Intensiv Infusionsfilter

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H

Hugo

Neues Mitglied
Basis-Konto
08.08.2000
Hi.
Ich arbeite auf einer internistischen Intensivstation und wir diskutieren jetzt über die Verwendung von Infusionsfiltern. Bei welchen Lsg. sind sie indiziert, bei welchen nicht. Wie wird es mit der ZVD-Messung gehandhabt? Wer kann mir Erfahrungen zukommen lassen?
mfg
Hugo
 
S

sunflower

Mitglied
Basis-Konto
06.07.2000
80469
Hallo Hugo,

finde ich klasse, daß ihr auf Eurer Station Infusionsfilter einführen wollt. Schließlich braucht man bei Verwendung von Filtern nur alle 96Stunden einen Systemwechsel durchführen.
Zur Handhabung sei folgendes Vorgehen empfohlen:
1) Katecholamine oder Antihypertonika sollten grundsätzlich nicht über den Filter laufen, da es sein kann, daß er versehentlich verstopft, ausflockt, o.ä. und damit nicht mehr gesichert ist, daß der Pat. diese Medikamente bekommt
2) sämtliche Blutprodukte (EK, FFP, TK, ATIII, PPSB) und kolloidale Lösungen, wie z.B. Humanalbumin, HAES, Gelantine, Dextrane dürfen nicht über einen Filter laufen, da er verstopft
3) ebenso dürfen keine fetthaltigen Medikamente und Infusionen (z.B. Propofol, Lipofundin usw.) über den Filter laufen, da er hier ebenfalls verstopft, außer ihr verwendet spezielle, lipophile Filter (die gibt es auch!)
4) auf Medikamentenkompatibilität ist zu beachten!!! Bei bestimmten Medikamenten verfärbt sich der Filter (z.B. Theophyllin), was aber keine Auswirkung auf die Qualität des Filters hat
5) ZVD wird selbstverständlich ohne Filter, also direkt patientennah am distalen Lumen gemessen. Trotzdem könnt ihr aber gerne mal den Vegleich machen und ihn auch über den Filter messen - der Unterschied ist beeindruckend!
6) Die 3-Wege-Hähne vor dem Filter, also die direkt am ZVK, Braunüle oder Pulmonaliskatheter angeschlossen sind, müssen weiterhin alle 72h gewechselt werden, bei grober Verunreinigung (z.B. durch Blutprodukte, Fette u.ä.) täglich, bzw. unmittelbar nach Gebrauch

Letztendlich sei aber gesagt, daß jede Station ihre eigenen Erfahrungen mit Infusionsfiltern sammeln muß und daß diese in der Anfangszeit auch häufiger mal verstopfen und nicht mehr richtig funktionieren, bis man seinen Weg herausgefunden und Erfahrungen gesammelt hat. Dies ist aber bei allen Neuerungen so und man sollte sich dadurch nicht entmutigen lassen. Letztlich kommen die Filter ja dem Pat. zu Gute, denn er wird nicht mehr -wie ohne Filter- mit Mikropartikeln, Mikroglassplitter vom Aufbrechen der Ampullen usw. "bombadiert.

Viel Erfolg bei Eurer Einführung wünscht Dir,
sunflower

[Dieser Beitrag wurde von sunflower am 10. August 2000 editiert.]
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
Fachgebiet
Intensivpflege
W

Walle

wir diskutieren jetzt über die Verwendung von Infusionsfiltern.
Hi Hugo!

Bei uns würden Filter vor kurzer Zeit wieder abgeschafft, da sie unter microbiologisch-hygienischen Aspekten zu wenig bringen. Auch Systeme ohne Filter können unter bestimmten Voraussetzungen 72 Stunden genutzt werden, der Hinzugewinn eines weiteren Tages unter Benutzung von Filtern rechnet sich dann nicht mehr. Bitte lies auch die Diskussion "Wechsel von Infusionssystemen" in diesem Forum oder eine weitere Diskussion unter dem Titel "Spülen nach AB-Gabe" (oder so ähnlich) im Antibiotika-Forum.

Gruß, Walle

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V

volkmar

Mitglied
Basis-Konto
04.08.2000
51674
Hallo Hugo,
wir verwenden auf unserer interdisziplinären Intensivstation seit 8 Jahren 96h-Infusionsfilter. Nicht aus hygienischen Gründen sondern weil wir unseren Patienten die meist enorme Partikelbelastung zu ersparen. Ein anderer Grund ist der Kostenfaktor. Bei einem derzeitigen Preis von ca. 12 DM für eine 5er-Hahnbank mit Verlängerrung, Filter und 3 zusätzlichen Dreiwegehähnen rechnet sich die Verwendung des Filters allemal.
In einer der Antworten auf Deinen Beitrag sind schon viele Lösungen und Medikamente erwähnt, die nicht über Filter laufen dürfen.
Dieser Antwort möchte ich noch einige Medikamente hinzufügen: Konakion, Phenhydan, Cordarex und Cholspasmin.
Zu Filterproblemen (Filterprobleme sind meist Inkompatibiltätsprobleme) führen können Kombinationen von Medikamenten: Lasix mit Euphyllin, Lasix mit Heparin, Heparin mit Euphyllin z.B.
Zum Thema Katecholamine sei gesagt, daß es mittlerweile sogenannte Katecholamin- oder Microfiter gibt, die eine unbeabsichtigte Bolusgabe vermeiden helfen.
Für weitere Fragen stehe ich Dir gerne zur Verfügung.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Interdisziplinäre Intensivstation, Zentrale Aufnahmestation, Stroke Unit, IMC
E

endres

Wie wird es mit der ZVD-Messung gehandhabt? Wer kann mir Erfahrungen zukommen lassen?
mfg
Hugo
Hi Hugo,

ich finde es nicht klasse, dass Ihr einen Schritt zurück machen wollt und Infusionsfilter verwendet, denn: Infusionsfilter sind unnötig. Wie schon von Walle erwähnt, gibt's meine differenziertere Meinung dazu auf diesem Board unter dem Thread "Wechsel von Infusionssystemen". Dort gibt es auch einen Link zu einer entsprechenden Dienstanweisung - diese stützt sich auf die "Empfehlung zur Prävention nosokomialer katheterassoziierter Infektionen" des Centers for disease control and prevention, hospital infection control practises advisory committee aus dem Jahr 1996.

Auf Wunsch schicke ich Dir gerne das Skript in Kopie.

Dort heisst es z.B. unter VIII.2: "Infusionsleitungen (einschl. 3-Wege-Hähne) sollen nicht öfter als alle 72 Stunden gewechselt werden, es sei denn, dies ist klinisch indiziert ... .


Zu den Filtern heisst es unter XI:
A. Infusionsfilter aus Gründen der Infektionskontrolle sollen nicht routinemäßig verwendet werden.

Wie gesagt - selbst renommierte Unikliniken verfahren schon seit langem nach diesen Richtlinien und durch die "enorme Partikelbelastung" ist bislang noch kein Patient mehr gestorben oder in anderer Form nachweislich zu Schaden gekommen.

Wenn Ihr momentan doch Filter verwendet, so ist die ZVD-Messung in jedem Fall davor durchzuführen.
Der Kostenfaktor kann auch kein Argument für den Filter sein, weil beim 72-stündigen Wechsel dieser komplett entfällt und nochmals X Mark pro Filter gespart werden.

Herzliche Grüße,

Hanno H. Endres http://www.medizin-forum.de



[Dieser Beitrag wurde von endres am 13. August 2000 editiert.]

[Dieser Beitrag wurde von endres am 13. August 2000 editiert.]
 
A

Auggie

wir haben bei uns jetzt die Filter wieder abgeschafft,dank des Beitrages von endres;und alle sind glücklich dabei:für uns Pflegende macht es keinen Unterschied,ob mit oder ohne Filter,die Verwaltung ist glücklich,Geld gespart zu haben.
Viele Grüße,

------------------
Rolf
füllt dieses Board mit Leben und lasst euch registrieren.
[email protected]
 
T

Tim

Mitglied
Basis-Konto
20.08.2000
www.tusw.de
Hallo,
wie beim Thema Infusionen:
Es handelt sich doch bei Infusionsbestecken um 1xArtikel. Demzufolge dürfen Infusionen auch nicht umgesteckt werden. Aber welche Infusion läuft schon 96 oder 72/h?
Was soll dann der "Antibakterielle Effect" des Filters?
Wir verwenden bei uns keine Filter und wechsel unsere System komplett alle 48/h.

Gruss Tim

[Dieser Beitrag wurde von Tim am 21. August 2000 editiert.]
 
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Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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