Katheder rausgerissen, keine Kassenleistung?

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Susanne U.

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Hallo!
Mein Vater ist 82 Jahre alt und seit 1,5 Jahren bettlägerig und im Pflegeheim untergebracht.
Er hat nun seit ca. 1 Jahr einen Katheder liegen, da Blase und Darm nicht mehr richtig arbeiten. Nun hat er rund um den Katheder-Ausgang eine Hautrötung und starken Juckreiz. Dieses wir wohl vom Arzt mit Salbe behandelt, aber wir vermuten, dass er wg. des Juckreizes, den Katheder bereits 2x selber raus gezogen hat. Da er sich daran aber nicht erinnert, ist es schwer ihm Absicht zu unterstellen.
Die Heimleitung hat nun meiner Mutter mitgeteilt, da diese bereits 2x wegen des raus gerissenen Katheders einen Krankenwagen ins Heim gerufen hat, wenn das noch einmal vorkommt, dann muss Sie für die Kosten des RTW-Einsatzes selber aufkommen.
Meine Mutter (80 Jahre) ist nun ziemlich verunsichert und rechnet mit immensen Kosten, die Sie evtl. tragen muss.
Ist das korrekt? Werden RTW-Einsätze nicht von den Krankenkassen übernommen?
 
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Kalimera

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Verstehe ich das richtig, dass Deine Mutter den Krankenwagen gerufen hat? Keine Rücksprache mit dem dortigen Pflegepersonal?
 
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Susanne U.

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Nein, meine Mutter wurde von der Heimleitung darüber informiert, dass wohl bereits 2x ein RTW vom Heim deswegen angefordert worden ist, das nächste mal müsste Sie den Einsatz aber dann bezahlen, weil mein Vater den "Schaden" selbst verursacht hat.
Sie selbst wohnt nicht in dem Heim.
 
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Kalimera

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Irgendwie seltsam. Das habe ich noch nie gehört, zumal es scheinbar fraglich ist, dass Dein Vater weiß was er tut. Zudem wird der RTW von Fachpersonal gerufen und die Verantwortung liegt mMn bei denen, insofern erschließt sich mir nicht, warum Deine Mutter das zahlen sollte. Ich würde bei der Krankenkasse nachfragen ob diese Aussage stimmt.
 
Christian Kröhl

Christian Kröhl

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Das höre ich nicht zum ersten Mal, das sich Heime so den Auseinandersetzungen mit den Kassen und dem MDK entledigen wollen. Denn natürlich wirft das dort Fragen auf, weshalb der Patient z.B. nicht ausreichend überwacht wird und sich diese Vorfälle ständig wiederholen. Eine gesetzliche Grundlage zur Regressnahme bei den Angehörigen existiert nicht und der Heimleitung sollte man da mal ruhig recht ungeniert auf die Füsse steigen und ihr mitteilen, sollte derartiges nochmals angedroht werden, stünde eine Stunde später die Heimaufsicht in der Tür.
 
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lulli00

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Zumahl ich da mal ausdrücklich nachfragen würde wie es denn seien kann das der Vater das regelmäßig schafft sich den DK zu ziehen. Da läuft ja was im Heim falsch ;)
 
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Ajmalin

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Also selbst wenn er sich 10X im Monat den Katheter zieht übernimmt die Kasse den Krankentransport...
Aber im Ernst, legt denn im Heim vom Fachpersonal keiner mehr nen Katheter?
:headwall: Kann das denn sein dass er immer ins Krankenhaus / die Notaufnahme geschippert werden muss?????
 
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lulli00

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Also selbst wenn er sich 10X im Monat den Katheter zieht übernimmt die Kasse den Krankentransport...
Aber im Ernst, legt denn im Heim vom Fachpersonal keiner mehr nen Katheter?
:headwall: Kann das denn sein dass er immer ins Krankenhaus / die Notaufnahme geschippert werden muss?????
Wahrscheinlich können sie es nicht, da ja nur eine Fachkraft sich um mehr als 100 Bewohner kümmern muß, der Rest sind Helfer oder was auch immer die es in der tat nicht dürfen. Wenn rausreißt ist ja immer die Frage der Ruptur, das sollte geklärt werden. Und zu dem sind meist keine Materialien vorhanden, da diese ja Personlisiert für jeden einzelnen Bewohner verschrieben werden.

Schlimmer finde ich das dass Heim auf diese Weise versucht, die Verantwortung und die Fragen der KK zu umgehen.

Grundsätzlich ist das rausreißen eine Indikation für den Transport zu einem Urologen. Um zu schauen ob es Verletzungen gibt. Ggf. Unkompliziert einen neuen einzulegen oder ggf. bei Verletzungen zu intervenieren.

Bei meinem Einsatz im Altenheim in der Ausbildung war es schlichtweg nicht möglich, das der Urologe Zeitnah zum Hausbesuch kommen konnte. Oder überhaupt irgendein Arzt. Somit blieb immer nur der Trapo ins nächstgelegene KH mit Urologie. Oder was auch immer.

Mal eben einen Arzt ins Heim bekommen der Bagatelle regelt. Ein Ding der Unmöglicheit. Auch ist die Kommunikation bzgl. des kommens des Pat. in die ZNA extrem gehemmt.
Häufig bringt uns der RD einen Pat. aus dem Heim. Da bekommen wir so Waage eine Übergabe. Am Ende weiß man nicht warum der Pat. in der ZNA ist. Oder er kommt wegen simpler Dinge wie Übelkeit, weil der Hausarzt nicht mehr zu erreichen ist oder sonst was und man im Heim nicht einfach mal ein Medikament vom Nachbarn geben darf. Der Bereitschaftsarzt aber auch zum verrecken nicht rauskommt. Oft genug erlebt. Vom Nachbarn nehmen ist rein rechtlich ein Diebstahl und mal eben abends zur Notapotheke gehen kann ja auch keine Pflegekraft. Angehörige sind eher selten zu erreichen. Erst recht bei gesetzlich bestimmte Betreuer.

Zurück zum Thema. Wenn der Bewohner sich ständig den DK zieht, dann muß das Heim Vorkehrungen treffen das er dieses nicht mehr kann. Das heißt nicht das es unter gar keinen Umständen mehr passieren darf. Aber das Haus muß nachweisen können sich bestmöglich bemüht zu haben dies zu verhindern.
Und das können die Häuser in der Regel nicht, da diese meist total Überbelegt sind.

2 Kräfte in der Nacht für 120 Bewohner. Da müssen nur 2 Faxen machen dann ist ende. Dann läuft der laden nicht mehr. Dann geht nur noch Sedieren oder festbinden. Beides Dinge die Ethisch verwerflich sind.
 
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Susanne U.

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Vielen Dank für die ganzen ausführlichen Antworten!
Ich habe es mir nämlich auch schon so ähnlich gedacht.
Da es bis jetzt nicht wieder vorgekommen ist, hoffe und denke ich, dass jetzt erstmal keine Probleme mehr mit dem Katheder auftreten. So kann ich auf jeden Fall meine Mutter beruhigen und dem Heim zukünftig dann den Wind aus den Segeln nehmen.
 
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