Gegenübertragungen

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MuuuHaaa

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07.02.2007
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Hallo,

mich würde interessieren welche erfahrungen ihr mit gegenübertragungen gemacht habt.

Als Beispiel: Wir haben einen Arzt bei uns, Vater von einem Sohn, gleichtzeitig einen relativ jungen Alter (frisch 19 geworden). Dieser Pat. lebt in einer Familie von einem sehr starren Machtspielmodell.
Keiner aus der Familie will aus diesem Modell ausbrechen.

Nun zurück zu unserem Arzt, der dem Pat. recht väterlich gegenübertritt und vom dem Pat. zum Teil in die machtvolle, diktatorische Ebene reingedrückt wird und der Arzt selbst merkt davon nichts.

Wir haben es ihm mehrmals mitgeteilt und auch in der Supervision thematisiert, aber er lässt sich davon nicht abbringen.

Wie sind eure Erfahrungen?


Gruß

Vader



Noch ein Nachtrag:

Als Gegenübertragung bezeichnet man in der Psychoanalyse eine Form der Übertragung, bei der ein Therapeut auf den Patienten (bzw. auf dessen aus Übertragungsphänomenen hervorgehende Handlungen und Äußerungen) reagiert und seinerseits seine eigenen Gefühle, Vorurteile, Erwartungen und Wünsche auf diesen richtet. Der Therapeut verlässt hierbei aus verschiedenen Motiven – in der Regel vorübergehend – seine objektive Position. Daher galt die Gegenübertragung in den Anfängen der Psychoanalyse als störender Einfluss, den der Therapeut sich bewusst machen und beseitigen müsse. Die moderne Psychoanalyse sieht die Gefühle des Therapeuten gegenüber dem Patienten auch als „Resonanzboden“, durch den er Informationen über den Patienten gewinnt; insofern dient die Gegenübertragung als ein Instrument in der Psychotherapie.
 
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MuuuHaaa

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07.02.2007
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Hallo,

noch ein Nachschlag:

[FONT=Arial,Helvetica,Univers,Zurich BT]Übertragung / Gegenübertragung
[/FONT][FONT=Arial,Helvetica,Univers,Zurich BT][SIZE=-1]Übertragung
[/SIZE][/FONT]
[FONT=Arial,Helvetica,Univers,Zurich BT][SIZE=-1]Frühkindliche Beziehungen und Einstellungen werden (z.B. zu Mutter, Vater) auf den Therapeuten projeziert/übertragen
Gegenübertragung
Der Therapeut reagiert durch eigene Konflikte, frühkindliche Beziehungen und Einstellungen auf den Patienten (z.B. kann der Therapeut auf die Übertragung des Patienten unbewußt mit der Übernahme der Vaterrolle reagieren).
Der Arzt muß deshalb seine Gegenübertragungen wahrnehmen und über ständige Selbstreflexion prüfen können.
Merke: Übertragungen und Gegenübertragungen sind eine Domäne der Arzt-Patient-Interaktion, aber nicht auf diese beschränkt. Die Analyse der Übertragungs- und Gegenübertragungsvorgänge liefert dem Arzt wertvolle Hinweise auf die Konflikte und Gefühle des Patienten.[/SIZE][/FONT]



Wie sind eure Erfahrungen?

Gruß Vader
 
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Fragmentis

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Hallo Vader,

in einem professionellen Team wird der Hinweis auf eine Übertragungsfalle geschätzt und vom betreffenden angenommen und zumindest bedacht...das Problem ist aber: Auch wenn ich in der Falle bin, kann ich mich ja nicht verbiegen, denn ich soll ja auch professionell authentisch sein in meiner Rolle...deswegen wechselt man in einem guten Team eben ganz einfach die Bezugsperson, also in Deinem Fall den behandelnden Arzt...ein Kollege übernimmt...

Naja, aber in der Realitiät wird im Stress nicht unbedingt ein solches Geschehen erkannt und der Hinweis vom Kollegen als mögliches Versagen empfunden...und schon ist man wieder in der Falle...aber in einer anderen, nämlich kollegialen teamorientierten Falle, denke ich...

Aber das zieht sich durch alle Berufsgruppen und der einzige, der dann leidet ist nicht nur der Patient, der ja eigentlich im Vordergrund stehen soll, sondern eben auch die Kollegen...leider...

Grüßken,
Fragmentis

PS: Danke für die tollen Definitionen...auch im Namen der Kollegen, die mit den Begriffen noch nicht soviel anfangen können...
PPS: Danke für das tolle Thema...
 
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Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
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EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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Suze

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Hallo Vader,
ich sehe das wie Fragmentis. Eine Frage, die noch bleibt ist: was hat der Arzt persönlich davon? Was ist sein Profit? wenn er trotz Supervision dabei bleibt, liegt das Problem tiefer, denke ich
 
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Fragmentis

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Hallo Suze...eine gute Frage...vielleicht ist ja das professionelle Benennen seiner Schwächen für ihn gleichzeitig die Gefahr, als Schwächling in seiner Profession benannt zu werden...und er kann es aus Übertragung heraus (vielleicht aus seiner Kindheit) nicht zulassen...grins...
Hach ja, so sind sie halt manchmal, unsere Kollegen aus dem ärztlichen Bereich...wie kann da eine einfache Pflegekraft die ärztliche Profession anzuzweifeln wagen...doppelgrins...

Aber genug der Interpretation...man steckt ja nicht drin...grins...

Grüßken und nur ein wenig lustig vor sich her hypothetisierend,
Fragmentis
 
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MuuuHaaa

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07.02.2007
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Hallo,

danke für eure Antworten, ich würde den Arztwechsel auch begruessen, wenn der andere Arzt nicht durch eine kontinuirliche Abwesenheit :eek:riginal: glänzen würde und deswegen, na wie soll ich sagen, auf sehr wackeligen Fuessen steht. Mittlerweile ist der junge Pat. entlassen - im übrigen ohne einen sichtbaren Erfolg - und unser anwesender Arzt:innocent: hat sich mittlerweile ein neues "Opfer" ausgesucht.

Hab Ihr vielleicht eine Idee wie wir es dem Arzt begreiflich machen können, was da passiert?

Wir haben es dezent versucht, wir haben es im direktem Gespräch versucht, und wie schon erwähnt auch versucht in der Supervision dem Arzt zu spiegeln.
Das einzige was passiert ist das er einen SD-Kollegen mit zu difficilen Gesprächen nimmt. Aber die direkte Visitensituation ist grausam emotional und die Pat. sind adäquater wie unser Arzt.

Gruß

Vader
 
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Suze

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26.09.2006
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Ehrlich, und realitisch gesagt, ist einfach nicht jeder ( Arzt) fähig.:laughing:
da kann man, meiner Meinung nach ,nur auf Zeitverzug setzen... sprich: bis er geht... oder gegangen wird
Unbelehrbare gibts überall
 
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Suze

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26.09.2006
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Achso: was macht eigentlich euer Oberarzt? Wie steht er zum Thema??
 
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MuuuHaaa

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07.02.2007
0815
Hallo,

nun ja, gegen steuern soviel wie er kann. Bei uns wird erst einer gefeuert wenn er die Silberlöffel vom Chef klaut.
Ich denke auch, bleibt nur abwarten und Tee trinken.:coff:

Aber was für Erfahrungen hat der Rest im Board mit Gegenüberragungen erlebt?:spank:
Eigene oder "beobachtete" Gegenüberragungen.

Meine "Lieblingsgegenübertragung" sind die aufstellenden Nackenhaare bei Borderline Patienten:innocent: :eek:.

Gruß

die Tee trinken Vader
 
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MuuuHaaa

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07.02.2007
0815
Hallo,

ist anscheinend mein Los hier mich selbst zu posten :cry::heul:


Nun ja, momentan habe ich es mit einer sehr heftigen Gegenübertragung zu tun:

Ich kann einen Pat. bei uns überhaupt nicht abhaben (sorry für die Wortwahl, das trifft es aber am besten). Ich muss mich dermaßen zusammenreissen, wenn ich den nur sehe.

Ich bin total beeindruckt von meiner vollkommenen Anti-empathischen-reaktion :sick:(genervtheit bis zum anschlag, hochstehende Haare, nicht nur auf den Nacken beschränkt, lege alles auf die Goldwaage etc.....etc.....)
Meine Maßnahmen sind, mich so gut es geht mich von diesem Pat. fernzuhalten und mit meinen Kollegen darüber zu sprechen. Bei Kontakt mit diesem Pat. bin ich extrem bemüht ihn nicht zu "zickig" zu behandeln und mir wirklich vor Augen zu führen wo ich bin.

Kennt ihr sowas auch?


Gruß

Vader
 
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juttawa

juttawa

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Hallo Vader!

Ich glaube, das hat mit Gegenübertragung nicht mehr viel zu tun, sondern dieser Mensch ist Dir schlicht und einfach unsympatisch.

Hat ja jeder von uns mal, dass ihm ein Mensch überhaupt nicht gefällt von der Wellenlänge her.

Ich hatte mal einen Patienten, den fand ich persönlich dermaßen abscheulich in seinem ganzen Wesen, dass ich total unwillig die Termine wahrgenommen habe. Da ging es mir wie Dir!

LG von Jutta
 
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Fachkrankenschwester Psychiatrie
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psychiatrischer Fachpflegedienst
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dr.poops

Guten Tag, Vader! Oooh ja, das kenne ich sehr gut - ich arbeite nicht in der Psychiatrie, aber das ist wohl auch ein Phänomen aus der Somatik... Besonders "faszinierend" ist das, wenn man mit diesem Pat. noch nie gesprochen hat (weil er z.B. noch intubiert und beatmet ist). Und trotzdem das Gefühl hat, daß man mit diesem Menschen nicht zurechtkommen wird.
Ich frage mich dann immer, warum das wohl so ist und kann mir das nicht recht erklären (wenn das dann tatsächlich so ist, frage ich mich zudem, ob das an meiner Voreingenommenheit liegt oder ob ich mich in der Tat noch auf mein Gefühl verlassen kann...). Bei wachen und ansprechbaren Pat. ist mir das eher erklärbar, die haben dann irgendwas an sich, wo ich eigentlich gar nicht drauf kann - es gelingt mir allerdings dann trotzdem noch ("irgendwie" - das ist so´n Wort, bei dem ich eigentlich rot sehe...), die notwendige Empathie aufzubringen. Aber meistens fahre ich nach einem solchen Dienst völlig gerädert nach Hause und denke, "na, hoffentlich warst du jetzt nicht ungerecht!" Ich finde auch manche Verläufe bestimmter PatientInnen besonders schlimm - die erinnern mich dann an jemanden, der mir wichtig ist (es hat mich mal z.B. ein Pat. besonders an meinen Vater erinnert, das fing schon mit dessen Geburtsjahr an - das war für mich dann ganz schrecklich, als der Mann gestorben ist und ich hab mich nochmal mehr darüber gefreut, daß mein Papa für seine 73 Jahre noch top-fit ist...).
Das Gespräch mit KollegInnen ist immer gut - notfalls sagen wir auch, "nee, ich möchte Herrn oder Frau Soundso heute nicht betreuen, wir kommen überhaupt nicht miteinander klar".
Aber das Gefühl mit den gesträubten Nackenhaaren und das Bedürfnis, einfach zu verduften, das kenne ich gut... Ätzend, nicht?:eek:dr.poops
 
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05.07.2001
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