Innere Medizin Infarkt Schema

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S

Sven

Mitglied
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Arbeitet ihr noch nach dem 10 Punkte Infarkt Schema?
Bei mir im Haus kaum noch ( finde ich seltsam)
MfG Sven
 
S

sunflower

Mitglied
Basis-Konto
06.07.2000
80469
Hallo,

was soll denn bitte dieses "10Punkte-Schema" sein???

Du solltest die vielleicht kurz erklären.

In unserer Klinik richten wir uns nach der Höhe des CK-Wertes mit dem Beginn der Mobilisation. (Und natürlich auch nach der Klinik des Pat.)

Viele Grüße,
sunflower
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
Fachgebiet
Intensivpflege
S

Schöhler

Mitglied
Basis-Konto
04.02.2001
Ludwigshafen
Hallo,

wenn Du damit diese 10-Punkte Mobilisationsschema meinst, ich hab neulich gerade gelesen (unprofessionell ohne Quellenangabe, ich weiß, aber ich finds einfach nicht mehr im Chaos..;o)..) daß das ganze absolut "out" wäre.
Je nach Infarkttherapie (bei PTCA) hat der Patient, bedingt durch die Schleuse und den DV, ja sowieso mindestens 24h Bettruhe; danach mobilisiert man (zumindest auf den mir bekannten Stationen) je nach Wohlbefinden des Pat. und nach Vitalparametern.....
In unserem Lehrbuch (Pflege konkret- Innere Medizin, Gustav Fischer Verlag)ist das Schema allerdings noch drin..wobei ich mir die Frage stelle ob ein Brötchen schmieren und ohne Strohhalm trinken wirklich SO anstrengend ist....

Viele Grüsse
Christian
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Herzchirurgie
C

Christian

..wobei ich mir die Frage stelle ob ein Brötchen schmieren und ohne Strohhalm trinken wirklich SO anstrengend ist
Hallo zusammen, hallo Christian.

Man kann sich das sicherlich schwer vorstellen, wenn man bislang noch keinen Patienten in solch einem Zustand angetroffen hat. Aber solche Patienten sind je nach Ausprägung des Krankheitsbildes so schwach, daß sie tatsächlich kaum das Augenlid öffnen, geschweige denn eine Zahnbürste halten können.

Der 10-Punkte-Plan sieht übrigens [kurz zusammengefasst] so aus:

Stufe 1
Mobilisation: Strenge Bettruhe in herzentlastender Oberkörperhoch-, Beintieflage
Körperpflege: komplett vom Pflegepersonal übernommen
Essen und Trinken: Trinken mit Schnabeltasse oder Strohhalm, Essen wird dargereicht

Stufe 2
Mobilisation: Strenge Bettruhe mit geringen Eigebaktivitäten
Körperpflege: Im Bett, Teilwaschung durch den Pat. [Gesicht, Oberkörper]
Essen und Trinken: Langsamer Kostaufbau, Mahlzeiten werden mundgerecht zubereitet.

Stufe 3
Mobilisation: Sitzen am Bettrand nur zu Bewegungsübungen
Körperpflege: Patient wäscht sich im Bett liegend mit Unterstützung
Essen und Trinken: Selbständige Nahrungsaufnahme

Stufe 4
Mobilisation: Selbständiges Aufsitzen im Bett
Körperpflege: Pat. wäscht sich selbständig im Sitzen
Essen und Trinken: selbständig

Stufe 5
Mobilisation: Selbständiges im Sitzen auf der Bettkante
Körperpflege: mit Unterstützung am Bettrand
Essen und Trinken: selbständig am Bettrand sitzend

Stufe 6
Mobilisation: Gelockerte Bettruhe, Häufiges Sitzen am Bettrand
Körperpflege: selbständig am Bettrand sitzend
Essen und Trinken: selbständig am Bettrand sitzend

Stufe 7
Mobilisation: Gelockerte Bettruhe, selbständiges Aufstehen
Körperpflege: mit Unterstützung am Waschbecken
Essen und Trinken: Nahrungsaufnahme am Tisch

Stufe 8
Mobilisation: Ausreichende Bettruhe, selbständiges Aufstehen, 2h/Tag ausserhalb des Bettes verbringen
Körperpflege: Pat. wäscht sich selbst, Duschen nach Absprache mit dem Arzt
Essen und Trinken: selbständig am Tisch

Stufe 9
Mobilisation: Ausruhen im Bett, sonst überwiegend aufstehen
Körperpflege: Pat. wäscht sich selbst, Duschen nach Absprache mit dem Arzt
Essen und Trinken: selbständig am Tisch

Stufe 10
Mobilisation: Nur noch Mittagsruhe im Bett
Körperpflege: Pat. wäscht sich selbst, Duschen nach Absprache mit dem Arzt
Essen und Trinken: selbständig am Tisch

[Quelle: Pflege Konkret - Innere Medizin, 2.Auflage, Gustav-Fischer-Verlag, S. 216]

Hier nicht aufgeführt sind die Maßnahmen hinsichtlich Ausscheidung und Krankengymnastik.

Viele Grüße,
Christian Kröhl

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K

Knoppers

Neues Mitglied
Basis-Konto
09.07.2000
Tach zusammen!!!

Klar gibt es Patienten die sich nach so einem Ereignis nicht mehr rühren und nur noch Ihre Ruhe haben wollen.
Aber nicht zu vergessen ist , daß es das gleiche auch genau andersherum gibt:
Der Patient hat das Ereignis ohne große Symptomatik überstanden und man wird immer mit grossen Augen angeguckt, wenn man was von Gefahr erzählt und "langsam gehen lassen".
Da kommt man wieder als "lebende Bremse" ins Zimmer um dem Patienten zum wiederholten Male zu sagen was er darf und was nicht.
Schon aufgrund dieser riesigen Unterschiede ist es schwer so ein Schema anzuwenden. Es hilft vielleicht als leichter Leitfaden, aber ich glaub die Zeitangaben sind doch sehr variabel und abhängig von der schwere des Infarkts und der Klinik des Patienten.

KLINIK FÜHRT!!!

Sascha
 
C

Christian

Es hilft vielleicht als leichter Leitfaden, aber ich glaub die Zeitangaben sind doch sehr variabel und abhängig von der schwere des Infarkts und der Klinik des Patienten.
Hallo Sascha,

ich denke es versteht sich von selbst, die bisherige Pflege zu evaluieren.

Die gemachten Angaben des 10-Punkte-Plans können daher nur richtungsweisend sein - wie Du schon sagst, ist die aktuelle Situation de Patienten letzlich entscheidend.

Aber nicht zu vergessen ist , daß es das gleiche auch genau andersherum gibt:
Der Patient hat das Ereignis ohne große Symptomatik überstanden und man wird immer mit grossen Augen angeguckt, wenn man was von Gefahr erzählt und "langsam gehen lassen".
Da kommt man wieder als "lebende Bremse" ins Zimmer um dem Patienten zum wiederholten Male zu sagen was er darf und was nicht.
Tja,..das ist nunmal Teil des Jobs :wink: Obendrein hast Du sicherlich auch Erfahrungen mit Patienten gemacht, die - gut analgesiert - kaum Schmerzen haben und bspw. bereits einen Tag nach ihrer offenen BAA-OP aus dem Bett hüpfen wollen.
Da bin ich dann auch mal gerne "Bremse".

Gruß,
Christian Kröhl




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P

Palle

Mitglied
Basis-Konto
15.02.2001
Hallo...

Die Mobilisation von Patienten nach entsprechendem Schema ist in den letzten Jahren tatsächlich ein wenig "aus der Mode" gekommen. Dies liegt in der Tat an der außerordentlichen Entwicklung in Diagnostik und Therapie, sowie der verbesserten Informationslage der Bevölkerung (einschließlich der Hausärzte :smile: ).
Eine (angeordnete) Mobilisationseinschränkung, unabhängig vom subjektiven Leistungsempfenden der Patienten, ist natürlich angesagt bei allen Patienten in der Akkutphase, dann abhängig von Laborparametern und evtl. eingeschränkter Pumpfunktion, sowie aufgetretenen Komplikationen in der Akkutphase.

Viele Grüße

palle :biggrin:

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Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen.
Johann Wolfgang von Goethe

[Dieser Beitrag wurde von Palle am 15. Februar 2001 editiert.]
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Student
D

Dirk

Moin,

bei uns gibt es seit langem keinen Stufenplan mehr(Internistische Intensiv).Betruhe generell nur in der Aufnahmesitation.WC-Stuhl bei "Bedarf" und bescherdefreiheit(natuerlich Schmerz und Haemodynamik) noch am Aufnahmetag.Am Folgetag meist Bettkante - Waschbecken.Ist egal ob lysiert oder PTCA.
PTCA´s haben bei uns nur 8 - 12 Stunden wegen dem Druckverband Bettruhe.(6F Schleuse)
Viele unsere Infarkt Patienten sind am Verlegungstag (meist so Tag 4.) bis zum WC- Gang unter Begleitung mobilisiert.
Komplizierte Verlaeufe in der Fruehphase sind an der Gesamtzahl gerechnet eher selten .

Christian:
>"Aber solche Patienten sind je nach Ausprägung des >Krankheitsbildes so schwach, daß sie tatsächlich kaum das >Augenlid öffnen, geschweige denn eine Zahnbürste halten >können."

Diese Patienten sehe ich seit dem streichen der Routine Diazepam Dosis aeusserst selten ;)

Tschau

Dirk
 
C

Christian

Diese Patienten sehe ich seit dem streichen der Routine Diazepam Dosis aeusserst selten ;)
Hi Dirk,

bei Patienten mit einer EF von <15 % treffe ich das in aller Regel noch recht häufig an.
Aber was mich gerade mehr interessiert: bis zu welchem Zeitpunkt habt ihr denn bisher euren Patienten Diazepam verabreicht ??

Viele Grüße,
Christian Kröhl




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D

Dirk

Hi Dirk,

bei Patienten mit einer EF von <15 % treffe ich das in aller Regel noch recht häufig an.
Aber was mich gerade mehr interessiert: bis zu welchem Zeitpunkt habt ihr denn bisher euren Patienten Diazepam verabreicht ??

Aber dafuer trifft man (ich?) seltener Patienten nach Infarkt mit einer EF <15 % ;)

Diazepam kenne ich noch mit 2-2-5 oder mehr in den ersten Tagen nach Infarkt als Standart Medikation - ist aber schon seit Jahren vorbei !

Tschau

Dirk
 
S

Schöhler

Mitglied
Basis-Konto
04.02.2001
Ludwigshafen
Hallo alle, Hallo Christian,

ich habe in meiner Zeit auf der Intensivstation viele Patienten mit akutem Infarkt gesehen- außer wenn der Pat. tatsächlich reanimations"würdig" (blödes Wort, oder?) wurde, konnten alle zumindest ohne Strohalm trinken- wenn sie denn durften.
Natürlich (und genau deshalb halte ich persönlich dieses "Schema" für obsolet) soll Pflege immer individuell sein. und was der eine HI- Patient kann, muß der nächste noch lange nicht können.
Und bevor ich hingehe und im (oder nach) Schema abhake, mach ich mir meine Gedanken doch selber...

Ohne das Thema wechseln zu wollen, findet ausser mir noch jemand das viel zu oft "nach Schema" vorgegangen wird, und Patienten dabei auf der Strecke bleiben?

Grüße

Christian
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Herzchirurgie
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Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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