Gesetzlich geregelter Personalschlüssel für Altenheim?

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Tilda

Häj Häj,

ich bin Gesundheits- und Pflegemanagement Studentin im dritten Semester und hab da ne Frage in die Runde.

Ich habe mich bemüht aus dem Sozialgesetzbuch XI heraus zu lesen, was ein angemessener Pflegeschlüssel für eine Einrichtung mit ca. 84 Menschen ist. Allerdings werde ich dort nicht fündig, denn dort steht lediglich, dass durch das neue Pflegestärkungsgesetz und die Pflegegrade die Pflege sich nicht verschlechtern darf.

Nun meine Frage an euch:
Kann mir jemand sagen, was ein gängiger Personalschlüssel für die Pflege in der Altenhilfe (in Bayern) ist?

Die Personalschlüssel für die Heime werden ja bei Pflegesatzverhandlungen zwischen der Pflegekasse, den Sozialhilfeträgern und den Heimen verhandelt.

Aber woran wird sich orientiert? Gibt es eine Richtlinie, ne Vorgabe oder eine Empfelung? Etwas bindendes gibt es ja anscheinend nicht für eine Einrichtung?
Welcher Pflegesatzschlüssel gilt in Bayern für ein Altenheim?
Was hat die Leitung einer Einrichtung davon, die Verhandlungen so zu führen dass wenig Personal für Sie dabei heraus springt, oder wird dies von den Pflegekassen so gedrückt?

Wer kann mir eine Quelle liefern, die ich bei Verhandlungen mit meinem Auftraggeber heran ziehen kann, um Ihn dazu zu bringen, mehr Personal einzustellen?

Liebe Grüße

Tilda
 
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Tilda

Darauf hatte ich auch schon einen Blick geworfen, allerdings fehlt mir hier auch die Quelle. Woher stammen diese Zahlen, verstehst du? Aber danke für deine Nachricht.
 
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josephine

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Früher hieß es Heimpersonalverordnung, jetzt Pflege und Wohnqualitätsgesetz.
Der Gesetzgeber war schlau genug da nicht hinein zu schreiben: bei X Bewohnern müssen es Y Pflegekräfte sein".
Aber eine Mindestanforderung läßt sich herausarbeiten.
Die Pflegekennzahlen sind das Ergebnis solcher Rechenbemühungen.

Solltest du tatsächlich einen Weg finden der Geschäftsführer dazu bringt mehr Personal einzustellen als unbedingt notwendig ist und dann auch noch Wege um dieses Personal auch zu finden: Lass dir beides einzeln patentieren!
 
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sunshinekris

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@Tilda : Frag nach. Du kriegst sicher eine weiterverwendbare Antwort mit Quellenangabe.

Viel Erfolg und LG
 
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RainMan

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Wenn Du Laut hast, schau Dir auch mal die Pflegeschlüssel im Nachtdienst an. Da wird es echt heftig. Die beiden christlichen Kirchen wehren sich einen Nachbetreuungsschlüssel von 1:40 anzunehmen. In vorderster Front die beiden vorsitzenden Bischöfe. Das ist deshalb so unglaublich, weil 58% der Pflege unter christlicher Trägerschaft abläuft. Nachtbetreuungen von 1:60, 1:70, und in der Spitze 1:115 scheinen für die obersten Kirchenvertreter in Ordnung.
 
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Aber woran wird sich orientiert?
Nun, eigentlich an zwei Dingen:
a) die Größe des Portemonaies der Pflegeversicherung mit dem Geld der Versicherten. In Abhängigkeit von der Menge des zur Verfügung stehenden Geldes wird errechnet, wieviel ein Versicherter in einem Pflegegrad bekommen kann. Das ist das oftmals kritisierte Prinzip beim Versicherungsmodell der Pflegefinanzierung.
b) der Geldbeutel der Kommune, die aus Sozialversicherungsbeiträgen die Restkosten auffüllt.

Es gilt dabei:
- arme ländliche Gebiete = billige Pflege = wenig Personal = Schlechte Pflege
sowie
Reiche Ballungsräume = teurere Pflege (höhere Pflegesätze) = mehr Personal = Bessere Pflege

Man ziehe also vor dem Alter in die Stadt. Da ist die Luft zwar schlecht, aber die Pflege besser.

Ein Dritter Faktor ist in unserer Dreiklassengesellschaft der persönliche Reichtum der BewohnerInnen einer Einrichtung. Angenommen man mietet ein Apartment in einem Seniorenschloß mit Ferienwohnanlage und Wellness-High-End-Hotel im Allgäu, dann hat man auch kein Problem mit zu wenig Personal. Natürlich müßte man das eigene Leben dann aus Zinsen finanzieren können. Es wird immer mehr solcher Einrichtungen geben.
 
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Hallo, ich schicke dir im Anhang den aktuellen Pflegeschlüssel für das Heim in dem ich arbeite in Niederbayern. (Exel-Tabelle)
Die meisten Heime unsterscheiden sich nur minimal voneinander, meist in der 2 ten Stelle nach dem Komma. Je nach Verhandlungsgeschick mit den Pflegekassen.
Bei C17 in der Exel Tabelle findest du die Zahlen und die Berechnung:
z.b.
Rüstige: 1 Rüstiger = 0,04 Pflegekräfte
oder 10 Rüstige = 0,40 PK
..................
oder für Pflegestufe 3 = 0,52 PK
oder für 10 Pflegestufe 3 = 5,2 PK.

die Tabelle funktioniert. Hab ich gemacht.
Einfach Anzahl Bewohner eintragen.


Mit freundlichen Grüssen

www.phantasie1.de
 

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Velivar

Velivar

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Es stimmt, Anhaltswerte ergeben sich aus dem Schlüssel, der präexistent ist. Ohne Verhandlungscourage und dickem Fell wird dieser bei der nächsten Verhandlung und gleich bleibender MDK-Benotung durchgewunken.
Dann der Fall daß die Benotung besser geworden ist: hier können Verhandlungen zur Verbesserung des Schlüssels gestartet werden.
Möglichkeit 1: Argumentation, daß die Senioren in Gesellschaft müssen und dies mit dem normalen SD nicht zu schaffen ist. Hier zwingend die Minuten Betreuung pro Bewohner ausrechnen und damit beweisen, daß nicht mal ein Einkaufen pro Monat damit ermöglicht wird.
Möglichkeit 2: Wunden (aber nur die, die von "außen" gekommen sind). Wieder mit Minuten argumentieren.
Möglichkeit 3: Azubis. "Die Qualität unserer Ausbildung muß gleich hoch bleiben => wir brauchen eine freigestellte PA" Ich kann auch nur zu wirklich vielen Azubis raten, es erhöht die Zufriedenheit im Haus (und bei Kassen, Verbänden, MDK und Gesundheitsamt )
Möglichkeit 4: Senioren haben keine Angehörige, sie brauchen aber Kleidung, Pflegeartikel, .... Wieder: Zahl der angehörigenlosen Senioren, Minuten je Einkauf, Foto von der freudestrahlenden Seniorin über neue Schuhe ...
usw., usf.
Man braucht ein irre dickes Fell bei den Verhandlungen und muß jegliche Zahl, Minuten usw. sofort parat haben und damit argumentieren können.
Ich habe damit 2,5 MA + 0,6 PA (für 150 Senioren) mehr als sost bekommen.
 
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barbarapflege

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Sehr geehrte Velivar und andere PraktikerInnen hier im Forum,

ich bin Journalistin bei der "taz" unter anderem mit dem Spezialgebiet Pflege. Ich würde gerne mal anhand eines (auf Wunsch auch anonymisierten) Beispiels eines Heimes etwas über die Personalbemessung und die Schwierigkeiten aber auch mögliche Verbesserungen schreiben. Ich kenne mich in dem Thema aus und hatte überdies selbst Eltern und Schwiegereltern im Pflegeheim. Ich freue mich über PraktikerInnen, die sich melden. Meine Mailadresse ist [email protected]
 
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Care2000

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Der Gesetzgeber und die weiteren Verantwortlichen halten sich bewusst mit formulierten Personalschlüsseln zurück - tenor ist immer Bedarfsgerecht. Befürchtet wird eine Kostenlawine und Versorgungsengpässe, da aktuell das Personal nur auf Kante geplant und eingesetzt wird. Im Zuge der demographischen Entwicklung in Kombination mit maximal Medizin und Multi-Morbidität wird sich in Zukunft das Problem verschärfen. Insgeheim freue ich mich über diese Entwicklung, da die Probleme nur noch bis zu einen gewissen Punkt totgeschwiegen werden können und der Druck aus der Öffentlichkeit zu groß wird. Mehr Kontrolle werden nichts bringen, da das Personal einfach nicht mehr als zwei Arme hat. Die Anforderungen werden immer größer - am Personal wird jedoch gespart. Mittlerweile ist man am Maximum der Arbeitsverdichtung und Effektivitätssteigerung. Personal wird verheizt und Diagnosen entsprechend der Fallkosten zwecks Gewinnmaximierung gestellt. Willkommen im deutschen Gesundheitssystem.
 
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johannes2017

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Ich weiß ja nicht, wie es in Bayern ist, aber in Baden-Württemberg wurde die Schiedsstelle zwischen Leistungsträgern (PK, SA, allerdings ohne Betroffene) und Leistungsanbietern beauftragt, einen Personalschlüssel nach den neuen Pflegegraden zu benennen. Obwohl dieser Personalschlüssel sich unterhalb des vorherigen nach Pflegestufen bewegt (durchgängig) hat der Sozialhilfeträger (das Land Baden-Württemberg dagegen geklagt, weil ihm der Schlüssel zu hoch war. Hier die dort beschlossenen Werte, die in der Pflegesatzverhandlung realisierten und die bis Dezember 2016 geltenden Personalanhaltswerte:

PG 1 = 0,224 Planstellen/Pflegebedürftiger, genehmigt in PSV 0,209 ehemals unbesetzt
PG 2 = 0,287 Planstellen/Pflegebedürftiger, genehmigt in PSV 0,267 ehemals PS 1 mit 0,319
PG 3 = 0,405 Planstellen/Pflegebedürftiger, genehmigt in PSV 0,366 ehemals PS 2 mit 0,448
PG 4 = 0,526 Planstellen/Pflegebedürftiger, genehmigt in PSV 0,4695 ehemals PS 3 mit 0,606
PG 5 = 0,581 Planstellen/Pflegebedürftiger, genehmigt in PSV 0,518 ehemals PS 3+ mit 0,694
 
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Altenpfleger
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stationär
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Tilda

Vielen Dank für eure Antworten, mittlerweile ist mir klar, dass es hierzu keine Rechnung/ Berechnung gibt, sondern, dass dies einfach so festgelegt wurde. Vielleicht liegt das auch an meinem jetzt fast abgeschlossenem Studium ;)
 
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