Arbeitsrecht Kann ich Nachtdienst ablehnen

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Lin

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15.06.2006
99981
Hallo Ihr alle,
ich habe eine Frage, die mich seit einigen Tagen sehr beschäftigt.

Ich arbeite in einem Pflege- und Wohnheim mit vier Wohnbereichen. Mein Wohnbereich musste bis jetzt keinen Nachtdienst abdecken, da kein Bedarf war. Nun sagt mein Chef, dass sich dies geändert hat. Wir sollen also nun auch - seit vier Jahren - Nachtdienste machen. Im Arbeitsvertrag steht, dass Nachtarbeit geleistet werden muss, wenn betrieblich erforderlich.

Nun möchte ich gern wissen: Kann ich dies ablehnen? Ich habe zuvor in einer anderen Einrichtung Nachtdienste gemacht, und habe gesundheitlich große Probleme gehabt. Das heißt, für mich waren die Probleme groß. Für meinen Chef vielleicht nur banal, denn ich kann tagsüber nicht schlafen, habe Kreislaufprobleme.

Wo kann ich nachlesen, ob ich diese Nachtdienste verweigern könnte?

Ich hoffe sehr auf Antworten von euch.

Vielen Dank.
Lin
 
Qualifikation
Pflegekraft
Fachgebiet
Pflegeheim
U

UlrichFürst

Nun möchte ich gern wissen: Kann ich dies ablehnen? Ich habe zuvor in einer anderen Einrichtung Nachtdienste gemacht, und habe gesundheitlich große Probleme gehabt. Das heißt, für mich waren die Probleme groß. Für meinen Chef vielleicht nur banal, denn ich kann tagsüber nicht schlafen, habe Kreislaufprobleme.
Bin da nicht so firm, aber vllt. geht's mit ärztlichem Attest? Würde mich da aber vorher noch mal versichern, nicht dass der AG sagt, "ja dann brauchen wir Sie nicht mehr"...

Ulrich
 
Bethke Axel

Bethke Axel

Mitglied
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27.02.2002
24118
Hallo Lin,
du hast ein Problem, du hast einen Vertrag mit deinem AG in dem steht das auch Nachtdienste geleistet werden müssen. Wenn du nun einseitig eine Vertragsänderung wünschst, dann kann es passieren, dass der Arbeitsvertrag ganz beendet wird.
Wenn euer Betrieb gross genug ist, hast du die Möglichkeit dir über den Betriebsarzt bescheinigen zu lassen, adss für dich Nachtdienst aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sind. Das ist aber nicht leicht und die gesundheitlichen Probleme müssen schon erheblich sein.
Wenn der Betrieb aber zu klein ist um dies zu verkraften, dann wird dies noch schwerer.

Versuch doch mit der Heimleitung bestimmte Dienstfolgen zu probieren und dann zu vereinbaren. Mach doch immer nur eine Nacht, dass ist nicht so belastend.

Grüsse
Axel
 
Qualifikation
Ltd. Krankenpfleger
Fachgebiet
Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
R

rueporade

Mitglied
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16.01.2006
42477
Hallo Lin,
mit Deiner Unterschrift unter Deinen Arbeitsvertrag hast Du Dich einverstanden erklärt, entsprechend den Ausführungen des Arbeitsvertrages Deine Dienste lzu leisten.
Wenn Du im Vorfeld wusstest, daß Du gesundheitliche Probleme mit dem Nachtdienst bekommst ,hast Du Deinen Arb.-Vertrag unterschrieben, wissentlich, daß Du bestimmte Bedingungen nicht erfüllen willst oder kannst.
Also sehe ich aus diesen Tatsachen keine Begründung Nachtdienste abzulehnen.
Es ist WM - fair play- gehen wir mit gutem Beispiel voran !
Gruß
rueporade
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger f. Psychiatrie, PDL
Fachgebiet
Privater amb. Pflegedienst, PDL
Weiterbildungen
Amb. Pflege, PDL, Psychiatrische Pflege
H

Hermann L

Mitglied
Basis-Konto
11.01.2006
26817
Hallo zusammen
Ehrlich gesagt macht das ablehnen von Dienste immer einen sehr schlechten Eindruck auf die Chefetage Spricht Stößt den mächtig sauer auf.
Allerdings hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen das den Arbeitnehmer durch die Arbeitszeit keinen schaden zugefügt wird.

Auszug aus dem Arbeitszeitgesetz:

Die Gesundheit geht vor. Deshalb sind für Nachtarbeitnehmerinnen
und -arbeitnehmer arbeitsmedizinische Untersuchungen
vorgeschrieben. Wer gesundheitlich gefährdet ist, kann sich auf
Fragen und Antwortenum Arbeitszeitgesetz
9
einen Tagesarbeitsplatz umsetzen lassen, falls es die betrieblichen
Möglichkeiten erlauben.

Hermann L
Wer das Arbeitsrecht kennt hat schon Vorteile!!:thumbsup:
 
Qualifikation
Altenpfleger/ Hospizhelfer
Fachgebiet
Pflegezentrum
W

w28

Mitglied
Basis-Konto
hallo zusammen,

Hier steht dann also das Arbeitszeitgesetz gegen den Arbeitsvertrag, hmm, und als AG darf ich nicht gegen erstes verstoßen. Also kann ich guten Willen zeigen und eine derartige Umsetzung versuchen. Aber wenn das nun nicht möglich ist? Und wenn ich eigentlich auch versuche einem Gleichbehandlungsgrundsatz zu folgen? Dann muss ich wohl überlegen, ob ich den Arbeitsvertrag auflösen sollte...egal was mir der Betriebsrat vorschlägt...

Auszug aus dem Arbeitszeitgesetz (§6)
(4) Der Arbeitgeber hat den Nachtarbeitnehmer auf dessen Verlangen auf einen für ihn geeigneten Tagesarbeitsplatz umzusetzen, wenn
a)
nach arbeitsmedizinischer Feststellung die weitere Verrichtung von Nachtarbeit den Arbeitnehmer in seiner Gesundheit gefährdet oder
b)
im Haushalt des Arbeitnehmers ein Kind unter zwölf Jahren lebt, das nicht von einer anderen im Haushalt lebenden Person betreut werden kann, oder
c)
der Arbeitnehmer einen schwerpflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen hat, der nicht von einem anderen im Haushalt lebenden Angehörigen versorgt werden kann,
sofern dem nicht dringende betriebliche Erfordernisse entgegenstehen. Stehen der Umsetzung des Nachtarbeitnehmers auf einen für ihn geeigneten Tagesarbeitsplatz nach Auffassung des Arbeitgebers dringende betriebliche Erfordernisse entgegen, so ist der Betriebs- oder Personalrat zu hören. Der Betriebs- oder Personalrat kann dem Arbeitgeber Vorschläge für eine Umsetzung unterbreiten.


und nochmal §6:
(1) Die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeitnehmer ist nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen.

Sie mal unter BAuA - Startseite nach, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Dort stehen die 'arbeitswissenschaftl. Erkenntnisse' - falls es schwierig mit dem Attest wird, oder falls es in Deiner Einrichtung lange Nächte gibt (4 und mehr)...

gruss, w28
 
Qualifikation
KP, Stud. PW/PM (fh)
Fachgebiet
Krankenpflegeschule
W

w28

Mitglied
Basis-Konto
und nochwas,

ist mir grade noch eingefallen. Wenn der AG glaubt oder unter Umständen von Dir selbst erfährt, dass dieses gesundheitl. Problem schon VOR der Einstellung bestand, kann er den Arbeitsvertrag wg. Täuschung anfechten lassen und im Falle eines Erfolges auflösen.

Möglicher Grund für eine Anfechtung ist eine nicht genannte Schwerbehinderung (und das könnte das Richterrecht aus dem Attest interpretieren - den eigentlich kann man einem Arbeitnehmer zutrauen, Nachtdienst zu machen, bei entsprechendem Ausgleich). Oder, etwas forcierter gesagt: Wer Chirurg werden will, sollte Blut sehen können...

Selbst wenn die Anfechtung zu Ungunsten des AG
ausfällt - das Verhältnis ist dann sowieso in den Minusgraden...
und dann gibt es ja viele Möglichkeiten wie man sich gegenseitig das Leben schwer machen kann, erst recht über den Dienstplan. Das sollte kaum das Ziel sein.

gruss, w28
 
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05.07.2001
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