In der Reha verstorben

Bernd-Kl

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Hallo;

wie beurteilt Ihr diesen Vorfall:

Unser Pflegedienstleiter war in einer orthopädischen Rehaklinik an der Ostsee im Norden Schleswig-Holsteins wegen Probleme mit dem Rücken (die Rehaklinik ist einem orthopädischen Krankenhaus angegliedert).
Während der Rehmaßnahme ist er verstorben.
Auf dem Totenschein steht als Todeszeitpunkt: Zwischen Freitag xx.xx.2010 17.00 Uhr und Montag xx.xx.2010 01.00 Uhr.
Der Zimmernachbar war aus dem Wochenende von zu Hause gekommen und hatte sich bei der Nachtwache beschwert, dass im Nebenzimmer der Fernseher so laut sein.
Diese fand unseren PDL dann im Sessel sitzend tot vor.

Das kann es doch wohl nicht sein, oder was meint Ihr dazu?

Bernd
 
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Joan Doe

Joan Doe

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AW: In der Reha verstorben

Hätte mir auch passieren können :angry: (Orthopädische Reha, war aber auch Neurologie dabei).

Als es mir wegen meiner höher dosierten Medikamente Abends mies ging bat ich einen Mitpatienten, falls ich am nächsten Morgen nicht wie gewohnt in der Raucherecke auftauche, nach mir zu sehen (Übelkeit, Schwindel, Konzentrations-und Koordinationsstörungen, Doppelbilder, Panik) - meine "spezielle Problematik" kannte er :ermm:
Das PP wusste Bescheid, hat aber die ganze Nacht nicht ein einziges Mal nach mir gesehen :cry:

Dem PP wäre im Leben nie aufgefallen, dass ich übers Wochenende nirgendwo erscheine - wahrscheinlich erst am Montag, wenn die Therapien anfangen.

Noch nicht mal am Fernseher hätte man was merken können, sooo laut hör ich nicht :innocent:


LG Joan
 
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nofretete

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AW: In der Reha verstorben

Tja also ich habe als Nachtwache in einer Reha-Klinik gearbeitet, in der Nacht hätte mir sowas auch passieren können, aber spätestens, wenn ein Patient nich zu den Mahlzeiten erscheint, wäre doch jemand gucken gegangen. also für mich unvorstellbar. Aber mal was anderes, woher wißt ihr, was im totenschein steht, das is mir ein Rätsel!
 
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Bernd-Kl

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AW: In der Reha verstorben

Moin;

was im Totenschein steht, wissen wir von seiner Frau.
Was mich nachdenklich stimmt ist die Tatsache, dass das Krankenpflegepersonal in allen Bereichen in den vergangenen Jahren derart gekürzt worden ist, dass solche Vorfälle heute schon fast unabwendbar sind.
Hinzu kommen in diesem Fall organisatorische Mängel.
Ich war in den letzten 1 1/4 Jahren 2 x in einer Reha (4 Wochen in einer kardilogischen, 3 Wochen in einer orthopädischen).
In beiden Häusern gab es Mechanismen, die einen solchen Vorgang verhindert hätten.
Aber auch auf den "normalen" Krankenstationen war derart wenig Personal vorhanden, dass die Kolleg/innen am Rande ihrer Belastungsgrenze gearbeitet haben.
Nur in den jeweiligen Intensivstationen fühlte ich mich sicher und gut betreut.
Gruß
Bernd
 
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Kalimera

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AW: In der Reha verstorben

Irgendwie verstehe ich das nicht, habe allerdings noch nie in einer Rehaklinik gearbeitet und kenne die Abläufe nicht.
Ist denn dort nicht bekannt wer am WE nach Hause fährt und wer da ist?
Und schaut dort niemand in die Zimmer, wenigstens zu Beginn und zum Ende eines Nachtdienstes, oder ist der ND ein Schlaf-ND, der nur auf Anfrage reagiert.
Und achtet auch niemand darauf, ob die Patienten, die da sind auch bei den Mahlzeiten sind? Ich finde das irgendwie merkwürdig, vielleicht äußert sich hier ja jemand, der in einer Reha arbeitet, vielleicht gehe ich auch zu sehr vom Krankenhausbetrieb aus
 
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Bernd-Kl

Bernd-Kl

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AW: In der Reha verstorben

Hallo;

aus der jüngsten Erfahrung aus 2 Reha-Maßnahmen kann ich für diese beiden Häuser folgendes sagen:
Kiel (kardiologische Reha):
Die Nachtwache befindet sich in einer sogenannten Akutstation und kommt nur auf telefonischen Anruf ins Zimmer.
Morgens nach dem Frühstück ist Medikamentenausgabe. Wer diese nicht abholt, wird im Zimmer aufgesucht.
Wer am Wochenende abwesend ist, bekommt seine Medis natürlich vorab mit.

Neustadt (orthopädische Reha):
Es handelt sich um ein gemischtes Krankenhaus (Akut- und Reha in einem Haus).
Die Nachtwache befindet sich in einer Akutstation und kommt nur auf telefonischen Anruf ins Zimmer.
Am Wochenende nach Hause fahren wird grundsätzlich abgelehnt.
Wer an einer Mahlzeit nicht teilnimmt, muss sich beim Servicepersonal abmelden.
Wenn jemand ohne Abmeldung nicht zum Essen kommt, wird die Station vom Servicepersonal telefonisch informiert.
Außerdem kommt Samstags die Reinigungskraft ins Zimmer.

In beiden Häusern gibt es also wenigstens eine Art "Überwachung", auch wenn diese sehr locker ist, aber schließlich ist die Reha keine Akutmaßnahme.

Bernd
 
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sternchen111

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AW: In der Reha verstorben

Hallo,
habe jetzt über 12 Jahre in einer Rehaklinik gearbeitet. Auch unter anderem mit orthopädischen Patienten. Bei uns ist im Nachtdient nur eine Krankenschwester im Haus für bis zu 100 Patienten. Da ist es gar nicht möglich bei allen ins Zimmer zu schauen. Auch darf sie sich nachts schlafen legen, da es dann nur noch eine Rufbereitschaft ist.
Bei uns dürfen am Wochenende viele Patienten über Nacht heim. Und wenn sie nicht zum Essen kommen und vielleicht öfters nicht da waren, wird bei uns auch nicht wirklich nachgeschaut. Denn viele jüngere Patienten kommen gar nicht regelmäßig zu den Mahlzeiten.
Wenn bei den Patienten nichts bekannt ist, kommt da auch keiner ins Zimmer.
Das hätte allso auch bei uns passieren können.
Gruß
sternchen111
 
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Bernd-Kl

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AW: In der Reha verstorben

Hallo sternchen;

ich habe nicht die Kolleginnen und Kollegen kritisiert, sondern das System - und das ist einfach fahrlässig, denn ich finde es schon schlimm, wenn jemand vor rund 60 Stunden gestorben ist und niemand stellt es fest - weil die Organisation so ist, wie sie dort eben ist. Als Verantwortliche(r) könnte man so einen Vorfall vielleicht zum Anlass nehmen und im eigenen Haus einmal darüber nachdenken, ob man hier oder dort evt. eine Sicherung einbaut.
Hinzu kommt, dass durch die Fallpauschalen der Patient so schnell wie möglich in die Reha geschubst wird und gleichzeitig das Personal so ausgedünnt wird, dass m. E. viele an der Schmerzgrenze arbeiten oder/und die Einsparungen zu Lasten bzw. auf das Risiko des Patienten gehen.
 
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nofretete

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AW: In der Reha verstorben

Mit Organisation hat das eigentlich nichts zu tun, ich bin bei den neuen Patienten zum Anfang meines dienstes immer fragen gegangen, ob Kontrolle in der Nacht gewünscht wird, oder SD hat das schon geklärt. Auf einer Station von 30 Patienten war es viell. einer der das wünschte, ansonsten nur Rufbereitschaft. Da kann sowas durchaus passieren, wie es bei dem PDL war, kann man ja nur vermuten, aber glaube kaum, das er nur wegen Rückenleiden eine Nachtwache gewünscht hat, viell. hatte er ja die Situation ausgenutzt, das keine Kontrolle kam? Wird er obduziert?
 
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Bernd-Kl

Bernd-Kl

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AW: In der Reha verstorben

viell. hatte er ja die Situation ausgenutzt, das keine Kontrolle kam? QUOTE]
Was meinst Du damit denn?
Der Totenschein lautet auf "Herzversagen" (was letztlich auch so eine "Allerweltsdiagnose" ist, denn schließlich ist es immer das Herz, welches seine Arbeit einstellt).
Nein, er wurde nicht obduziert.
 
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AW: In der Reha verstorben

Naja ich hatte mal kurzzeitig an einen Suizid gedacht, aber ich kenne ihn ja nicht, du schon, aber wie du schon geschrieben hast, Herzversagen ist es ja letztendlich immer. Ist jetzt auch wiederum erstaunlich, weil mir erzählen die Ärzte immer, die zu einer Leichenschau kommen, das sie Herzversagen nicht mehr reinschreiben dürfen. Und wie gesagt nicht sauer sein, war nur mal sone kurze Überlegung von mir!
 
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Pfleger-Elton

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AW: In der Reha verstorben

Kurze frage wenn du nur das System kitisieren willst dann ist doch diese Geschichte hier nur so eine Art beispiel oder? Wenn du schon 3 Jahre im Ruhestand bist und dir das jetzt erst auffält dann weis ich auch nicht was ich dazu sagen soll, den mir ist dieses System aus Altersheimen, Frühreha (d, c, b, usw.) und vielen anderen Einrichtungen bekannt.:cry:
 
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Bernd-Kl

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AW: In der Reha verstorben

Mir ging es eigentlich eher darum, dass Verantwortliche dazu angeregt werden, einmal über das System im eigenen Haus nachzudenken.
Dass jemand in einer medizinschen Einrichtung (vielleicht) bereits am Freitagabend stirbt und dies erst nach mehr als 50 Stunden fast durch einen Zufall bemerkt wird, ist mir in der Tat noch nie untergekommen.
Natürlich kommt es vor, dass Du morgens jemanden wecken willst und Du musst feststellen, dass er in der Nacht unerwartet gestorben ist, doch mehr als 50 Stunden ...?
Bernd
 
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stephank1987

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AW: In der Reha verstorben

Jop das finde ich auch schon sehr heftig. Das darf eig nicht passieren. 50 Stunden das ist ja wahnsinn. Ich kann es verstehen wenn vllt einen Tag nicht reingeschaut wird (darf eig auch schon nicht sein) aber 50 Stunden? Das geht garnicht. Ich muss sagen ,in den 8 Jahren die ich jetzt mit Pflege zu tun habe, (Einschließlich Jahrespraktikum) hat sich das alles sehr zum Nachteil entwickelt. Wenn ich mal zurück denke in meinem Jahrespraktikum haben morgens im Schwesternzimmer 6 Leute *+Praktikanten+Azubis gesessen zur Übergabe. Jetzt sind vllt im Frühdienst 3 + den oben erwähnten. Und die Patienten werden auch nicht jünger und sind somit pflegeaufwändiger. Naja mein Arbeitgeber nennt das "ARBEITSVERDICHTUNG". Mehr Arbeit für weniger Personal
 
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Gesundheits- und Krankenpfleger
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