Medizinrecht kann ein hausarzt einen (fremden) patienten ablehnen?

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L

L. Li

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28.02.2007
40227
liebes forum,

habe zwar gegoogelt aber nicht wirklich etwas darüber gefunden, ev. war ja jemand schon einmal in dieser situation:

- patient wird von der überleitung der klinik für den PD angemeldet, ein arztbrief sei dabei aber noch kein hausarzt gefunden da der klient vorher nie beim arzt war/der arzt verstorben ist/praxis aufgelöst wurde u.ä.
- PD erklärt sich bereit, innert eines tages einen HA für den klienten zu finden und.......
...........bisher hat es auch immer problemlos geklappt.

manchmal war noch eine betreuung mit im spiel, manchmal konnte der klient noch selbst äußern welcher arzt in frage kommen sollte usw.

wie gesagt, bisher hatten weder ich noch die befragbaren kollegen damit probleme.

bis heute.

wiederum ein patient aus der klinik für die palliativpflege zuhause, endstadium einer CI mit mehrfach verödeten varizen usw.
der mann war mit seiner erkrankung irgenwann im laufe vorigen jahres mal in die notaufnahme einer klinik gegagen aber "besaß" nie einen hausarzt. war einfach kein arztgänger.
hat auch keine familie, keine verwandten. betreuung wurde blitzartig eingeleitet, einen hausarzt suchen wir..........und fanden nicht.

die meisten praxen waren heute nur von 7-9 oder so geöffnet. und die erreichbaren lehnten mir die versorgung des patienten rundheraus ab. die ablehnungen lauteten immer gleich, wir sollen den hausbesuch rufen, wir sollen den notarzt rufen wenn etwas ist (da war der klient noch nicht einmal zuhause!)

so, jetzt ist er zuhause, wir versorgen ihn als PD, ohne anordnung, ohne VO ohne rezepte und bestellen für morgen einen völlig fremden hausbesuchsdienst nach 16 uhr.

kann ein arzt einen schwerkranken und moribunden patienten ablehnen ?
und wie kann unter solchen voraussetzungen palliativmedizin in der häuslichkeit und die vermeidung des drehtüreffektes durchgesetzt werden?

L.Li
 
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Krankenschwester, PDL
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ambulanter PD
M

ms-sophie

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14.03.2007
Mannheim
Hallo,

weshalb hat sich der Betreuer nicht vorher drum gekümmert????

Solche Patienten sind aufwändig und teuer. Am Ende eines Jahres.... viele Hausärzte haben ihr Budget schon überschritten....... da glaub ich gerne, dass die verbleibenden Ärzte ablehnen. Allerdings findet sich normal immer einer, der sich bereiterklärt. Mit welchem Arzt arbeitet euer PD denn eng zusammen?

Sophie
 
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QM
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ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
A

access

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28.09.2007
41517
Hallo L.Li

dies Problem tritt sehr häufig in den letzten Jahren auf; ich rate dir setzt euch mit der zuständigen Krankenkasse in Verbindung und schildert diesen euer Problem mit der Bitte tätig zu werden.

LG

access
 
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Pflegedienstleitung
Fachgebiet
Management
B

benutzername

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02.01.2006
86156
Hallo L.Li

versuche es doch mal bei der örtlichen KV (Kassenärztlichen Vereinigung)

Viele Grüße
 
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Gesundheits- und Krankenpflegekraft
Fachgebiet
Krankenpflege
L

Lisy

Hallo L.Li.
ich hätte unter diesen Umständen eine häusliche Versorgund abgelehnt.
Der Mann müßte meines Erachtens bis ein Hausarzt gefunden wird in eine stationäre Hospitz.
Gruß Lisy
 
L

L. Li

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28.02.2007
40227
danke für euere antworten. ja, hospiz, das ist unsere intension wenn es zuhause nicht mehr geht oder wird schon von der klinik angedacht und bett gesucht.
wir arbeiten auch mit einem ambulanten hospizdienst in der umgebung zusammen. (der leider ganz oft abgelehnt wird)

hier war aber alles irgendwie anders: patient wollte, wollte,wollte aber nochmal zurück nach hause. zu seiner katze, in sein umfeld. hospiz kam wohl von der klinik aus schon nicht in frage da der patient das u.a. alles abgelehnt hat.
zudem hat er hohen pflegerischen aufwand wie port, DK, usw.

die zeit war auch irgendwie zu kurz um zu suchen, zu diskutieren, möglichkeiten aufzutun.
der eingesetzte betreuer ist semiprofessionell, hat mit sterbenden überhaupt keine erfahrung. es wären viele leistungen die ev. übers sozialamt abgerechnet werden müssten: die wohnung ist total zugemüllt, die katze halb verhungert, er selbst keine frische bettwäsche im schrank usw.
aber der herr betreuer fährt in die silvester-sause und läßt sich erst am 4.1 wieder sprechen. bis dahin hätte alles zeit... *grrhh* ........wäre schon wieder ein anderer thread.

so sind wir weiter verfahren: hausbesuch geholt und glück gehabt! :))
eine ärztin aus der nähe die uns weiter helfen wird, auch VO und medis verschrieben hat. weiterhin die zusammenarbeit mit dem ambulanten hospizdienst der auch gute kontakte auf eine palliativstation hat deren ärzte in harten fällen hausbesuche fahren.

ich hoffe, wir packen das genau so gut, wie sich der klient seine letzte lebensphase erdacht hat....

L.Li
 
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Krankenschwester, PDL
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ambulanter PD
magic_mp

magic_mp

Mitglied
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seit wann darf ein Arzt einen PAtienten einfach abwimmeln?

Der Arzt hat ja eine Versorgungspflicht?!
 
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Sonnchen

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18.02.2008
31249
Hallo!
Jeder sollte mitbekommen haben, dass auch das Budget eines Arztes immer mehr gekürzt wird! Es gibt Arztpraxen, die mit Patienten völlig überlaufen sind und am Ende des Quartals selber draufzahlen müssen. Natürlich kommt es daher immer öfter vor, dass Ärzte die Behandlung von Neupatienten , gerade derer die eine sehr kostenintensive Therapiemaßnahme benötigen,einfach so ablehnen müssen! So ist das nunmal mit der Gesundheitsreform. Es wird doch überall nur noch gekürzt! Ärzte sind verpflichtet, in einem Notfall einzugreifen, aber sie müssen keine Neupatienten aufnehmen!
 
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Altenpflegerin
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fselle

Neues Mitglied
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25.03.2008
48485
Guten Abend,

die bereits angesprochene Versorgungspflicht resultiert aus einem Kontrahierungszwang zwischem Versicherten und Krankenkasse. Aufgrund der inneren Vertragsverhältnisse zwischen Krankenkasse und zugelassenem Kassenarzt ist dieser Kontrahierungszwang in Bezug auf Kassenärzte grundsätzlich übertragbar, so dass die Hausärzte richtigerweise auch zur Annahme der Patienten verpflichtet sind. Hierbei gibt es jedoch Ausnahmen, wie z.B. wenn der Arzt anführt, aufgrund von Überlastung keine weiteren Patienten aufnehmen zu können oder das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nachweislich und erheblich beeinträchtigt ist.

Eine abgelehnte Notfallbehandlung könnte insofern sogar soweit gehen, dass sie den Straftatbestand des § 323c StGB (Unterlassene Hilfeleistung) erfüllen könnte, sofern ein notfallmäßiges Einschreiten seitens des Arztes geboten ist.

Viele Grüße.
 
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Jura-Student, Rettungssanitäter, Unternehmensberater
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Management von Pflegeeinrichtungen
R

Rosi S.

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14.12.2005
München
D.H.:mad: fselle
Letztendlich darf also kein HA die Versorgung ablehnen ausser er hat einen driftigen Grund? Habe ich das richtig verstanden?
 
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Krankenschwester, PA
Fachgebiet
Berufsfachschule
F

fselle

Neues Mitglied
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25.03.2008
48485
Das ist richtig, wobei eine mögliche Ablehnung damit nicht gleichzeitig eine strafbare Handlung wäre. Vielmehr würde eine solche Ablehnung gegen zivilrechtliche Pflichten des Arztes aus seinem Vertragsverhältnis mit den Krankenkassen als Kassenarzt verstoßen. Bei reinen Privatpraxen besteht eine solche Pflicht grundsätzlich nicht.

Eine strafbare Handlung könnte allenfalls dann eintreten, wenn dem Arzt eine unterlassene Hilfeleistung vorzuwerfen wäre, was gleichermaßen auch auf hausärztlich tätige Ärzte ohne Kassenzulassung in eigener Praxis zutreffen könnte. Die zivilrechtliche Pflichtverletzung eines Kassenarztes bleibt von strafbaren Folgen i.d.R. unberührt.

Kassenärzte haben sich grundsätzlich im Rahmen ihrer Zulassung bei den Krankenkassen verpflichtet, an der medizinischen Versorgung von Kassenpatienten uneingeschränkt teilzunehmen. Genau so wie Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Form sind auch die als Kassenärzte tätigen Hausärzte zur Annahme von Patienten verpflichtet. Diese Verpflichtung ergibt sich aus SGB V § 76 Abs. 4.

Genau genommen könnte ein Patient also die Versorgung durch einen Kassenarzt gerichtlich erzwingen. Der Kassenarzt kann nur auf wenige Ausnahmen zurückgreifen, die eine Ablehnung eines Patienten rechtfertigen würden, wie z.B. eine nachweislich schwere Verletzung allgemeiner Vertrauensgrundsätze.

Viele Grüße.
 
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Jura-Student, Rettungssanitäter, Unternehmensberater
Fachgebiet
Management von Pflegeeinrichtungen
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Anahita

Mitglied
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06.03.2007
Oberbayern
Hi,

wie wertet Ihr folgenden Vorfall:

Eine -sehr alte- Bew. zog sich eine, röntgenologisch diagnostizierte Spontanfraktur am Oberarm zu. Die Betreuerin und Tochter der alten Dame, selbst in der Pflege tätig, behauptete stock und steif, ein namentlich genannter Pfleger habe der Frau absichtlich den Arm gebrochen; überhaupt -dieser Kollege habe immer wieder versucht, der Bew zu schaden. Die Betreuerin sprach den Hausarzt an mit der Aussage, dass dieser darauf dringen soll, dass der Heimleiter den betreffenden Pfleger wegen gefährlicher Pflege kündige. Der Arzt ging nicht zum Heimleiter, sondern verteidigte den Kollegen gegenüber der Betreuerin. Diese wurde laut, machte auf Station eine Riesenszene, beschimpfte auch den Arzt während der Visite.
Der Arzt trug dann höchstpersönlich ins Doku ein, dass er die alte Frau nicht mehr behandeln werde - ausser natürlich im Notfall.
Ich kann den Standpunkt des Arztes gut verstehen.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Altenpflege
M

ms-sophie

Aktives Mitglied
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14.03.2007
Mannheim
Hallo

ich würde mich in diesem Fall an den Rechtsanwalt des Hauses wenden und der Dame einen netten Brief schreiben lassen. Rudert sie dann nicht zurück würde ich den Fall ans zuständige Betreuungsgericht weiterleiten mit der Frage ob die Rechte der BW noch gewährleistet sind.

Sophie

Hallo Fselle,

ich glaube du hast aber ausser acht gelassen, dass der niedergelassene Arzt sich nicht wirtschaftlich schlechter stellen darf durch einen Patienten. Wenn sein Budget erschöpft ist darf er durchaus Patietenten ablehnen. Ebenso Krankenhäuser, die sehr oft Patienten ablehnen, indem sie sich bei der Rettungsleitstelle abmelden und dann gar nicht mehr angefahren werden.

Das ist die Zukunft
Sophie
 
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QM
Fachgebiet
ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

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Teammitglied
05.07.2001
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