Inkobauftragter

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pflegefreak

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Hallo Kollegen,
vielleicht könnt Ihr mir mit eigenen Erfahrungen im Bereich Inkobeauftragter weiterhelfen. Mir ist dieses ehrenvolle Amt vor ein paar Monaten zugeteilt worden (stat. Altenpflege) und ich bin noch nicht im reinen damit. Zum einen habe ich das Gefühl, je näher wir der Einhaltung der Inkopauschale der gesetzlichen Krankenkassen kommen, umso häufiger wechseln wir die Bettwäsche, die Arbeit/Kosten werden also nur verschoben.
Wie kommt Ihr in Euren Einrichtungen mit der Pauschale zurecht? Wird, falls notwendig, mehr Material bestellt und den Bewohnern/Angehörigen in Rechnung gestellt? Wieviel Arbeitszeit steht Euch zur Wahrnehmung dieser Aufgabe wöchentlich/monatlich zur Verfügung? Wie klappt die Zusammenarbeit mit Angehörigen, die ja bekanntlich mehr von der Pflege verstehen als die Fachkräfte selbst und deshalb auch genau wissen, wann eine Vorlage gewechselt werden muß? Wie schafft Ihr es, Kollegen freundlich und nett von der richtigen Anlegetechnik zu überzeugen?...
Freue mich schon auf Eure Antworten!
 
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Meatball

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Re: Inkobautragter

Hallo Inko...,

ich hätte da gleich mal eine Gegenfrage: Wie viele Bewohner, die mit Inkomitteln versorgt werden, sind tatsächlich urologisch vollständig diagnostisch abgeklärt?!

Was tut ihr, damit die Inkontinenz rückläufig ist bzw. wie wird diese kurativ behandelt (und nicht nur symptomatisch, z.B. mit Windel oder DK :sick:)?

Hast Du schon mal Kontakt zu einer Inko-Selbsthilfe aufgekommen? Die Betroffenen selbst wissen mitunter mehr als die professionelle Seite denken mag (auch u. insbesondere zur Kostenfrage u. Problemen mit den Kostenträgern - also Heimen, KK's usw.).

Guck mal mal z.B. hier:

Forum Inkontinenz Selbsthilfe e.V. - Helfen, Informieren und Fördern

Grüße

Hannes
 
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pflegefreak

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Re: Inkobautragter

Hallo Meatball,
Gegenfrage zur Gegenfrage: Welcher Senior über 80 wird denn noch WIRKLICH umfassend diagnostisch abgeklärt?? Da die Untersuchungsmethoden vor Ort, also im Heim selbst eingeschränkt sind, der Transport in die Praxis oft teuer und oft auch allein der Transfer auf Untersuchungliege und Co nicht einfach ist, erhält man doch vom Urologen nicht grundsätzlich mehr als den DK. Sicher, Medikamente zur Hemmung des übermäßigen Harndrangs etc. sieht man schon mal hier, mal da, aber das sind Einzelfälle. Und liegt der DK erst mal, wird er halt als Daueranwendung verordnet und kaum noch einmal überdacht.
Maßnahmen wie Beckenbodentraining kann ich in meinem Wohnbereich mal, wenn ichs hoch greife, mit 3 Damen machen, eine einzige ist noch so fit, dass sie es auch selbständig durchführt. Toilettentraining klappt bei den anderen recht gut.
Trotzdem, der Verbrauch an Inkomaterial ist noch zu hoch, zumal wir hier in NRW ja nun mit etwas über 28 Euro als Pauschale sehr niedrig liegen.
Danke für den Tip mit der Selbsthilfegruppe, da werde ich jetzt mit befassen.
Gruß
Pflegefreak:wink:
 
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lemuelreist

Re: Inkobautragter

Hallo!
Hatte selbst schon mal das Vergnügen mit dieser Aufgabe; ich nenne das mittlerweile eher zynisch `offizielle/r Pippifrau/mann !
Die Bezeichnugn `Inkontinezbeauftragte/r´ verweist ja auf etwas, was Du schon in der Fragestellung ausdrückst: Verwaltung der Inkontinenzmaterialien und verlängerter ökonomischer Arm.

Dahinter stand aber im Grunde eine andere Idee - die der Kontinenzförderung! Dies aber kann sich nicht auf das richtige Anlegen oder den festgelegten Wechsel von Inkomaterialien beschränken!

M.E. soll der (In-)Kontinenzbeauftragte sich vertieft mit den offenen und verdeckten Ursachen der (drohenden) Inkontinenz auseinandersetzen, im Team dies wie auch die möglichen Folgen für die zu Pflegenden ansprechen usw.
Dass hierbei auch ökonomisch-finanzielle Aspekte angesprochen werden können ist klar, stellt aber für mich allenfalls nur einen Nebenkriegsschauplatz dar.

Bis denn,
Lemuel
 
Meatball

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Re: Inkobautragter

Hallo zusammen,

das hier Gesagte ist genau der Grund, warum ich mich möglicht von Einrichtungen jeglicher Art fernhalte!!! Es ist aber auch einer der Gründe, warum ich mich hier überhaupt registriert habe.

Zum DK: Der Transurethale Dauerkatheter ist - und viele Urologen sehen das inzwischen genauso - nicht als bequeme pflegerische Dauerlösung zu betrachten sondern sollte nur als vorübergehendes Hilfsmittel betrachtet werden, z.B. nach operativen Eingriffen. Auch der Cystofix sollte nur nach genauer Diagnose und Abwägung von Vor- und Nachteilen gelegt werden.

Eine diagnostische Abklärung muß meines Erachtens nach immer erfolgen. Inkontinenz ist keine eigenständige Erkrankung sondern lediglich ein Symptom! Hier muß ganz klar der Grunderkrankung auf den Grund (spinale oder supraspinale Inko, Reflex-, Überlauf-, Urgeinko etc.) gegangen werden; das Alter des Betroffenen spielt da keine Rolle, da es sich auch z.B. (im schlimmsten Fall) um einen karzinösen Vorgang handeln könnte. Hier ist bei vielen Einrichtungen noch vieles zu tun!

Ich will nicht in Abrede stellen, dass Demenz eine Inkontinenz nicht ausschließt bzw. dies dort häufig der Fall ist - aber auch hier ist wieder die Demenz die verursachende Erkrankung, die Inko nur ein Symptom.

Die grundlegende urologische Diagnostik kann ggf. auch ambulant bzw. direkt vor Ort durchgeführt werden, z.B. ein Sono. Wenn sich dann ein Verdacht erhärtet kann immer noch die Praxis/eine Klinik konsultiert werden. Ggf. kann es schon die Kosten senken, wenn man in Zukunft mit einem gut geschulten Urologen zusammenarbeitet?

Zu den Kosten: Selbstredend muß ein Unternehmen wirtschaftlich arbeiten; gute Inkomaterialien sind teuer (ich zahle selbst ein Vermögen - und zwar nur die wirtschaftliche Eigenbeteiligung - für meine adäquate Versorgung), auf lange Sicht gesehen ist ein gutes Inkohilfsmittel aber "billiger" als vergleichbare Produkte auf dem Billig-Markt. Die günstige Variante suppt durch, muß (oder besser: sollte) häufiger gewechselt werden, begünstigt Dekubiti, Pilzinfektionen etc. (wurde hier im Forum alles schon groß und breit durchgekaut) und natürlich fällt mehr Wäsche an.

Es ist klar, dass ich für den Preis eines Golf keinen Mercedes bekomme. Es gibt aber noch andere Marken als ausgerechnet "Tena" (von denen ich persönlich nicht denke, dass das ausgerechnet der Mercedes ist...). Die Preisspanne ist enorm zwischen Produkten wie eben Tena oder Euron (Witz in Tüten, könnte man auch ein Küchenkrepp verwenden!). Die Qualität sinkt in der Regel mit dem Preis. Es sollte ggf. auch mal über alternative Hilfsmittel wie z.B. das Kondomurinal oder (bei Stuhlinko) die Irrigation (nicht einfach nur der Klistier oder Schwenkeinlauf!!!) sondern z.B. die Coloplast- oder Braun-Systeme nachgedacht werden.

Es gibt aber auch noch folgenden Weg: Der Bewohner ist diagnostisch abgeklärt und erhält ein Rezept mit den Verordneten Hilfsmitteln, welche dann brav zur Apotheke getragen werden und die Abrechnung erfolgt über die KK des Bewohners und nicht mehr pauschal über das Heim. Hier mucken die KK's gern rum, sind aber zur Kostenübernahme verpflichtet!!!

Außerdem erhält auf diesem Wege wirklich nur der Bewohner "Windeln", der sie auch benötigt und es erfolgt keine flächendeckende Versorgung, nur weil der Toilettengang als zu mühsam erachtet wird... - und damit möchte ich nichts unterstellen, es ist nur leider immer wieder zu beobachten, dass vielerorts so verfahren wird.

- Und wie war das noch mit dem Grundgesetz? Die Würde des Menschen usw.??? Die Bewohner geben doch nicht ihre Rechte auf ein menschenwürdiges Leben und Altern an der Haustür ab...

Grüße

Hannes
 
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pflegefreak

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Re: Inkobautragter

Hallo zusammen,

das hier Gesagte ist genau der Grund, warum ich mich möglicht von Einrichtungen jeglicher Art fernhalte!!! Es ist aber auch einer der Gründe, warum ich mich hier überhaupt registriert habe.

Zum DK: Der Transurethale Dauerkatheter ist - und viele Urologen sehen das inzwischen genauso - nicht als bequeme pflegerische Dauerlösung zu betrachten sondern sollte nur als vorübergehendes Hilfsmittel betrachtet werden, z.B. nach operativen Eingriffen. Auch der Cystofix sollte nur nach genauer Diagnose und Abwägung von Vor- und Nachteilen gelegt werden.

Eine diagnostische Abklärung muß meines Erachtens nach immer erfolgen. Inkontinenz ist keine eigenständige Erkrankung sondern lediglich ein Symptom! Hier muß ganz klar der Grunderkrankung auf den Grund (spinale oder supraspinale Inko, Reflex-, Überlauf-, Urgeinko etc.) gegangen werden; das Alter des Betroffenen spielt da keine Rolle, da es sich auch z.B. (im schlimmsten Fall) um einen karzinösen Vorgang handeln könnte. Hier ist bei vielen Einrichtungen noch vieles zu tun!

Ich will nicht in Abrede stellen, dass Demenz eine Inkontinenz nicht ausschließt bzw. dies dort häufig der Fall ist - aber auch hier ist wieder die Demenz die verursachende Erkrankung, die Inko nur ein Symptom.

Die grundlegende urologische Diagnostik kann ggf. auch ambulant bzw. direkt vor Ort durchgeführt werden, z.B. ein Sono. Wenn sich dann ein Verdacht erhärtet kann immer noch die Praxis/eine Klinik konsultiert werden. Ggf. kann es schon die Kosten senken, wenn man in Zukunft mit einem gut geschulten Urologen zusammenarbeitet?

Zu den Kosten: Selbstredend muß ein Unternehmen wirtschaftlich arbeiten; gute Inkomaterialien sind teuer (ich zahle selbst ein Vermögen - und zwar nur die wirtschaftliche Eigenbeteiligung - für meine adäquate Versorgung), auf lange Sicht gesehen ist ein gutes Inkohilfsmittel aber "billiger" als vergleichbare Produkte auf dem Billig-Markt. Die günstige Variante suppt durch, muß (oder besser: sollte) häufiger gewechselt werden, begünstigt Dekubiti, Pilzinfektionen etc. (wurde hier im Forum alles schon groß und breit durchgekaut) und natürlich fällt mehr Wäsche an.

Es ist klar, dass ich für den Preis eines Golf keinen Mercedes bekomme. Es gibt aber noch andere Marken als ausgerechnet "Tena" (von denen ich persönlich nicht denke, dass das ausgerechnet der Mercedes ist...). Die Preisspanne ist enorm zwischen Produkten wie eben Tena oder Euron (Witz in Tüten, könnte man auch ein Küchenkrepp verwenden!). Die Qualität sinkt in der Regel mit dem Preis. Es sollte ggf. auch mal über alternative Hilfsmittel wie z.B. das Kondomurinal oder (bei Stuhlinko) die Irrigation (nicht einfach nur der Klistier oder Schwenkeinlauf!!!) sondern z.B. die Coloplast- oder Braun-Systeme nachgedacht werden.

Es gibt aber auch noch folgenden Weg: Der Bewohner ist diagnostisch abgeklärt und erhält ein Rezept mit den Verordneten Hilfsmitteln, welche dann brav zur Apotheke getragen werden und die Abrechnung erfolgt über die KK des Bewohners und nicht mehr pauschal über das Heim. Hier mucken die KK's gern rum, sind aber zur Kostenübernahme verpflichtet!!!

Außerdem erhält auf diesem Wege wirklich nur der Bewohner "Windeln", der sie auch benötigt und es erfolgt keine flächendeckende Versorgung, nur weil der Toilettengang als zu mühsam erachtet wird... - und damit möchte ich nichts unterstellen, es ist nur leider immer wieder zu beobachten, dass vielerorts so verfahren wird.

- Und wie war das noch mit dem Grundgesetz? Die Würde des Menschen usw.??? Die Bewohner geben doch nicht ihre Rechte auf ein menschenwürdiges Leben und Altern an der Haustür ab...

Grüße

Hannes

Hallo Hannes,
hast ja recht mit deinen Ausführungen, du bist informiert und engagiert, ich freue mich schon auf weitere Meinungsaustausche mit Dir.

Aber: Da ich noch neu auf dem Gebiet des Inkobeautr. bin, wüsste ich nicht, wie ich es anstellen sollte, in der stationären Altenpflege noch mit einem Rezept vom Hausarzt zur Apotheke zu gehen. Hier gibt es nun einmal die Inkopauschale für jeden inkontinenten Bewohner. Er bekommt diese erteilt, wenn der Hausarzt das Vorliegen der Inkontinenz in einem Attest bestätigt. Wir als Einrichtung der Altenpflege sind nun gehalten, im Sinne einer Mischkalkulation alle betroffenen Bewohner zu versorgen, ohne diese Pauschalen-Gesamtsumme zu überschreiten, was nicht einfach ist.
Tips für Möglichkeiten, diese Tatsachen rechtskräftig und praktikabel zu umgehen, nehme ich an dieser Stelle gerne entgegen, will mich ja verbessern.

Den Wechsel von einem preisgünstigern Produkt auf Tena haben wir gerade vollzogen, und, ohne hier Werbung betreiben zu wollen: ich kann zumindest sagen, dass unsere Bewohner für die gleiche Saugstärke jetzt deutlich weniger Material in ihren Hosen spazieren tragen müssen. Das ist doch schon ein deutlicher Erfolg, oder?

Was den Aspekt Toilettengänge und Zeit anbelangt, nun, vielleicht gibt es ja doch in absehbarer Zeit Verbesserung in der Berechnung von Pflegezeit, damit wir Pflegekräfte zufrieden nach dienstende nach Hause gehen können, und nicht mit dem Gefühl, wieder nur 70% von dem, was wirklich nötig wäre, auch gemacht zu haben. Ich mag meinen Beruf, erlebe aber tagtäglich den gleichen Frust wie die meisten Berufskollegen.

Bis bald
Pflegefreak
 
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Manu5959

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Re: Inkobautragter

Hallo pflegefreak,

ist denn vielleicht eine Kooperation mit einer anderen Einrichtung möglich?
Ich meine hierbei eine Art Sammelbestellung, die in der Masse günstiger ist?!


Grüßle Manu
 
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KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
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Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
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pflegefreak

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Re: Inkobautragter

Hallo Manu,
noch bestellen wir zwar nur den Bedarf für unser Haus, wir sind jedoch Teil eines größeren Trägers mit vielen Häusern in Deutschland. Diesem Träger gehören wir erst seit einigen Monaten an, und deshalb erfolgte auch die Umstellung auf den jetzigen Lieferanten. Dass die Sammelbestellung seitdem günstiger ist, wurde uns schon mitgeteilt, ich weiß aber nicht, inwiefern es noch Steigerungen geben könnte.
Danke auf jeden Fall für den Gedankentipp, werde es zur Sprache bringen und mir die nötigen Infos verschaffen.
 
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