Freiheitsentziehende Maßnahmen

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Suseline

Hallo,
wir müssen nach einer unangemeldeten Kontrolle des medizinischen Dienstes bei allen Bewohnern die eine gerichtliche Erlaubnis zum Hochziehen eines Bettgitters haben und auch die eigenständig unterschrieben haben eine exakte Dokumentation führen über Zeitpunkt und Dauer, Beginn und Ende der freiheitsentziehenden Maßnahme. Das heisst, wenn ich (nachts) eine Runde mache mit Inkontinenzversorgung, Lagerungsmaßnahmen, usw. und das Bettgitter runtermache, muss ich das dokumentieren und auch wenn ich es wieder hochziehe.
Jetzt haben wir zwei Streitpunkte:
Viele von uns sind schon viele Jahre im Beruf. Früher war es so, dass wenn jemand Erlaubnis für das Bettgitter erteilte oder gerichtlich angeordnet bekam, konnten wir das Gitter hochziehen, bei freiwilliger Unterschrift war diese Maßnahme durch den Bewohner selbstverständlich jederzeit widerrufbar. Bei Anordnung durch das Gericht haben wir sogar Ärger bekommen, wenn das Bettgitter nicht hochgezogen war.
Wir fragen uns jetzt, wozu diesen Dokumentationsterror?
So eine richtige Antwort kriegt man letztendlich nicht. Der Arbeitgeber sagt, die Ämter wollen das halt so!
Die anderen sagen, es gilt der Text der gerichtlichen Anordung oder bei freiwilliger Unterschrift, der Wille des Bewohners.
Wenn mir einer mal echt erklären könnte, dass es sinnvoll ist, könnte ich mich abfinden. Aber wir denken, unser AG weiss es selber nicht genau und die wollen nur vorsichtshalber keine Fehler machen und deswegen müssen wir jede Bewegung niederschreiben.
Im Nachtdienst artet das echt in Terror aus, wir verbrauchen da soviel Zeit und dann das Ringbuchmitschleppen.
Wir ist das in anderen Häusern?
Lieben Gruss
Tatzenliebhaberin
 
Morpheus

Morpheus

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B

bradon

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Hallo Tanzlienhaberin,

ich kan Dir recht geben dass das ganze sehr verzweifelnt ist. Du hast auf der einen Seite die gestzlichen Bestimmungen und auf der anderen Seite das Versorgungsamt und beide Aussagen passen nicht zusammen.
Das die Leitungen manschmal selber nicht wissen, wie man darauf reagieren soll ist natürlich verständlich.
Ich werde Dir in dieser Sache auch keinen Rat geben können, weil ich diese Situation sehr gut können inbs. das Versorgungsamt aus Frankfurt!!! ( Muss mich als PDL mit denen auseinandersetzen).
Das Versorgungsamt aus FFM ist bei den Kontrollen besonders streng und das macht die Sache komplizierte als in den anderen Städten.
 
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chaosnicki

chaosnicki

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25335
Also bei uns ist das noch nicht so, aber gut, dass ich weiss, worauf ich mich schon mal einstellen kann...:spinner:
"Doku-Terror", da hast die passende Definition gefunden :grin:

LG Chaos
 
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stupanka

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Hallo,ich halte diese Dokumentation schlichtweg für blödsinn.
Dabei spreche ich ausschliesslich von der Tatsache,dass ich dokumentieren soll,wenn ich ein Bettgitter herunter lasse zu Pflegetätigkeiten.Das versthet sich ja wohl von selbst.
Um diesem Mist aus dem Weg zu gehen würde ich dies in der PP vermerken.
Also,dass zu pflegerischen Tätigkeiten das Bettgitter herunter gelassen wird und sofort im Anschluss wieder hoch gemacht wird.Die Häufigkeit lässt sich dann ja aus den Durchführungskontrollen ersehen.

Manchmal muss man doch echt die Sinnhaftigkeit solcher Anforderungen in Frage stellen.

Lg stupanka
 
Qualifikation
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S

solojess

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17.04.2006
65614
Hallo,
so unsinnig finde ich die Dokumentation gerade im Bereich der FeM nicht.

Überlegt doch bitte mal, ein Beschluß besagt doch lediglich dass du falls erforderlich das Bettseitenteil hoch machen darfst.

Jetzt kannst du aber durch deine Dokumentation genauso gut darlegen, dass für einen bestimmten Zeitraum auf einmal keine FeM mehr erforderlich ist.

MAn darf nicht davon ausgehen, einmal Beschluß.....

Im Vordergrund sollte auch immer der Versuch stehen, so wenig wie möglich FeM zu verwenden und das kannst du nur beweisen in dem du dokumentierst.

Im übrigen wenn der MDK eine solche genaue Dokumentation fordert, kommst du sowieso nicht drum herum.

Wir dokumentieren zum Beispiel in der PP , dass zu bestimmten Verrichtungen, z.B. nachts die FeM unterbrochen werden, dass erspart uns, dass wir jede Lagerung , Inkoversorgung bei der wir die FeM unterbrechen, noch mal in einem extra Dokument eintragen müssen und der MDK hat da bei uns nichts zu bemängeln gehabt.


LG solojess
 
Qualifikation
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Weiterbildungen
PDL
QB
Studium "Pflegemanagement"
A

Anemone

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20.03.2003
76115
Hallo

wir betreiben dass in unserer Einrichtung folgendermaßen: Wir benutzen ein Formblatt zur berechtigung einer freiheitsentziehender Maßnahme mit folgender Schreibweise:

Name des Bwohners:

Art der Maßnahme:

Durchführung der Maßnahme:

Erklärung am Beispiel Bettgitter: Der ... ist vor dem unwillkürlichen Herausfallen aus dem Bett geschützt. Eine willentliche Überwindung des Bettgitters bleibt bestehen.

Dauer der Maßnahme:

Unterschrift Betreuer/ Bewohner
Unterschrift Hausarzt
Unterschrift PDL
Unterschrift stellv. PDL

Die Maßnahmen sind für max. 1 Jahr festgelegt.
Eine gesonderte Dokumentation der Maßnahme findet nicht statt.
Wir hatten Mitte August eine MDK Prüfung und die hatten nichts zu beanstanden!
Natürlich haben wir diese Art der Dokumentation auch mit unserem zuständigen Amtsrichter abgesprochen.
Unangemeldete Prüfung???
MfG Anemone
 
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S

stupanka

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Hallo,ich halte die Dokumentation ja auch nicht grundsätzlich für übertrieben,allerdings bei Bewohnern wo das Bettgitter regelmässig zur Nacht hochgezogen wird,da halte ich es für übertrieben,denn dass ich nicht über das Bettgitter springe um zu pflegen ist doch wohl klar.

Die Fragstellung bezog sich nicht auf die Frage ob zuviel fixiert wird,oder ob man versuchen sollte sowenig wie möglich zu fixieren,ich denke das sollte doch jedem bewusst sein.

Die Form der Anordnung,kann,soll,muss spielt ja auch noch eine grosse Rolle.

Und nur weil der MDK soetwas fordert,wäre ich die Letzte die,wenn eine Anordnung unsinnig erscheint,nicht versucht etwas entgegen zu setzten.
Sei es auch nur,wie oben beschrieben,solche Anordnungen so anzupassen,dass sie nicht ins uferlose gehen.
Könnte man echt ein Hobby draus machen.

Lg stupanka
 
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W

Wuschi63

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28.06.2006
74850
Hallole allesamt,

habe erst letzte Woche von unserem Amtsgericht die Info erhalten, daß alle Bew. , die das Bett nicht selbst verlassen können, auf Grund von Immobilität, usw, keine richterliche Genehmigung brauchen. Selbst wenn sie wollten, könnten sie ja nicht.

MfG Heidrun
 
Qualifikation
Altenpflegerin/PDL
Fachgebiet
stat. Altenpflege
M

ms-sophie

Aktives Mitglied
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14.03.2007
Mannheim
Hallo Heidrun,

ich war erst vor kurzem auf einem Seminar bzgl. der Freiheitsentziehenden Massnahmen. Dort hat der sprechende Richter selbst bemängelt, dass jedes Gericht anders entscheidet. Es gibt sogar Gerichte die Bettseitenteile nur im Zusammenhang mit Bauchgurt beschliessen, da die Gefahr dass der BW drüber klettert und fällt gegeben sein könnte.


Bei uns im Haus ist es so, es gibt für alle FeM richterliche Beschlüsse bzw. da wo die Bw noch selbst enscheiden können ist dies dokumentiert.

Ist eine FeM nicht mehr notwendig, genügt eine kurze Notiz an das Amtsgericht und dann kommt ein Schreiben, dass der Beschluss aufgehoben wurde.

Gruss sophie
 
Qualifikation
QM
Fachgebiet
ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
Morpheus

Morpheus

Mitglied
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06.10.2006
45897
Hallo Heidrun,

kann hier nur MS-Sophie zustimmen, jedes Amtsgericht legt diese Freiheitsentziehenden Maßnahmen anders aus. Auch die Aussage "wer nicht Weglaufen kann darf OHNE Beschluss auch im Bett "fixiert" werden" ist fragwürdig. Es geht ja hier um Persönlichkeitsrechte, die auch nach "Außen" hin wirken. Eine pauschale Aussage hier zu finden wäre sicherlich für ALLE Pflegekräfte sehr hilfreich, aber die Erfahrung zeigt, das wir darauf wohl nicht warten sollten !!!

Im Krankenhaus gab es diese Diskussion auch auf der Intensivstation, ...
Der Patient ist im "künstlichem Koma" Dormicum/Fentanyl Intubiert und Beatmet, der kann ja gar nicht weg, also darf ich ihn Fixieren, dies geschah meistens zur Sicherung der "Zugänge/Ableitungen" also zum Eigenschutz, aber nichts desto trotz hat auch hier jeder MEnsch das Recht diese Zugänge/Ableitungen sich zu entfernen. Und wenn dies verhindert werden soll MUSS nach 24 Stunden ein Richterlicher Beschluss zur Fixierung vorliegen ansonsten ist diese Fixierung RECHTSWIDRIG. Dieses Problem werden Mitarbeitrer/innen auf Sucht / bzw Entzugsabteilungen sicherlich bestätigen.

Fazit: Verlasst Euch nicht auf diese jetztige Aussage (diese sollte aber zumindest schriftlich vorliegen) und bedenkt das Richter auch beruflich wechseln. Wenn nun jemand klagt kann man sich nicht auf diese Entscheidung berufen. Und schon habt Ihr ein Problem. Also Richterlichen, schriftlichen Beschluss ist die sicherste Entscheidung.
 
Qualifikation
RA; GuK (A+I), QMB, MPG-Beauftragter, Dozent im Gesundheitswesen
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