"Gleichstellungsgesetz"

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nattvakt

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Hallo!
Ich hab´da mal ´ne Frage...Auf unserer geschlossenen Station war es die ganze Zeit über so, dass in jeder Schicht mind. ein männl. Mitarbeiter mit im Dienst war wg. tätl. Übergriffen/Impulsdurchbrüchen von Patienten. Nun gibt es wohl nicht mehr so viele männl. Bewerber, so dass es alles recht knapp wurde den Dienstplan dementsprechend zu gestalten. Jetzt beruft sich die Leitung auf die Emanzipation, es wäre ja Diskriminierung von weibl. Mitarbeiter, weshalb nun auch Frauen alleine Dienst schieben. Es gibt aber Kolleginnen, die sogar Angst haben, wenn Sie mit best. männl. Kollegen zus. Dienst haben. Wie seht Ihr das, oder sind wir tatsächlich noch zu verwöhnt? Mich macht das alles recht wütend!!!:mad_2:
 
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kleinergizmo

kleinergizmo

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Huhu,

in meine Augen wird das Gesetz da aus der falschen Warte herangezogen.
Ich find es toll, dass die Dienstplangestaltung bisher so geklappt hat, und ohne männliche Bewerber ist's natürlich saudoof, um es mal offen zu sagen.

Die PDL müsste in meinen Augen Sicherheit gewährleisten, wie auch immer sie das macht. Männliches Pflegepersonal sonstwoher buchen, Sicherheitsdienst aufbauen, mehr weibliche Kräfte gleichzeitig einsetzen - wenn ein ernsthafte Gefahr für Euch besteht, bekommt sie im Ernstfall sicherlich ein Problem. Gibt es für solche Fälle eine Art Überlastungsanzeige, die ihr im Vorfeld stellen könntet?

Ich würde die Umstände auf jeden Fall verschriftlichen und die MAV einschalten.

Wenn man jetzt mit Gleichstellung und Emanzipation argumentiert, dürften das in meinen Augen lediglich die Männer anbringen, die "wegen Euch" unschöne Dienste machen müssen und würden sicherlich Recht bekommen. Eben weil die PDL für Sicherheit zu sorgen hat, und das nicht gerade der Tätigkeitsbeschreibung eines männlichen (!) Krankenpflegers entspricht.

Es gibt aber Kolleginnen, die sogar Angst haben, wenn Sie mit best. männl. Kollegen zus. Dienst haben.
Wie ist das denn gemeint?

Meine Ideen wären also: MAV einschalten, schriftlich machen und auf Abhilfe (Sicherheitsdienst o.ä., vielleicht auch nur per Zeitarbeit, wenn ihr auch ruhigere Phasen habt) bestehen, wenn es wirklich nötig ist.

Viel Erfolg,
Gizmo
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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Wie ist das denn gemeint?
Männer sind nicht immer das starke Geschlecht.
Ich kenne das aus meinen frühen Jahren in einem kleinem KH, wenn Sauerstoffflaschen gewechselt wurden.
Wir, die KS, durften erst an die Ventile, wenn die Herren um drei Ecken verschwunden waren.

:wink: Wassermann
 
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kleinergizmo

kleinergizmo

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Huhu wassermann,

es hätte ja noch diverse andere Gründe dafür geben können :grin: Aber gut, vermutlich hast Du das echt richtig aufgefasst *gg*
Beim zweiten Mal Lesen machts so auch echt Sinn :blushing:

LG,
Gizmo
 
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nattvakt

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Hallo!
Ich meinte Kollegen, die erst neu angefangen haben und nicht so konsequent sind, da kann es dann schnell zur Eskalation kommen. Andererseits stimmt es auch, das Erzieher/Krankenpfleger ja auch keine Bodygards sind. Aber es gibt bei uns einige, die mit Angst oder einem mulmigen Gefühl zur Arbeit gehen. Häufig wird aber nur hintenrum geschimpft, offen ausgesprochen (auch gegenüber der Leitung) wird dies so gut wie nicht.
 
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Vaiolenz

Vaiolenz

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Huppsi!
Also:
1. Männer müssen nicht immer stark sein, sind sie doch eigentlich das schwächere Geschlecht
2. Sicher bedarf es in der Kinder,- und Jugendpsychatrie an geschultem Fachpersonal (Kommunikation, Deeskalation, Kurzmediation, usw.), das wäre zumindest von Vorteil. Männer gehen aber sicher etwas anders auf das Klientel ein Und die Jugendlichen reagieren auch sicherlich unterschiedlich auf weibliches/ männliches Pflegepersonal, was sicher auch am Anfang mit Unsicherheiten zu tun haben kann. Wichtig ist eine gute Teamarbeit und Selbstpflege, so etwas wie Emphatie aber auch Fachlichkeit. Gemischte Teams empfinde ich als grundsätzlich empfehlenswert, ich habe festgestellt, das hier weniger Spannungen entstehen, als wenn ein "Geschlecht" (Du weißt schon, was ich meine, oder:rotwerd: ?) nun vermehrt vorort seinen Dienst macht. Ganz im Gegenteil agb es mal vor Jahren Zeiten, da waren wir in einer Einrichtung acht männliche Pflegekräfte und zwei weibliche. Den letzteren haben wir in regelmäßigen Abständen Blumen geschenkt, wir haben sie gehegt und gepflegt, ehrlich. Das nur so nebenbei.
Liebe Grüße,
Jens.
 
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Ich würde mich auf eine Fachweiterbildung in Palliative Care freuen. Und das schon seit nunmehr sechs Jahren. Ich pack das..........!
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Dr_Nick_Riviera

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Moin,
also, ich arbeite auf einer geschützten allg.psychiatrischen Station und bei uns ist es mittlerweile normal, dass Dienste nur mit Frauen besetzt sind, letztes wochenende beispielsweise, wurde der Tagdienst ausschließlich von Frauen geschmissen. Bin im Moment der einzige Mann in unserer Schicht und hatte Nachtdienst. Und wenn ich ehrlich bin, find ich es so auch nicht ok.
Wurde auch schon mal angesprochen, da wurde uns durch die Blume mitgeteilt: gleiche Quali, gleiches Geld, gleiches auf die Fresse;-)
 
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Sittichfreundin

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Aber so geht das nicht!:nono: Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht und hat für die Sicherheit am Arbeitsplatz zu sorgen. Er hat Verantwortung!
 
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kleinergizmo

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Huhu ihrs,

Aber so geht das nicht!:nono: Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht und hat für die Sicherheit am Arbeitsplatz zu sorgen. Er hat Verantwortung!
Eben, so seh ich das auch.

Wurde auch schon mal angesprochen, da wurde uns durch die Blume mitgeteilt: gleiche Quali, gleiches Geld, gleiches auf die Fresse;-)
Stimmt ja auch. Dafür gibt's keinen männlichen Krankenpfleger, sondern Sicherheitspersonal. Und wenn es nicht anders geht, dann muss eben solches her.
Und wenn es sich nur um eine Phase handelt, dann gibt es inzwischen eben Zeitarbeit...

Ich als Mitarbeiter wäre wie gesagt längst bei der MAV, um genau das durchzusetzen - und die PDL bereut die Nichteinhaltung ihrer Fürsorgepflichten spätestens, wenn was passiert ist...

Vielleicht muss ihr das einfach jemand mit Nachdruck vor Augen halten. :innocent:

LG,
Gizmo
 
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Penthesilea

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Hallo an alle,
diese Diskussion gibt es doch immer und überall, mal mehr mal weniger.
Mir ist es persönlich relativ egal, ob ich mit Männlein oder Weiblein arbeite, nur examiniert sollte der Kollege bitte sein. Manchmal reduziert eine "weibliche" Schicht auch auffallend die Aggression auf Station.
Und meine Kolleginnen und ich sind bisher deutlich seltener Ziele von Übergriffen geworden, als Kollegen, die es mal eben regeln.
Und in Zeiten wo es wirklich nötig ist, kann man einen Dienstplan doch auch mal flexibel gestalten, denn natürlich gibt es auch bei uns immer wieder Situationen, wo ich gerne einen männlichen Kollegen an meiner Seite hätte.
Man muß im Team natürlich auch seine eigenen Gefühle und Befindlichkeiten thematisieren können.
Und das ist doch die eigentliche Schwierigkeit, oder?
Grüße Penthesilea
 
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nattvakt

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Durch Aggressionen seitens Patienten ist leider oftmals körperlicher Einsatz notwendig, wenn diese päd. nicht mehr erreichbar sind. Diese müßen dann wg. Eigen oder Fremdgefährdung in den "Time out Raum" gebracht werden. Die meisten Männer verfügen halt von der Natur her über mehr Kraft als Frauen. Unsere Patienten wissen, das wir in der Nacht die "Schwachstelle" sind, wobei es auch am Tage schon zu solchen Krisen kam, tagsüber aber im Haus mehr Mitarbeiter dazu geholt werden können. Es stimmt sicher, daß bei manchen männl. Patienten Frauen im Vorteil sein können, habe ich selber schon erlebt, aber eben nicht immer und nach meiner Erfahrung (20 jahre) sind die weibl. Jugendlichen (was Fremdaggressionen angeht) ganz schön auf dem Vormarsch!LG
 
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Schwester Christa

Schwester Christa

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Hallo Gemeinde,

nach längerer, auch beruflich bedingter Auszeit komme ich mal wieder dazu, mich diesem Forum zu widmen.

Gerade arbeite ich die psychiatrischen Themen durch und bin hier hängen geblieben. Der Fred ist zwar schon älter, doch sehe ich mich genötigt, auch meinen Senf dazu zu geben.

Und ich glaube nicht, was ich da lese! :bae: Geschlechtsbezogene Schichtbesetzung um Übergriffen besser zu begegnen und das noch unter der Überschrift "Gleichstellungsgesetz".

Wenn in unserer Klinik jemand auf die Idee käme, für geschlossene Stationen oder "Risikobereiche" Männer als besser geeignet, weil stärker, anzuwerben, würde ich tatsächlich zwei Minuten später bei der Gleichstellungsbeauftragten auf der Matte stehen.

Sicher ist es gut, wenn man versucht im Interesse der Intimsphäre in vielen Bereichen eine gleichgeschlechtliche Behandlung anzustreben (z.B. in unserem Suchtbereich, wo nach Möglichkeit Männer bei Männern das Drogenscreening abnehmen).
Richtig ist sicher auch, dass in gemischten Teams ein anderes Klima herrscht, als in reinen Männer- oder Frauenteams.

Die Schichtverteilung nach dem Prinzip "ein Sicherheitsmann pro Schicht" halte ich für sehr fatal. Zum einen werden Männer hier auf körperliche Vorurteile reduziert, die durch das Gleichstellungsgesetz gerade aufgehoben werden sollen. Des weiteren werden so auch Vorurteile weiter zementiert. Die Frauen sind für´s palavern gut, wenn sie nicht mehr weiter kommen, muss der Mann für´s Grobe ran.
Dies führt letztendlich zu einer falschen Sicherheit, da möglicherweise manche Männer den stillen Erwartungen nicht gerecht werden. Auch unter meinem Geschlecht soll es den ein oder anderen Schwächling geben... :wink:

Sittichfreundin hat recht, wenn sie an die Verantwortung und Fürsorgepflicht des Arbeitgebers erinnert.
Nur kann die meines Erachtens nicht darin bestehen, Krankenpfleger als "Security" einzusetzen.
Viel geeigneter wäre es, auch für den Umgang mit Patienten generell, ALLE Mitarbeiter in geeigneten und regelmäßigen Deeskalationstrainings zu schulen, mit kritischen Situationen umzugehen und Patienten im äußersten Fall auch so schonend wie möglich für alle Beteiligten zu fixieren. In unserem Hause werden und wurden ALLE Mitarbeiter nach dem PRODEMA-Programm geschult, es wurden eigene Trainer ausgebildet, die regelmäßige Auffrischungskurse anbieten, welche gut besucht sind.

Das ist meiner Ansicht der richtige Weg, um in Akutbereichen gut vorbereitet zu arbeiten. Übergriffe wird es immer wieder geben; das ist traurig, aber sicher nicht dadurch zu verhindern, dass ich pro Schicht einen Bodyguard einstelle.
Und so wie die Geschlechtsverteilung in den Pflegeberufen nunmal ist, wird sich das Ziel ein Mann pro Schicht eh nicht verwirklichen lassen.
 
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nattvakt

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Schön, das ich auf den Thread noch was höre, ist nämlich immer noch aktuell. Als MA in der Psychiatrie hast Du ja bestimmt auch schon mal auf die Fresse bekommen? Ich zuletzt im September. Ein weiterer Kollege ist im Moment Dauerkrank, geht in eine Kur wg. eines Übergriffes, welcher schon länger her ist. Noch ein Kollege hört nächsten Monat auf, weil er in der Nacht mit massiven Aggressionen konfrontiert wurde, aber am nächsten Morgen in der Übergabe nicht ernst genommen wurde. Es wollte vom Tagdienst eigentlich jemand gerne in den Nachtdienst wechseln, er bekam die Krise mit und hat es sich jetzt anders überlegt, da tagsüber einfach mehr MA zur Verfügung stehen im Notfall. Bei diesen Fällen geht es um Machtverhältnisse, welche von den Pat. getestet werden und um körperliche Übermacht, so krass es sich anhört. Wir sind nachts alleine, können einen bzw. im Notfall zwei von der Nachbarstation holen (im Haus sind 3 MA) abends ab halb 9. Konzepte wie z.B. PART sind da nicht übertragbar.
Muss mich verabschieden...
 
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Sittichfreundin

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Zitat Schwester Christa:
Wenn in unserer Klinik jemand auf die Idee käme, für geschlossene Stationen oder "Risikobereiche" Männer als besser geeignet, weil stärker, anzuwerben, würde ich tatsächlich zwei Minuten später bei der Gleichstellungsbeauftragten auf der Matte stehen.
Ganz so kann ich das nicht sehen. Es wäre genau zu prüfen, wie genau das Patientengut aussieht.

§8 des AGG sagt folgendes:


(1) Eine unterschiedliche Behandlung wegen eines in § 1 genannten Grundes ist
zulässig, wenn dieser Grund wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der
Bedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung
darstellt, sofern der Zweck rechtmäßig und die Anforderung angemessen ist.

Es ist die Natur der Dinge, dass Männer in der Regel körperlich stärker sind als Frauen. Wenn die Patienten häufig so aggressiv sind, dass mit Übergriffen zu rechnen ist, dann hat der AG auch in seiner Organisation besonders das "schwächere" Geschlecht am Arbeitsplatz zu schützen.
Ich weiß von einer Ärztin, die von einem psychiatrischen Patienten so sehr gewürgt wurde, dass sie einen Herzstillstand erlitten hat, reanimiert wurde und zwar überlebt hat, ohne Hirnschäden, aber wegen des psychischen Traumas seit dem berufsunfähig ist.
Natürlich ist die Geschlechterverteilung des Pflegepersonals nicht die einzige Maßnahme, die Mitarbeiter zu schützen!
Es ist also sehr genau zu prüfen, ob man verantworten kann, Frauen allein arbeiten zu lassen.
Wenn es auf Parkplätzen oder Tiefgaragen Parkplätze nur für Frauen gibt, dann liegt ja auch keine Ungleichbehandlung im Sinne des AGG vor, sondern die wichtige Begründung, dass Frauen sich weniger leicht wehren können als Männer und besonders geschützt werden müssen, ist ein ausreichender Grund, die Männer in diesem Fall zu "benachteiligen".
 
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Schwester Christa

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@nattvakt: Darf ich mal fragen, wo du arbeitest? Wirklich nur interessehalber, denn in unserem Haus und auch in keinem anderen, das ich kenne, gibt es noch Dauernachtwachen. Und zwar mit gutem Grung, nämlich um genau solche Trennungen, hier die Kollegen Tagschicht, die so und so arbeiten, und dort die "Nachteulen" die schauen können, wie sie zu Rande kommen.

Hier scheint mir nämlich das eigentliche Problem zu liegen...

Noch ein Kollege hört nächsten Monat auf, weil er in der Nacht mit massiven Aggressionen konfrontiert wurde, aber am nächsten Morgen in der Übergabe nicht ernst genommen wurde. Es wollte vom Tagdienst eigentlich jemand gerne in den Nachtdienst wechseln, er bekam die Krise mit und hat es sich jetzt anders überlegt, da tagsüber einfach mehr MA zur Verfügung stehen im Notfall. Bei diesen Fällen geht es um Machtverhältnisse, welche von den Pat. getestet werden und um körperliche Übermacht, so krass es sich anhört.
Hier steht ganz offensichtlich ein unreflektiertes Team einem spaltenden Klientel gegenüber, das versucht, seine Probleme auf die Mitarbeiter zu übertragen. Das kann auf Dauer nur in der Katastrophe enden.

Eine Teamsupervision scheint das vordringlichste zu sein, was ihr braucht.

Ansonsten wiederhole ich gerne: Ein systematisches und professionelles Deeskalationstraining für ALLE kann viele Konfliktherde schon im Vorfeld verhindern und wenn es doch zu einer Notsituation kommt, wissen die Leute, wo sie hinlangen müssen.


Ach ja, ich arbeite seit acht Jahren im Akutbereich unserer Suchtklinik, sowohl Tag- als auch Nachtschichten. Zuerst Alkohol- jetzt Drogenentzug. Wir haben es oft mit angespannten und aggressiven Patienten zu tun, die auch teilweise gegen ihren Willen von der Polizei gebracht werden.
Ich habe in dieser Zeit noch nie "eine auf die Fresse" bekommen...
 
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Hugin

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Hallo an Alle,

dies sind meine ersten Worte hier im (am) Pflegeboard, ich hoffe, sie sind Form- und Fachgerecht ;-) . Ich freue mich auf ein gutes miteinander und vielleicht finde ich noch den Link, mit dem ich mich richtig vorstellen kann!!

Zum Titel "Gleichstellungsgesetz": dieses ist mir für die Besetzung der Schicht nicht bekannt, viel mehr sind mir Vorgaben der PDL und der Stationsleitung vertraut, die da heißen: geleich starke Schichten beforzugt, Männer sinnvoll verteilen, kein "Freizeitplan" sondern ein Dienstplan, ... .

Durch die für "unser Haus" gute Teamzusamensetzung, 2-4 "Männer" bei 15 Stellen, ist unsere Station seit 2 Monaten in der lage pro Tagschicht meist einen Mann für 25 Patienten und 1-2 Frauen zur Verfügung zu haben.

Allgemein ist in den Kliniken die Zusammensetzung der Teams und der Schichten auf den Stationen nicht gerade entsprechend der PsychPV, doch scheint es auch ein generelles Problem von "Rückhalt" und "Verantwortungsgefühl" gegenüber den Mitarbeitern seitens der "Führung" aber auch untereinander zu geben.

Angst vor Gewalt oder auch vor der eigenen Überforderung ist immer wieder ein wichtiges Thema für Mitarbeitergespräche, Supervisionen und vor allem für ein gutes Teammanagement (Rückhalt im Team!!).
Seit etlichen Jahren nun erlebe ich ein wunderbares Team, in dem wir uns stärken und Verantwortung für eine gutes und sicheres Arbeitserleben übernehmen. Möglich wurde dieses, durch eine Stationsleitung, die im Zentrum ihrer Arbeit die gegenseitige Achtung und den Respekt vor der Andersartigkeit jedes Mitarbeiters sah. Ihre integrierende Teamführung ermöglichte ein stabieles und sicheres Arbeiten und förderte konstruktieven Umgang mit Störungen im Team (nie!! ist nur einer Schuld, nur oft zeigt sich eine Störung an einem sensiblen Mitarbeiter zu erst!)

Durch den "schärferen Wind" der Zertifizierungswelle und des oft falsch verstandenen und durchgeführten Qualitätsmanagements bricht selbst in dem o. g. Team zunehmend das Gefühl durch, nicht mehr sicher zu sein. Überbetten, besondere Gefahrenakkumulationen oder "Unterversorgung" mit Therapien und/oder Therapeuten treten immer häufiger auf und finden immer weniger Beachtung bei der Leitung. Die Konkurenz der Stationen untereinander wird gefördert mit Vergleichen, wie dem geringstem Medikamenteneinsatz, der am wenigsten "geschlossenen-Tür" und den wenigsten Fixierungen, Neuerdings einer "Leistungsbezigenen Bezahlung" entsprechend gemittelten Statistiken und dabei vorgegebenen Quoten für die einzelnen Leistungsstufen, nochmals angepaßt an den Durchschnit verschiedener Häuser, so wie Kreterien wie z. B. den Sparmaßnahmen: "Toilettenfenster auf aber Heizung aus"; "Wechselschichtzulagen sind vermeidbar", ... Das Team fühlt sich wie auf dem Schachbrett!

Ups!! Das war wohl mehr als zu einem Thema geantwortet und auch etwas viel, oder!

Liebe Grüße,

Hugin
 
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