Medizinrecht Inhalation ausgesetzt

J

Janine1984

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02.05.2021
Hallo,
Ich arbeite im ambulanten intensivpflegedienst. Wir haben 1 bewohnerin, bei der ich gestern im dienst die inhalation ausgesetzt habe, da ich am morgen von 7 bis ca 10 uhr scho 10x endotracheal absagen musste. Auch die zweite am nachmittag habe ich ausgesetzt, da ich sie sicher bis um 19 uhr, ohne inhalat 25x absaugen musste. Also sie konnte das sekret selbständig gut ab und aushusten. Es war normal,, weiß und zähflüßig. Also unauffällig.
Heute morgen wurde mir von der teamleitung ausgerichtet, dass ich inhalieren muss, da es eine ärztliche anordnung ist. Ob ich das nun für richtig halte oder eben nicht.
Kann man das so stehen lassen?
Ich bin eigentlich der meinung, dass ich es ja begründen kann und das auch so dokumentiert habe, somit wäre das in ordnung. Da es ja kaum gesund und förderlich ist 25 bis 40 mal absaugen zu müssen.
Die dame ist im wachkoma und kann sich selbst dazu nicht äußern.
Wer hat dabei nun recht? Könnt ihr mir da helfen?
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Außerklinische intensivpflege
B

bowielein

Aktives Mitglied
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23.12.2008
Bonndorf
Einmal reicht
 
Qualifikation
Intensivpfleger
Fachgebiet
Rottweil
M

Menschenkind

Mitglied
Basis-Konto
18.12.2012
Der Arzt ordnet an und delegiert die Tätigkeit an Pflegekräfte.
Ausschließlich der Arzt ist für die Anordnung und Absetzung einer Therapie zuständig, nicht die Pflegekräfte.

Wenn du also aufgrnd deiner Beobachtungen eine ärztliche Anordnung absetzen oder pausieren möchtest, so ist dies nur mit vorheriger Absprache des behandelnden Arztes möglich, da ansonsten du als Pflegekraft die Therapie bestimmten würdest. Soweit klar?

Wenn du also eigenmächtig handelst und eine angeordnete Therapie aussetzt, so übst du Heilkunde aus (Heilkunde ist per gesetzlicher Definition die Diagnose- und Therapierbestimmung). Und die darf nur ein Arzt oder Heilpraktiker ausüben, nicht jedoch die Pflegefachkraft.
Die Aufgaben der Pflegefachkraft ist die Mitwirkung an Diagnostik und Therapie, also delegierte Aufgaben der Therapie ausführen und bei diagnostischen Maßnahmen mitwirken (z.B. Vitalwerte ermitteln, Beobachtung von Wirkungen/Nebenwirkungen, etc.).

Nachzulesen:
HeilprG §§1 Abs 1 und 2 - insbesondere 2 definiert, was Heilkunde ist.
In § 5 kannst du lesen, was dir als Strafe droht.

Lösung: Bevor du eine Anordnung pausierst, kontaktiere den Arzt!
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann, freiber. Dozent
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
25.06.2000
Der Arzt ordnet an und delegiert die Tätigkeit an Pflegekräfte.
Ausschließlich der Arzt ist für die Anordnung und Absetzung einer Therapie zuständig, nicht die Pflegekräfte.

Wenn du also aufgrnd deiner Beobachtungen eine ärztliche Anordnung absetzen oder pausieren möchtest, so ist dies nur mit vorheriger Absprache des behandelnden Arztes möglich, da ansonsten du als Pflegekraft die Therapie bestimmten würdest. Soweit klar?

Wenn du also eigenmächtig handelst und eine angeordnete Therapie aussetzt, so übst du Heilkunde aus (Heilkunde ist per gesetzlicher Definition die Diagnose- und Therapierbestimmung). Und die darf nur ein Arzt oder Heilpraktiker ausüben, nicht jedoch die Pflegefachkraft.
Die Aufgaben der Pflegefachkraft ist die Mitwirkung an Diagnostik und Therapie, also delegierte Aufgaben der Therapie ausführen und bei diagnostischen Maßnahmen mitwirken (z.B. Vitalwerte ermitteln, Beobachtung von Wirkungen/Nebenwirkungen, etc.).

Nachzulesen:
HeilprG §§1 Abs 1 und 2 - insbesondere 2 definiert, was Heilkunde ist.
In § 5 kannst du lesen, was dir als Strafe droht.

Lösung: Bevor du eine Anordnung pausierst, kontaktiere den Arzt!
Jede Pflegefachkraft hat das Recht und die Pflicht eine delegierte Maßnahme abzulehnen, wenn sie ihrer fachlichen Einschätzung nach eine Patientengefährdung oder eine mangelhafte Versorgungsqualität darstellt. Vorgesetzte und/oder Arzt sind selbstverständlich zu informieren und die Ablehnung schriftlich zu dokumentieren (Remonstrationsrecht). Mitnichten übt eine solche Pflegefachkraft damit jedoch eine Heilkunde aus, sondern bewegt sich vollständig in ihren beruflichen und fachlichen Kompetenzen.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
M

Menschenkind

Mitglied
Basis-Konto
18.12.2012
Jede Pflegefachkraft hat das Recht und die Pflicht eine delegierte Maßnahme abzulehnen, wenn sie ihrer fachlichen Einschätzung nach eine Patientengefährdung oder eine mangelhafte Versorgungsqualität darstellt. Vorgesetzte und/oder Arzt sind selbstverständlich zu informieren und die Ablehnung schriftlich zu dokumentieren (Remonstrationsrecht). Mitnichten übt eine solche Pflegefachkraft damit jedoch eine Heilkunde aus, sondern bewegt sich vollständig in ihren beruflichen und fachlichen Kompetenzen.
Oh klar, natürlich hat sie ein Remonstrationsrecht gegenüber unfachlichen Anordnungen.
Hier in diesem konkrete Fall steht aber keine unfachliche Anordnung zur Diskussion, sondern, ob eine Anordnung, die sonst durchgeführt wird, in einem Einzelfall nicht durchgeführt wird. Und genau damit begibt sich die Pflegefachkraft auf das Glatteis, indem eigenmächtig eine eigentlich sinnvolle Anordnung nicht umgesetzt wird und sie dadurch die Therapie bestimmt, wenn dies nicht mit dem behandelnden Arzt im Vorfeld abgesprochen wurde.

Die einzige gangbare Lösung ist, eine Bedarfsanordnung mit bestimmten handlungsleitenden Indikatoren mit dem Arzt abzusprechen und anordnen zu lassen. Hierdurch behält der Arzt seine Diagnose- und Therapiehoheit und die Pflegefachkraft kann im Rahmen ihrer Expertise entscheiden, welcher Zustand zutrifft und die Inhalation ausführen oder nicht.
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann, freiber. Dozent
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
I

Igel77

Mitglied
Basis-Konto
23.12.2014
Oldenburg
Hier ist jedoch wahrscheinlich der Fall eingetreten, dass eine einstmals fachlich korrekte Anweisung unfachlich geworden ist, eben weil keine weiteren handlungsleitenden Indikatoren gegeben sind.

Mit Rechtspositivismus kann man in solchen Situationen einfach nicht argumentieren; im Gegenteil, wenn eine Pflegekraft in der Maßnahme eine erkennbare, abwendbare Gefährdung der Gesundheit sieht, dann hat sie sie zu unterlassen.

Es könnte in diesem Falle auch argumentiert werden, dass, im Verfolgungsfalle, die Pflegekraft die Maßnahme aufgrund ihrer Ausbildung als schädlich erkennen müssen. Im Mindestfall sollte sie dem Arzt dies anzeigen, und dies auch auf eine Weise tun, die juristisch nicht im Nachhinein durch den Arzt bestritten, verschleiert oder geleugnet werden kann.

Also, egal wie man es macht, es ist falsch und verstößt gegen eine Regelung.

Und jetzt kommt es noch mal zu zwei Crashs mit der Realität:

Wenn man versucht, außerhalb eines Krankenhauses einen Arzt zu erreichen, geht mitunter sehr viel Zeit drauf, die man auch für andere Aufgaben benötigt; anders gesagt: Der Versuch, einen Arzt zu erreichen, kann schon eine Gefährdungssituation zu Pflegender auslösen.

Viele Ärzte sträuben sich, allzuviele Gedanken über rechtssichere Anordnungen zu machen, agieren hemdsärmelig, brummeln was von "Bürokratie", "Korinthenkackerei" und "Unselbstständigkeit", und weigern sich selbst bei gutem Zureden, gut definierte Wenn-Dann-Pfade festzulegen. (Und schlampig verfasste Anordnungen sind nun echt nichts ungewöhnliches.)
 
Qualifikation
Gesundheits - und Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie