Arbeitsrecht geplante Minus-Stunden

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aluro

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Hallo!
Ich arbeite als Dauernachtwache,immer 7 Nächte,dann 7 Tage frei.In meinem Vertrag steht,dass ich eine 40 Stunden Woche zu arbeiten habe also 160 Stunden im Monat.Meist habe ich 16 Nächte und somit bei 10 Stunden pro Schicht mein Soll eigendlich erfüllt.Manchmal sind es aber auch nur 14,und mitlerweile habe ich 55 Minus-Stunden angehäuft.Meine Chefin will nun,dass ich an meinen freien Tagen nach der Nacht am Tag arbeiten komme um das Minus loszuwerden. Ein Mitglied des Betriebsrates sagte aber es bestünde kein Stundenkonto,und geplantes Minus müsste "genullt" werden wenn ein neuer Monat beginnt.Zudem kann ich am Tag nicht arbeiten wegen der Betreuung meiner Kinder.Alle meine Vorschläge um auf mehr Stunden zu kommen sind bis jetzt im Sand verlaufen.Bin ich verpflichtet ein Minus das ich nicht verschuldet habe auszugleichen oder ist das das Problem vom Arbeitgeber?
 
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SchwesterWolfgang

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AW: geplante Minus-Stunden

. . . Euer BR hat Recht! Am Monatsanfang geht es wieder bei Null los, wenn nichts anderes per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung vereinbart ist. Im Falle, dass es von vorherein so geplant wird, und Du explizit darauf hingewiesen hast, hast Du auch Deine Pflicht als AN erfüllt. Euer BR sollte mal mit der PDL das Gespräch suchen und versuchen, die Angelegenheit gütlich beizulegen. Dir würde ich empfehlen, in künftige Gespräche in dieser Sache nur mit einem Vertreter des BR zu gehen (das Recht dazu hast Du nach BetrVG) und vor allem nichts unterschreiben!
Hast Du eine Rechtsschutzversicherung für Arbeitsrecht oder bist Du in der Gewerkschaft? Eins von beide wäre sehr hilfreich und wenn nicht, solltest Du spätestens jetzt mal drüber nachdenken. Der BR steht zwar momentan noch als schützende Mauer dazwischen, aber wer weiß, wie sich so was noch entwickelt . . .
 
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leaving-the-moon

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AW: geplante Minus-Stunden

Mal ganz langsam - da stimmt etwas am Konstrukt nicht.
Dein Arbeitsvertrag lautet über ein 40 Woche - die wäre bei einer 5 Tage-Woche ein 8 Stunden Tag.

Ich habe mir jetzt mal dieses Jahr angeschaut und durchgerechnet: Wenn du am 3. Januar mit 7 Nächten beginnend deinen Rhythmus durcharbeitest wundert mich, dass du nur 55 Minusstunden hast.
Die zwei Bedingungen 40h Woche und 7 Nächte 7 Tage frei beißen sich nämlich - du kommst damit in kaum einem Monat auf die Sollstunden einer 40h Woche.

Schau es dir hier mal exemplarisch für ein paar Monate an - immer du einem 5-Tage/40h Mitarbeiter gegenübergestellt:
Januar: DU: 15 Nächte - andere 21 Arbeitstage -> 150 h : 168h (minus 18)
Februar: Du: 14 Nächte - andere 20 Arbeitstage -> 140 h : 160h (minus 20)
März: Du; 17 Nächte - andere 23 Arbeitstage -> 170 : 184h (minus 14)
April: 15 Nächte - andere 18 Arbeitstage -> 150h : 144h (plus 6 - hier habe ich dich aber ungeachtet der Feiertage durcharbeiten lassen)
Mai: 15 Nächte - andere: 21 Arbeitstage -> 150h : 168 h (miuns 18h)
Juni: du: 14 Nächte - andere 21 Arbeitstage -> 140h : 168 h (minus 28h)

Ich weiß jetzt nicht, was du für eine Vereinbarung mit deinem Arbeitgeber hat - es mag ja auch sein, dass Minusstunden gestrichen werden dürfen abhängig davon ob es eine Betriebsvereinabarung gibt. Ich weiß auch nicht, ob in deinem Vertrag steht, dass du nur nachts arbeitest.

Mit der jetzigen Lösung wirst du aber niemals auf eine 100% Stelle kommen : ganz einfach gerechnet: 7 Nächte in zwei Wochen gleich 70 Stunden und eben keine 80 wie deine Kollegen im Tagdienst. Am einfachsten wirst du in Zukunft, wenn du so weiterarbeiten möchtest damit fahren deine ARbeitszeit auf 87% zu verringern, dann kommt es nämlich genau hin. Um auf 100% zu kommen musst du in zwei Wochen eben 8 Nächte machen - wenn das nicht geht, weil es eben auch noch andere Dauernachtwachen gibt, die auch auf ihre Stunden im ND kommen wollen gibt, wird es andere Lösungen geben müssen.

Ich sehe hier - auch wenn die "Schuld" letztlich beim AG liegt auch ein bißchen Mitverantwortung deinerseits. Sprich mal mit deinem AG wie das künftig laufen soll. Setzte deine Prioritäten - nur ND oder zwingend eine 100% Stelle - ersters ließe sich mit einem Teilzeitvertrag gut lösen - bei letzerem wirst du ggf. auch ab und an im Tagdienst arbeiten müssen - rein rechnerisch 2,5 Tage in 4 Wochen.
 
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SchwesterWolfgang

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AW: geplante Minus-Stunden

. . . leaving-the-moon, Irrtum sprach der Igel und rollte sich von der Klobürste! Nach § 106 GewO bestimmt der Arbeitgeber Zeit, Ort und Umfang der Arbeitsleistung und nicht der Arbeitnehmer. Und nach § 615 BGB befindet sich der Arbeitgeber im Annahmeverzug, wenn er den Arbeitnehmer nicht für die vereinbarte Wochenarbeitszeit einsetzt. Ich muss als AN nicht einhergehen, und die Arbeitszeit- Rechnung des AG überprüfen, wie Du es getan hast . . .
 
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leaving-the-moon

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AW: geplante Minus-Stunden

Hallo Schwester Wolfgang,

das wollte ich auch gar nicht gesagt haben. Ich habe zum Dialog mit dem Arbeitgeber eingeladen.
Die aktuelle Situation ist unbefriedigend - der MA möchte nicht im Tagdienst die Stunden nacharbeiten, die er ins Minus geplant wurde - kann ich verstehen und ist auch rechtens.
ABER ich habe selbst über einige Jahre Dienstpläne geschrieben und da so meine Erfahrungen mit den Wünschen von Mitarbeitern gemacht - und diese Wünsche haben sich dann nicht allzu selten mit der vereinbarten Arbeitszeit gebissen- und/oder mit unausgesprochenen oder vertraglich geregelten Wünschen/Gegebenheiten anderer Mitarbeiter. Zudem hatte ich mitunter Mitarbeiter mit sehr vielen Wünschen und wenig Möglichkeiten zur Flexilität, die mitunter auch dazu neigten im Dienstplan ein Dokument mit nur einer Zeile (nämlich der mit ihrem Namen) zu sehen. Es könnte ja z.B. sein, dass in der Gegenwoche eine andere Dauernachtwache arbeitet (die dann auch nciht auf ihre 40h/Woche kommt) - so dass mehr Nächte für aluro nicht möglich sind ohne diesen MA zu benachteiligen). Kurzum es fehlen uns die Informationen um beurteilen zu können ob diese ärgerlichen Minusstunden nun aus reiner Schlampigkeit des Arbeitgebers entstanden sind oder ob es dort auch noch einen Anteil gab in dem der Arbeitgeber eigentlich dem Mitarbeiter entgegen kommen wollte (nur ND z.B.) und fälschlicherweise davon ausgegangen ist, dieses Problem ließe sich in die Zukunft verschieben. Nicht jede Stationsleitung ist auch gleich eine Koryphähe in Arbeitsrecht. Deshalb rede ich hier auch nur von Möglichkeiten.
Es besteht also die Möglichkeit, dass aluro gerne so arbeiten möchte wie sie es tut - 7 Nächte und dann 7 Tage frei. Das ist ein Wunsch. Sie möchte jedenfalls, so lese ich es nicht gerne im Tagdienst arbeiten. Ich weiß nichts darüber, was im Arbeitsvertrag steht... ob die reine Nachtarbeit darin überhaupt festgeschrieben steht.
Fest steht nur eines: Arbeiten als Dauernachtwache mit 7 Nächten a 10 Stunden und anschließend 7 Tagen frei steht einem Arbeitsvertrag über 40h/Woche entgegen. Da beißt die Maus kein Faden ab - und da darf man auch mal selbst drüber nachdenken.

Schlussendlich ist es natürlich das Verschulden des AG, dass jetzt gegen den Willen des AN so viele Minus-Stunden entstanden sind - dieser hätte früher mit dem Mitarbeiter reden müssen um eine Lösung zu finden - also entweder mehr Nachtdienste oder einige Tagdienste oder eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit. Ich fände es sinnvoll jetzt die Stunden zu Nullen und für die ZUKUNFT (und darauf bezog sich meine Empfehlung) eine andere Lösung zu suchen. Und ich bin der Meinung, dass man als Mitarbeiter durchaus auch mal selbst rechnen darf. Manchmal kommt es da zu ganz erstaunlichen Einsichten.
 
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silversurfer

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AW: geplante Minus-Stunden

Ich denke es ist nicht allein das Verschulden des AG sondern auch der AN hat Schuld an dieser Situation.

Warum wurden die Minusstunden bislang toleriet?
Warum wurde nicht gleich beim ersten Auftreten von Minusstunden reagiert?
Wenn der DP aushängt wird sofort ersichtlich ob man Minusstunden hat. wenn der AN auf diesen Zustand nicht sofort reagiert ist anzunehmen das er damit einverstanden ist.
Also ist auch nichts gegen seinen Willen geschehen.

Silversurfer
 
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. . . leaving-the-moon, man darf schon rechnen, aber man muss sich andererseits auch nicht den Kopf des Arbeitgebers zerbrechen. Und wir wiederum haben keine Kristallkugel und brauchen in die Fragestellung nichts hineininterpretieren oder Mutmaßungen anstellen. Die Frage zielte doch nur darauf ab nachzufragen, ob die Auskunft vom BR richtig ist. Das haben wir bestätigt und Punkt, oder? :kopfkratz:
 
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AW: geplante Minus-Stunden

@Schwester Wolfgang
Steht dem entgegen sich ein paar Gedanken dazu zu machen? Würden immer nur die Fragen beantwortet die gestellt werden wären die meisten Foren tot.


@siversurfer
Ich glaube die Schuldfrage ist jetzt nicht so wichtig - abgesehen davon, dass es darum geht wie jetzt mit den Minusstunden umgegangen wird - Nullen oder nacharbeiten. Bei meinem langjärhigen AG gab es eine Betriebsvereinbarung, dass bis zu einem Fünftel der wöchentlichen Arbeitszeit ungefragt ins Minus geplant werden darf (das dann auch nachgearbeitet werden musste) - wir haben dies auf Station so gehandhabt, dass wir mit den einzelnen MA gesprochen haben und daraus eine Liste für den Dienstplaner erstellt haben, wer wieviele Minusstunden toleriert. Gelegentliche Ausreißer wurden mit den MA selbst im Voraus besprochen - also bevor der Dienstplan raus ging. Dies ist sicherlich die bessere Variante als nach Monaten plötzlich Minusstunden nachgearbeiten lassen zu wollen. Allerdings haben unsere Mitarbeiter in den allermeisten Fällen auch selbst ein Auge auf ihre Stunden gehabt. Wie gut so etwas läuft hängt mit der Informationspolitik des Hauses zusammen - viele Häuser spielen da mit der Nicht-Information, ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit der freiwilligen umfassenden Information über die Rechte der MA - aber auch die Pflichten langfristig besser fährt, denn man bleibt im Dialog. Solcherlei passiert dann eben nicht.


Wichtig ist meiner Meinung jetzt, sobald die aktuelle Situation geklärt ist, wie gehe ich in Zukunft damit um, damit mir soetwas z.B. nicht nochmal passiert. Geplantes Minus gleich anzumahnen ist hier sicherlich eine von verschiedenen Möglichkeiten. Je nach Arbeitgeber würde ich mich (dies ist aber nur meine persönliche Meinung) evtel. auch auf einen Kompromiss einlassen - dies hängt aber ganz wesentlich von der Gesprächsbereitschaft des AG ab und davon ob ich mich generell wertgeschätzt fühle.
 
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thorstein

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AW: geplante Minus-Stunden

Mich würde ernsthaft interessieren, ob es tatsächlich AG in der Pflege gibt, die in keiner Weise das Problem von Plus- und Minusstunden geregelt haben, sei es im Arbeitsvertrag, in einem Tarifvertrag oder als Betriebsvereinbarung. Und das auch noch bei einem aktiven Betriebsrat?
Leider ist es nicht so, dass man sich als Arbeitnehemer nicht den Kopf des Arbeitgebers zerbrechen muss, weil jede Reaktion auch Gegenreaktionen hervorruft. Es wäre also naiv zu glauben, dass man hier die Streichung der Minusstunden erreichen könnte, ohne dass der AG Massnahmen ergreift. Im Idealfall wird das Problem für die Zukunft geregelt, im weniger glücklichen Fall wird der Mitarbeiter sanktioniert, zum Beispiel durch eine Versetzung in den Tagdienst, wenn kein Nachtwachenvertrag besteht.
Ideal wäre es, wenn der Betriebsrat die Streichung durchsetzen würde und damit den Unmut des AG auf sich zieht. Ist er dafür nicht gewählt?
 
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SchwesterWolfgang

SchwesterWolfgang

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. . . rrrrrichtig, thorstein! Und weil ich evtl. spätere Aktionen des AG befürchte, habe ich Rechtsschutzversicherung und Gewerkschaftsbeitritt angeregt, zugleich angemerkt, dass derzeit noch der BR als Mauer dazwischensteht. Die Auskunft, die der BR gegeben hat, lässt zumindest den Rückschluss zu, dass es kein Abnicker-BR ist :super:

Und an leaving-the-moon: natürlich kann man über alles debattieren. Da stimme ich Dir voll zu, dass es sonst stinklangweilig wäre :grin: Nur - meinst Du nicht auch - dann müsste es in irgendeiner Form auch als Debatte erkennbar sein, z.B. indem man voransetzt, an wen sich das posting richtet. Unbeleckten Mitlesern würde sonst von den vielen wenn-und-aber der Kopf schwirren und sie sich sagen: okay, haben ja alle ganz kompetent geantwortet, aber ich weiß immer noch nicht, was richtig oder falsch ist. Zumal eine Eigenschaft solcher Foren ist, dass im Gegensatz zu moderierten Gesprächsrunden niemand einen Abschlußsatz von sich gibt, auf den man sich einigen könnte . . .
 
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