Fußdesinfektion beim Personal ?

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Alraune

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Heute wurde von 2 Gruppenleitungen ( Wohnheim ) an mich herangetragen, dass sie gerne Fussdesinfektionsspray ( wie im Schwimmbad )hätten.
Hintergrund ist die Befürchtung sich beim Duschen der Bewohner, mit immer mal wieder auftretenden Mykosen anzustecken. Derzeit würden sie das Händedesinfektionsmittel als Fußdesinfektion zweckentfremden.
Die Füsse vor Duschwasser zu schützen sei nicht praktikabel, Schuhe würden durchnässt, in Überschuhe laufe das Wasser von oben rein.
Ist die Anschaffung von Fussdesinfektionsspray überhaupt sinnvoll und muss dieses vom Haus bereitgestellt werden ? Welche anderen geeigneten Massnahmen gibt es ?
Für begründete Antworten oder Links wäre ich sehr dankbar.
Danke
Astrid
 
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thorstein

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Hallo Astrid,

also die mehrfachbehinderten Bewohner bekommen immer mal wieder Fusspilz, und die Mitarbeiter wollen sich vor Ansteckung schützen. Das ist mal ein innovativer Ansatz. Welche Massnahmen werden den ergriffen, um die Bewohner vor Fusspilz zu schützen? Und warum greifen diese offensichtlich nicht? Auch hier wieder, wenn ich mich richtig erinnere(?), der Tipp: interne Fortbildung.

Grüsse
 
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Chef de Saucier

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Hallo,

die persönliche Schutzausrüstung in einem Wohnheim (ohne Anspruch auf Vollständigkeit wird die Frage nach dem Schutz des Personals vor infektiösen Stoffen z.B. in den TRBA, Biostoffverordnung ... geregelt ) beschränkt sich in der Regel auf Handschuhe, MNS, normale Kittel, wasserundurchlässige Kittel, Schürzen, überziehschuhe. In der o.g. Situation würde ich von einer gesundheitslich unbedenklichen Keimbelastung ausgehen und die Behandlung der betroffenen Bewohner in den Vordergrund stellen.

unabhäging von der Frage nach dem Sinn, wäre eine Anschaffung eines Fussdesinfektionsmittels nicht notwendig. Ein Händedesinfektionsmittel unterscheidet sich häufig von einem Hautdesinfektionsmittel nur durch folgende Merkmale: die Farbe, ggf. Duftstoffe, rückfettende Substanzenein... Somit könnte man natürlich auf jedes Haut- und/ oder Händedesinfektionsmittel zurückgreifen. Ein Spray wäre, aufgrund der möglichen Wirkungslücken, nicht die erste Wahl.

Theoretisch wäre das mit einer miniminiminimalen Wahrscheinlichkeit vielleicht sogar möglich, aber ich halte diese Befürchtung doch für sehr sehr unwahrscheinlich und konstruiert.
Entsprechende Empfehlungen (z.B. RKI ) aus Sicht der Hygiene sind mir in diesem Zusammenhang unbekannt. In Hygieneplänen wird dieser Punkt im Zusammenhang mit Wohnheimen nicht behandelt und in den typischen Vordrucken von Desinfektionsmittelplänen ist diese Idee auch nicht aufgegriffen worden.

Es braucht ja eine Mindeskeimdosis damit es überhaupt möglicherweise zu einer Infektion kommen kann. Einerseits werden die Bewohner häufig sehr gewissenhaft eingeseift und andererseits laufen nur geringe Mengen Wasser ggf. in die Schuhe, sodass Keime nicht in konzentrierter Form möglicherweise übertragen werden könnten.
Der Hauptübertragungsweg ist auch hier wahrscheinlich die Hand. Beim Anfassen, beim Einseifen, über den Waschlappen, über das Handtuch, über die angefasste Kleidung usw.
In diesem Punkt würde ich aufklären bzw. durch euren Hygienebeauftragten aufklären lassen und nichts unternehmen bezügl. der Anschaffung weiterer Desinfektionsmittel, da diese in den Hygieneplan sowie auf die Desinfektionsmittelpläne eingepflegt werden müssten.

Es gibt ja auch solche kleinen Aufstellbaren Wände, die gegen Spritzwasser helfen sollen.
Im Radsport gibt es Überschuhe, die tatsächlich wirkungsvoll gegen das Eindringen von Wasser helfen - sind natürlich keine Einmalprodukte, aber ggf. desinfizierbar.

:ironie: Ansonsten gibt die bei Anglern sehr beliebten Gummistiefel, die fast bist zum Schritt reichen.
 
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Alraune

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Danke Monokel und Thorstein,

also die mehrfachbehinderten Bewohner bekommen immer mal wieder Fusspilz, und die Mitarbeiter wollen sich vor Ansteckung schützen. Das ist mal ein innovativer Ansatz. Welche Massnahmen werden den ergriffen, um die Bewohner vor Fusspilz zu schützen? Und warum greifen diese offensichtlich nicht? Auch hier wieder, wenn ich mich richtig erinnere(?), der Tipp: interne Fortbildung.

Grüsse
@ Thorstein,
(du erinnerst dich richtig und es tut sich inzwischen auch Einiges) trotzdem ist das in dem Fall, glaube ich nicht so sehr der Punkt.
Fußpilz ist bei den Bewohnern seltenst ein Thema. Eine Bewohnerrin hat einen seit zig Jahren trotz hautärztlicher Behandlung bestehenden Nagelpilz, bei der ich keinen Pflegefehler unterstellen würde.
DAs Thema Pilzinfektion taucht in erster Linie im Zusammenhang mit Intertrigo auf, der jetzt im Sommer bei einigen Bewohnern mit mehrfachen und nur bedingt beeinflussbaren Risikofaktoren ( Spastik, IKM Träger, tagsüber in der WfbM den ganzen Tag im Rolli sitzend , teilweise Übergewicht,teilweise durch Antibiotika gestörte Hautflora , feucht, warm wenig belüftet)aktuell war/ist.

@Monokel
Ich halte den Infektionsweg über das Duschen auch für nicht sehr wahrscheinlich, ausser durch den Umweg über die Hände oder wie teilweise verbotenerweise praktiziert (Flüstermodus an :- Barfuß oder in Flipflopps duschen -Flüstermodus aus)

Oder eine Fußpilzerkrankung, unabhängig von Bewohnern, begünstigt durch feuchte Füße der Mitarbeiter nach der Pflege.
Das Duschen erfolgt sehr Körpernah in Lifter oder Duschstuhl bzw Liege , man steht durch die völlige BArrierefreiheit der Bäder im Nassen und da die Bewohner mit ihren ungesteuerten Bewegungen teilweise selber den Duschschlauch halten, ist man schonmal unfreiwillig mitgeduscht

Nichtsdesto trotz haben die Mitarbeiter teilweise diese Ängste und daher deren Forderung nach dem Fußspray.
Spray deshalbweil das Kippen von Händedesinfektionsmittel über Schuhe und Füsse nicht gerade wirtschaftlich ist. Es würde sie egal ob sinnig oder nicht beruhigen.
Du hast Recht,
ich werde Kontakt mit der Hygienekraft eines Krankenhauses die uns berät aufnehmen,vielleicht auch mit der Betriebsärztin, aber Krankenhaus und Heim sind doch manchmal unterschiedlich hinsichtlich der Richtlinien. Und in Heimen der Eingliederungshilfe ist nochmal alles anders.

Die Fahrradschuhe sind vielleicht wirklich eine Option.

Danke für deine schlüssige Argumentationskette.
Grüße
Astrid
 
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Chef de Saucier

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Vielleicht noch etwas humorvolles, das ich mir nicht verkneifen kann !

Im Rahmen einer Kontrolle ist das Gesundheitsamt immer erfreut wenn eine möglichst hohe Akzeptanz gegenüber der Händedesinfektion besteht. Welche Empfindungen werden einem Mitarbeiter des GA zuteil, der unerwartet eine Hände- und Fussdesinfektion bei den Mitarbeitern beobachten kann ?
 
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Medi-Basics

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Nun ein paar Worte von einer HFK, die neu hier im PFlegeboard ist:
- das Übertragungsrisiko des Fußpilzes auf diesem Weg ist eher gering einzuschätzen, die Argumente wurden schon angeführt
- die TRBA 250 sagt eindeutig: ist mit einem Durchnässen des Schuhwerks zu rechnen hat der Arbeitgeber entsprechend geeignetes Schuhwerk zu stellen (also durchaus auch Gummistiefel und nicht die ungeeigneten Überschuhe)
- Händedesinfektionsmittel auf die Füße kippen geht zwar, muss aber auch eingearbeitet (sprich: eingerieben werden), damit es effektiv wirkt; die RÜckfetter wiederum können eine Rutsch- und damti unfallgefahr darstellen
- Fahrradüberschuhe sind nicht geeignet, weil die Hersteller keine AUssagen über die Desinfizierbarkeit machen, aber diese Aussage für eine korrekte Desinfektion notwendig ist (nicht jedes Desi.mittel wirkt auf jeder Oberfläche zw. verträgt sich mit jedem Werkstoff)
- Sprays sind aus zwei Gründen kritisch zu überdenken: erstens die schon erwähnten möglichen Benetzungslücken und zweitens die Gefahr des EInatmens des Aerosols und der daraus resultierenden möglichen gesundheitlichen Gefährdungen

Was bleibt am SChluss als Tipp: tatsächlich die Gummistiefel als sicherster SChutz. Sieht zugegebenermaßen nicht schön aus, aber SChönheit spielt in unserem (und vielen anderen Jobs) nur eine Nebenrolle. Das Gute: in allen mir bekannten Vorgaben von Unfallversicherern gibt es den zitierten Satz in einem der Regelwerke, so dass der Areitgeber diese Schuhe zu stellen hat.
 
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Alraune

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Danke Medi - Basics
zusammengefasst kann ich also die Rückmeldung geben

  • die Gefahr sich durch Kontakt mit Duschwasser eines Bewohners mit Mykose anzustecken ist als sehr gering einzustufen weil ( siehe Monokels Ausführungen )
  • wenn jemand unbedingt seine Füße desinfizieren will ,wäre ein Spray ehr weniger geeignet ( Benetzungslücken. Aerosolbildung)
  • Händedesinfektionsmittel würde prinzipiell gehen, wenn richtig eingerieben, birgt aber das Risiko erhöhter Rutschgefahr
  • in den euch bekannten Richtlinien und Desinfektionsplänen wird die Thematik nicht erwähnt
  • geeignete Kleidung zum Schutz vor nassen Füssen müsste der Arbeitgeber bereitstellen
  • Gummistiefel wären als geeignet anzusehen ( die Reaktion kann ich mir lebhaft ausmalen )
  • geregelt sind solche Fragestellungen in der TRBA Biostoffverordnung 250
Danke euch allen
Astrid
 
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Kalimera

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Mir fällt gerad ein, es gibt Ganzkörperregenanzüge, die auch über den Schaft der Gummistiefel gehen, so dass auch dort kein Wasser reinlaufen kann. Dazu vielleicht noch einen Helm, da Spritzwasser in die AUgen/Mund kommen könnte. Außerdem gibt es Gummistiefel, die oben nochmal einen Schutz haben, den man eng zuschnüren kann. Ah jah, und es gibt diese Anglerhosen....Deiner Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt.
Die Kreativität dieser MA ist ja auch nicht zu verachten, wenn ich bedenke welche Konstruktionen sie erwähnen wie der Fußpilz der Bewohner auf sie übertragen wird.
Nebenbei erwähnt duschen wir auch viel in barrierefreien Bädern, bis heute habe ich mich weder infiziert, egal mit was. Auch ohne Gummistiefel.

Und als letztes finde ich die Konstruktion wie Deine MA an Fußpils durch einen Bewohner gelangen können als sehr phantasiereich und kreativ.
 
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Sonnensturm

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Wer kein Problem hat, der schafft sich eben eins?:suche:
Oder so beschäftigt man Leute oder nichts anderes zu tun?
:devil:
:kopfkratz:Wasserfrau
 
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Alraune

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

@Sigjun
mir ist diese Fragestellung auch noch nie untergekommen, habe auch noch nie gehört, dass sich jemand auf diesem Weg einen Pilz eingefangen hat.
Die Mitarbeiter sind berufsfremd, haben die Gleichung im Kopf Pilz = ansteckend, (was sie unter anderem auch von mir hören, allerdings im Zusammenhang mit Händehygiene oder mit barfuss duschen)
@Wasserfrau
"so beschäftigt man Leute" war das Erste, das mir durch den Kopf schoss, wäre aber nicht gerade eine professionelle , der Zusammenarbeit förderlichen Antwort gewesen

Sachargumente habe ich bekommen, sollte das nicht reichen, werde ich das an den Arbeitssicherheitsmenschen oder der oben erwähnten Hygienefachkraft weitergeben was aber auch ein " Leute beschäftigen" wäre.

Gruß
Astrid
 
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nofretete

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AW: Fußdesinfektion beim Personal ?

Kann eigentlich alles nur bestätigen. Die Kreativität und vorstellungskraft deiner Mitarbeiter ist ja echt enorm. Oder sollte ich eher Unwissenheit sagen? Also bei uns stehen auf jeder Station Gummistiefel, aber nicht gegen Fußpilz sondern einfach gegen nasse Füße.
 
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