Hilfloser Bewohner und hilfloses Pflegepersonal

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Basia

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hallo Alle zusammen,
auf meiner Station habe ich einen männlichen Bewohner der seit Monaten immer die Einnahme seiner Medikamente verweigert, ebenfalls ab und zu die Messung seiner BZ-Werte, weshalb wir ihm kein Insulin verabreichen können, wobei er das dann wahrscheinlich auch verweigern würde.
Soweit so gut, natürlich wird der Wille des Bewohner respektiert, jedoch seit gestern setzte sein HA alle seine Medikamente ab, mit der Begründung, der Mann nehme sie ja sowieso nicht...
Meine Frage lautet jetzt, mache ich mich nicht strafbar, wenn ich seinen Willen respektiere und ihm auch sein lebenswichtiges Inmsulin nicht verabreiche, wenn er die Maßnahme verneint???
Trotz zahlreicher Gespräche mit ihm über die Risiken ist der Mann "stur", es ist ihm "egal".
Ist das nicht Selbstmord auf Raten???
Eine psychiatrische Diagnose hat der Bewohner nicht, zumindest ist bis dato nichts diagnostiziert worden, außer eines depressiven Syndroms... was ja meine Vermutung untermauern würde...
Wir werden ihn einem Neurologen vorstellen, wobei selbst da sieht es nicht so toll aus, da er sich ja weigert irgendwelche Medikamente einzunehmen...
Was kann man da tun???
Viele Grüße und Danke für Eure Hilfe
 
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Morpheus

Morpheus

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Hallo Basia,

hat der Mensch nicht das Recht aus seine körperlicher Versehrtheit?
Auch das Rauchen und Alkoholgenuss gilt als "Selbstmord auf Raten" und möchte man dies dem Bewohner (und den Pflegekräften) auch Untersagen? Und die meisten von uns werden auch zustimmen, wenn ich sage: die Arbeit im Gesundheitswesen ist auch nicht gerade Gesundheitsfördernt.

Bei solchen Problemen gibt es zwei Möglichkeiten:
Möglichkeit 1:
Laß Ihm seinen Willen (Denk mal über unser Grundgesetz nach)

Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Hieraus resultiert auch Möglichkeit 2:
Einweisung und Zwangsbehandlung mit Unterbringung nach PsychKG.

Beide Lösungen werden Dir nicht passen, neben dem Geduldsamen Abwarten und immer wieder die Sachlage erklären bleibt Dir bei "Sturen alten Männern" als Frau eh nicht viel übrig. Das kennst Du sicherlich auch aus anderen Lebensituationen, was die sich erst einmal in den Kopf gesetzt haben ....

Also sei Geduldsam, und Verständisvoll.
Es ist immer ein Weg Zwischen den Möglichkeiten 1 und 2.

Die Rechtliche Lage sieht so aus, das der Hausarzt die Behandlung führt, wen er diese begründet abbricht, bleiben uns als Mitglied eines "HeilHILFSberufes" nicht viele Möglichkeiten. So sieht es auch der Richter.
 
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RA; GuK (A+I), QMB, MPG-Beauftragter, Dozent im Gesundheitswesen
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Basia

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Danke Dir für Deine Antwort
ich denke dass Frauen heutzutage auch bei jungen "sturen" Männern uns durchaus durchsetzten können und sollten ;-)
Jedoch wäre das rein bruflich und professionell gesehen keine Lösung, es geht mir im Grunde nur um meinen Garanten - Vertrag, den ich in meinem Job eingegangen bin. Es kann doch sein dass der Mensch, das nicht mehr beurteilen kann, was für ihn das Beste ist, indem Fall ist es doch fahrlässig ihm nicht zu helfen, oder?
Wie gesagt, er wird bei uns zu nichts gezwungen, das könnte ich dann auch nicht vertreten.
Trotzdem habe ich bei dieser Sache ein mulmiges Gefühl, ohne sein Insulin wird er früher oder später nicht mehr da sein, das ist nun mal Fakt, oder?
 
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Lisy

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@ WoSch,
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Hallo Basia,
auch mit Medizin und Insulin wird er über kurz oder lang nicht mehr "hier" sein.
Ist der alte Streit, was ist wichtiger, die Lebensqualität oder ein langes enthaltsames Leben.
Ich für mich hab entschieden, wer nicht will, der hat schon. (zumindest bei unseren Senioren)
Wenn jemand alles verweigert, hab ich die Möglichkeit ihn zu zwingen, was strafbar ist, oder ihm seinen Willen zu lassen.
Der Arzt hat schon richtig entschieden, denn was bringt es, wenn der Bewohner unregelmässig Insulin bekommt außer das die Werte noch mehr "spinnen".
Gruß Lisy
 
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falcrum29

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Hallo Basia / Hallo Lisy

Tja der alte mann und das Meer. erstmal ... da wie Lisy sagt der Zwang strafbar ist fällt er also als "Möglichkeit" weg. Also habe ich keine Wahl. wenn er nicht möchte dann ist es gut. ich muss es Dokumentieren und Verfolgen das er immer wieder ablehnt und dann mit dem Arzt eine Entscheidung treffen. All das ist getan worden. Jetzt könnte nur noch eine Betreuung beantragt werden die aber im Endeffekt auch nix bringt da selbst dabei der Wille des Betroffenen zählt selbst wenn er die Situation nicht einschätzen kann.
Klingt krass ist aber so .... und wie Lisy sagt .... sie sind alle über 18 und gut ist. Ein Chirurg kann nicht alle retten und wir auch nicht . Also warten auf den Notfall ... ( Überzuckern / Nierenversagen usw. ) dann kannst / musst du wieder reagieren. Mach dich deswegen nicht fertig .... ihr habt alles eingehalten ... habt alles Dokumentiert ( da freut sich der MDK :thumbsup2: ) und der Arzt spielt auch mit. Also alles im Rahmen geltenden Rechtes ... und da würde ich nicht anfangen Recht zu brechen nur weil ich denke helfen zu müssen.Glaube mir das ist nicht deine Spielwiese ...



ein schönes Wochenende wünsch ich euch

falc :innocent:
 
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stupanka

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Hallo,
ich sehe das dem Grunde nach wie meine Vorredner,dennoch muss meines Erachtens auch geschaut werden in wie weit der Bewohner einsichtsfähig ist bzw.situativ orientiert und sich der Folgen seines Handelns bewußt ist.Ist dies der Fall haben meine Vorredner recht.Ist dies nicht der Fall, dann ist es nicht damit getan zu sagen, ich gebe dem Willen des Bewohners statt,denn um einen Willen zu haben muss man auch entscheidungsfähig sein.Ist man dies nicht, dann muss gehandelt werden.

Lg ilios
 
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Lisy

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Hallo Stupanka,
ich geb dir soweit Recht, nur wie sieht die Handlung dann aus, ohne Gewalt anzuwenden?
Vor allem, wenn der Arzt die Medis eigentlich schon abgesetzt hat?
(nichts für ungut, ist reine Neugierde, vielleicht lerne ich ja was)
Gruß Lisy
 
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Allround

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kann.
Klingt krass ist aber so .... und wie Lisy sagt .... sie sind alle über 18 und gut ist. Ein Chirurg kann nicht alle retten und wir auch nicht . Also warten auf den Notfall ... ( Überzuckern / Nierenversagen usw. ) dann kannst / musst du wieder reagieren. Mach dich deswegen nicht fertig .... ihr habt alles eingehalten ... habt alles Dokumentiert ...
... und da würde ich nicht anfangen Recht zu brechen nur weil ich denke helfen zu müssen.Glaube mir das ist nicht deine Spielwiese ...
Also ich kann Basia insofern gut verstehen, dass es keine verlockende Aussicht ist, immer im Dienst der Notsituation der BZ-Entgleisung hautnah sein zu dürfen, das ist kein schönes Gefühl. Besonders wenn der Patient Schokolade nascht oder das Abendbrot nicht anrührt, und es hingenommen werden soll, dass eine BZ-Messung nicht erlaubt wird.

Die Sorge, die ich da als PK habe, die hat dann nichts mit Recht-brechen-wollen zu tun, und ich würde auch versuchen, einen Weg zu finden, dass zumindest bezgl. Diabetes eine Einigung erziehlt wird mit dem Bewohner.

Vielleicht kann man mit ihm was verhandeln.

Vielleicht kann man Angehörige oder besondere Bezugspersonen mit ins Gespräch bitten.

Oder jemanden von der Kirche, falls er gläubig ist.

Die strikte Einhaltung der Diät müsste beobachtet werden.

Ich würde ihm auch eine Ich-Botschaft schicken und ihm verdeutlichen, wie sein Verhalten die Arbeitssituation beeinflusst. Vielleicht ihm sagen, wie groß die Sorge ist, die er verursacht.

Dass Basia und Co im Recht sind und abgesichert, das stimmt.
Aber manchmal ist damit der Weg auch nicht zuende gegangen, so denke ich.
Auch im Sinne des Bewohners.

LG, Allround
 
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falcrum29

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hallo Allround

Tja so ist das aber nun mal im richtigen Leben eines seniorenheimes.Da kannste reden wie ein Buch ... da geht nichts.Und selbst wenn eine Betreuung vorhanden ist bleibt der letzte Wille beim Betroffenen. Und dann ist es wie so oft im Leben... für aussenstehende unbegreiflich für Pfleger emotional oft sehr stressig ..... aber dann kann man nur warten das der Ernstfall eintritt. Hauptsache es ist alles Dokumentiert. Versuch mal einen Menschen von einer OP zu überzeugen wenn er partout nicht will ... das klappt nicht .... stimmts?? Und ich geh einfach mal davon aus das die Fachkräfte im Vorfeld wirklich alles getan haben um dem Betroffenen die Situation klar zu machen ... die Konsequenzen aufzuzeigen. Und auch alle Tricks und Kniffe scheinen da nicht zu helfen. Hatte auch schon solche Leute ..... am ende musste ich vier bis fünfmal die Woche die Dame in die Klinik schicken um die herausgerissene PEG neu legen zu lassen. Ich meine auch das ist ne Willensbekundung .... denn schön ist das sicher nicht.

LG Falc
 
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stupanka

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Hallo Lisy,
ich denke,dass es hier einer interdiziplinären Zusammenarbeit bedarf,wahrscheinlich in Form von hermeneutischer Fallarbeit.Sicherlich ist das schwierig durchzuführen bzw.alle an einen Tisch zu bringen.Wichtig scheint wie schon gesagt erst mal festzustellen in wie weit der BW einsichtsfähig ist.Wie auch immer das Ergebnis ausfällt muss dann mit Ärzten Betreuern und Team individuell entschieden werden wie weiterhin verfahren werden soll.Denn die Sorge der MA ist selbstverständlich zu verstehen.Wichtig ist nur eine klare Regelung für alle zu finden sodaß eine gewisse Sicherheit für das Team besteht.Selbst wenn die Entscheidung sein sollte,dass sich alle einig sind dem Willen des BW stattzugeben mit allen daraus resultierenden Konsquenzen.
Eine allgemeingültige Regel gibt es in solch individuellen Fällen sicher nicht und ist natürlich auch aus der Ferne immer schwer zu beurteilen.

Lg stupanka
 
Qualifikation
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Stationär Altenheim
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pdlandy

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hi wosch,
VETO!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
ein heilhilfsberuf sind wir auch juristisch seit einiger zeit nicht mehr.alten-u. krankenpfleger gelten als anerkannte heilberufe!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
 
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PDL/HL/TQMB
Fachgebiet
Fachpflegeheim für NP
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