Arbeitsrecht Hinwegsetzen über Arztanordnung

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charleene

Die Arztanordnung lautet bei Bedarf 1 Dulcolax. Bew. führt täglich massig ab und verlangte von mir gestern Abend 2 Dulcolax. Die Stationsleitung sagt dies sei i. O., allerdings bin ich mir da nicht so ganz sicher. Es ist zwar "nur" ein Abführmittel, dennoch existiert eine Arztanordnung und egal in welchem Haus ich bisher gearbeitet habe es wurde sich immer daran gehalten und im Zweifelsfall gab es auch schonmal eine Abmahnung.
Ist es richtig, daß wenn die Bew. mich darum bittet ich es ihr geben muss? Oder habe ich mich an die Anordnung zu halten?
Ein weiterer Punkt ist, daß mir ein Supp Dulcolax für eine andere Bew. übergeben wurde mit der bitte ihr dieses zu verabreichen, als ich später in die Doku schaute hätte sie aber ein Practo Klyss bekommen sollen.
Was tun in solchen Situationen? Kann ich mich weigern das falsche Medikament zu geben?
 
J

Jens Schouten

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Nun, Charleene,
der Arzt hat das Medikament für den Bedarfsfall vorgeschrieben.
Die Bewohnerin hat ihren Bedarf deutlich gemacht und somit war der Bedarfsfall gegeben.
Selbstverständlich ist auch eine andere Interpretation möglich, doch liegt hier ein Unterlassungsfall vor:
Der Arzt hätte den Bedarfsfall näher definieren müssen UND die KollegIn, welche das Rezept annahm, hat offenbar nicht um diese Definition gefragt, um möglichen Mißverständnissen vorzubeugen.
Was nicht passieren darf ist, daß Bewohnern Medikamente anderer Bewohner gegeben werden.
Dies erklärt sich schon aus den Besitzverhältnissen.
Wenn zudem noch eine nicht oder anders oder falsch gegebene Vorschrift vorhanden ist oder eine korrekte Vorschrift nicht oder anders oder falsch beantwortet wird, liegt ein medizinisch gesehen untragbarer Fehler vor.
Zu diesem Fehler sollte sich die verantwortliche Kollegin erklären müssen.
Du bist, nehme ich an, Schülerin. Somit bist Du weisungsgebunden und mußt Anordnungen Deiner examinierten Vorgesetzten ausführen, WENN diese kein geltendes Recht bricht, wie hier in Deinem Casus.
Allerdings wird es unklug, Deine Stationsleitung gleich offen einer Straftat zu bezichtigen. Frag doch einmal ganz ungezwungen Deine KollegInnen, ob es im Heim eine Art Protokoll gibt für den sachgerechten Umgang mit (Bewohnergebundener) Medikation. Wenn es eines gibt, wird dies den Kreuzgebrauch ausschliessen und Du kannst fragen, ob und wenn ja, unter welchen Umständen davon abgewichen werden darf. Gibt es keines, wird es aber in der Umgebung der PDL jemanden geben, der sich mit Qualitätssicherung im Haus beschäftigt. Wende Dich an diese Person und frage nach einer einheitlichen Regelung/einem Protokoll.
Viele Grüße und eine geschickte Zunge beim Fragen!
Jens
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Pflegemanagement Innere Medizin
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charleene

Themenstarter/in
Moin Jens,

ich bin examinierte Altenpflegerin und habe Anfang der Woche eine neue Stelle bei einer Zeitarbeitsfirma angetreten. War also gestern den dritten Tag auf dieser Station.

Du scheinst das Wort "Bedarf" anders zu definieren als ich, für mich bedeutet es, daß ich ein Medikament dann herausgebe wenn es nötig ist. Und das ist, wenn die Bew. mir sagt sie habe seit Tagen keinen S mehr gehabt und braucht nun was gegen ihre Obstipation. Wie gesagt: sie hatte täglich und massig Stuhlgang, also kein Bedarf. Und schon garnicht auf die doppelte Dosis.

Mit der Definition ab wann sie Laxanzen bekommen darf hast Du schon recht.

Zu dem anderen Fall mit dem falschen Medikament ... Ich habe es von der Stationsleitung erhalten.

Ich habe mich bei den anderen examinierten umgehört, ob das in dem Haus so usus ist, daß man zum einen gibt wonach einem der Sinn steht und zum anderen sich auch schonmal über eine Arztanordnung hinwegsetzt. Die Antwort lautete: Solange es dem Bew. nicht schadet, ist alles erlaubt.

Gruß charleene
 
J

Jens Schouten

Mitglied
Basis-Konto
Hallo Charleene,
erschreckend, die Auskunft Deines Kollegiums!
Woran machen sie denn fest, ob, wie, wann und warum ein Schaden für den Bewohner entstehen kann?
Ich bin gewohnt, nach den Bedürfnissen des Patienten (im klinischen Setting) zu arbeiten, solang die Therapie dies zuläßt.
Somit entsteht ein Bedarfsfall nach der Belebung des Patienten, nicht nach meinem Gusto.
Hinzu kommt, daß es bei manchen Laxantien, insbesondere, wenn der Patient daran gewöhnt ist, nicht ratsam ist, diese abzusetzen, bis sich eine größere Ansammlung von Stuhlgang eingestellt hat und der Patient kurz vor einer ernsten Obstipation steht.
Wo liegt der Maßstab? Wie lange darf der Bewohner keinen Stuhlgang haben, bevor Du Bedarf signalisierst?
Wird das exakt dokumentiert und ist ausgeschlossen, daß Dein Kollegium nicht versehentlich noch länger wartet, wenn Du ein paar Tage nicht da bist?
Du hast Recht, zwei Zäpfchen hätte ich der Bewohnerin wohl auch ausgeredet.
In jedem Fall scheint mir wichtig, einmal gut mit ihr zu reden, sie zu fragen, weshalb sie nun jeden Tag ihr Zäpfchen möchte, was nach ihrer Belebung passieren könnte, wenn sie's nicht erhält.
Denke mal darüber nach, inwieweit es zulässig sein könnte, einem mündigen Bewohner seine eigene Medikation vor zu enthalten.
Wie Du als mündiger Mensch es finden würdest, wenn da jemand kommt und Dir Deine Medikamente nicht geben will, obwohl Du sie doch regelmäßig brauchst.
Sei so gut, Charleene und denke auch darüber nach, Dich nach einer anderen Stelle umzusehen, denn man scheint in diesem Haus keinerlei Leitungskompetenzen noch ein einheitliches Pflegeleitbild zu besitzen.
Eine qualitativ hochwertige Pflege wird man dort nicht bieten können, solang ein jeder tut, was er gut findet, sich über ärztliche Anordnungen hinwegsetzt und selbst Führungskräfte sich so inkorrekt verhalten.
Auch, wenn ich den Anspruch gelten lasse "Wir sind alle nur Menschen", scheinen dort Menschen zu arbeiten, die jeglichen Verantwortungsgefühls entbehren.
Die Alternative ist: Ändere was daran!
Viele Grüße!
Jens
 
Qualifikation
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05.07.2001
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