Kassen lehnen Sonderprogramm zur Pflege ab

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Kassen lehnen Sonderprogramm zur Pflege weiter ab
Mittwoch, 10. September 2008

Doris Pfeiffer (l.) und Ulla Schmidt /ddp


Berlin – Die Krankenkassen sperren sich weiter gegen die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vorgeschlagene Aufstockung der Pflegekräfte in Kliniken. „Wir sind gegen ein solches Programm und lehnen es ab“, sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, nach einem „Pflegegipfel“ am Mittwoch im Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Schmidt hatte Vertreter von Ärzten, Kassen, Krankenhäusern und Pflegekräften zum Gipfel geladen.

Der Rückgang der Pflegekräfte in den Krankenhäusern spiegele lediglich den Wandel von der stationären hin zur ambulanten Versorgung wider. 30.000 Pflegekräfte, die heute weniger im Krankenhaus seien, arbeiteten jetzt in Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege. „Es wäre falsch, jetzt ein Einstellungsprogramm zu initiieren, das Pflegekräfte vermehrt dort einstellt, wo die Pflege zunehmend weniger stattfindet“, argumentierte Pfeiffer.

Nach dem Willen von Ministerin Schmidt sollen in den nächsten drei Jahren 21.000 zusätzliche Stellen in den Kliniken durch die Kassen finanziert werden. Der demografische Wandel und die steigende Anzahl von Hochbetagten stellten eine neue Herausforderung dar, „die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte hat sich verdichtet“, sagte die Ministerin. Dem müsse begegnet werden, um eine umfassende Pflege von Patienten in den Krankenhäusern weiter gewährleisten zu können.

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Maria-Luise Müller, begrüßte die Ankündigung Schmidts. Müller sprach sich dafür aus, die zusätzlichen Stellen nicht nach dem „Gießkannenprinzip“ zu verteilen, sondern dies an „patientenorientierte Konzepte zu knüpfen“. Folgen der Unterbesetzung seien „Burn-Out-Situationen“, Abwanderung und zunehmende Infektionskrankheiten, die in den Kliniken erworben worden seien. Das seien Signale, die auf eine verschlechterte Versorgung der Patienten in Kliniken hinwiesen.

Auf dem „Pflegegipfel“ war unter anderem die Einsetzung einer „Ad-hoc-Arbeitsgruppe“, die sich mit der möglichen Umsetzung eines solchen Pflege-Sonderprogramms intensiv befassen soll, beschlossen worden. Trotz ihrer Bedenken wollen die Kassen sich an dieser Arbeitsgruppe beteiligen. Ein nächster „Pflegegipfel“ wurde für März 2009 verabredet, die Arbeitsgruppe soll jedoch schon vorher Ergebnisse präsentieren. © ddp/afp/aerzteblatt.de
Man mag zu dem "Versprechen" von Frau Schmitt und den daraus folgenden Konsequenzen u.a. für die Beiträge in die KK's stehen wie man möchte, aber den herausgehobenen Teil dieses Zitats musste ich mir zweimal durchlesen bis ich ihn tatsächlich aufgenommen hatte.
Ist das nur bei uns so, oder findet nicht eher "Pflege zunehmend weniger (dort) statt", weil weniger Personal bei höherem Patientendurchlauf und zunehmender Multimorbidität einfach zwangsläufig mit "weniger Pflege" vergesellschaftet ist?

"Wandel von der stationären zur ambulanten Versorgung"...:spinner:

Gruss,

Words.myth
 
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Sittichfreundin

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Die sperren sich dagegen, weil sie es bezahlen sollen. Und weil sie scheinbar keine Ahnung davon haben, was wirklich läuft in den Krankenhäusern.
Dass es mehr Personal gebe in Pflegeheimen :)spinner: ) und im ambulanten Bereich, da kann man doch nur drüber lachen!
 
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matras

Die sperren sich dagegen, weil sie es bezahlen sollen. Und weil sie scheinbar keine Ahnung davon haben, was wirklich läuft in den Krankenhäusern.
Dass es mehr Personal gebe in Pflegeheimen :)spinner: ) und im ambulanten Bereich, da kann man doch nur drüber lachen!
die wissen ganz genau worüber sie reden. - und natürlich wollen sie nicht mit der Kohle raus! Diese Dame hätt ich gerne mal im Krankenbett, aber irgend wann kriegen wir sie alle.....!
Aber auch die Haltung von Frau Schmidt ist so was von verlogen, da sträuben sich die (nicht vorhandenen) Haare!!! Die hätte doch schon lange handeln können. Und dass sie jetzt seit etwa zwei Monaten davon spricht 21.000 Pflegestellen zu schaffen (nachdem auch unter ihrere Ägide) 50.000 abgebaut wurden, läßt nur vermuten dass Wahlkampf ist ......;-)

Der Worte sind genug gewechselt, allein nun lasst uns Taten sehen!

Matras
 
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romana

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Ist echt explosiver Stoff diese Aussage !:angry:
Normalerweise sollte jede Einrichtung ( KH, amb. Dienst ,Heime ) ihre Zahlen im Vergleich vor zehn Jahren offen legen, auf riesige Plakate schreiben, überall vor die Ministerien hängen, Protestmärsche durch die Straßen machen!!!:mad_2:

Von den weggefallenen 50000 Stellen werden nicht mal die Hälfte ersetzt !:heul:

Haben wir vorher eigentlich Däumchen gedreht und nur Kaffee getrunken ?
Aber bei unserem "Potential" können wir doch locker noch ein paar Bürodienste, ärztliche Tätigkeiten, Putzdienste.....übernehmen !:ironie:

Ich bin mir sicher, es gibt keine Einrichtung, die mit der gleichen personellen Besetzung wie vor zehn Jahren arbeitet, da ist die steigende Bürokratie und gestiegene Ansprüche an die Pflegekräfte noch gar nicht mit drin !!!

Krieg ich soooo einen Hals !:motzen:

In der Industrie kann man Personal (leider!) reduzieren durch Einsatz von Maschinen. Dieses Prinzip der Kosteneinsparung kann man aber bei uns nicht zu Grunde legen, Es geht eben nicht um messbare Arbeitsleistung, sondern Versorgung von Menschen. Auch wenn nach dem neuen Pflegegesetz festgelegte Zeitkorridore gelten, wo wird berücksichtigt, wenn jemand stark verkotet ist, erbrochen hat, gestürzt ist,kollabiert...... ? Das sind unvorhersehbare Vorgänge, die aber tagtäglich passieren und bei der Berechnung der Zeit für Pflege ganz außen vor bleiben aber als Puffer einfach drin sein müss(t)en !:angry:

Deshalb funktioniert das nicht und wir sind nur noch am Rennen.

Baaah, ich höre jetzt auf, sonst krieg ich "Kreislauf" !

LG
Romana
 
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josephine

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:traenenlaDie Pflegekräfte sind aus den Kliniken in die Pflegeheime????:traenenla


Ich will wirklich niemandem zu nahe treten, aber ich hatte "damals" im Verlauf von 2 Monaten insgesammt 6 Kollegen, die ihren Job im KH verloren hatten bei mir im Pflegeheim zum einarbeiten. 1 ist geblieben, die hatte allerdings früher schon mal einige Jahre im Pflegeheim gearbeitet und wusste, was auf sie zukommt. Der Rest ging nach 2 - 14 Tagen mit Kommentaren wie: "Ihr seid ja verrückt!"; "so kann ich nicht arbeiten!", "10 mal Volle Übernahme in einer Schicht, dass schafft doch niemand!", "Wieso kommt hier kein Arzt? 2 Stunden wartezeit sind absolut inakzeptabel!"; oder schlicht: "Ich ruiniere mir mein Kreuz doch nicht komplett!"

By the way: In den Pflegeheimen spüren wir sehr deutlich, dass in den Krankenhäusern zu wenig Pflegepersonal ist.
Die Überleitbögen sind mittlerweile derart standardisiert, dass ich Schwierigkeiten habe, sie einzelnen Patienten zuzuordnen.
Meine Bewohner kommen immer häufiger "ungepflegt" zurück.
Die Dekus nach KH-Aufenthalt nehmen wieder zu.
Die Verweildauer ist kurz, aber seid einiger Zeit kommen Rückverlegungen dann auch mal am Sonntag Abend.
Eine Angehörige erzählte, das bei ihrer urininkontinenten Mutter der DK schon in der Notaufnahme im Flur gelegt wurde; Kommentar der Kollegin dort: Für mehr haben wir keine Zeit.

Ich hab es hier schon mehrfach gesagt; Pflege im KH und im Heim sind halt doch sehr verschieden.
Aber ich finde es ehrlich gesagt eine Schweinerei von den "Großkopferten" dass sie jetzt tasächlich schon wieder versuchen Kranken- gegen Altenpflege auszuspielen! So empfinde ich es nämlich.

Wenn denn alle Pflegekräfte die in den KH`s wegrationalisiert wurden in die Heime gegangen sind, wieso haben wir dann in Süddeutschland einen solch massiven Pflegekräfte Mangel?

Die Förderung der ambulanten Versorgung ist sinnvoll, notwendig und ökonomisch. Aber immer geht`s halt nicht. Ich stelle mir vor, was wohl los ist, wenn Verlegungen aus dem KH, wie ich sie zunehmend häufiger erlebe nach zu Hause in die Obhut der pflegenden Familie erfolgen.
Die Kollegen im ambD tun mir wirklich leid! Wie, bitte, versorge ich denn einen frischen Port, noch offene OP-wunden, bei nach Eingrifff völlig immobilen oder noch besser dement, agitiert und soll sich nicht bewegen Patienten, wenn ich nichtmal die Vorteile einer stationären Pflegeeinrichtungen nutzen kann??

Ich kann nur jedem versichern: die Kollegen hängen nicht in den Pflegeheimen, bei uns ist auch um ca 30% gekürzt worden.

Wenn ich höre, wie die Damen an der Spitze unseres Gesundheitswesens uns allen und sich selbst ins Gesicht lügen, könnte ich:kotz:.

Gut dass ich noch im Urlaub bin!

LG, J
 
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romana

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AAAhhh ist das schön, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können und den Frust abzulassen !

Wir wenigstens wissen, was läuft und dass es eben nicht richtig läuft.

Die Schreibtischtäter würden sicher anders denken, wenn sie mal zwei Wochen bei den versch. Einrichtungen mitlaufen würden, volle Schichten und auch Wochenende !

Oder sie legen sich mal nicht als Erster-Klasse-Patient ohne Promibonus ins KKH, können nicht aufstehen und kriegen zehnmal am Tag gesagt : Tschuldigung, dass es etwas länger gedauert hat, aber wir sind knapp besetzt...Konnte das nicht weitergeben,hatte keine Zeit....bringe den Tee in 15 Minuten, wenn ihn alle kriegen....leider müssen sie noch einmal das Zimmer wechseln....Duschen oder Baden ist zeitlich nicht drin.......

Aber dass sind nur Spinnereien einer altgedienten Pflegekraft, die genau weiß, dass eben solche Dinge nur von Normalos und Kassenpatienten verlangt werden.

Ganz liebe Grüße

Romana
 
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