Information ausblenden
Tipp: Für registrierte Mitglieder ist das Forum (fast) vollständig werbefrei.

Kann ich mich irgendwie absichern?

  1. Hallo,

    Ich habe mich vor mehr als einer Woche bei einer Zeitarbeitsfirma als Betreuungskraft nach §53c SGB XI beworben. Wenige Tage später war ich beim Vorstellungsgespräch und beantwortete die Frage, ob ich auch pflegehelferische Maßnahmen erlernen und durchführen würde mit Ja. Ich habe in der Pflege weder eine theoretische Ausbildung noch praktische Erfahrung. Wieder 3 Tage später (WE lag dazwischen) sollte ich schnell zum Unterschreiben des Arbeitsvertrages kommen, denn am nächsten Tag sollte ich bereits zur Vertretung in einem ambulanten Pflegedienst eingesetzt werden. Dort angekommen wurde mir eröffnet, dass ich den ersten Tag mit einer Kollegin mitfahre, die mir alles zeigt. Unterwegs erfuhr ich dann, dass ich bereits am 2. Tag alleine die Tour im Spätdienst übernehmen soll, wo ich mich aber weigerte. Denn: ich muss neben Kompressionsstrümpfe ausziehen, waschen, an- und ausziehen auch BZ messen, ich muss Insulin spritzen, ich muss eine "kleine Wundversorgung" an einem offenen Bein durchführen, ich muss Tabletten geben, ich habe eine gelähmte Dame mit versteiften Gelenken, die ich nachmittags und abends auf den Toilettenstuhl setzen muss, dann abends entsprechend waschen und umziehen, sowie ins Bett bringen muss, ohne Lift, ohne wirklich erlernte Hebetechniken etc.pp.

    Also, wie gesagt, am 2. Tag bin ich nochmal mit der Kollegin mitgefahren, habe da unter ihrer Aufsicht alle Maßnahmen durchgeführt und bin seit dem 3. Tag alleine unterwegs. Und da ist keine ausgebildete Kraft in meiner Nähe. Ich habe lediglich die Möglichkeit, den PDL im Notfall telefonisch zu erreichen. Nun habe ich die ersten 2 Tage frei und belese mich gerade im Internet über meinen Tätigkeitsbereich. Hey, ich steh ja, wenn ich alles richtig verstanden habe, mit einem Bein im Knast!!!

    Nun habe ich bereits mündlich meine Mitarbeit zugesichert, müsste übermorgen wieder für 5 Tage die Spätschicht übernehmen. Und ganz ehrlich? Mir geht gerade der Ar... auf Grundeis! Wie kann ich mich da absichern, ohne die Gesundheit der Patienten, naja, und meinen Arbeitsvertrag zu riskieren? Kann ich mich da überhaupt irgendwie absichern? Ich weiß gerade nicht weiter, da ich über den Arbeitsvertrag nach 7 Jahren Arbeitslosigkeit mehr als dankbar bin...

    LG
    Ritwa
     
  2. Hallo Rwita,
    Ich glaube, du hast richtig verstanden. Aber der Pflegedienst steht mE viel mehr im Knast als du. Bevor er jemanden Behandlungspflege durchführen lässt, muss er sich über deine formelle Qualifikation absichern. Und die gibt es nur mit 3-järigem Examen und in manchen Bubdesländern als Pflegehelferin mit Zusatzfortbildungen für Behandlungspflege. Ich würde mich an deiner Stelle nochmal an deine Vorgesetzte in der Zeitarbeitsfirma wenden. Du darfst mE für nichts eingesetzt werden, für das du nicht qualifiziert bist.

    Ich drück dir die Daumen

    Lg
    PP
     
  3. Danke, lieber PflegerPhil, für Deine Antwort. Ich habe zwischenzeitlich bereits mit der Zeitarbeitsfirma Rücksprache gehalten und auch mit dem PDL. Erstere meint, ich wäre über diese Zeitarbeitsfirma rückversichert. Der PDL meint, er stünde auch täglich mit einem Bein im Knast (was aber nicht MEIN Problem ist und ich das auch so gesagt habe), und er würde ein Schreiben aufsetzen, aus dem hervorgeht, dass ich entsprechend "geschult" wurde, denn ich hatte ja 2 Tage Einarbeitung und würde meine Sache gut machen. Die Frage, die mich beschäftigt, ob das den Gesetzgeber auch interessiert, wenn z.B. jemand eine Hyper- oder Hypoglykämie erleidet, mir die alte gelähmte Dame wegrutscht, weil ich sie nicht (richtig) halten und heben kann, ich beim Ausziehen der Kompressionsstrümpfe etwas übersehe (Veränderungen am Bein) oder sonstiges... Denn ich habe bis jetzt die Info, dass dann zwar auch der PDL haftet, aber ich eben auch...
     
  4. Wow. Ich glaube, du hast sowohl mit dem Verleiher als auch mit dem PD ganz schön Pech. Denn beide können dich nicht von deiner Übernahme- und Durchführungsverantwortung befreien. Die beste Absicherung wäre in diesem Fall das Ablehnen der Übernahme der Maßnahmen für die du nicht ausgebildet UND nicht eingestellt bist. In deinem Arbeitsvertrag sollte drin stehen, was du bist und was nicht. Leider wird das aber auch Auswirkungen auf dein Arbeitsverhältnis haben, nachdem du ja warscheinlich in der Probezeit bist. Aber bei solchen verantwortungslosen Arbeitgebern kann man froh sein, wenn man sich da nicht weiter verheizen lässt und am Ende noch jemandem schadet.
    (Achtung Alles meine Meinung und nicht rechtssicher. Wenn du sicher gehen willst, lass dich von einem Anwalt oder Gewerkschaftssekretär beraten!)
     
  5. Im AV steht: "a) Der Mitarbeiter wird für folgende Tätigkeiten eingestellt:
    Pflegehelfer/in (Krankenpflege)
    Ambulanter Pflegedienst
    (Tätigkeiten, die eine Anlernzeit erfordern oder für die fachbezogene Berufserfahrung oder fachspezifische Kenntnisse oder eine fachspezifische Qualifikation erforderlich sind.)

    Nun, ich habe lediglich eine "Anlernzeit" von 2 Tagen bekommen! Reichen die? Gilt das tatsächlich als "Anlernzeit"? Alle anderen Punkte habe ich nicht.

    Ich mein, ich hab ja nix dagegen, neue Dinge zu lernen. Und wenn diese 2 Tage als "Anlernzeit" gelten, ok. Schräg, aber ok.
     
  6. Hallo Ritwa,

    Phil hat das Wichtigste dazu bereits geschrieben. Du bist als Handelnde für alle Maßnahmen voll verantwortlich und haftbar, die Du im Rahmen Deines Arbeitsverhältnisses durchführst. Wie Du eingangs schreibst, verfügst Du über keinerlei pflegerische Ausbildung, noch über eine der notwendigen Qualifikationen einer Pflegehilfskraft. Faktisch bedeutet das ebenfalls, dass Dein Arbeitsvertrag zunächst rechtsunwirksam ist. Erst durch die tatsächliche Tätigkeitsaufnahme - als vermeintliche "Pflegehelferin" -, entfaltet er zumindest eine Teilrechtswirksamkeit. Allerdings so, wie Du sie Dir nicht wünschst: günstigstenfalls steht hier die Vortäuschung falscher Tatsachen, andernfalls ganz handfester Betrug im Raum. In jedem Fall bist Du auch hierfür voll haftbar zu machen und kannst Dich im Falle eines Patientenschadens darauf einstellen, dass dies deutlich strafverschärfend wirkten wird.

    Mit Deinem nicht vorhandenen Ausbildungsstand ist Dir jedwede eigenständige Durchführung von Maßnahmen zur Behandlungspflege untersagt. Dazu gehören auch alle niederschwelligen Maßnahmen. Solche Maßnahmen dürfen auch nicht abgerechnet werden - was der Pflegedienst jedoch sicherlich tun wird und somit einen Betrug begeht, bei dem Du aktive Mittäterin bist. Ich kann Dir daher auch nur dringend anraten, Deinen Arbeitsvertrag durch Änderungskündigung neu aufsetzen oder korrigieren zu lassen, damit dieser Deine tatsächliche Qualifikation und Deine vertraglich vereinbarte Tätigkeit genau abbildet.

    Wenn Du Dich genau informieren möchtest, wende Dich bitte an den medizinischen Dienst der Krankenkassen, die Dich ausführlich über die gesetzlichen Grundlagen und den Tätigkeitsrahmen unterrichten können, was Du als ungelernte Kraft ausführen darfst und was nicht.

    Gruß,
    Christan.
     
    B-Tina, Roland Lapschieß und supetrosu gefällt das.
  7. Wie schon geschrieben, Du bist für alles was Du tust selbst verantwortlich und somit auch Juristisch zur Rechenschaft zu ziehen, was Dir echt das ganze Leben versauen kann.
    Da rede ich nicht nur von Horenden Schadensersatz Forderungen.
    Probezeit ermöglicht Dir jeder Zeit das Arbeitsverhältnis zu beenden, sollte es dann Probleme mit der Age geben ..... vielleicht auch dort einmal nachfragen was Du machen sollst, ebenso bei dem Medizinischen Dienst ( Könnte sein das der Versicherungsbetrug sehr interessant findet, könnte auch sein das Dir diese Anfrage im Zweifelsfall vor Gericht mal zu gute kommen könnte).
    Selbstverständlich alles Schriftlich und nicht Telefonisch, denn nur so hast Du auch was in der Hand das Du verwenden kannst.
    Die einzige Möglichkeit die ich sehe wie Du Dich selbst vielleicht etwas schützen kannst ist eine Gefärdungsanzeige an Deinen Arbeitgeber, in der Du schreibst das Du die Verantwortung für diese Tätigkeiten ablehnst und die Patienten/Bewohner in ihrer Gesundheit gefährdet sind, wenn Du gezwungen bist solche Tätigkeiten zu verrichten.

    Denn im Falle eines Gerichtsprozesses wird Dein Arbeitgeber sagen das er ja keinen Einfluss drauf hat wie Du im Betrieb eingesetzt wirst, und der Betrieb wird behaupten das Dein Arbeitgeber dich als Pflegehelfer ausgeliehen hat und auch dementsprechend bezahlt wurde ......
    Rate mal wer dann am Ende die Arschkarte in der Hand hält ?
     
  • Wenn dir die Beiträge zum Thema „Kann ich mich irgendwie absichern?“ in der Kategorie „Ambulante Pflege“ gefallen haben, du noch Fragen hast oder Ergänzungen machen möchtest, mach doch einfach bei uns mit und melde dich kostenlos und unverbindlich an: Registrierte Mitglieder genießen u. a. die folgenden Vorteile:
    • kostenlose Mitgliedschaft in einer seit dem Jahr 2000 bestehenden Community
    • schnelle Hilfe bei Problemen und direkter Austausch mit über 40.000 Mitgliedern
    • neue Fragen stellen oder Diskussionen starten
    • Alben erstellen, Bilder und Videos hochladen und teilen
    • Anzeige von Profilen, Benutzerbildern, Signaturen und Dateianhängen (z.B. Bilder, PDFs, usw.)
    • Nutzung der foreneigenen Schnackbox (Chat)
    • deutlich weniger Werbung
    • und vieles mehr ...
     
  • Hinweis: Sollte hier extremistisches oder fremdenfeindliches Gedankengut verbreitet oder der Tenor der Diskussion inakzeptabel werden, dann informiere uns bitte über den Button "Melden", den Du in jedem Beitrag findest. Vielen Dank!
    Die Seite wird geladen...

    Diese Seite empfehlen