Intensiv Infusionssystemwechsel

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S

SAM

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27.01.2001
Guten Tag liebe Boardler

Es geht um folgende Fragen:

1. Nach wievielen Stunden werden bei Ihnen die Infusionssysteme gewechselt ?
2. Werden Filter verwendet ?
3. Ist die Wechselzeit abhängig von der Art der Infusion ( z.B Lipidlösungen ) ?
4. Auf welchen Grundlagen basiert die Entscheidung ?

Vielen Dank an alle die mir diese Fragen beantworten

SAM
 
A

Auggie

Hallo Sam
wir wechseln unsere Infusionssystheme nach 72h,dabei verwenden wir keine Filter.Ausgenommen von dieser Regelung ist die Infusion von Blut,Blutprodukten und Fetten,diese werden nach 24h gewechselt.Wir stützen uns dabei auf eine Dienstanweisung der Universitätskliniken Münster und ist mit unserer Hygieneabteilung auch abgesprochen.Dieses Wechselregime spart gegenüber der Verwendung von Infusionsfiltern enorme Kosten bei nahezu gleichem Wechselinterval bei Verwendung von Infusionsfilter(Wechsel nach 96h).Eine erhöhte Infektionsrate haben wir bei diesem Vorgehen bisher nich feststellen können.
Die entsprechende Dienstanweisung der Uniklinik Münster kannst Du unter Dienstanweisung zum Wechsel von Infusionssysthemen nachlesen.
Die Frage,die Du ansprichst,wurde hier auf dem Board schon unter Wechsel von Infusionssysthemen sowie unter Infusionsfilter schon diskutiert.
Greetz,Rolf

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Rolf
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[Dieser Beitrag wurde von Auggie am 13. März 2001 editiert.]
 
W

Walschrei

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05.03.2001
Hallo Sam,
hinzufügend läßt sich nur noch sagen, daß Filter das Embolierisiko durch Medikamentinkompatibiltät um ca. 50% senken soll, und sich dadurch eine Berechtigung ergeben kann, je nach Auslastung des ZVK.
Obi

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A

Auggie

Hallo Walschrei
Medikamenteninkompatibilitäten lassen sich durch die Verwendung von Infusionsfilter auch nicht senken,die kannst Du nur durch Verteilen der verschiedenen Lösungen auf mehrere Lumen verhindern.Das lässt sich durch Verwendung von Mehrlumenkathetern erreichen.
Allerdings kann bei Verwendung von Filtern das Embolierisiko durch Mikropartikel gesenkt werden.Studien dafür kenne ich allerdings auch nich.
Greetz,Rolf

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Rolf
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E

endres

herzlichen Dank für das Aufgreifen meines persönlichen Lieblings-Themas!

Gerne wiederhole ich auch hier meine nahezu litaneigleiche Stellungnahme:

* inline-Filter haben in Infusionssystemen _nichts_ verloren, da sie

a) keinen Benefit für den Patienten bedeuten

und b) nur Geld kosten, und das nicht wenig.

Auch ohne den Einsatz besagter Filter können Infusionssysteme unter bestimmten Konditionen 72 Stunden am Patienten belassen werden.

Eine Ausnahme stellen Systeme dar, über die Blutprodukte oder fetthaltige Präparate verabreicht wurden.
Hier ist der 24-stündige Wechsel nötig, alles andere bleibt am Patienten!

Details hierzu habe ich bereits im AnInt.de - Forum, Beitrag Nr. 38 veröffentlicht.

Diese Dienstanweisung beruht auf den "Empfehlungen zur Prävention nosokomialer katheterassoziierter Infektionen" des "Centers for disease control and prevention, hospital infection control advisory committee 1996".

Der wesentliche Punkt dieser 9-seitigen Empfehlung ist VIII.A.2:

"Infusionsleitungen (einschliesslich der 3-Wege-Hähne) sollen nicht öfter als alle 72 Stunden gewechselt werden, es sei denn, dies ist klinisch indiziert.".

Unter XI.A. heisst es:

"Infusionsfilter (...) sollen nicht routinemäßig verwendet werden.".

Die vollständige Fassung der Empfehlungen versende ich gerne in Kopie.

Zu dieser Frage war übrigens jüngst auch ein interessanter Beitrag von PD Dr. med. Pappert (Potsdam) auf dem 3. intensiv-Pflegekongress in Berlin zu hören (Thema: Hygienische Maßnahmen beim Intensivpatienten - sinnvoll, bewiesen, umstritten).

Der Einsatz von Infusionsfiltern fiel dabei ganz klar in die Kategorie "nicht sinnvoll", da diese keinen Infektionsschutz darstellen. Der Vortrag wird in einer der nächsten Ausgaben der "intensiv", G. Thieme Verlag, veröffentlicht werden.

Eine gleichlautende, aktuelle Stellungnahme findet sich im Anästhesisten, Volume 49 Issue 2 (2000) pp 96-101 in einer Arbeit von Hauer et al. "Sinnvolle und nicht sinnvolle Hygienemaßnahmen in der Anästhesie und auf Intensivstationen".

Zitat aus der Zusammenfassung unter
http://link.springer.de/link/service/journals/00101/bibs/0049002/00490096.htm :

"Die wirkungsvollste krankenhaushygienische Einzelmaßnahme ist nach wie vor die Händedesinfektion. Zu den unnötigen Hygienemaßnahmen gehören ungezielte Umgebungsuntersuchungen, Fußbodendesinfektion auf Intensivstationen, Schutzkittel für Besucher, sog. in-line-Filter im Infusionssystem usw."

Gerne zitiere an dieser Stelle auch Prof. Dr. med. K. Unertl, der in der gleichen Ausgabe schrieb: "Nur der wäscht seine Hände in Unschuld der sie wäscht..."

Auf dass der Kostenfaktor "Infusionsfilter" bald aus unseren Kliniken verdrängt werde,

Hanno H. "Gebetsmühle" Endres




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http://www.AnInt.de - das Portal für die Anästhesie- und Intensivpflege
 
C

Christian

Diese Dienstanweisung beruht auf den "Empfehlungen zur Prävention nosokomialer katheterassoziierter Infektionen" des "Centers for disease control and prevention, hospital infection control advisory committee 1996
hi hanno :smile:

kannst Du mir diese Studie evtl. per Mail zusenden oder mir - wenn das nicht geht - auf dem Intensivpflegekongress in Münster als Kopie zukommen lassen ?

Gruß & Dank im voraus,
Christian Kröhl

P.S.: Wie war eure Hausfete :smile:?




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E

endres

hi hanno :smile:

kannst Du mir diese Studie evtl. per Mail zusenden oder mir - wenn das nicht geht - auf dem Intensivpflegekongress in Münster als Kopie zukommen lassen ?

Gruß & Dank im voraus,
Christian Kröhl


Hi Christian,

naklar - kein Problem. Hol Dir einfach Dein persönliches Exemplar am AnInt.de - Stand ab :).

Für weitere Details sollten wir eh nochmal mailen.

Yours,

HH



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http://www.AnInt.de - das Portal für die Anästhesie- und Intensivpflege
 
F

frank

hallo,

wir wechseln unsere Infusionssystheme nach 72h,dabei verwenden wir keine Filter.Ausgenommen von dieser Regelung ist die Infusion von Blut,Blutprodukten und Fetten,diese werden nach 24h gewechselt.
wieder mal das beliebte thema :biggrin:

wir( kmt) hallten es wie oben beschrieben.
Fette laufen immer über eine gesonderte leitung, ohne Aminosäuren, Glucosen usw.

gruss

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Frank Fischer

www.kmt-ag.de
 
B

B1Moe

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01.05.2001
Hallo Rolf,

Du meinst in Deiner Antwort, daß Ihr enorme Kosten spart durch das Nichteinsetzen von Infusionsfiltern. Auf unserer Station geht die Diskussion erst los, was diese Filter angeht. Hast Du denn eine konkrete Kostenanalyse zu bieten?? Die Behauptung allein klingt gut und läßt die Schar der Gegner der Inline- Filter erheblich anwachsen,
aber gibt es klarere Aussagen?

B1Moe

[ 02. Mai 2001 22:16: Beitrag editiert von B1Moe ]
 
Qualifikation
exam. Krankenpfleger
Fachgebiet
allg.-chirurg. Intensivstation
M

Markus Schmidt

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31.01.2001
50679
Hallo Sam, Hallo B1Moe

in den Jahren 1995/96 wurde an unserem Klinikum eine Studie zum Thema Infusionsfilter/ -wechsel durchgeführt. Daraus resultierte unser heutiges Vorgehen:

- strenge Indikationsstellung zum anlegen eines ZVK`s
- Wechsel alle 48h
- keine Filter
- fetthaltige Lösungen grundsätzlich patientennah anbringen, System bei jedem Wechsel erneuern
Soweit ich weiß ist diese Studie auch auf unserer HP veröffentlich ( www.uni-koeln/medizin.de).
Gruß Marcelino
 
Qualifikation
Case-Management
Fachgebiet
operative Intensivpflege
R

RETTUNGSSANI

Mitglied
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22.03.2001
www.wuffwuff.at.tf
Wiedermal um Hilfe ansuchen!

Was sind bitte Infusionsfilter?
Bitte um Antwort!

Danke im Voraus!
Eure RETTUNGSSANI :redface:
 
Qualifikation
Schülerin
Fachgebiet
Schule für Gesundheits- und Krankenpflege im Kaiserin Elisabeth Spital Wien
B

B1Moe

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01.05.2001
Text

Hallo allesamt,

habe zwar noch keine Antwort auf meine Frage, aber die nächste schon parat: Wenn es schon bewiesenermaßen keinen
hygienischen Vorteil für die Patienten bringt, mit einem Filter das Bett zu teilen, wie steht es dann mit der Senkung des Embolierisikos???? Und gibt es Unterschiede in der Betrachtung der Filter bei den unterschiedlichen Patientengruppen(chirurgisch, internistisch)?
Vielleicht kann ja diesmal jemand weiterhelfen...

Schönen Abend noch!
 
Qualifikation
exam. Krankenpfleger
Fachgebiet
allg.-chirurg. Intensivstation
D

Dirk Jahnke

Mitglied
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Moin B1Moe

Zu der Kostenanalyse:

ist doch ganz einfach - Verweildauer ohne Filter 0-24 h Stunden kuerzer - dafuer Filter gespart.Auf 12 Tage gesehen also 1 Systemwechsel maximal mehr - also Kosten fuer Leitungen,Hahnbaenke... .
Dafuer min. 3 Filter (abhaengig von der Anzahl der Lumen) gespart.Muss mann nur noch die Preise haben - habe ich aber nicht.

Zum Embolie-Risiko :

Habe da mal von einem Apotheker aus Bremen - ein absoluter Filter Vertretter - einen Vortrag gehoert.Der erzaehlte immer nur von inkombatibilitaeten die zum Verstopfen des Filters fuehren wuerden .Dann muss der Filter gewechselt werden.Ohne Filter wuerde es halt im Patienten landen "und deshalb waere der nicht Einsatz von Filtern fahrlaessig"(der versuchte uns echt zu kriminalisieren - war auch im Auftrag des Filtervertreibers da).Da auf "meiner" Station einige Jahre Filter genutzt worden sind,die aber eigendlich nur bei dem Versuch Fett oder G70% darueber zu geben verstopften ( :) ),scheint unser Infusionregieme in Ordnung zu sein.Untersuchungen in Sachen Mikroembolien konnte er damals (etwa 1 1/2 Jahre) nicht vorlegen.Wenn es die geben wuerde haette er sie sicher vorgestellt !

Fuer RETTUNGSSANI :
Infusionsfilter werden kurz vor dem ZVK vorgschaltet.Sind Partikel und Mikroben Filter.Vorteil war zumindest fuer uns mal das Infusionssysteme nur noch alle 96 h gewechselt werden muessen.Bei einem Intensivpatienten nicht unerheblich.Da es jetzt aber Empfehlungen gibt auch ohne Filter nur alle 72 Stunden zu wechseln ist das eigentlich unerheblich geworden.Fettprodukte duerfen ohnehin nicht ueber den Standart Filter gegeben werden und muessen weiterhin 12-24 Stuendlich gewechselt werden!

Tschau
Dirk
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger A/I
Fachgebiet
Internistische Intensivpflege
R

RETTUNGSSANI

Mitglied
Basis-Konto
22.03.2001
www.wuffwuff.at.tf
Hi Dirk!

Danke, für die Beantwortung meiner Frage!

RETTUNGSSANI :redface:
 
Qualifikation
Schülerin
Fachgebiet
Schule für Gesundheits- und Krankenpflege im Kaiserin Elisabeth Spital Wien
S

sunflower

Mitglied
Basis-Konto
06.07.2000
80469
Moin,

die Frage, ob ein Infusionsfilter eine positive Auswirkung auf die Inzidenz einer Embolie, verursacht durch Mikropartikel (z.B. Glassplitter von Ampullen usw.), sollte wirklich näher untersucht werden.
Falls jemand von Euch hierüber gesichertes Material hat, wäre es schön, mal hier im Forum die Quellen zu veröffentlichen.

Die Vertreiber von Filtern propagieren ja neben dem signifikanten Sinken von Infektionen/Sepsis letztlich auch ein deutlich geringeres Risiko, den Patienten mit "allerlei" anderen Mikropartikeln zu verunreinigen. Eindrucksvoll bilden sie mikroskopische Bilder in ihren Werbeprospekten hierzu ab, die einem im ersten Moment denken lassen, daß der Filter die einzige Lösung sei...

Dies ist sicherlich ein gewichtiges Argument, gilt aber dennoch in multizentrischen Studien, bei einem großen Patientenkollektiv zu belegen.
Hier ist allerdings die Industrie gefordert, finanziell mit einzustehen, da sie letztlich davon profitieren.
Solange dies jedoch nicht der Fall ist, besteht m.E. keinen direkten Sinn in der Verwendung, da insbesondere im Hinblick auf die Kosten, keine evidenzbasierten Daten vorliegen, die diesen erhöhten Kostenaufwand rechtfertigen würden.
Und hier setzt genau das Problem an, welches wir in der Pflege haben: Wir machen viele Dinge, ohne zu wissen, ob es überhaupt sinnvoll ist, bzw. auch einen wirksamen Effekt auf den Patienten hat!

Gruß,
sunflower
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
Fachgebiet
Intensivpflege
B

B1Moe

Neues Mitglied
Basis-Konto
01.05.2001
Vielen Dank,

vor allem an Dich Sunflower. Nun weiß ich also, daß dieses Problem(Mikroembolien) noch nicht so richtig angefaßt wurde.
Primär haben wir diese Filter aber aus besten hygienischen Absichten angeschafft, das hat sich ja nun relativiert. Also findet die Pro- Filter- Fraktion neue Gründe, denselben unentbehrlich erscheinen zu lassen. Leider haben wir Pflegenden nicht nur öfter keine Ahnung, ob das was nutzt, was wir da gerade treiben, wir haben von Haus aus auch wenig Mitspracherecht. So hat auf das Ansprechen dieser Problematik hin unser Mikrobiologe sofort reagiert und sich mit seiner Chefin zusammengesetzt. Herausgekommen ist die "Anordnung", daß die Filter nicht zur Diskussion stehen(warum auch immer...)
Insofern ist unserem Engagement eine natürliche Grenze gesetzt. Aber es ist doch auch schon nett, informiert zu sein!

Ein schönes Wochenende wünscht Euch
B1Moe
 
Qualifikation
exam. Krankenpfleger
Fachgebiet
allg.-chirurg. Intensivstation
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