Kathederisierung wegen Inkontinez

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j.hofstetter

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Hallo Zusammen, ich habe eine Frage zur Kathederisierung bei inkontinenten Bewohnern. Vielleicht könnt Ihr mir mit Eurer persönlichen Erfahrung weiterhelfen.

Ich frage mich wie häufig es in der Realität vorkommt, dass Bewohner rein wegen Inkontinenz einen Dauerkatheder erhalten. Damit meine ich nicht diejenigen, bei denen es medizinische Gründe wie z.B. Verengungen der Harnröhre usw. dafür gibt.

Wie viel Prozent der Bewohner mit Inkontinenz betrifft das ungefähr im Schnitt. Nach welchen Kriterien wird entschieden, dass ein Katheder gelegt wird?

Ihr würdet mir sehr weiterhelfen. Liebe Grüße

J.
 
Oehm

Oehm

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Also meine Erfahrung ist, dass es das bei uns im Altenheim nicht gibt, aber Inkontinente Bew. Immer (oder fast immer) entweder mit Katheter aus dem Krankenhaus kommen oder am Tag der Entlassung entkatheterisiert wurden (was aber grundsätzlich in keinem Entlassungspapier steht) Nach kurzer Rücksprache mit dem Hausarzt ziehen wir sie dann sofort wieder. Natürlich wenn es medizinisch indiziert ist, auch z.B. zur Schmerz oder Luxationsvermeidung nach Frakturen, bei einer Diurese per i.V. oder aus vielen weiteren Gründen kann ich dass ja noch verstehen ... aber es ist oft genug einfach nur "Arbeitserleichterung". Das ist meine persönliche Berufserfahrung ... aus meiner Sicht, in meiner Stadt ... will hier ungern verallgemeinern und eigentlich keinem auf die Füße treten ....
 
J

j.hofstetter

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Hallo Oehm, danke für deine Antwort. Das ist schon mal eine interessante Erfahrung. Bezüglich der Infektionsvermeidung ist es bei Euch sicher die richtige Vorgehensweise, das sobald wie möglich mit dem Hausarzt zu klären.

Ich habe im Netz noch eine interessante Studie gefunden (mit ca. 2400 Bewohnern aus 2009). Dort hatten zum Zeitpunkt der Erhebung ca. 8,1% der Bewohner einen Dauerkatheder. Die Anzahl der Harnwegsinfektionen war (wie zu erwarten) bei Bewohnern mit Kathedern deutlich höher (3,9% im Vergleich zu 0,7% ohne Katheder).
https://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/Altenpflegeheim_wiederholte_Infektionssurveillance_2009.pdf

Bin gespannt, wer dazu noch Erfahrung aus der Praxis beisteuern kann - deckt sich die mit der Studie?
 
K

Keßler

OK, die Frage ist an die stationäre Pflege gerichtet.

Aber auch in der ambulanten sehen wir zu, dass unsere Patienten den "Krankenhausschlauch" schnellstens wieder los werden.
Die einzige pflegerische Indikation wäre die Dekubitusgefahr/-behandlung.
Selbst bei einer hohen Pflegestufe haben wir - i.d.R. - nur 3 bis 4 Anfahrten pro Tag.
Häufigkeit : In den letzten 10 Jahren 2 mal. Und das nur bei Finalpflege.
 
F

Farodina

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Bei uns wird im stationären Bereich ebenfalls der "Krankenhausschlauch" ( der Name gefällt mir) nach Absprache mit dem Hausarzt entfernt. Auch bei uns bekommen die Bewohner ausschließlich im Krankenhaus einen Katheder, insbesondere wenn eine Immobilität und/ oder Demenz vorliegt. Bis auf zwei Bewohner, welche einen Katheder nach medizinischer Indikation haben, sind wir Kathederfrei :)
 
sophia65

sophia65

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celle
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Ich habe es in einem Haus so erlebt, dass je weniger Personal, desto häufiger Bewohner mit DK. Bei einem jungen Mann erlebte ich, dass der Arzt sich weigerte einen zu legen, da keine Indikation und nur das Personal es wollte.
Andererseits ist die Versorgung mit adäquatem Inkontinenz Material desolat. Siehe Bericht von Herrn Laumann. Da sparen die Kassen auch dran. Im Moment ist es so: Habe ich Geld, dann kann ich mir hochwertige Produkte leisten. Ansonsten: ich bin nass, rieche oder
Habe einen DK.
 
K

Keßler

@sophia65

Mit den "Vertragspartnern" der Kassen kann sich prächtig amüsieren :
Das Inko-Material ist absolut minderwertig, und wenn ich ein Rezept über einen Rollator bekomme,
tippt sich unser Sanitätshaus an die Stirn : "Für die paar Kröten von der Kasse kriegt ihr keinen von uns."
Der "Vertragspartner" für den Rollator sitzt 500 Km entfernt. Wenn am Gerät etwas defekt ist, dauert es Taaage.

Also : Der Bewohner/Patient wird unweigerlich einen Intertrigo, einen Dekubitus oder einen Sturz erleiden.
Und schon ist die Krankenkasse d`ran mit dem Zahlen.

Solange hier nicht die Krankenkasse die Pflegekasse in Regress nimmt, bleibt uns der Spass erhalten -
also noch seeehr lange.
 
S

Schwester 0815

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Es mag ja sein, das in vielen Krankenhäusern ein Dauerkatheter bei Inkontinenz gelegt wird, aber das kann man nicht verallgemeinern.
Ich arbeite auf einer geriatrischen Station und bei uns erhält kein Patient ohne medizinische Indikation ( z.B. Harnverhalt oder iv Diurese) einen Katheter gelegt.
Selbst danach wird immer wieder versucht die Patienten vom Katheter zu entwöhnen und nur wenn dies nicht möglich ist bekommt der Patient eine Dauerhafte Versorgung.
 
L

ludmilla

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@sophia65

Mit den "Vertragspartnern" der Kassen kann sich prächtig amüsieren :
Das Inko-Material ist absolut minderwertig, und wenn ich ein Rezept über einen Rollator bekomme,
tippt sich unser Sanitätshaus an die Stirn : "Für die paar Kröten von der Kasse kriegt ihr keinen von uns."
Der "Vertragspartner" für den Rollator sitzt 500 Km entfernt. Wenn am Gerät etwas defekt ist, dauert es Taaage.

Also : Der Bewohner/Patient wird unweigerlich einen Intertrigo, einen Dekubitus oder einen Sturz erleiden.
Und schon ist die Krankenkasse d`ran mit dem Zahlen.

Solange hier nicht die Krankenkasse die Pflegekasse in Regress nimmt, bleibt uns der Spass erhalten -
also noch seeehr lange.
Die Krankenkasse schliesst mit den Anbietern von Hilfsmitteln Verträge ab. Derjenige der das günstigste Angebot macht bekommt den Versorgerauftrag. Sich dann hinterher rauszunehmen, weil die ausgehandelten Verträge nicht ausreichend abwerfen ist sehr merkwürdig und eigentlich Betrug. Dies würde ich der Kasse melden, weil die ja den Vertrag ausgehandelt haben!
 
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