Fructosin.....kennt sich jemand damit aus?

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Lylly

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Hallo! :)

Ich hoffe, ich bin hier bei Euch richtig, denn ich habe mal eine Frage.

Seit letzter Woche wissen wir, dass meine kleine Nichte (14 Jahre alt) eine Lactose und Fructose Intoleranz hat.

Das ist alles noch ganz frisch und meine Schwester ist etwas überfordert mit der neuen Situation. Meine Nichte natürlich auch. Heute haben sie auch einen Termin bei der Kinderärztin und ich hoffe mal, dass diese eine gute Ernährungsberaterin weiss, die ihnen hilft, denn alleine ist das Ganze schon eine Wissenschaft für sich, was wieviel und überhaupt essbar ist.

Jetzt habe ich im Internet die Information gefunden, dass es seit 2009 ein Enzympräparat (Fructosin) für Fructose-Malabsorbation gibt. Kennt sich jemand damit aus und ist es sinnvoll/ könnte es meiner Nichte helfen?

Ich danke Euch im voraus schon mal für Informationen. :)

Lylly
 
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Bärbele

Bärbele

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AW: Fructosin.....kennt sich jemand damit aus?

Hallo Lylly,

meines Wissens ist dieses Präparat derzeit nicht verfügbar.

Bei einer Fuktose-Malabsorbtion wird empfohlen über mehrere Wochen komplett auf alle Produkte die Fruktose, Sorbit und andere Zuckeraustauschstoffe zu verzichten bis über mehrere Tage eine Beschwerdefreiheit eingetreten ist. Danach kann man mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs und in Zusammenarbeit mit einer Ernährungsberatung austesten, wie die Toleranzgrenzen sind.
Wer eine Fruktose-Malabsorbtion hat, hat in der Regel auch eine Sorbit-Intoleranz und eine Intoleranz gegenüber den anderen Zuckeraustauschstoffen (Zuckeralkohole), die oft noch sehr viel ausgeprägter ist als die Fruktose-Malabsorbtion. Da Sorbit sehr oft in Mundpflegeprodukten (Zahnpasta) enthalten ist, muss man hier auch aufpassen.

Die Ursache einer Fruktosemalabsorbtion / Sorbitintoleranz ist ein Mangel an den Enzym GLUT5, welches für den Transport der Fruktose durch die Dünndarmschleimhaut zuständig ist.
Dieses Enzym lässt sich bis zu einem gewissen Grad mit Traubenzucker / Glukose / Dextrose ersetzen.
Deshalb sind Obstsorten die entsprechend dem Fruktose-Gehalt die gleiche oder eine größere Menge Traubenzucker enthalten sehr oft gut verträglich.
Auf dieses von dir angesprochene Nahrungsergänzungsmittel - sollte es wieder verfügbar sein, würde ich erst dann zurückgreifen, wenn Traubenzucker (etwa die gleiche Menge wie die enthaltene Fruktose zur Mahlzeit) nicht hilft.

Aber noch etwas anderes: da eine Fruktose-Malabsorbtion und eine Laktose-Intoleranz gleichzeitig festgestellt wurden, liegt der Verdacht nahe, dass eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut vorliegt. Sollte auch beim kompletten Meiden von Fruktose und Laktose keine komplette Besserung der Beschwerden eintreten, sollte man hier weiter suchen und evtl auch auf Zöliakie untersuchen - beide Intoleranzen sind gehäuft sekundär eine Folge einer nicht behandelten Zöliakie und klingen in diesem Fall im Rahmen einer glutenfreien Ernährung wieder ab. (Bitte keine glutenfreie Ernährung bevor die Zöliakie-Diagnostik komplett abgeschlossen ist!)


Ich hoffe, ich habe dir etwas weiter geholfen.
(P.S. ich bin selbst betroffen - Zöliakie, und mehrfache Intoleranzen)
 
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S

Solomon

AW: Fructosin.....kennt sich jemand damit aus?

Erfahrungen mit Fructosin würden mich auch interessieren unabhängig von der oben geschilderten Situation

@ Lylly
@ Bärbele
Ein Ausschluss von einer Zölikie ist auch aus meiner Sicht zwingend. Leider hat nur etwa einer von sechs Betroffenen eine typische Symptomatik, wie man Sie in den Lehrbüchern findet. Vielfach fühlen sich die Betroffenen sogar "richtig" wohl. Wird dann die Diagnose gestellt und eine Diät eingehalten gibt es ein aha-Erlebnis und das Wohlfühlen wird neu definiert.
Manche Betroffene und leider auch manche Ärzte lehnen, aufgrund der scheinbaren Gesundheit eine Gastro-/Duodenoskopie ab. Sollten bei Euch da vorbehalte bestehen, kann zuvor einen Bluttest auf Antikörper gegen Gewebstransglutaminase (Anti-tTG) oder auch Endomysiumantikörper gemacht werden. Der Test ist hoch sensitiv und spezifisch, sollte aber möglichst imemr für IgA und IgG-Antikörper erfolgen. Letzteres kann man sich "sparen", wenn parallel ein IgA-Mangel ausgeschlossen wird. Sind Anti-tTG nachweisbar, gibt es einen guten Grund für eine Gastro-/Duodenoskopie. Sind sie negatviv, kann man erst einmal darauf verzichten. Sollte der Verdacht auf eine Zöliakie sich dann doch erhärten, ist aber auch bei einem negativen Anti-tTG-Test eine Gastro-/Duodenoskopie zu empfehlen.

Wichtig erscheint mir noch ein Hinweis auf die unterschiedlichen Formen der Fructoseintoleranz.
Es gibt eine heriditäre (vererbte Form) bei der ein Mangel an Enzymen ([SIZE=-1]Aldolase-B und/oder[/SIZE] [SIZE=-1]Fructose-1,6-Biphosphatase) besteht und es gibt die von Bärbele beschrieben Form des GLUT5-Transporterdefektes, sowei die sekundären Formen, z.B. bei der Zöliakie.
Die heriditäre Form ist selten und die Kinder werden oft früh auffällig, weil sie z.B. Süssigkeiten und Obst vermeiden. Trotzdem sollte sicher sein, dass es sich bei Deiner Nichte, Lylly nicht um diese Form handelt, ehe Du oder Deine Schwester überhaupt über [/SIZE]
Fructosin nachdenkt. Denn bei dieser Form sollte das Enzym nicht angewendet werden. Da hilft dann bis jetzt nur die strenge Diät.

Bitte bedenkt, dass das Kind die Intoleranzen sicher schon länger hat. Daher sollte man zwar schnell aber nicht überhastet vorgehen. Das führt dann zu der Überforderung. Gut informiert und vorbreitet kann man die Situation sicherlich besser meistern.
 
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Lylly

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AW: Fructosin.....kennt sich jemand damit aus?

@ Bärbele und @ Solomon :)

Vielen lieben Dank für all diese hilfreichen Informationen! :)

Ich werde sie an meine Schwester weiter geben und bedanke mich wirklich sehr.

Ganz liebe Grüße

Lylly
 
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Joan Doe

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AW: Fructosin.....kennt sich jemand damit aus?

... und bei Sorbit dran denken: Essig in jeder Form ist gefährlich :nono:

Essigessenz benutzen und verdünnen :super:


LG Joan
 
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