gewalt gegen pflegende

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Fragmentis

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Hallo Leute,

ich kenne bei uns im Haus ein Dokument, welches herangezogen wird, wenn wir ein "kritisches" Ereignis hatten. Das geht dann an die betroffenen Fortgesetzten und dient dann auch dazu, dafür auf allen Ebenen eine entsprechende Transparenz herzustellen, so daß man auch ggf. beim nächsten Mal vorbeugen kann...
Mal abgesehen davon, daß einem neben der Entlastung beim Aufschreiben auch manchmal selber Ideen kommen, was hätte anders laufen können...

Z.B. werden so dann auch Gewalttätigkeiten gegen Pflegepersonal verschriftlicht und somit kann dann auch keine PDL oder sonstwer sagen, sie/er habe keine Kenntnis von dem Ereignis gehabt...und man hat dann vor ähnlichen voraussehbaren Situationen ein Zusatzargument...
Bei uns klappt es...

Friedens-Gruß an alle sendend,
:innocent:
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
weissbrk

weissbrk

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07.03.2006
Münster
Ich habe mir heute mal die Beiträge alle durchgelesen und bin sehr betroffen...
Als Angehöriger bekommt man so was ja gar nicht richtig mit, macht sich -wenn man ehrlich ist- auch gar keine Gedanken darüber!
Mir hat eine Schwester erzählt, dass mein Angehöriger mit einem Becher Kaffe nach ihr geworfen hat. Sie hat gelacht und gemeint, da hat er wenigstens Temprament gezeigt. Schön, dass sie es so sieht, aber eigentlich fängt es damit ja u.U. schon an.
Meine Gedanken jetzt im Moment zum Thema:
Wenn mein Angehöriger sich in irgend einer Weise bedrohlich den Pflegenden gegenüber benimmt, bekommen die Angst oder zumindest einen negativen Respekt vor ihm und nähern sich ihm zögerlicher oder gar ängstlich.
Es ist sicher keine böse Absicht, aber im Zweifelsfall schadet das dem Patienten.
Bekommt jetzt der Pflegende die nötige Unterstützung, mit der Situation umzugehen, werden Nachteile für meinen Angehörigen vermieden.
Ergo: Ist es absolut im Sinne der Patienten, wenn Gewalt gegen Pflegende genauso gesehen, verfolgt (im Sinne von adäquat handeln) und veröffentlicht wird wie Gewalt gegen Patienten.

War jetzt etwas ausschweifend.... aber ich hoffe, ihr versteht mich.... ;)
 
Qualifikation
Verwaltung
Fachgebiet
privat
M

Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Ergo: Ist es absolut im Sinne der Patienten, wenn Gewalt gegen Pflegende genauso gesehen, verfolgt (im Sinne von adäquat handeln) und veröffentlicht wird wie Gewalt gegen Patienten.
Hallo weissbrk:grin: ,

ich gebe dir vollkommen Recht!:thumbsup:

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
cyberhex

cyberhex

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Themenstarter/in
08.02.2006
8041
Hallo.
Hab schon einiges über das Thema gelesen und erfahren. Doch leider habe ich noch nichts über Anlaufstellen für Betroffene herausgefunden (z. B. Selbsthilfegruppen o. ä.). Hat einer von euch Erfahrungen gemacht oder Informationen zu diesen Anlaufstellen?
Hallo Bana,

das ist eine gute Frage, an wenn kann ich mich wenden, wenn ich in eine solche Situation gekommen bin?

Erstmal wäre die/der unmittelbare Vorgesetzte die erste Anlaufstelle, und weiter auch die Pflegedienstleitung und auch Betriebsrat/ Personalrat oder Mitarbeitervertretung.

Eine spezielle Selbsthilfegruppe ist mir nicht bekannt, es gibt in meinem Heimatort aber ein Zentrum für Pflegepersonal, das mir als Anlaufstelle einfallen würde. Zentrum für Pflegepersonal

Liebe Grüße
Elisabeth
 
Qualifikation
Diplomierte Gesundheits-Krankenschwester
Fachgebiet
Risikomanagement
Spawn

Spawn

Mitglied
Basis-Konto
05.01.2002
30000
Hi,

ich arbeite auf einer gerontopsychiatrischen Station, Schwerpunkt Demenz und Alzheimererkrankungen, bei Vollauslastung hat man es dann mit 23 dementen Patienten zu tun, in der Regel mit durchschnittlich 5 Frendaggressiven, die auch tätlich werden und doppelt soviele, die verbal aggressiv sind.

Gewalt gegen die Pflegepersonen gehört hier - leider - zum Alltag und die Palette ist breit gefächert. Es fängt mit verbalen Beschimpfungen an (nachäffen, veralbern, beleidigen usw) und hört mit Schlägen, Tritten, Stoßen, Werfen usw auf. Ich bin seit 2 jahren auf dieser Station und habe - auf gut deutsch gesagt - noch nie so oft einen auf die Schnauze gekriegt, wie dort. Tritte gegen den Körper, Kratzen, Beißen, Bespucken, mit Kot werfen, mit Gegenständen werfen - alles.

Ich weiß auch, dass die gerontopsychiatrischen Patienten in Allgemeinkrankenhäusern nicht sehr gerne gesehen sind und dass die Pflegenden immer Probleme mit ihnen haben. Von unserer Sicht immer unverständlich, da wir der Meinung sind, dass Pflegende auch mit diesen Patienten den Umgang wissen sollten (äquivalent haben allerdings die Allgemeinkrankenhäuser auch öfters die Meinung, dass wir medizinisch nichts draufhätten und den ganzen Tag nur Gespräche führen, was in Wirklichkeit ansich eine Doppelbelastung ist, da diese Patienten auch diverse innere Erkrankungen haben, auf die auch geachtet werden muss - Psyche und Körper).

Man lernt mit diesen Aggressionen umzugehen, lernt Gespräche zu führen, die eine Eskalation verhindern. Ganz wichtig dabei ist: gerade demente Patienten beleidigen niemals jemanden persönlich. Der Gegenüber (in diesem Fall die Pflegeperson) ist für den Patienten immer jemand anders, auf den er gerade wütend ist oder sich von der bedroht fühlt (Eltern, Freunde, Feinde).

Gerade verbale Wutausbrüche sind für einen selber manchmal sehr verletzend, aber immer daran denken, was oder wen der Patient gerade vor sich sieht. So kann jemand ganz in Weiß auch ein Gefängnisarzt darstellen, der den Patienten in Kriegsgefangenschaft misshandelt hat. Dass Angst hochkommt ist logisch und wenn diese "Gefängnisarzt" dann auch noch an ihm herumhantieren will, schlägt man zu.

Gruss, Spawn
 
Qualifikation
Kpf. stellv. STL / PA
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Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
Gerade verbale Wutausbrüche sind für einen selber manchmal sehr verletzend, aber immer daran denken, was oder wen der Patient gerade vor sich sieht. So kann jemand ganz in Weiß auch ein Gefängnisarzt darstellen, der den Patienten in Kriegsgefangenschaft misshandelt hat. Dass Angst hochkommt ist logisch und wenn diese "Gefängnisarzt" dann auch noch an ihm herumhantieren will, schlägt man zu.

Gruss, Spawn
Vielleicht gehe ich etwas zu naiv damit um, aber mich haben verbale Attacken nie wirklich verletzen können; wusste ich doch, dass kein Patient mich persönlich so gut kennt, als dass er mich wirklich verletzen könnte (fachlich konnte ich verletzt werden, aber da hatte der Patient selten wirklich Unrecht).
Mit körperlichen Attacken unzugehen ist mir alerdings immer schwer gefallen.

Gruß
Monika
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
Spawn

Spawn

Mitglied
Basis-Konto
05.01.2002
30000
Mit körperlichen Attacken unzugehen ist mir alerdings immer schwer gefallen.
Naja, ich sage ja auch nicht, dass mir das leicht fällt. Ich glaube auch, wenn man irgendwann so sehr abstumpft, dass einem die Attacken nichts mehr anhaben, dann sollte das schon ein Alarmzeichen sein. Da ist besonders der Austausch mit den Kollegen sehr hilfreich.

Bei den ersten Malen war ich auch sehr verstört. Immerhin habe ich Gewalt als Kind und als Jugendlicher nie erfahren, wurde nicht geschlagen oder war in eine Prügelei verwickelt. Gezielte Schläge kannte ich so bis dahin garnicht und meine Absicht war ja dann auch immer nur um mich um den Patienten zu kümmern.

Es macht einen schon traurig, wenn man sich um jemanden sorgt, der nie Besuch kriegt und so weiter und als Dank dann einen Schlag kassiert...

gruss Spawn
 
Qualifikation
Kpf. stellv. STL / PA
Fachgebiet
Innere Medizin / Unfallchirurgie
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Monika Bartz

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02.02.2006
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Es macht einen schon traurig, wenn man sich um jemanden sorgt, der nie Besuch kriegt und so weiter und als Dank dann einen Schlag kassiert...
...oder wenn man meint, man hat mit viel Zuwendung und Einfühlungsvermögen den Patienten beruhigen können, macht dann die notwendige Pflege und plötzlich wird man grundlos gezwickt, verhauen oder verbal attackiert.
Da steh ich dann auch mal hilflos da und ich erlebe mich dann schon so, dass ich eine Ablehnung gegen diese Person entwickle. Wenn man dann wieder hingehen muss, kostet das schon einige Überwindung.
Ich habe große Hochachtung vor allen, die in der Pflege psychisch Kranker und Dementer tätig sind und das oft jahrelang durchhalten! :applaus:
 
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Krankenschwester / Praxisanleiterin
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Linz
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05.07.2001
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