmanagement keine. Sonst wäre ich wohl kaum der Qualitätsbeauftragter unserer Einrichtung geworden und hätte dieses System mit aufgebaut.
Faszinierend am QM ist für mich, dass es sich dabei um einen Prozeß handelt, der - angewiesen auf die Beteiligung der Mitarbeiter - für eine fortlaufende Qualitätsverbesserung sorgt. Ich vergleiche das QM gerne mit einem Klavier. Je perfekter ich dieses Instrument spielen kann, desto besser ist das Ergebnis.

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Gruß Sigi

[Dieser Beitrag wurde von Sigi am 02. Februar 2001 editiert.]
 
M

MarcMann

Themenstarter/in
Guten Morgen Sigi,

ich finde nicht, daß die Aufgabe und Zweifel sich ausschließen. Man braucht doch immer den eigenen Zweifel, um sein eigenes Tun zu überprüfen. Und man braucht den Zweifel anderer, um für eine Sache zu kämpfen. Wenn alle sofort mit allem einverstanden sind, dann kann irgendetwas nicht stimmen.
Leider, und das bedauere ich sehr, ist es bisher noch niemanden gelungen, meinen Zweifel an dem Gesamtprojekt QM zu entkräften. Irgendetwas scheint dabei schief zu gehen. Wenn viele Mitarbeiter sich dem System entgegenstellen, hat irgendetwas mit der Information nicht gestimmt. Dennoch kann es insgesamt ja gut sein.

Gruß,

Marc
 
J

Joerg Guenther

Themenstarter/in
Hallo Marc,
ich komme gerne und mache mit und bei Euch ein Seminar :smile:
Gruß Jörg

Aber Spaß beiseite, es erweckt natürlich erstmal bei den Mitarbeitern und teilweise unter Umständen auch in der Führung Argwohn und Mißtrauen. Denn meist wir QM mit Arbeitsplatzabbau und Mehrarbeit verbunden.

Dies gilt es zu relativueren und entkräften.

Nächste Woche dazu mehr.
Nochmals
Gruß Jörg
 
S

Sigi

Themenstarter/in
Hallo Marc,

was mich stört an Deiner Antwort ist der Zweifel. Sicherlich erfolgt innerhalb des QM-Systems auch eine Reflexion der eigenen Arbeit, der Arbeitsweisen, der Verfahrensanweisungen usw. Dies erfolgt aber nicht , weil Zweifel an der täglichen Arbeit besteht, sondern erfolgt hinsichtlich der Notwendigkeit von Verbesserungen und/oder Korrekturmaßnahmen, die zur Qualitätsverbesserung nötig sind.
Es kann nicht darum gehen, dass allen Mitarbeitern mit Einführung eines QM-Systems per Verordnung die vorhandenen und z.T. auch nachvollziehbaren Zweifel genommen werden.
Sicherlich gibt es zunächst Vorgaben durch Verfahrensanweisungen bezüglich der Arbeitsabläufe. Hierbei handelt es sich aber nicht um ein starres System, sondern lebt von der Beteiligung der Mitarbeiter. Davon, dass sie sich einbringen und die Praxis hinsichtlich der Durchführbarkeit der Verfahrensanweisungen überprüft, Vorschläge in die installierten Qualitätszirkeln einbringen, auf Schnittstellenprobleme aufmerksam macht und sich auch sonst weitestgehend mit in das System einbringen.
Erfolgt dieses Engagement der Mitarbeiter nicht, kannst Du das QM-System für die Einrichtung einstampfen, weil es totes Instrument ist und nicht mit Leben gefüllt werden kann..
Ich gebe Dir insofern recht, als das eine rechtzeitige und umfassende Informationspolitik der Einführung eines Qualitätsmanagements vorauszugehen hat. Ansonsten erreiche ich mit der Einführung nur das, was immer erreicht wird, wenn etwas neues und unbekanntes eingeführt werden soll: Ablehnung und Boykottierung. Die hierdurch gebundene Energie läßt sich aber meiner Meinung nach viel besser zur Arbeitsplatzsicherung in Form eines QM-Systems einsetzen.


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Gruß Sigi
 
M

MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Sigi,

ich sehe schon, wir beide werden das neue "Diskussions-Dream-Team"...ich muß ein wenig beim Schreiben dieses Satzes grinsen, aber eigentlich meine ich ihn ganz ernst. In Dir scheine ich das Gegenüber gefunden zu haben, welches sehr von dieser Idee überzeugt ist, und Du scheinst in mir den Leugner gefunden zu haben. Beste Möglichkeit, ganz von vorne anzufangen und vielleicht zu einem Ergebnis zu kommen...

Wenn ich bei uns herumhöre, dann sind die Meinungen in der Regel ablehnend - nicht begründet, sondern, weil keine Begeisterung für die Idee da ist. Wenn ich Dir lausche, dann ist wenig Platz für Zweifel, dann klingt es ein wenig, als ob wir den rosigen Zeiten entgegen sehen, wenn es denn nur alle begreifen mögen. Jeder weiß, daß die Situation in der Pflege harten Zeiten gegenüber steht, jeder hört, wie wir durch QM allseits Zufriedenheit erlangen können.
Überall in der Fachpresse wird gelobt, das ein neuer Weg gefunden ist. Oft hört es sich an, als ob ein neues Waschpulver auf den Markt kommt. Und wie oft haben wir alle schon ein neues Waschpulver gekauft und sind doch wieder zum Aldi-Pulver zurück gekehrt. Natürlich ist Stillstand Rückschritt, und damit hinkt auch der Vergleich etwas.

Sigi, Du schreibst, daß der Zweifel es ist, was Dich an meiner Antwort stört. In der Antwort von Dir am 2.2. mittags empfand ich das geschriebene irgendwie als Belehrung deinerseits. Bei dem "auch Dir sollte mittlerweile deutlich sein..." mußte ich etwas schlucken.

Wenn Du Qualitätsbeauftragter bist, gehst Du doch mit einer ganz anderen Voraussetzung in diese Diskussion, hast Dir das Thema erarbeitet, bist sicher auch durch Perioden geschlittert, in denen Du etwas Zweifel hattest, und Du bist irgendwann an den jetzigen Punkt gekommen, wo Du für Dich eine Überzeugung erlangt hast. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du nie gefragt hast, ob denn nicht ein Harken dabei ist.
Wenn ich einen neuen Weg beschreiten will, dann gehört dieser Schritt unbedingt dazu, denn nur dann kann ich auf Zweifel anderer wirklich eingehen.
Meine Ausgangsvoraussetzung ist eine etwas andere. Ich bin noch nicht soweit, daß ich die Idee vollständig vertreten kann. Ich habe mich nur im normalen Rahmen damit beschäftigt, gelesen, was man dann eben so liest, habe mich nie in der Rolle des "Vorkämpfers" gesehen.

Vielleicht verstehe ich Dich ja auch falsch und wir reden etwas aneinander vorbei, dann tut mir das leid. Ich bin offen für Deine Argumente, und ich höre, was Du sagst. Wenn Du mich so hinstellst, als ob meine Zweifel einem Gelingen dieses Vorhabens entgegen stehen, dann macht mich das ärgerlich und etwas hilflos.

Gruß,

marc
 
S

Sigi

Themenstarter/in
Hallo Marc,

Du hast es nicht anders gewollt :biggrin:. Jetzt ist die letzte Chance, um von dem Zug abzuspringen, der Dich nach und nach zum überzeugten Qualitätsmanagement-Mitarbeiter machen wird :wink:.
Wenn Du dazu keine Lust hast, reicht eine weisse Flagge zum Zeichen der Kapitulation :biggrin:.

Bevor wir in die Fortbildung(?) einsteigen, zunächst ein paar Begriffe ( werden lfd. ergänzt ), damit wir über eine gemeinsame QM-Sprache verfügen.

Qualität ist die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung, die sich auf deren Eignung zur Erfüllung festgelegter oder vorausgesetzter Erfordernisse beziehen.

Qualitätssicherung beinhaltet die Planung, die Lenkung, die Sicherung und die Verbesserung der festgestellten Qualität, bedeutet aber nicht nur Messung und Gewährleistung der Qualität, sondern auch Prozeß der stetigen Verbesserung der Qualität und
Sicherung der Ergebnisse durch - Verbesserung, Optimierung, Analyse der Arbeitsabläufe und betrifft primär Arbeits - und Verfahrensanweisungen.
Hierbei unterscheidet man:
Strukturqualität
<UL TYPE=SQUARE>
<LI>Qualifikation des Personals
<LI>Aufbauorganisation
<LI>bauliche, räumliche und technische Ausstattung
<LI>Budget
<LI>Lage
<LI>Fortbildungen
<LI>Leitbild
<LI>Hotelleistung
<LI>Dokumentationssystem
<LI>Zusatzangebot / Freizeitangebote
[/list]
Prozeßqualität
<UL TYPE=SQUARE>
<LI>kontinuierliche und geplante Pflege
<LI>Umsetzung eines Pflegekonzeptes
<LI>Menschenbild ( Beziehung Bewohner - Pflegekraft )
<LI>Standard
<LI>Angehörigenarbeit
[/list]
Ergebnisqualität
<UL TYPE=SQUARE>
<LI>zufriedene Bewohner und Personal
<LI>Erwartungen werden erfüllt !
<LI>Resultat der Bemühungen aller erbrachten Leistungen
[/list]

Pflegequalität Grad der Übereinstimmung zwischen den Zielen des Gesundheitswesens und der wirklich geleisteten Pflege.

Qualität der Pflege bezeichnet den Grad der Übereinstimmung zwischen einer erbrachten Leistung und den für die Leistung festgelegten Zielen.

Qualität in der Pflege wird deutlich an einer Arbeitsweise, die dem derzeitigen Stand der Künste entspricht, die Menschen in ihrem Recht auf Selbstbestimmung und Mitverantwortung einbezieht bei welcher die Partner der Pflege mit dem Ergebnis zufrieden sind

Qualitätsmanagement ist die profesionelle Entwicklung, Organisation, Durchführung, Kontrolle und Sicherstellung von Pflegequalität.

Ich stelle mir vor, dass sich hieraus durchaus eine Langzeitdiskussion entwickelt, an der sich natürlich auch andere QM-Interessierte beteiligen können.


------------------
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
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Gruß Sigi

[Dieser Beitrag wurde von Sigi am 03. Februar 2001 editiert.]
 
J

Joerg Guenther

Themenstarter/in
Hallo Zusammen
Also, zunächst möchte ich Dir, lieber Sigi für die gute Erklärung des Begriffes Qualität danken.

Zur Erklärung des Begriffes Qualitätsmanagement möchte ich folgende Erklärung hinzufügen:

Qualitätsmanagement
Alle Tätigkeiten des Gesamtmanagements, die im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems die Qualitätspolotik, die Ziele und Verantwortungen festlegen, sowie diese durch Mittel wie Qualitätsplanung, Qualitätslenkung, Qualitätssicherung, Qualitätsdarlegung und Qualitätsverbesserung verwirklichen.

An sonsten möchte ich Dir Marc antworten, auf Deine Frage, ob denn Zweifel nicht erlaubt seinen. Ich kann dazu nur sagen, das QM-System lebt davon, das alles in Frage gestellt wird und laufend auf Verbesserung hin durchleuchtet wird. Das Einzige, was allerdings nicht in Frage gestellt wird, ist die Anwendung eines QM-Systems, sei es nun EFQM oder DIN oder TQ oder wie sie alle heißen. Das QM in einem Betrieb eine nicht zu vernachlässigende Größe ist, ist längst 1000-fach bewiesen. Die Frage ist daher nur, wie bekomme ich die Mitarbeiter auf diese Schiene. Hierzu benötige ich zunächst ein klares Konzept zur Einführung des QM-Systems. Weiterhin ist es erforderlich Transparenz zu schaffen (angepaßt an die Mitarbeiter). Die Mitarbeiter müssen eingebunden werden und den Verbesserungsprozess als Zyklus selbst am Laufen halten.
Ich werde demnächst eine Reihe von Folien etc. vorbereiten, die die verdeutlichen und auch das QM-System erklären. Wenn Interesse besteht werde ich dann einen Teil der Folien hier verlinken.

MfG
Jörg
 
C

Christian Bösch

Neues Mitglied
Basis-Konto
19.11.2000
Hannover
Hallo @ all.

Ich möchte gerne der Diskussion ein wenig Würze geben. Bisher seid Ihr m.E. davon ausgegangen, dass die Leistung vom Mitarbeiter zu erbringen sei. Dies stimmt. Aber nur zum Teil. QM bedeutet nämlich auch Abflachung von Hierarchien, Übertragung von Verantwortung an die Basis, Entscheidungsbefugnisse an der Basis. Die Krankenhauslandschaft hierzulande zeichnet sich aber nach wie vor durch starke Hierarchisierung, paternalistische Strukturen, unzureichendem marktorientiertem Handeln aus. Es gibt wohl keiner gerne und freiwillig Macht ab, schon gar nicht Entscheidungsträger.
Aus diesem Grund - aus meiner eigenen, subjektiven Sicht - wird in vielen Häusern der Spagat versucht, gesetzlichen Rahmenbedingungen so weit wie nötig nachzukommen, das alte System aber so weit wie möglich beizubehalten.
Dies funktioniert bei ernsthafter Auseinandersetzung mit Qualität und QM aber nicht!
Sollte Marc entsprechende Erfahrungen gemacht haben, kann ich seine Bedenken verstehen.
Andererseits gibt es positive Beispiele, die zeigen, dass es sich lohnt an diesem Thema zu arbeiten. So entstanden in kontinuierlicher Auseinandersetzung gute Lösungen für Prozesse sowie Kunden (Patienten, Einweiser, Krankenkassen und (!) Mitarbeiter).
Eine spannende Sache, wenn man sich wirklich darauf einläßt.

Gruß Christian (ein von QM Infizierter)
 
Qualifikation
Krankenpfleger
S

Sigi

Themenstarter/in
Hallo Christian,

QM bedeutet nämlich auch Abflachung von Hierarchien, Übertragung von Verantwortung an die Basis, Entscheidungsbefugnisse an der Basis.
Hier hast Du recht und ich habe dies auch nicht bestritten, oder? Alle vorhandenen Strukturen und Arbeitsprozesse werden unter die Lupe genommen. Und wenn es der Steigerung von Qualität nützt.....?

Die Krankenhauslandschaft hierzulande zeichnet sich aber nach wie vor durch starke Hierarchisierung, paternalistische Strukturen, unzureichendem marktorientiertem Handeln aus. Es gibt wohl keiner gerne und freiwillig Macht ab, schon gar nicht Entscheidungsträger.
Auch in diesem Punkt bin ich geneigt, Dir recht zu geben. Die Frage stellt sich jedoch, ob eine solche Institution es sich bei Einführung eines QM-Systems erlauben kann, an den alten, festgefahrenen Strukturen festzuhalten. Wozu sollte sie denn überhaupt QM einführen, wenn sie im Grunde nichts verändern wollen?

Andererseits gibt es positive Beispiele, die zeigen, dass es sich lohnt an diesem Thema zu arbeiten. So entstanden in kontinuierlicher Auseinandersetzung gute Lösungen für Prozesse sowie Kunden (Patienten, Einweiser, Krankenkassen und (!) Mitarbeiter).
Es freut mich natürlich, dass es noch mehr QM-Infizierte gibt. Das habe ich auch nicht anders erwartet.
Und Marc bekommen wir auch noch dahin :biggrin:.


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Gruß Sigi
 
J

Joerg Guenther

Themenstarter/in
Hallo Christian
Du hast selbstverständlich recht, wenn Du sagst das der Aufwand für ein rein plakatives QM-System zu hoch ist. Weiterhin ist dieses auch demotivierend für die Mitarbeiter und bewirkt schlußendlich das Gegenteil. Allerdings ist es erforderlich jetzt anzufangen. Es wird sonst noch teuerer werden, da auch die Kostenträger in Zukunft auf die Erfüllung eines QM-Mindeststandard schauen werden. Dies kann unter anderem zu Budgetkürzungen führen, da die Einsparpotentiale, die durch ein QM-System gegeben sind nicht genutzt werden.

MfG
Jörg
 
C

Christian Bösch

Neues Mitglied
Basis-Konto
19.11.2000
Hannover
Hallo Sigi.

Eine kleine Ergänzung sei mir noch erlaubt.
Du hast natürlich Recht, dass sich keine Einrichtung bei konsequenter Einführung eines QM-Systems erlauben kann, an den alten und festgefahrenen Strukturen festzuhalten.
Allerdings hat die Mehrheit der Einrichtungen noch längst nicht erkannt, was QM positives bewirken kann.
Also wird QM und ein QM-System häufig genug nur plakatiert, um den gesetzlichen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Man schaue sich einmal die Organisationsorganigramme von QM in verschiedenen Häusern an.
Hier findet sich dann der von mir beschriebene Spagat.
Ich persönlich wünschte mir sehr, dass die ganze Sache ernster genommen wird. Dazu ist der initiale Ressourcenaufwand (Mitarbeiter, Kosten) einfach auch zu hoch.

MfG und der Hoffnung auf viele gelungene QM-Projekte

Christian
 
Qualifikation
Krankenpfleger
M

MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Sigi, hallo Jörg,

ich lausche Euren Ausführungen :smile:

Gruß,

Marc
 
S

Sigi

Themenstarter/in
Also mein lieber Marc,

auch wenn es sich nur (?) um eine boardinterne Fortbildung handelt :wink:, würde ich mir von Dir doch etwas mehr Engagement wünschen.
Sich nur berieseln lassen ist doch ein bißchen wenig, finde ich :biggrin:.



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Gruß Siegfried Buttjes
 
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