Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

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jeanie_22

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Brauche eure Hilfe und wäre dankbar für schnelle Antworten. Ich arbeite im ambulanten Dienst und es wurde gerade festgestellt, dass zwei Patienten an Scarbies erkrankt sind, darf ich nun dort die Arbeit verweigern, weil ich immungeschwächt bin durch meine chronische Erkrankung und weil ich mich damit nicht infizieren möchte? Laut RKI ist es in Heimen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen etc ja meldepflichtig, gilt dies auch für ambulante Pflegdienste. Unsere Leiterin sagt, dass es nicht meldepflichtig ist!
 
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Keßler

AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

1.) Rufe Deinen Hausarzt oder Deinen Betriebsarzt an und lasse Dich beraten.
2.) Krätzmilben ist es vollkommen egal, ob ihr neuer Wirt immungeschwächt ist oder nicht.
Also : Wenn Du Dich an die Hygienestandards Deines Betriebes hälst, bist Du nicht mehr oder weniger gefährdet als alle anderen.
 
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Willy_Wuff

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AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

Sorry, aber bei einer Immunschwäche weiß ich nicht, ob es der Richtige Beruf ist, vor allem, wenn du schon Befürchtungen bei Scarbies hast.
Möchtest Du in Zukunft die Betreuung von allen Patienten vermeiden, die etwas Infektiöses haben/haben könnten ?
Extrem viele Menschen haben multiresistente Keime, die bei einem Menschen mit gesundem Immunsystem ziemlich harmlos sind, bei Immungeschwächten Menschen aber verehrende Folgen haben können.
Nicht böse sein, aber ich würde ein Gespräch mit dem Hausarzt empfehlen ob dieser Beruf für Dich geeignet ist ?
Ansonsten empfiehlt es sich immer die Hygienerichtlinien zum Selbstschutz zu befolgen, das schrenckt die Wahrscheinlichkeit gewaltig ein sich infizieren zu können.
Denn man kann sich sicher sein das die Patienten in der Regel nicht Steril sind und eine Unmenge an Keimen an und in sich beherbergen. Bekannte Keime sind da in der Regel das geringste Problem ;-)
Ich weiß nun nicht wie die Versicherungen sich verhalten wenn eine Immunschwäche bekannt ist, und man sich dann bei der Arbeit mit etwas infiziert.
Würde ich empfehlen dies sicherheitshalber mal bei der BG zu erfragen.
Und wenn man um die Erkrankung des Patienten weiß kann man auch die entsprechenden speziellen Schutzmechanismen einleiten.
Meines Wissens ist es schwerlich möglich die Betreuung eines Kranken zu verweigern, denn das ist unser Job.
Ich stelle mir gerade vor wie es aussehen würde wen ein Patient eine „normale“ Infektionskrankheit hat und sämtliche Pflegekräfte die Betreuung des Patienten verweigern würden.
Wenn Du selber wegen Deiner Immunschwäche eine Infektionskrankheit einsammelst die Dich danieder wirft, wie würdest Du es finden, auf Hilfe angewiesen zu sein und es ist keiner da der Dich betreut ?
Allerdings sollte es in jedem Betrieb die Möglichkeit geben in speziellen Fällen intern zu regeln wer welche Patienten zu betreuen hat.
 
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jeanie_22

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AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

Mich interessiert nur ob es in der ambulanten Pflege auch meldepflichtig ist oder nicht? Da unsere Leiterin es nicht melden möchte! Das andere tut hier nichts zur Sache. Hab mich vielleicht auch ein bisschen blöd ausgedrückt. Absolviere den Beruf schon seit 10 Jahren.
 
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Kräuterhexe

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Mitwitz
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AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

[FONT=&quot]Nach § 34 Abs. 6 Infektionsschutzgesetz (IfSG) hat die Leitung von Gemeinschaftseinrichtungen im Sinne des § 33 IfSG jeden Befall mit Krätzmilben oder jeden darauf gerichteten Verdacht unverzüglich unter Angabe krankheits- und personenbezogener Daten dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden.
Wenn die Patienten in ihren eigenen 4 Wänden leben, sollte der Hausarzt tätig werden.
[/FONT]
 
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Henoch

Henoch

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AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

Hallo jeanie_22,

Vorweg, eine Übertragung von begatteten Milbenweibchen oder von Gattungspaaren (der Sp. Sarcoptes scabiei var. hominis), erfolgt in erster Linie über längeren und engen körperlichen Kontakt. Es wurden jedoch auch Übertragungen bei kurzen Kontakten nachgewiesen.
Auch kann es zu einer Übertragung der Milben bei Kontakt mit u.a. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Plüschtieren oder der Körperpflege von Erkrankten, etc. kommen. CAVE: Es reicht für die Entwicklung/Erkrankung mit Scabies bereits aus, wenn es zur Hauthaftung eines einzelnen begatteten Milbenweibchens kommt. Aufgrund des Kontaktes können sich also bereits übertragungsfähige Milben auf der Haut befinden.

Als Hinweis noch, das bei gleich starkem Juckreiz, die entzündliche Hautreaktion bei alten Menschen meist milder verlaufen. Daraus ergeben sich
häufig Fehlinterpretationen als „Altersjuckreiz“, Juckreiz bei trockener Haut oder als Symptom einer psychiatrischen Erkrankung. Bei Bettlägrigen kann die Differentialdiagnose zusätzlich erschwert werden, da bei ihnen dann auch der Rücken befallen ist.

Der § 33 IfSG betrifft keine ambulanten Pflegedienste und daher ist auch die Beschäftigungseinschränkung nach § 34 Abs. 1 IfSG nicht anwendbar.
Nach den Kommentaren zu dem § 36 Abs. 1 S. 3 und Abs. 2, gehören ambulante und stationäre medizinische Versorgungs- und Pflegeeinrichtungen... zu den hier (§ 36) aufgeführten Einrichtungen, welche der infektionshygienischen Überwachung der Gesundheitsämter unterliegen und in denen Hygienepläne die Vorgehensweise zur Infektionshygiene und somit auch dem Schutz vor und dem Vorgehen bei Scapies festlegen.

Dieser müsste in etwa diese Inhalte aufweisen:
"Scabies:
- Information des Gesundheitsamtes. (Anm. Nicht Meldung... i.S.d. § 33 IfSG)
- Sofortiges Einschalten eines Dermatologen zur Diagnostik und Therapie.
- Begrenzung der Betreuung auf möglichst wenige Pflegekräfte/Personen.
- Tragen von Schutzkleidung und Schutzhandschuhen bei Kontakt mit dem Betroffenen.
- Konsequente Kontrolle und Mitbehandlung aller Kontaktpersonen (auch Pflegepersonal ohne ausreichende Schutzkleidung).
- Wäschewechsel (Körperkleidung, Unterwäsche, Bettwäsche, Bettdecken, Handtücher) mind. 1 x täglich, bis nach Behandlung und Kontrolle durch den Hautarzt keine lebenden Krätzmilben mehr nachgewiesen werden.
- Bett- und Unterwäsche so heiß wie möglich waschen, Buntwäsche bei 60 °C mind. 20 min., Bettstaub vorher absaugen.
- Schlecht zu waschende Textilien usw. können in verschweißten Plastiksäcken bei Zimmertemperatur 14 Tage aufbewahrt werden. Danach sind die Milben abgestorben.
- Zur Entwesung von Matratzen, Polstermöbeln und Fußbodenbelägen gründliches, wiederholtes Absaugen mit einem starken Staubsauger
(Staubbeutel sofort entsorgen).
- Mit Krätzmilben kontaminierte textile Gegenstände und Schuhe können auch eingefroren werden (Temperatur unter –10 °C).
- Eine chemische Entwesung der Räume ist nicht erforderlich.
- Ständige Überwachung aller Behandelten sowie potenziellen Kontaktpersonen über 6 Wochen.

Somit ergibt sich aus den Hygieneplänen eine relative "Beschäftigungseinschränkung" und eine "Mitteilungspflicht" des AG gegenüber dem Gesundheitsamt. Also schaue einmal in eurem nach. Sollte Scabies hier nicht auftauchen, ist der Plan fehlerhaft. Dann tel. mal mit dem Gesundheitsamt.

Zu Deinem persönlichen Fall sei noch angemerkt, dass eine Scabies eine Inkubationszeit von 2 bis 6 Wochen bis zum Auftreten erster, noch atypischer Symptome wie lokalem leichten Brennen und/oder Juckreiz hat. Bei beeinträchtigtem Immunsystem gehörst Du jedoch zu dem "höher gefährdeten Personenkreis" und es kommt (je nach Ursache, Ausprägung, Art der "Schwäche"... auch eine Cortison-Therapie zählt hierbei als "Immunsupprimiert"=Steroidinduzierte S.) gelegentlich zu einer nur schwach oder gar nicht juckenden, von starker Schuppen- und Borkenbildung begleiteten und hoch kontagiösen Scabies norvegica sive crustosa (Keratotische Scabies, Borkenkrätze). Es kommt hier zu einer ungehemmten Vermehrung der Milben. (Ähnlich wie eben bei den "alten Menschen"...)

Und einmal generell, eine "Immunschwäche und/oder -supprimierung" ist kein Grund, welcher einer Tätigkeit z.B. in der Pflege entgegen steht.
So ist ja schon jede Heuschnupfen-Geplagte eine Kollegin mit "Immundefekt" und nimmt häufig Medi´s zur "Immunsupprimierung", ebenso wie viele "Rheuma-Geplagte" u.a. mehr.
Diese Spielt auch bei den BG´lichen Richtlinien keine entscheidende Rolle und ein "Versicherungsfall" bei z.B. einer Infektion mit Pokemon´s wird bei "Immunkompetenten" und "Immunsupprimierten" gleich behandelt.
Es gilt immer und für Alle, haltet die Hygienerichtlinien ein und geht regelmäßig zur betriebsärztlichen Vorsorge. Bei "Immunsupprimierung" eben regelmäßig auch zum Hausarzt/Facharzt. Und gut ist.
Die "Älteren" werden sich gewiss an die ausufernden, oft von sinnfreier Panik und Unwissen geprägten Diskurse zum Thema AIDS und Pflegekraft/Arzt erinnern. :mad_2: Heute können wir hierüber ja nur noch Lachen. :spinner:

In (auch) diese Sinne: Bleib(t) gesund...
 
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jeanie_22

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AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

Hallo. Danke. Habe mit unserer Hygienebeauftragten gesprochen und die sagte auch es wäre meldepflichtig. Aber unsere PDL sieht das anders und schaltete deswegen das Gesundheitsamt nicht ein und auch nicht die behandelten Ärzte. Naja wir als Pflegepersonal haben uns Infectoscarb geholt und uns damit versorgt, die betroffenen Patienten sind auch behandelt worden. Die Hygienemaßnahmen haben wir zu Hause auch durchgeführt. Hoffentlich hat sich das Thema damit erledigt.
 
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AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

Hallo. Danke. Habe mit unserer Hygienebeauftragten gesprochen und die sagte auch es wäre meldepflichtig. Aber unsere PDL sieht das anders und schaltete deswegen das Gesundheitsamt nicht ein und auch nicht die behandelten Ärzte. Naja wir als Pflegepersonal haben uns Infectoscarb geholt und uns damit versorgt, die betroffenen Patienten sind auch behandelt worden. Die Hygienemaßnahmen haben wir zu Hause auch durchgeführt. Hoffentlich hat sich das Thema damit erledigt.
wer hat denn die Diagnose gestellt? Derjenige darf doch dann melden. Pflegekräfte dürfen keine Krankheitsdiagnosen stellen, oder habe ich was verpasst?
 
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AW: Infektiöse Ansteckung darf Pflege verweigert werden?

Klar, die Erkennung einer Scarbies ist kein Hexenwerk.
Die Diagnosestellung selbst obliegt (in D) selbstverständlich auch dem ärztlichen Bereich.
Diese Diagnosestellung ist hier offensichtlich erfolgt, da schon die Verordnung von Permethrin (Infectoscab 5%, Rp.) einer engen Indikationsstellung unterliegt.

Eine Scabies ist als Einzelerkrankung entsprechend den §§ 6 und 7 IfSG nicht meldepflichtig. Ärzte trifft eine Meldepflicht erst, wenn lokal 2 oder mehr Erkrankungsfälle auftreten UND ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird. Also, Interpretationsspielraum... und ein Freifeld zur Arbeitsersparnis.

Pflegedienste hingegen trifft eine Meldepflicht im Rahmen ihrer Hygiene- und Infektionsprävention (§ 36 IfSG) schon beim Auftreten in Einzelfällen.

Jennie, noch am Rande, nach der deutschen Lehrmeinung und Fachinformation für Permethrin soll ein einmaliges Auftragen, mit gegebenenfalls einer Wiederholung nach 14 Tagen ausreichen. In Deutschland gibt es jedoch nur eine sehr dünne Studienlage. U.a. in den USA, Frankreich und Großbritannien wird nach langjährigem Gebrauch von Permethrin bei Krätze inzwischen zu einer zwingenden zweiten Anwendung nach sieben Tagen geraten. Auch in den afrikanischen Ländern, wird Permethrin (wenn es denn verfügbar ist...) nach diesem Schema angewendet. Der Therapieerfolg für Permethrin liegt dort in kontrollierten Studien dann zwischen 89% und 100%.

Wünsche -keine Anstreckung, -keine Nebenwirkungen, -eine einsichtige PDL...:mad_2:
 
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