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Hilfe! Pflegenotstand Intensivpflege

  1. Hallo zusammen,

    meine Freundin arbeitet in einer privaten Intensiv WG, als sie dort angefangen hat, wurde versprochen es gibt mindestens zwei pfleger und einen pflegehelfer.
    pustekuchen.
    Es gab 5 Patienten und zwei Pfleger. Da war schon wahnsinnig viel zu tun. Nun sind noch zwei patienten dazu gekommen, also 7 patienten und zwei pfleger.
    Dazu kommen 12 Stunden Dienste á 7 Tage.
    Ich platze so langsam, meine Freundin kommt nach Hause und kann gar nichts mehr. In den freien Tagen ist immer irgendwas, fortbildung, besprechung, ...
    Sie hat letzte Woche also 10 Tage gearbeitet und dann nur 5 frei, jetzt wieder 7 Tage arbeiten.
    Alle Bewohner beschweren sich, es funktioniert nichts und der chef sagt ‚da müssen sie jetzt durch‘
    muss sie das?
    ich könnte platzen vor wut, ich weiß gar nicht mehr wohin mit mir. ich kann die Frau die ich liebe nicht mehr so leiden sehen, die kann nicht mehr.
    kündigen ist einfach, aber sie hat schon so viele stationen durch, wegen umzug, wegen insolvenz, wegen schlechter zahlung, pflege ist einfach eine katastrophe.
    wir suchen schon neue jobs außerhalb der pflege als Medizinprodukteberaterin, aber das ist nicht so einfach.
    Falls überhaupt jemand bis hier hin ließt -
    hat jemand einen Tipp? Was können wir tun? kann man sich dagegen wehren?

    Schon mal danke und Hut ab an alle, die das so durchziehen und können!
     
  2. Das wichtigste das meines Erachtens endlich sämtliche Krankenpflegekräfte begreifen sollten ist :

    1. Sie können und werden die Welt nicht retten.

    2. Pflege ist ein Job indem ich für eine mehr oder weniger gut definierte Arbeit ein definiertes Gehalt bekomme. Alles was sich außerhalb dieser Definitionen befindet ist nicht mein Problem.

    3. Es ist nicht meine Aufgabe die dreifache Arbeit für einfaches Gehalt zu leisten.

    4. Wenn die Patientensicherheit in meiner Schicht nicht gegeben ist, dann habe ich meinen Arbeitgeber darauf hin zu weisen und damit bin ich aus der Nummer raus, denn die Organisatorische Verantwortung liegt bei ihm.

    5. Ich habe ein Klar definierte Arbeitszeit, alles was ich darüber Hinaus leiste ist FREIWILLIG und mein eigenes verschulden. (Wenige Ausnahmen die der Gesetzgeber vorgibt natürlich ausgenommen)

    6. Mein Arbeitgeber kann mich NICHT dazu zwingen permanent in meiner Freizeit ein zu springen und extra Dienste zu schieben. Es liegt an MIR auch mal nein zu sagen.

    7. Ich habe nicht nur eine Verantwortung meinen Patienten gegenüber, sondern vor allem auch MIR und meiner Familie gegenüber. Es liegt ausschließlich an MIR dieser Verantwortung gerecht zu werden.

    8. Mein Arbeitgeber kann mich nicht dazu zwingen mich in nen Herzinfarkt hinein zu schuften, das mache ich ganz allein, und somit bin ich dann auch selbst schuld wenn ich das mit mir machen lasse.

    9. Solange es noch zu viele Pflegekräfte gibt die sich in ihrer Opferrolle so wohl fühlen, wird sich auch nicht viel ändern.


    So, nun dürfen mich die selbsternannten Engel der Menschheit schlachten.

    P.s. Ich bin selbst seit über 20 Jahren Pfleger und deswegen weiß ich das ich jahrelang nicht zum Opfer gemacht wurde...... zum Opfer macht man sich nur selbst.

    Ich hab meiner Vorgesetzten auch schon mal gesagt das ich mir gerne ne andere Arbeitsstelle suchen kann, wenn sie mit meiner Arbeitseinstellung nicht einverstanden ist.

    Komisch, danach hat sie nicht mehr rum gezetert Marke ich sei ihre letzte Hoffnung, und ohne mich würde nix gehen …...

    Lächerliche Psychospielchen.
     
    Ostfriesenjung, Flybee, Saiy1812 und 7 anderen gefällt das.
  3. Danke Willy Wuff ....hinzufügen möchte ich nur, dass das auch für Altenpflegekräfte gilt...
    Es gibt genug Anbieter für Intensivpflege ...und die verarschen einen nicht so.. Ich bin selber außerklinisch am Arbeiten...es gibt nix besseres, wenn man einen guten AG gefunden hat...
     
  4. Ich denke da auch an alle die Ausgebildet sind und mit der Pflege zu tun haben, unwichtig ob "große" oder "kleine" Ausbildung.
    Ich kann jedem nur empfehlen Kommunikationsseminare zu besuchen :)
    Als Vorwand kann man ja sagen um Konfliktsituationen mit Patienten/Bewohnern/Angehörigen besser gewachsen zu sein.
    So mancher Arbeitgeber wird sich drüber freun, weil er meint dann weniger Stress mit besagten Leuten zu haben.
    So ganz nebenbei helfen sie aber auch dabei die billigen Psychotricks der Arbeitgeber und der Leitungen zu erkennen.
    Jede Stationsleitung mit Leitungskurs ist in diesen Billigen Tricks geschult ;-)
     
  5. An Pflegefreundin68
    Ich gehe mal davon aus,daß die Intensiv-WG ambulant geführt wird.
    Somit muß der Arbeitgeber ja Verhandlungen mit den Krankenkassen der einzelnen Bewohner ausgehandelt haben.In der Regel gibt es in Beatmungs-WGs Verhandlungen über eine 1:2 Betreuung,dh. die Kassen zahlen entsprechend viel Geld.Wird dann diese 1:2 Betreuung nicht eingehalten,die Krankenkassen kontrollieren dies,sieht es für den Arbeitgeber schlecht aus.Da ambulant geführte WGs auch unter das WTG fallen,werden diese in manchen Kreisen auch von der Heimausicht unangemeldet kontrolliert.
    12-Stundenschichten sind nur deshalb in der 1:1 Betreuung erlaubt,weil angenommen wird,daß hier Ruhezeiten anfallen.Dies trifft ja in der WG nicht zu.7 12-Stundendienste am Stück sind absolut nicht erlaubt.
    Was kann Deine Freundin tun?
    Einen Betriebsrat wird es vermutlich nicht geben,somit nützt auch eine Überlastungs-/Gefährdungsanzeige nichts,die wird "verschwinden" und der Verfasser der Anzeige muß mit Repressalien rechnen.Da hilft nur,die Krankenkassen zu informieren.Diesen Part könnten ja die Angehörigen übernehmen,diese werden ja wahrscheinlich mitbekommen haben,daß der Stellenschlüssel nicht in Ordnung ist.
    Nehmen wir an,der Geschäftsführer kassiert für eine 1:2 Versorgung von der Krankenkasse z.B.15.000 €./ Monat pro Beatmungspatient,gewährleist die 1:2-Versorgung aber nicht,handelt es sich um Betrug.Erfährt die Krankenkasse davon,kann der Geschäftsfüher sich warm anziehen.
    Ich weiß von etlichen Betrügen in der Intensivpflege,die aufgeflogen sind.Aber bis dahin verschleißt man schön sein Personal und leistet sich vom gescheffelten Geld lieber noch einen neuen Porsche.
    Es wird Zeit für feste Personaluntergrenzen in allen! Bereichen mit unangemeldeten Kontrollen,die bei Nichteinhalten zu empfindlichen Strafen führen.
     
    Sergey Kasyansky gefällt das.
  6. Hallo erstmal,
    Wo ist denn diese eigenartige wg?

    Geht in die 1.1 heimbeatmung keine wg.
    Ist nur ein Tipp
    Mach das schon länger.
     
    #6 olle
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Juni 2018
  7. Das ist Pflege in Deutschland.
    Wie ich schon mehrfach sagte, solange die Bevölkerung nicht begreift das sie die Politik unter Druck setzen muß, und solange die Bevölkerung gemütlich vor der Glotze sitzt und TV guckt, werden nur die mit Herzinfarkt begreifen das sie etwas für ihre Gesundheitsversorgung tun müssen.
    Wer glaubt das das System VOR dem Koller steht, sollte sich mal die adresse Kliniksterben.de ansehen.

    Ich bin mal neugierig wie lange es noch dauert bis die Bevölkerung begreift das sie für ihre Gesundheitsversorgung flächendeckend kämpfen muß.
    Ansonsten bleibe ich bei meinem posting vom 10. Mai :)

    Vielleicht noch hinzugefügt : Jede noch Arbeitsfähige Pflegekraft sollte lernen in erster Linie an sich und ihre Familie zu denken.
    Denn weder die Patienten, noch deren Angehörigen werden sie Finanziell unterstützen, wenn sie arbeitsunfähig wird und in die Armut rutscht, weil der Rücken Kaputt ist, Herzinfarkt Burnout, Psychische Dekompensation u.s.w., noch wird sie Unterstützung von dem Arbeitgeber bekommen, dem sie ein vermögen eingewirtschaftet hat.
    Also, wir werden doch immer dazu angehalten Priroritäten zu setzen :
    Oberste Priorität :

    1. MEINE Physische und Psychische Gesundheit (Ist die nicht zu erfüllen wirds zeit den Arbeitgeber zu wechseln, so lange bis die Priorität erfüllt ist )

    2. Meine Familie (Ist die nicht zu erfüllen wirds zeit den Arbeitgeber zu wechseln, so lange bis die Priorität erfüllt ist )

    3. Die Patientenversorgung, und wenn selbige nur möglich ist unter Vernachlässigung der beiden oberen Punkte, dann wird genau das gemacht was mein Arbeitgeber mir sagt, erst wird eine Patientengefärdungsanzeige geschrieben und meinem Arbeitgeber zugestellt (Kopie geht in meine Unterlagen )
    Prioritätensetzung : Patient hat zu essen und zu trinken, bekommt seine Medikamente........
    Alles andere ....... wenn Zeit dafür ist solange Priorität 1 und 2 gewahrt bleiben.

    Alternative :
    Solange man noch nen klein büschen Kleingeld hat schon mal den Grabstein bestellen mit dem Text : Ein Leben für die Geldgailheit meines Arbeitgebers und der Politik.

    Übrigens...... eine Erkenntnis die ich auch erst kurz vor nem ausgewachsenen Burn Out erlangt habe.
    Pflegekräfte sollten sich grundsätzlich in Therapeutische Behandlung begeben, denn unseren Job würde kein Mensch der bei klarem Verstand ist, für dieses Geld machen :)

    Wo erfahren die Pflegekräfte die sich Physisch oder Psychisch kaputt gemacht haben einen Dank oder finanzielle Entschädigung ?
    Die dürfen Pfandflaschen sammeln, oder sich zu nem sozialverträglichen vorzeitigen Ableben entscheiden.
     
    lulli00 gefällt das.
  8. Heute morgen um 7 klingelt das Handy. War wohl die PDL. Von Station war es keiner. Ich hatte Spät. Hab nicht reagiert.
    Heute dann das erste zum Spät. "Wir haben deine Handynummer gar nicht bzw. die Stimmt nicht. Schreib die mal auf".
    "Ne möchte ich nicht".
    Große Augen. "Ja und wie sollen wir dir dann sagen wenn du eine Freischicht machen kannst?"
    "Dann hab ich halt Pech gehabt"

    Was erfahre ich Später. Heute morgen fehlten 3 Leute im Früh. Klar Freischicht ;)
    Und meine Nummer haben sie immer noch nicht.

    Wer kostenlose Rufbereitschaft machen will gerne. Ich bekomme an der Tanke den Sprit auch nicht geschenkt. Also mein AG auch nicht meine Freizeit.
     
    Tryit, Arminius und sarahbell gefällt das.
  9. Richtig.
    Mein Arbeitgeber hat auch nur meine Festnetz Nummer, und da geht grundsätzlich der Anrufbeantworter drann.
    da kann sie dann ja sagen wenn ich frei habe.
    lach
     
  10. Ich habe schon seit Jahren ein billiges Prepaid Zweithandy, welches ich als Diensthandy nutze. Wenn ich frei hab, oder Urlaub, ist es aus...Punkt...in meinem Frei muss ich nicht erreichbar sein...
     
  11. Auch ne Möglichkeit :)
    Wird einfach Zeit das die Arbeitgeber endlich begreifen das Pflegekräfte nicht mehr nur für Gotteslohn arbeiten und nach Gutsherrenart behandelt werden können.

    Hätte da noch einmal ein wundervolles Beispiel dafür wie sehr die Kollegen sich und anderen schaden, die immer da sind, weil sie meinen das ohne sie nix mehr geht.

    Wie in allen Kliniken arbeiten auch bei uns alle Stationen mit unbesetzten stellen.
    Kollegen arbeiten 14 Tage am Stück, wegen einspringen, machen Doppelschichten, arbeiten im Kurzen wechsel u.s.w.

    Dies muss man nun einmal aus der Sicht eines Karrieregailen BWL'ers betrachten .......
    Dann kommt dabei raus :
    Oh die Stationen funktionieren wunderbar, obwohl sie schon seit nem Jahr zwischen 1 und 5 freien Stellen haben, ab 3 Freien Stellen wird der Einsatz von Zeitarbeit zu teuer ......
    Aber eine Stelle haben die eindeutig zu viel, die können wir locker Streichen.

    Wann begreifen diese Kollegen endlich das das komplette System erst einmal impuldieren muß, bis irgendwas passiert ?
     
    südwind gefällt das.
  12. Die letzten Tage auf Station. Oh ihr seid 4. dann kann ja einer rüber auf die andere Station...

    So machen 6 Leute 80 Patienten im Früh.
     
  13. Und ? Habt ihr ne Gefährdungsanzeige geschrieben ?
    Arbeitgeber finden die in der Regel nicht so witzig, denn wenn was Passiert seit ihr aus der Verantwortung raus und im Zweifelsfall muß der mit der Organisationsverantwortung dann in den Bau.
     
  14. Nein. von uns ist keiner gegangen.

    Aber auch in der Vergangenheit sind keine Gefährdungsanzeigen geschrieben worden. Frag mich nicht warum.
    Ich bin Azubi... und ich bin jetzt aus der Praktischen Ausbildung raus.

    Ich hoffe die Zukunft wird irgendwie besser. Sonst geh ich...
     
  15. nenne mir einen grund, weswegen der arbeitgeber nen vermögen für personal ausgeben soll, wenn das vorhandene aus bucklnden ja sagern besteht ?
     
    lulli00 gefällt das.
  16. Ich geh in ein Haus das sich aktuell durch Streiken in den Medien hervor tut ;)
     
  17. hört sich nach nem guten plan an.
    vor über 10 jahren hab ich mal meine klinik verlassen, weil ich glaubte das es übler nicht geht......
    in der klinik in der ich dann gelandet war lief fast nur verängstigtes pflegepersonal rum das der arsch der nation war, keinerlei entscheidungskompetenz, nicht mal in ihrem uhreigenen bereich, absolut arzthörig......
    dementsprechend hoch war die pflegerische kompetenz in dem haus.
    ich hatte einmal die woche nen mittarbeiter gespräch wegen kompetenzüberschreitung, dabei hab ich wirklich nur meinen job gemacht....
    ne weniger selbstbewusste pflegekraft hätten die in 3 monaten mürbe geklopft. ich hatte nach nem jahr keinen bock mehr auf sinnlose einzelkämpfe und bin ins vorige haus zurück.
    ich fürchte häuser mit personal das selbstbewusstsein hat sind selten.

    wenn ich ne pflegekraft treffe, die angst um ihren job hat, stelle ich ihr immer eine frage :
    welche aussage ist richtig ?

    auf meinen arbeitsplatz warten 10 pflegekräfte.
    oder
    auf eine pflegekraft warten 10 arbeitsplätze.
     
    wusselinchen, SchönePflege und lulli00 gefällt das.
  18. Willy Wuff

    Die absolute Wahrheit und genau das ist die Realität....,,,völlig richtig was du da für Gebote formuliert hast .


    In der Pflege sehen sich viele selbst als wundermaschiene die alles leisten und schaffen muss.....ohne dabei das machbare vom nicht machbaren zu unterscheiden .......
    Viele verfeuern sich selbst in diesem Beruf weil sie Willy Wuffs Gebote nicht einhalten wollen
     
  19. Vielen Dank und verneig.
    Das bittere ist, unser Gesundheitssystem ist mitten im Kollaps, das beginnt nicht nicht erst.
    Mal schaun was noch passieren muß bis die verantwortlichen begreifen das Gesundheit nur begrenzt zu kaufen ist.

    Kliniksterben.de

    Sehr schöner Link, wenn man mal gucken möchte was außerhalb der eigenen "Blase" Passiert

    Alle heulen sie in den Medien rum wegen Pflegenotstand, nur irgendwie bekomme ich nirgendwo mit das mal jemand ne gesammtbilanz zieht, wie viele Kliniken schon den Bach runter gegangen sind.
    Obs daran liegt, das es Politisch und monetär gewünscht ist ?
     
  20. Leben und Arbeiten in Schweden!
    Ich möchte Euch mit diesem Eintrag kurz mal Hoffnung auf ein Leben ohne frustrierenden deutschen Klinikalltag machen und Euch davon berichten, wie ich selbst nach Schweden ausgewandert bin.

    Ich war angestellt auf einer Intensivstation an einer großen Universitätsklinik in Deutschland und arbeitete dort wie so viele andere Fachkräfte in deutschen Krankenhäusern unter den besonderen Bedingungen mit einer unterdrückenden Hierarchie, ethisch fragwürdigen Pflegeeinsätzen und so gut wie immer unter Zeitdruck.

    Gelegenheit für Behandlung, die außer Beatmungstherapie und Stabilisierung von Zirkulation auch die ganzheitliche Betrachtung der Patienten mit individueller Pflege beinhaltete, gab es nicht. Die Möglichkeit, einfühlsam auf Patienten und Angehörige einzugehen gab es nur in den seltensten Fällen, dafür versuchte man den dauernden Druck mit Galgenhumor und Zynismus abzupuffern.

    Um diese Situation zu ändern, recherchierten wir und informierten uns über die Arbeits- und Lebensbedingungen in Schweden und Norwegen, wir hatten aus Erzählungen gehört dass dort andere Gegebenheiten herrschten.

    Wir hätten überall in Schweden Arbeit bekommen können, entschieden uns aber für Falun in der Region Dalarna im nördlichen Mittelschweden, cirka 250 Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt Stockholm gelegen.

    Es war schon fantastisch ohne Zeitdruck mit motivierten Leuten aus sechs unterschiedlichen Ländern im Sprachkurs zu sitzen und Schwedisch lernen zu können bei gleichzeitiger Lohnzahlung. Schwedisch hat durch die gemeinsamen germanischen Wurzeln sehr viele Ähnlichkeiten mit dem Deutschen und das Erlernen fiel gerade den Deutschen im Kurs viel leichter als etwa denen mit anderem Sprachhintergrund. Ab der Hälfte des Kurses ging man dann einen Tag in der Woche zum künftigen Arbeitsplatz und lernte Gegebenheiten, Arbeitsroutinen, Kollegen und den aktiven Sprachgebrauch kennen.

    DIE ARBEIT auf der Intensivstation ist auch hier eine komplexe verantwortungsvolle Aufgabe, die höchste Konzentration und Arbeitseinsatz erfordert!
    ABER: Es fehlen der Psychostress, die andauernde Forderung die Station über einem bestimmten Prozentsatz belegt zu haben, unterdrückende Hierarchie und unethische Behandlung von Patienten oder Pflegepersonal habe ich hier nie erlebt!

    HIER bekamen wir plötzlich die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Berufskategorien die ganzheitliche Pflege zu planen und durchzuführen, mit den Leuten auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten und tatsächlich den Patienten im Fokus zu behalten.
    Die Patienten werden hier nicht im Bett festgebunden sondern es gibt immer Personal das in der Aufwachphase da ist und die Hand halten und beruhigend für Sicherheit sorgen kann.

    Man ist „per DU“ mit allen Schweden (bis auf den König – den spricht man artig mit „Sie“ an, wenn er gerade mal vorbei kommt oder im selben Zug sitzt…), aber auf respektvolle Weise.

    Es bedurfte Zeit und Zwangsausübung durch meine schwedischen Kollegen, bis ich gelernt hatte, morgens und nachmittags eine Kaffeepause einzulegen (googelt nach FIKA-Pause!) und dass ich ein Recht auf 30 Minuten Mittagspause in Ruhe und auf vier Wochen zusammenhängenden Urlaub im SOMMER hatte, konnte ich jahrelang gar nicht glauben…

    Hier ist es kein Zeichen von Schwäche und man darf tatsächlich laut zum Ausdruck bringen, wenn einem die persönliche Arbeitslast zu viel werden sollte. Chefs und Kollegen versuchen dann Lösungen zu finden und Hilfe zu organisieren. Man fühlt sich nicht allein gelassen!
    Arbeitstechnisch sehe ich keinen Grund nach Deutschland zurueckzugehen.

    Schöne Gruesse aus dem allmählich fruehlingshaften Falun in Schweden.
    Christoph
     
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