Geschichten zum Nachdenken

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D

Dettini

Guten Morgen,
auch ich möchte diese gute Idee mit einer Schmunzelgeschichte aus meinem Berufsalltag fütter. Namen sind natürlich geändert!

Frau Gerber, deren Mann -lange verstorben- Michel hieß, liegt bei uns (meist jedoch sitzt sie in ihrem Bett) seit einigen Jahren. Sie ist dement, inkontinent und, im wahrsten Sinne des Wortes, krumm geschuftet. Sie ist immobil, nimmt aber ihre Umwelt sehr wohl wahr und spart nicht mit unpassenden Kommentaren.

In der Nachmittagspflege habe ich auch sie mit Inkontinenzmaterial zu versorgen. Wie es sich gehört, informiere ich sie darüber, was ich vorhabe.

Plötzlich nimmt sie mich als ihren Mann wahr. "Michel, was machst du denn hier, du gehörst doch auf dem Friedhof." "Frau Gerber, ich bin doch nicht ihr Mann, ich bin doch der D., ihr Pfleger."
"Michel, lügen konntest du immer schon gut - und eines sage ich dir, fass mich nicht an, wir haben eine klare Abmachung, ---laß endlich meinen Hintern in Ruhe, wir wollen das nicht mehr machen........"
So schimpfte sie mit mir, während der gesamten Pflege. Richtig, normalerweise hätte ich eine Kollegin zu ihr geschickt, aber es war an diesem Tage leider nicht möglich. Und ganz nebenbei sind meine Kolleginnen ihre (mißratenen) Töchter, die ihr auch nicht am Körper rumspielen dürfen, wie sie es nennt.

Und die Töchter sind wirklich mißraten, erfahre ich bei einem weiteren Besuch: "Michel, die P... arbeitet im Puff, wußtest du das?"
"Nein, Frau Gerber, das ist ja schlimm." "Ach was, so schlimm auch wieder nicht, denn früher war sie immer stinkefaul, jetzt tut sie wenigstens was!"

Wie sage ich immer zu meinen Kollegen? Die besten Geschichten schreibt immer noch das Seniorenheim. Es grüßt Euch herzlich
Dettini
 
M

Manu5959

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
19.10.2005
Rosenheim
Hallo Dettini,

deine Geschichte regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern auch zum Schmunzeln!:happy: Hat mir gut gefallen, Danke dafür...


Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
cyberhex

cyberhex

Mitglied
Basis-Konto
08.02.2006
8041
Hallo Sarah!

Deine Geschichte hat mich sehr zum Nachdenken angeregt!
Du bist noch sehr jung, und gehst auf die Patienten sehr mitfühlend ein und obwohl du weißt, dass es angeblich nicht sehr professionell ist, eine enge Beziehung einzugehen, hast du es gemacht.

Nur was ist wirklich professionell - auf die Patienten empathisch einzugehen? sich abgrenzen wo es geht? klar und strukturiert nach der Pflegeplanung vorzugehen?

Ich habe mich schon oft gefragt, was macht die professionelle Pflege aus?
Wie weit kann ich gehen? Wie weit kann ich mich auf Patienten einlassen, ohne selbst dabei zu leiden?

Ich selbst denke heute noch öfters an Patienten, die ich vor 20 Jahren oder sogar davor gepflegt habe. Ich kann mich auch erinnern, dass ich manchmal heulend abends im Bett gesessen bin, weil eine Patientin verstorben ist.

Ich glaube, du musst für dich selbst deinen Weg rausfinden, ich kann dir nur raten, achte auf dich, auf deinen Körper und nehme die inneren Alarmglocken rechtzeitig wahr. Wenn du öfters darunter leidest, scheue dich nicht Supervision oder auch andere Angebote anzunehmen.

Der Spagat zwischen Einfühlen und Abgrenzen ist sehr schwierig und du musst auf dich aufpassen, dass du nicht irgendwann einmal selbst mehr leidest oder in ein Burnout kommst.

Liebe Grüße
Elisabeth
 
Qualifikation
Diplomierte Gesundheits-Krankenschwester
Fachgebiet
Risikomanagement
Pflegeboard.de

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Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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