Gelkissen als Dekubitusprophylaxe?

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Kalimera

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17.01.2001
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Hallo @all,

Wo werden noch Gelkissen zur Lagerung bei Dekubitus benutzt? Ich habe verschiedene Ansichten gehört und gelesen, auf einer neuerlichen Fortbildung wurde gesagt, dass sie total outt wären, selbst im OP nicht mehr genutzt werden, da eine Wirkung nahezu nicht vorhanden wäre.
Mich würde Literatur dazu interessieren, evtl. Studien, am allerliebsten natürlich wissenschaftliche Erkenntnisse.
Ich hatte den Leiter der Fortbildung zwar darauf angesprochen, leider hat er sein Versprechen mir literatur zuzusenden nicht eingehalten, daher hoffe ich hier fundierte Erkenntnisse bzgl. des Gebrauchs von Gelkissen zur Dekubitusprophylaxe zu erhalten.

Thanks @all
 
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Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
Hej, Sigjun,

ich kenne Gelkissen zur Lagerung bei bestehendem Dekubitus überhaupt nicht, nur zur Dekubitusprophylaxe.
Das Gelkissen hat m.W zwei Wirkprinzipien:
- es erhöht die Aufliegefläche und bewirkt damit eine Verminderung des Aufliegedrucks/cm²
- Entlastungsbewegungen führen aufgrund der Trägheit des Gels zu tatsächlicher Druckentlastung des entlasteten Gebietes.
Beide Wirkprinzipien zusammen bewirken eine gute Druckreduktion im gefährdeten Bereich.

Wenn man davon ausgeht, dass langer, niedriger Aufliegedruck grössere Schäden verursacht als kurzer, hoher Aufliegedruck macht es möglicherweise Sinn, wenn Gelkissen im Op nicht mehr eingesetzt werden (obwohl ich da auf die Quelle auch so gespannt bin wie Du :wink:) --> der Patient macht intraoperativ eben keine Entlastungsbewegungen und führt somit das Wirkprinzip ad absurdum.

So weit die Sicht aus der Theorie :laughing:

Gruß
Monika
 
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Surrogat

Bei uns sind Gelkissen seit einem Jahr völlig aus dem Standard für Dekubitus-Prophylaxe verschwunden.

Grund:
Um ihre Wirkung zu entfalten benötigt ein Gelkissen einen Patienten der zumindest minimale Eigenbewegungen durchführt - und für solche kann man dann auch eine Dekufllex und regelmässige Mikromobilisation nutzen, insbesondere da das Gelkissen nur den Bereich der LWS unterstützt und, falls zusätzlich auf eine Dekuflex aufgebracht, wiederum deren Wirkung im gennanten Bereich mindert wenn nicht sogar aufhebt...während eine isoliert eingesetzte Dekuflex den ganzen Körper unterstützt.

Bei Patienten ohnen Eigenbewegung sind die Gelkissen aus dem o.g. Wirkprinzip nutzlos.

Ausserdem wurden sie häufig nach Verlegung des Patienten im Bett vergessen oder durch zu grobe Handhabung beschädigt.

Das letzte Gelkissen haben ich, glaube ich in den frühen `90ern in einem OP genutzt, wusste gar nicht das die Dinger überhaupt noch grossartig Verwendung fanden...
 
Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
Hallo, Surrogat,

leuchtet mir durchaus ein (zumal es ja meine Argumentation unterstützt:grin:).

In anderen Pflegebereichen halte ich den Einsatz von Gelkissen aber durchaus für angebracht. Ich denke da z.B. an rollstuhlpflichtige Menschen, die zu Entlastungsbewegungen fähig sind.

Von daher würde ich Gelkissen nicht völlig verbannen. Man muss eben immer gucken, welches Instrument unter welchen Umständen sinnbringend ist.

D'acor? :happy:

Gruß
Monika
 
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L

Löwenherz

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10.03.2006
63150
hi Surrogat...

ähhmm...dein pic...und ich wär sofort wieder zu nervösen Zuckungen fähig..und bräuchte gar keine Prophylaxe..*grinz*

nix für ungut..das lag mir aber "in den fingern":whistling

Lieben Gruß, Löwenherz
 
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Hygienefachkraft
Fachgebiet
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Surrogat

Was soll ich sagen...die Serie war einfach genial und niemand konnte einen verwirrten, aus seiner Zeit gefallenen Zauberer so spielen wie Geoffrey Bayldon! :thumbsup:

In diesem Sinne:

Salmei, Dalmei, Adonei!
 
S

Surrogat

In anderen Pflegebereichen halte ich den Einsatz von Gelkissen aber durchaus für angebracht. Ich denke da z.B. an rollstuhlpflichtige Menschen, die zu Entlastungsbewegungen fähig sind.
/signed.
Guter Punkt.
 
K

Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
Ich merke schon, ich muss detaillierter werden.
Meine Anfrage bezieht sich auch liegende, stationäre Patienten, es sind keine Gelkissen gemeint, die Rollstuhlfahrer benutzen oder ähnliches.Das Gelkissen/die Gelmatratze soll ja den Auflagendruck verhindern, dadurch, dass dieser Druck verteilt wird. Das Gel soll sich ähnlich wie Fettgewebe verhalten, passt sich den Körperstrukturen an. Jetzt frage ich mich, wenn ein bettlägeriger Patient längere Zeit unverändert darauf liegt (passiert auch bei regelmäßigen Lagerungswechsel) und das Gel sich anpasst, wird dabei wirklich noch eine Druckminderung erfolgen? Und wie lange?
Ich habe irgendwo gelesen, dass ein Gelkissen eigentlich auch nur dann diese Druckminderung begünstigt, wenn der Patient entsprechend Eigenbewegung hat und nicht ständig mit den gleichen Körperteilen auf der gleichen Stelle des Gelkissens liegt.
 
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Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
und das Gel sich anpasst, wird dabei wirklich noch eine Druckminderung erfolgen? Und wie lange?
Eine Druckminderung wird, im Vergleich zum Lagern auf einer herkömmlichen Matratze, in jedem Fall erreicht, da die Auflagefläche vergrössert wird. Allerdings, wie gesagt, verursacht ein lang anhaltender niedriger Druck einen grösseren Schaden als ein kurz einwirkender hoher Druck.

Bei Menschen ohne jeglicher Entlastungsbewegung würde ich z.B. Wechseldruckmatratzen vorziehen, wenn keine Kontraindikation vorliegt.

LG
Monika
 
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Gerhard Kreile

Gerhard Kreile

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Ein Punkt darf hier nicht unbedacht bleiben: Das Gelkissen mit oder ohne Überzug benutzen? Wenn ein Gelkissen ohne Überzug benutzt wird, bleibt dieses kalt und kann - bei ständiger Benutzung (ist schon nachgewiesen worden) sogar zu Harnwegsinfekten führen. Benutzt man dagegen einen Überzug, dann ist die Druckminderung wesentlich geringer.

Weiterhin ist auch die Dicke des Gelkissens ein wichtiger Punkt. Für meine Seminare habe ich zurzeit fünf verschiedene Gelkissenstärken.
Meine Teilnehmer setzen sich während des Seminars (zum Teil über Stunden) auf diese Kissen und sind immer wieder erstaunt wie schnell sie bei dem einen oder anderen Gelkissen z.B. einen darunter gelegten harten Gegenstand spühren.

Gruß

Gerhard
 
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moviliti-care

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12.07.2006
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Hallo,
also grundlegend sind, gleich ob Gelsysteme oder Wechseldruck die Killer für die Physiologie der Bewegung.
Es erhöht nur den Körpertonus, da der Klient keine klaren Lageinformationen über seinen Körper bekommt - daher wird er unsicher - geht in Schonhaltung - dadurch werden die Haltemuskeln intoniert und müssen auf unklare Informationen hin handeln - somit wird eine "Schutzhaltung" gesucht - in der sie verbleiben - zusammen mit den falschen pflegerischen Handlungen wird die Inaktivität gefördert. Wir sprechen von funktioneller Muskelverkürzung.
Durch die unklaren taktile Infos zur Raumlage fährt der Klient den ganzen Tag nach Helgoland - ohne aussteigen zu dürfen.
Die beste Dekuprävention ist die Aktiv-Lagerung in 85° oder 95°.
Zur Mobilisation auf einen normalen Stuhl - Rollstühle mindern die Aktivierung durch Ansteuerung der Triggerpunkte = kompensatorische Fehlhaltungen.
Schönen Gruß :)
 
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Die beste Dekuprävention ist die Aktiv-Lagerung in 85° oder 95°.
Zur Mobilisation auf einen normalen Stuhl - Rollstühle mindern die Aktivierung durch Ansteuerung der Triggerpunkte = kompensatorische Fehlhaltungen.
Schönen Gruß :)
Hallo,

worauf berufst du dich mit deiner Aussage? Wo steht das geschrieben?
Was versteht man unter Aktiv-Lagerung?
Muß ich wissen, was Triggerpunkte sind?

Grüßle Manu
 
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KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
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Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
Die beste Dekuprävention ist die Aktiv-Lagerung in 85° oder 95°.
Auf was bezieht sich diese Gradangabe? Meinst Du damit die physiologische Mittelstellung? Oder meinst du damit Seitenlagerung?

Meinst du damit alle Patienten oder die mit langfristig neurologischen Defiziten?

Diverse gute Quellenangaben täten diesen thread wohl gut ..... das gesammte Thema scheint doch sehr stark von Spekulationen durchsetzt (nehme mich inzwischen nicht mehr aus)

Gruß
Monika
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
Muß ich wissen, was Triggerpunkte sind?
Hallo, ich glaube, wir wissen schon, um was es geht, nur der Name fehlte uns bisher.
Triggerpunkte

Es bestätigt sich eben immer wieder, da wirste alt wie'ne Kuh und lernst immer noch dazu.
:00000965: dem Pflegboard.
 
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Krankenschwester
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Zur Mobilisation auf einen normalen Stuhl - Rollstühle mindern die Aktivierung durch Ansteuerung der Triggerpunkte = kompensatorische Fehlhaltungen.
Hallo,

@wassermann: Danke für die Erklärung:thumbsup:

Jetzt würde mich mal interessieren, in welchem Altenheim die beschriebene Ansteuerung der Triggerpunkte durch Pflegekräfte zur Anwendung kommt!?:ermm:

Grüßle Manu
 
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moviliti-care

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12.07.2006
23558
Hallo :)
komme leider erst heute zum antworten, aber Wassermann hat ja das Wissen optimiert.
Also.Die Gradangaben bezieht sich auf die Seitenlagerung. Aktiv-Lagerung heißt, das ich die Funktion der Kissen so wähle, das in allen Gelenken eine Freilagerung gegeben ist und somit physiologische Bewegung aktiviert werden kann.
Tja, Quellenangaben. Ganz einfach Anatomie- & Physiologiebücher?!
Um himmels willen keine Pflegelehrbücher! :)
Triggerpunkte stammen ja aus dem physiotherapeutischen und osteopatischen Bereich.
Was haben die für eine Bedeutung? Sie lösen durch Reizung Reaktionen aus. Das führt zu einer Verkürzung der Muskelatur. Langfristig wird eine funktionelle Muskelverkürzung provoziert.
Eine ganz einfach Übung für Interessierte:
Stellt Euch mit dem Rücken vor eine glatte Wand. Beide Füsse stehen eine Fußlange von der Wand ab. Jetzt nur das Becken an die Wand. Der Oberkörper geht nach vorne und Ihr macht einen Rundrücken. Nun liebevoll Wirbel für Wirbel an die Wand gleiten lassen.Bis Ihr mit den Spitzen der Schulterblätter die Wand spürt. Jetzt die Schulterblattspitzen an die Wand drücken ( Wenn Euer Vermieter gepfuscht hat seid Ihr beim Nachbar ... schönen Gruß :) Die Arme einfach nach unten hängen lassen .... Viel Spaß beim fühlen .....
Jetzt mal versuchen ganz langsam einen Arm zu heben ..... und wieder runter
Wenn Ihr merkt, das es unangenehm ist, dann lasst einen Arm nach unten hängen. Den anderen langsam in das "spastische Muster"wie wir es leider so sehr aus dem Alltag kennen, bringen und mal vergleichen.
Dann wisst Ihr was Triggerpunkte sind :)
Wo wird das anewendet? Es gibt eine Einrichtung im Norden, in der wir eine Qualifizierung der Mitarbeiter durchführen ... und es ist faszinierend, wie veränderte Techniken und die Beachtung von eben diesen Triggerpunkten ( ein Teil des Konzeptes ) die Arbeit verändert.
Bevor einer nach dem Wort "Schleichwerbung" schreit ... Hierbei geht es darum, das wir die Techniken evaluieren.
Grundlegend ist einfach, das wir all das was wir gelernt haben kritisch hinterfragen und einiges über Board ( aber nicht pflegeboard :) schmeißen.
Lieben Gruß
Lars
 
Qualifikation
Leitender HTM-Trainer / moviliti-care
Fachgebiet
Schulung, Coaching, Fallsupervision, Projektierung
W

wuschelkopp

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20.01.2006
30655
Hab es auch schon erlebt das eine Rollstuhlfahrerin mit Gelkissen überhaupt nicht zurecht kam, weil sie dadurch am selbständig vom Bett in den Rollstuhl rutschen (und wieder retour) gehindert wurde. Sie hatte nicht die Kraft über das Kissen zu rutschen, oder es stoppte ihre Eigenbewegung, so genau weiß ich das jetzt nicht mehr. Auf jeden Fall war ein Gelkissen keine Lösung für ihr Problem.
 
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Pflegehelferin
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Pflegeheim
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melaton

Neues Mitglied
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07.08.2006
24116
Gel = kalt.
Im OP... :
OP-Beginn - Gel kalt.
OP-Ende - Gel warm, Pat. kalt.

= Gel in die Tonne.

Sigj. hat Recht - lang anhaltender geringer Druck schädigt mehr als kurzfristig einwirkender, hoher Druck. Und noch besser, wenn letzterer wechselt.

Fazit:
Gel ist sauteuer, ein Nutzen schwer zu erkennen und damit: Inne Tonne !
Zusammen mit Fellen, Fersenschonern und Sitzreifen ! Attacke !

Viele Grüße
Melaton :thumbsup:
 
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Hamburg
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Pflegeboard.de

Administrator
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05.07.2001
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