Habituation... taktile Abwehr... zentrale Ziele

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B

BettinaK.

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Hallo an alle, die im Forum BasStim lesen,

ich habe oft ein Problem damit, dass das Konzept Basale Stimulation auf "Techniken" wie Waschungen, Positionierungen usw. reduziert wird...

Gut, es ist wichtig, erst mal eine "Basis" zu schaffen, aber dann sollten wir halt nicht stehen bleiben.

Wer von euch hat schon von "Habituation" gehört... von "Habituationsprophylaxe"... von "taktiler Abwehr"

UND wer kennt die "zentralen Ziele"?

Was muss passieren, dass auch diese meines Erachtens sehr wichtigen Themen im Konzept weiter verbreitet werden und auf den Stationen Beachtung finden?

Ich würde mich sehr über Antworten freuen

herzliche Grüße

Bettina
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Geriatrische Rehabilitation
L

lemuelreist

Hallo Bettina!
Du beschreibst die häufig zu beobachtende Reduktion der BS auf gewisse Techniken, auch daß diese Basis nicht die letzte Stufe sein sollte.
Ich würde eher sagen wollen, daß diese Techniken überhaupt keine Basis darstellen, eher ein zielloses Herumgewerke darstellen, dem es an konkretem Problem- und Zielbewußtsein fehlt.
Letzteres kann nur durch theoretische Bezugnahme auf die wahrnehmungs- und somit persönlichkeitsfördernden Aussagen der BS (Fröhlichs Arbeiten) entwickelt werden - und somit als Basis dienen.

Nach meinem Verständnis ist unter Habituation ein Prozess zu verstehen, welcher bei gleichbleibender Reizsituation besteht. Hierbei ist es eher zweitrangig, ob eine insgesamt reizarme oder -volle Situation vorliegt.
In diesen gleichförmigen Reizsituationen findet ein allmähliches Weggehen des Bewußtseins vom Ich-Umwelt-Dialog statt. In der Folge kommt es zum Nachlassen der mentalen Repräsentation des betroffenen Wahrnehmungsbereiches, zur fehlerhaften Interpretation (Spinnen an der Wand/Decke) und schließlich - unter dem Prinzip der Homöostase - zum Versuch, die erwünschte Wahrnehmung über andere Wahrnehmungsbereiche zu erreichen (Nesteln). Dies alles hat auch persönlichkeitsdesintegrierende Folgen.
Aktuell wird bei uns für - versuchsweise erst einmal für Bettlägerige - ein Standard `Habituationsprophylaxe´ eingeführt, bei dem im Informationsschritt die Einschränkung der Wahrnehmungsmöglichkeiten ermittelt wird, und nach Problem- und Zielbestimmung hierauf aufbauend dann Maßnahmen aus BS, Snoezelen und psychosozialer Betreuung geplant werden sollen.
Wir sind aber ganz am Anfang dieser Phase.
 
Moerphy

Moerphy

Mitglied
Basis-Konto
20.08.2007
06108
Hallo Bettina,

um mit dem Patienten im Sinne der Basalen Stimulation zuarbeiten, sollte man voraussetzen das man die betreffende Person kennt oder zu mindest bereit ist sie kennen zu lernen.
Ebenso aber auch umgedreht. Der Mensch dem ich begegne soll auch die Möglichkeit haben mich kennen zu lernen. Mit dem gegenseitigen kennen lernen beginnt man eine Beziehung, das ist die Basis zum Vertrauen. Wenn der Patient mir nicht vertraut kann ich ihn nicht betreuen oder begleiten. Kenne ich ein wenig die Schwächen und die Stärken, weiß ich wie er in verschiedenen Situationen reagiert, kenne ich seine Vorlieben und Abneigungen und kann dementsprechend Handeln, so erfährt er Sicherheit und es wird für beide Seiten leichter werden, den nächsten Schritt nach vorn zu wagen. Zum Beispiel die Mobilisation in den Stuhl nach langem Liegen, das erste Weaning ohne Beatmungsgerät oder die ersten Schluckversuche.
Ich habe das vor kurzem erst gelesen, ich weiß gar nicht mehr wo.
>> Der Patient nimmt wahr das er wahr genommen wird <<
Das heißt ich reagiere auf seine Äußerungen, seine Zeichen, seine Befindlichkeit und signalisiere ihn damit das ich ihn wahr und ernst nehme. Das ich mich mit seiner Situation auseinander setze.
Ich versuche vorerst seinen alten gewohnten Tagesrhythmus auf zu greifen.
Wann steht er auf? Wäscht er sich vielleicht nur abends? Macht er Mittagsschlaf? Um wie viel Uhr Frühstückt er? Was häufig geschieht ist, dass wir abends um 17:30 Uhr mit dem Abendessen kommen und der Patient uns mitteilt, dass ihm das einfach noch zu früh ist.
Aber auch wenn wir alle Krankenschwestern oder Pfleger sind, „waschen“ wir doch alle die uns anvertrauten Menschen z.B. etwas anders. Der eine beginnt das Waschen mit der Mundpflege, ein anderer fordert den Patienten auf sich das Gesicht selbst zu waschen, der nächste macht den Waschlappen viel nasser als andere. Was ich damit sagen möchte ist, selbst bei dem Waschenvorgang kann man einen Rhythmus entwickeln und den Patienten dadurch Sicherheit bieten und auch hier die Selbstständigkeit fördern.
Um seine Außenwelt zu erfahren, lasse ich ihn vor dem Waschen das Wasser Fühlen, das Duschbad riechen, ich kann das Wasser ein wenig plätschern lassen, dann kann er es auch hören. Mit Hilfe eines Frottewaschlappens streiche ich seinen Körper aus und er erfährt etwas über seine Körperform, seine Körpergrenzen und sein Körpergefühl. Er spürt das eigene Leben.
Einen Menschen begleiten und ihn dabei Angebote zu machen damit seine Entwicklung gefördert wird, bedeutet aber auch das der Mensch die Angebote ablehnen kann und ich dieses akzeptiere.
Bei uns bekommen alle Patienten ein Nachthemd angezogen, da fragt keiner. Vielleicht ist der Patient es aber gewohnt ohne Nachthemd zu schlafen oder vielleicht ist es ihm gerade viel zu warm. Wenn ich ihn frage ob er dies oder jenes möchte und er dazu eine Entscheidung trifft dann beginnt er sein Leben selbst zu gestallten.
Ähnlich ist das mit dem absaugen über die Trachealkanyle. Ich höre das Husten eines Patienten. Ich nehme mal an, dass er Sekret in seiner Lunge hat, was er versucht hoch zu husten. Ich könnte jetzt einfach den Filter abnehmen und den Patienten absaugen. Der Absaugvorgang ist nicht sehr angenehm für die Patienten. Notfalls erkläre ich ihn die Bedeutung und die Risiken wenn das Sekret nicht abgesagt wird. Viele Patienten verstehen das und fordern dann nach dem Husten ein absaugen. Sie lernen Eigenverantwortung zu übernehmen.
Ja, es gibt viele Beispiele für die Ziele der Basalen Stimulation.

Ich würde mir eine Bezugspflege auch auf den Intensivstationen wünschen, weil man dadurch die Patienten einfach besser kennt aber ich kenn auch gerade hier die Nachteile der Bezugspflege. Warum wünschen sich einig Schwestern nach dem sie sieben Tage die gleichen Patienten betreut haben mal in ein anderes Zimmer zu kommen. Manche sagen sogar, wenn mal jemand neues reinkommt entsteht ein frischer Wind.
Meiner Meinung nach gehören auf einer Intensivstation dauerhaft eine Physiotherapie und ein Psychologe und der Psychologe nicht nur für die Patienten.
Wie kommt ihr mit einer Bezugspflege klar?

Viele Liebe Grüße zurück und ich bin gespannt und neugierig.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
ITS
B

BettinaK.

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Themenstarter/in
Guten Morgen...

Hallo Lemuelreist,


Ich würde eher sagen wollen, daß diese Techniken überhaupt keine Basis darstellen, eher ein zielloses Herumgewerke darstellen, dem es an konkretem Problem- und Zielbewußtsein fehlt.
Schon alleine das Wort Technik oder Methode verursacht mir Bauchweh, aber es ist ein weitverbreitetes Phänomen, dass viele Pflegende etwas "handfestes" brauchen, um genau darauf zurückzugreifen... "im Buch steht aber, dass ich mit der linken Hand an die rechte Nasenspitze langen soll, dann wird alles gut... wird aber nicht... scheiß Konzept... nur bin nicht ich daran Schuld sondern das Konzept"... Kreativität ist nicht das, was uns gelernt wurde und die Angst, etwas "falsch" zu machen ist riesengroß... ich habe vor Jahren im Rahmen einer Weiterbildung eine Facharbeit zum Thema BasStim und die Umsetzung des Konzepts auf meiner Station geschrieben... dazu hab ich einen Fragebogen ausfüllen lassen freilich nicht repräsentativ sondern nur auf meiner kleinen Reha... die Angst vieler Mitarbeiter, die Konzepte (sei es BasStim, Kinästhetik oder Bobath) umzusetzen ist die große Angst, etwas "falsch" zu machen... an genau diesem Selbstbewusstsein versuche ich dann immer bei meinen Kursen anzusetzen... aber es ist oft sehr mühsam ...

Aktuell wird bei uns für - versuchsweise erst einmal für Bettlägerige - ein Standard `Habituationsprophylaxe´ eingeführt, bei dem im Informationsschritt die Einschränkung der Wahrnehmungsmöglichkeiten ermittelt wird, und nach Problem- und Zielbestimmung hierauf aufbauend dann Maßnahmen aus BS, Snoezelen und psychosozialer Betreuung geplant werden sollen.
Das macht mich neugierig... Bienstein und Fröhlich haben ja auch geschrieben, dass alle Aktionen, die ich mit dem Menschen, der mir anvertraut ist starte, auch gleichzeitig Habituationsprophylaxe bedeutet, weil er genau dann auch eine "andere" Wahrnehmung bekommt und aus seiner "Reizüberflutung" bzw. "Unterreizung" kommt.
Wird das ein Standard?... Wenn der Mensch diese "Anzeichen" hat, mache ich das?... wie muss ich mir das vorstellen?

Hallo Moerphy,

das hast du absolut genial beschrieben... darf ich mir das ausdrucken? ... Der Mensch nimmt wahr, dass er wahrgenommen wird... Der Mensch nimmt auch ganz bewusst über unsere Berührungen wahr, wie es uns momentan geht... und Prof. Hannig hat einen Patienten auf der Intensivstation zitiert, der sagte ... ich kanns jetzt leider nur ungefähr weitergeben, weil ich gerade das genaue Zitat nicht finde ... "Es wurde viel AN mir getan, aber nicht MIT mir"... wir übersehen oft, dass eigentlich der Mensch im Mittelpunkt unseres Handelns stehen soll...

Sind die zentralen Ziele auf deiner Station bekannt? Wie hast du sie "rübergebracht"... wie wichtig sind sie?... Für mich persönlich sind sie sehr wichtig, aber sehen das die Kollegen auch so?... Schwierig, je mehr ich über das Konzept erfahre, umso mehr Fragen tauchen auf...

Ich würde mir eine Bezugspflege auch auf den Intensivstationen wünschen, weil man dadurch die Patienten einfach besser kennt aber ich kenn auch gerade hier die Nachteile der Bezugspflege. Warum wünschen sich einig Schwestern nach dem sie sieben Tage die gleichen Patienten betreut haben mal in ein anderes Zimmer zu kommen. Manche sagen sogar, wenn mal jemand neues reinkommt entsteht ein frischer Wind.
Meiner Meinung nach gehören auf einer Intensivstation dauerhaft eine Physiotherapie und ein Psychologe und der Psychologe nicht nur für die Patienten.
Wie kommt ihr mit einer Bezugspflege klar?
Ich arbeite ja nicht auf Intensiv sondern auf einer geriatrischen Reha, wir haben feste Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Masseure und eine Altentherapeutin im Team und ich empfinde das als enorme Bereicherung... ein Psychologe fehlt uns leider, wobei auch die psychische Verarbeitung sehr wichtig wäre... zumindest in manchen Fällen... Wir hatten Bereichspflege, steigen momentan um, auf Primary Nursing und ich weiß noch nicht wirklich, was ich davon halten soll... es läuft auch noch nicht wirklich gut, wir sind denke ich noch viel zu unflexibel, um wirklich Primary Nursing anzubieten... sind noch immer viel zuviel in der Bereichspflege... bin ich die Primary Nurse eines Patienten, hat Patient und Angehöriger einen Ansprechpartner, es entsteht dann auch wirklich ein völlig anderer Bezug zu den Leuten... manchmal muss ich dann aber doch Bereich wechseln, "meinen" Patienten einer Kollegin "abgeben" und genau dann beginnt das Problem, denn Angehörige und Patienten kommen noch immer zu mir, wobei ich dann die Unterlagen und die Übergabe nicht hatte und es wird dann irgendwie blöd und kompliziert... hm... aber bei 36 Patienten und teilweise 22 schwerstkranken völlig imobilen Menschen, die wir in 3 Wochen dann wieder flott bekommen sollen... bin ich momentan eher etwas depremiert und gefrustet... weil die Menschen einfach immer "kränker" zu uns kommen und unsere Ziele dann eher vom Ziel "das eigene Leben gestalten" weggehen zum Ziel "Leben erhalten"... wenn die Leute dann nach 3 - 6 Wochen endlich soweit aufgepäppelt sind, dass Reha laufen könnte, ist die Reha vorbei... aber gut, das ist ein anderes Thema, das mich momentan sehr beschäftigt.

Seid lieb gegrüßt

Bettina
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Geriatrische Rehabilitation
Moerphy

Moerphy

Mitglied
Basis-Konto
20.08.2007
06108
Ich stelle mich mal kurz vor.
Ich arbeite im Springerpool für Anästhesie und Intensivmedizin an der Uniklinik Halle (Saale) seit etwa vier Jahren. Wir kommen mit fast allen Fachbereichen in Kontakt und betreuen zum Beispiel neurochirurgische Patienten, Patienten nach einem Schlaganfall, allgemeinchirurgische, traumatische, internistische und Patienten nach einer Herz-OP. Ich habe mich sehr für die verschiedenen Fachbereich interessiert. Man lernt sehr viel dazu.
Ich bin Krankenpfleger ohne Fachausbildung für Intensivmedizin. Anfangs habe ich es angestrebt meine Fachausbildung für Intensivmedizin zu machen, doch auch das ist nicht so einfach, es gibt sehr lange Wartezeit bei uns. Mittlerweile bin ich nun fast der Meinung, dass man als Fachpfleger für die ITS so etwas ist wie der Assistent des Arztes. Ich bekomme einen groben medizinischen Einblick und kann den Arzt bei seiner Arbeit unterstützen. Das ist gut. Aber Pflege hat andere Aufgaben.
Ärzte sind Spezialisten für ihren Fachbereich Der Kardiologe sieht nur sein Herz, der Urologe sieht die Nieren und so weiter, aber die Pflege sollte den Patient ganzheitlich sehen. Für uns stehen der Mensch im Vordergrund und nicht die Laborwerte und die Ultraschallergebnisse oder die CT-Untersuchung.
Deshalb möchte ich auf die Qualifikation zum Fachpfleger verzichten und lieber zum Beispiel Basale Stimulation machen.
Erst habe ich überlegt, was ich tun kann. Mich begeistert das Konzept sehr und ich möchte gerne damit arbeiten, aber ich wechsle sehr häufig die Station und damit auch die zu betreuenden Patienten. Ich könnte versuchen in ein Haus zu gehen, welches schon mit der Basalen Stimulation arbeitet und mich dort eingliedern, oder ich versuche es hier in meinem Haus umzusetzen. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Ich kenne hier viele Pflegende und habe Kontakte zu den Stationsleitungen. Also versuche ich erst einmal eine Arbeitsgruppe anzustreben.
Ja, soviel zu mir.

Etwas zu Berührungen, weil du das Thema schon angesprochen hast.
Ich sage immer Berührungen sind wie Musik. Sie lösen fast immer eine Reaktion oder eine Empfindung aus. Sie können Emotionen oder Stimmungen verändern.
Berührungen können unterschiedliche Qualitäten haben, sie können zum Beispiel mitfühlend oder grob sein, schmerzhaft oder tröstend.
Berührungen sind eine nonverbale Kommunikationsform und sie dienen zum Beispiel dem Beziehungsaufbau, der Kommunikation, dem verändern von Zuständen und nicht zu letzt der Wahrnehmung des Körpers des Patienten.
Der Beruf der Krankenschwester oder des Krankenpflegers ist ein Berührungsberuf. Wir berühren wesentlich häufiger fremde Menschen als ein Automechaniker oder eine Bürokauffrau.
Wir berühren sie an ihren privaten Körperzonen, die oft sogar für Familienmitglieder Tabuzonen sind.
Doch meistens denken wir überhaupt nicht darüber nach was unsere Berührungen auslösen.
Wir sollten versuchen mit der Ressource Berührung mehr zu arbeiten und sie mehr in die Pflege einbeziehen.

Du fragst, ob die zentralen Ziele auf meiner Station bekannt sind.
Da muss ich dir sagen, ich glaube nicht. Wir stehen auch noch ganz am Anfang.
Die jungen Schwestern und Pfleger die von der Ausbildung kommen wissen häufig schon etwas mit Basaler Stimulation anzufangen, aber ich habe den Eindruck, dass es dort auch nur sehr grob angeschnitten wird. Viele meiner Kollegen bezeichnen dieses Konzept immer noch als Streicheltherapie.
Wenn ich interessierte Leute finde, dann drucke ich ihnen in erster Linie erst einmal Facharbeiten aus dem Internet aus. Das ist kostengünstig und sie müssen sich nicht gleich die Bücher kaufen.
Ich habe nun auf den fünf Stationen wo ich arbeite Kollegen gefunden mit denen ich zusammen eine Flipchart-Präsentation vorbereitet habe. Wir werden nach meinem Urlaub ab Oktober das Konzept auf den Stationen vorstellen um Leute zu finden, die mit in einer Arbeitsgruppe wirken wollen.
Ich versuche wenn ich auf die zentralen Ziele zu sprechen komme, immer Beispiele zu nennen. Das verbindet die Theorie gleich mit der Praxis und die Leute können das glaube ich besser nachvollziehen.
Ich ziehe es vor den Patienten wenn möglich zu fragen wie er die Wassertemperatur haben möchte, anstatt selbst zu entscheiden, ob ich ihn jetzt belebend wasche; mit kühlen oder beruhigend, mit warmem Wasser.
Ich komme dann zwar manchmal in einen Zwiespalt und weiß nicht genau ob ich nun das richtige tue. Wenn ich immer nur auf die Wünsche der Patienten eingehe dann fördere ich sie nicht. Das heißt wenn die betreffende Person über mehrere Tage das sitzen im Stuhl ablehnt, weil sie sich zu schwach fühlt, dann wird sie im Bett die Muskulatur auch nicht trainieren.
Wenn Menschen lange liegen mussten weil sie eine schwere Krankheit durchstanden haben, dann vergleiche ich die Kraftanstrengungen mit einem Olympiasportler der trainiert, damit sie wieder fit werden. Muss man da nicht manchmal doch über seinen eigenen Schatten springen?
Mittlerweile hat es sich ein wenig herumgesprochen, dass ich mich für Basale Stimulation interessiere und auch versuche anzuwenden. Damit sind die Erwartungen der Kollegen gestiegen, dass ich die Patienten fit bekomme die schon so lange liegen.
Wenn ich aber nun erkläre, dass Basale Stimulation nicht in erster Linie das Ziel hat die Patienten fit zu bekommen, sonder sie nur ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten, dann bekomme ich die Frage gestellt:
„Ja, welchen Sinn hat dann Basale Stimulation?
Welchen nutzen trägt davon das Haus?“
Ich werde bei einer Stationsleitungskonferenz im Dezember das Konzept vorstellen.
Da sollte ich mich auf solche Fragen vorbereiten.
Ich könnte noch eine ganze Weile schreiben, aber ich mache jetzt erst mal Schluss.

Ich hoffe wir bleiben noch weiter im Austausch.

Grüße Maik
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
ITS
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BettinaK.

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Themenstarter/in
Hallo Maik,

die Ansätze, BasStim in eurem Haus zu verwirklichen/umzusetzen sind doch schon mal sehr gut... ich erinnere mich an die Anfänge in unserem Haus und es war ähnlich.

Was ich lernen musste war, aufhören mit Missionsarbeit, je mehr ich wollte, dass meine KollegInnen BasStim "machen", umso gefrusteter war ich... ich werde sicherlich nie zufrieden mit dem sein, was wir auf unserer Station erreicht haben, ich werde auch nie aufhören, weiter zu lernen und das Konzept weiterzugeben... aber seit ich etwas "leiser" bin und einfach so mein Ding mache, steigt die Neugierde der Kollegen und Schüler, die dann auch tolle Fragen stellen und klasse Ideen entwickeln.

Erst vor einigen Wochen hatten wir einen Patienten zur Reha bei uns... er war noch ziemlich schwach und hatte noch dazu MRSA... das hieß, er drufte erst mal nicht aus dem Zimmer... die Therapeuten übten mit ihm die Muskelkräftigung unter anderem auf einem Rad (mir fällt gerade der richtige Begriff nicht ein, ist ja auch egal)... er saß in seinem Rollstuhl, die Beine an die Treter geschnallt und "fuhr" ca. 10 bis 15 Minuten, den Blick auf die gelbe Wand geerichtet... Eine Kollegin hat ihm dann (er ist der totale Naturfan gewesen) viele Naturbilder... Kalenderbilder... Blumen, Bäume usw. an diese Wand gehängt... es sah klasse aus, es war Habituationsprophylaxe... und ich war stolz :)

Bei uns hat sich so eine ganz feine, tolle Pflege entwickelt, die es wirklich gilt, zu hegen und zu pflegen und nicht mit überzogenen Erwartungen kaputt zu machen.

Auch habe ich der PDL angeboten, immer wieder mal im Rahmen der innerbetrieblichen Fortbildungen, Workshops zum Thema Positionierungen aus Sicht der BS... oder der letzte WS war zum Thema "Körperpflege als Dialog"... und als nächstes hab ich eben vor einen WS zum Thema "Habituation und tanktile Abwehr" anzubieteen... es sind immer nur 1,5 h, die Themen können nur ganz kurz angerissen werden, aber es folgt meinstens ein großes "ahhh... oder ohhhh..." mit welch einfachen Dingen man den Betroffenen Kommunikation anbieten kann. Klar, dass ich immens Zeit reinstecke, und dass ich unendlich viel Freizeit in die Vorbereitungen stecke... aber das ist es mir einfach wert.

Aber nochmal zum Thema Habituation... zentrale Ziele...

Hat denn sonst niemand mehr irgendeine Idee dazu?... Ist das Thema nur bei den "Hardcore Basalen" bekannt?... Ist es nicht wert, darüber nachzudenken?


liebe Grüße

Bettina
 
Qualifikation
Krankenschwester
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05.07.2001
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