Intensiv inrtaaortale Ballonpumpe

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mohrneitz

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Hallo,

habe eine Frage zum Umgang mit inrtaaortalen Ballonpumpen:

wir haben seit 1 Monat einen Linksherzkathetermessplatz. Unser Chefarzt hat eine inrtaaortale Ballonpumpe bestellt. Das Pflegepersonal der Intensivstation soll die Patienten mit liegender Pumpe überwachen, sie jedoch nicht bedienen.
Was ist pflegerisch dabei zu beachten? In welchem Zeitraum ist zu handeln, wenn das Gerät eine Störung meldet.

Würde mich über Antworten freuen
MfG Marta Mohr- Neitzert
 
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Surrogat

AW: inrtaaortale Ballonpumpe

Hallo,

falls euere IABP von der Fa. Arrow hergestellt wurde, so liefert die Fa. auf Anfrage gerne eine 20-seitige Broschüre namens "Pflegemanegement bei IABP-Anwendung", die alle relevanten Fragen beatwortet.
Der Aussendienstmitarbeiter hatte auch noch einen längeren Leitfaden des HZ Dresden ("Pflege von Patienten mit IABP") dabei, der deutlich tiefer in die Materie eintsteigt und besser bebildert ist.

In welchem Zeitraum ist zu handeln, wenn das Gerät eine Störung meldet.


Zeitnah, abhängig vom Fehler.
Bei Ballonperforation, Blutung und Aortendissektion muss natürlich sofort gehandelt werden.
Auf jeden Fall darf der Ballon nicht länger als 15 - 20 min unbewegt sein (Thromboserisiko)





MfG,

Surrogat
 
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mohrneitz

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AW: inrtaaortale Ballonpumpe

vielen Dank für die schnelle Antwort.
Werde mich mit dem Aussendienstmitarbeiter in Verbindung setzen und weitere Informationen anfordern.

MfG Mohr- Neitzert
 
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pericardinchen

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AW: inrtaaortale Ballonpumpe

Hallo Mohrneitz,

wie die intraaortale Ballonpumpengegenpulsation grundsätzlich funktioniert ist Euch bekannt oder?
Indikation:
low cardiac output syndrom, Überbrückung zur Bypass- OP, akuter Myokardinfark ...um nur einige Beispiele zu nennen.

Zur Überwachung:

Es ist sinnvoll für den Verlauf und auch zur Dokumentationszwecken ein Protokoll zu erstellen. Dort sollte in jedem Falle die Art der Triggerung (SchrittmacherEKG, Druck), Unterstützungsdruck, - zeit und ebenso der Druck über die IABP (abzulesen auf dem Monitor der IABP), Unterstützungsalarm ( sollte 10 mm Hg unter dem diastolischen Unterstützungsdruck betragen), Unterstützungsrate (1:1 100% z.B.), untere Extremitäten.

Grundausstattung eines solchen Patienten mit IABP:

Arterielle Verweilkanüle in der radialis, Blasendauerkatheter, 5- lumen ZVK, Pulmonalis- oder PICCO- katheter, Schleuse

Beatmung:

grundsätzlich druckkontrolliert , aber auch druckreguliert volumenkontrolliert (dort ist der Vorteil, dass man keinen tamponadenähnlichen Effekt am Herzen erzeugt und somit ein Stück weit eine Druckkontrolle in der Inspiration hat und ebenso aber auch eine Volumenkontrolle). Bei der rein druckkontrollierten Beatmungsform ist der Freiheitsgrad ja das Volumen und dies ungefähr mit dem pinsp. auf 6 ml/kg KG zu türken ist nicht jederzeit möglich. Dies empfinde ich hin- und wieder nicht ganz so glücklich. Allerdings heutzutage wird auch in der Kardiochirurgie druckkontrolliert mit hohen PEEPs und hohen Drücken gearbeitet. Das ist kein Problem mehr.

Überwachung IABP:

Nullabgleich einmal pro Schicht
Druckbeutel kontrollieren
EKG- Elektroden z.B. kontrollieren
Füllmenge der Heliumflasche überprüfen (ist auf dem Monitor der IABP zu sehen)
Unterstützungsalarm kontrollieren
Doppler für die unteren Extremitäten am Gerät vorhanden mit Elektrodengel
Schrittmacher kontrollieren und dokumentieren, falls darüber abgeleitet. Batterien zum Wechseln am Bettplatz.

Überwachung am Katheter selbst:

steht Blut im Katheter bzw. an der Wand der Aussenhülle (VW sollte allerdings alle 24 h erfolgen oder nach Bedarf)
Einstichstelle gerötet?
Diskonnektionsstellen überprüfen

Überwachung am betroffenen Bein:

Hauttemperatur (kühl, kalt, warm)
Hautfarbe (rosig, livide verfärbt u.a.)
Pulse tastbar in der femoralis, dorsalis pedis und ggfs. dopplern oder gleich dopplern.
Bei Veränderungen sofort den Arzt informieren und dokumentieren!

Krankenbeobachtung:

Ein Herzpatient unter Stressbedingungen hat grundsätzlich einen enorm hohen myokardialen Sauerstoffverbrauch. Dies liegt meist daran, dass die meisten Patienten eh schon eine grenzwertige myokardiale Sauerstoffbilanz haben und dies muss in jedem Falle vermieden werden. Das Sauerstoffgleichgewicht des normalen Herzmuskels ist sowieso schon sehr empfindlich. Daher ist auch bei IABP grundsätzlich darauf zu achten, dass ein hoher systolischer RR, eine Tachykardie, körperliche Unruhe, Shivering, ein hohes HZV und Tachpnoe vermieden wird. Dies ist die Aufgabe des Intensivpflegepersonals. Auch Kaltschweißigkeit gehört mit zu einem Warnzeichen.

initial : alle 15 min. für 2 h, dann alle 30 min. für 2 h und dann stündlich
- Pupillenkontrolle 2 stdl.
- Pulse manuell an der rad. tastbar
-Überwachung der Vitalparameter
- ZVD alle 2 h
- Diurese beobachten ( 2 ml /kg KG /h)

Mobilisation:

am ersten Tag:

grundsätzlich ist eine bis zu 45° OK Hochlagerung möglich. Da allerdings gerade am ersten Tag die Überwachung sehr engmaschig erfolgt liegen die Patienten in der Regel die ersten 4-6 h flach. Im Regelfall sind genau diese Patienten auch kardiozirkulatorisch und respirartorisch maximal instabil. Wenn sich der Patient einigermaßen stabilisiert hat, dann darf man in jedem Falle Mikrolagerungen betreiben ggfs. je nach Status von Anfang an. Dies kommt immer darauf an: ist der Patient kontrolliert beatmet und analgosediert oder eben nicht.

Eine 30° Anlagerung z.B. mit einem Keil unter die Matratze oder kleinen Kissen unter die aufliegenden Flächen wie Schulterbereich und Hüfte ist durchaus erlaubt.
Auch ein drehen des Patienten ist bei hämodynamischer und respirartorischer Stabilität überhaupt kein Problem. Allerdings ist beim drehen immer darauf zu achten, dass das IABP- Bein gestreckt bleibt und ein Kissen zwischen beide Beine gelegt wird.

Solange die IABP liegt hat der Patient strikte Bettruhe.

Ernährung:

leichte Kost bzw. parenterale, enterale Ernährung nach hausinternen Standards. Es ist je nach Voerkrankungen/Begleiterkrankungen u.a. auch auf den E-lytehaushalt zu achten. Danach kann man dann dementsprechend die Sondenkostform anpassen (mehr oder weniger Kalium z.B.). Allerdings sollte beim wachen Intensivpatienten nicht unbedingt mit Bananenbrei Kalium zugeführt werden, da durch die fehlende Mobilität eher eine Opstipation entstehen kann.



Das Weaning von der IABP erfolgt im Durchschnitt nach dem 3. Tag, aber spätestens ab dem 5. Tag. Dabei wird die Unterstützung reduziert. Nochmal zur Erinnerung: Maximale Unterstützung: 1:1 100% (oder max. bei Automodus), dann wird die Prozentzahl reduziert und dann geht es auf 1:2 oder direkt schon auf 1:3.

Der Katheter muss je nach dem im OP wieder explantiert werden oder eben im Zimmer. Das ist von Haus zu Haus unterschiedlich.
Das ziehen eines IABP- Katheters ist aufgrund des Wiederhakens und des Ballons nicht ganz leicht und kann unter schwierigen Umständen bei z.B. defektem Ballon (was grundsätzlich schon eine Katastrophe darstellt, da Helium ins Gefäßsystem ausströmen kann) schon mal 1,5 h dauern.

Keine Angst : Dies ist eine seltene Ausnahme.

Was ist noch zu beachten ?

Der Katheter darf max. 30 min. in Ruhelage im Gefäß verweilen, aufgrund der Thrombenbildung und der Emboliegefahr.

Bei Kontrolle der Darmgeräusche und Lagekontrolle der MS ein kleiner Tip: Standby-Taste drücken und aktiv wieder starten.

Viel Erfolg!
 
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Dirk Jahnke

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AW: inrtaaortale Ballonpumpe

Moin,Moin

Noch eine Anmerkung zu dem ausführlichen Posting von pericardinchen.

Gerade im Inneren Bereich nach Coro sieht man auch häufiger nicht beatmete Patienten mit IABP. Abhängig von der Indikation sieht dann auch das invasive Monitoring anders aus.
 
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pericardinchen

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AW: inrtaaortale Ballonpumpe

Gibt es nicht nur in der Inneren, sondern auch in der Kardiochirurgie. Vorallem bei akutem Myocardinfarkt zur Überbrückung bis zur OP. Aufgrund des akuten Geschehens wird ja meist ein paar Tage gewartet bevor man ein gereiztes Herzlein noch mehr reizt:,) Also Intubationen sind nicht unbedingt nötig, wenn der Patient mitspielt. Es hängt allerdings immer vom Zustand des Patienten ab und woher er letztendlich kommt und in welcher Kardiochirurgie er liegt. Ich kenne die Variante von der Uni, wo es auch einige spontane Patienten mit IABP gibt. Von Anderen kenne ich allerdings nur noch die Variante Intubation und IABP, da das abknicken des Katheters häufiger zu Lecks geführt hat. Vorallem nach Herzkatheter oder versuchten Stentimplantationen entsteht ein Myokardinfarkt und /oder low-cardiac- output und dann wird der Patient akut in die Kardiochirurgie verlegt. Meist wird dann schon eine IABP vor Ort gelegt und dann folgt der Rest oder der Patient kommt als Notfall auf die ITS und dort wird eine IABP implantiert. Das Verfahren ist unterschiedlich. Es gibt Zeiten, wo die Implantationen und anschließende OP am offenen Herzen auch im Zimmer erfolgen. Das bin ich zumindestens so gewöhnt und selten kommt dies garantiert nicht vor. Daher gibt es überall eingespielte Teams und tausende von Thorakotomie- Sets auf ITS. Diese Situationen sind dann natürlich pure Notfallsituationen, wo ein umlagern u.a. auf den OP- Tisch nicht mehr möglich ist.

Zum invasiven Monitoring:

Das invasive Monitoring ist überall das Gleiche zumindestens kenne ich das aus vielen unterschiedlichen Häusern von unterschiedlichen Intensivstationen so. Es ist allerdings nicht immer unbedingt nötig gleich mit Pulmonalis anzukommen. Den PICCO würde ich grundsätzlich vorziehen. Es gibt kardiochirurgische Intensivstationen im Süden von Deutschland die z.B. mehr mit PICCO oder falls dies nicht vorhanden recht selten einen Pulmonalis einsetzen, aber bei ECMO, IABP und auch septischem Geschehen und ebenso bei Thoratec einen Pulmonalis legen. Der Pulmonalis spielt in der Kardiochirurgie und reinen Kardiologie noch immer eine Rolle.
Übrigens im Herzkatheterlabor wird ggfs. eine IABP reingeschoben und dann liegt da eine Viggo und vielleicht noch ein Tubus. Das wars dann. Diese Patienten sind meistens intubiert, da die Ereignisse dann akut geschehen. Einen Patienten erlebte ich allerdings, der mit IABP spontan atmend ankam. Dies dauerte allerdings nicht lange bis wir reanimieren mussten.

Es ist sicher so, dass das invasive Monitoring DRG- relevant ist.
 
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mohrneitz

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AW: inrtaaortale Ballonpumpe

Vielen Dank für die ausfühlichen Antworten
Wir haben eine Handlungsanweisung zu Umgang mit IABP mit Protokollbögen erstellt
Den ersten Einsatz haben wir damit problemlos gemeistert
Nochmals vielen Dank :)
Gruß Mohrneitz
 
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Euler-Liljestrand

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AW: inrtaaortale Ballonpumpe

ich habe damit noch keine erfahrungen gemacht ,kann mir jemand davon ein bisschen berichten wie die erfahrungen und der umgang mit dem katheter so läuft/ist.habe einen heiden respekt davor !!!
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Fachgebiet
Intensiv/Anästhesie
Weiterbildungen
2003 - 2006 Ausbildung Gesundheits - und Krankenpflegerin
2010 - 2012 Fachweiterbildung im Bereich Intensiv / Anästhesie
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