Fragwürdige Verwissenschaftlichung durch Elaborisierung

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chrodechilde

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Ich beobachte in der Pflege einen unangenehmen Trend. Um von der Öffentlichkeit möglichst hochkompetent wahrgenommen zu werden, wird alles was man kurz und effektiv formulieren könnte bis zur Lächerlichkeit aufgeblasen mit möglichst vielen Fremdwörtern versehen. Und das ganze muss natürlich auch noch politisch korrekt und Gender Mainstream sein.

Wenn ich da an den Expertenstandart Dekubitus denke oder so mache Verfahrensanweisung stehen mir die Haare zu Berge.

Man könnte auch eine Dienstanweisung zum anspitzen eines Bleistiftes herausgeben und daraus eine wissenschaftliche Abhandlung machen.

Es wäre ja alles nicht so schlimm, wenn damit nicht so unglaublich viele Ressursen an Geld und Arbeitskraft verloren gehen würden.

Stellt euch mal vor, man würde statt all dieser Wortakrobaten echte Pflegekräfte einstellen.

Von der Bevölkerung und den Medizinern werden wir für diese Art „Wissenschaft“ statt Anerkennung jedenfalls höchstens ein liebevoll mitleidiges lächeln ernten.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Neurochirurgische Wachstation
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Chef de Saucier

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AW: Fragwürdige Verwissenschaftlichung durch Elaborisierung

:verknallt kann ich eine schöne Anekdote erzählen... Eine ehemalige Kollegin von mir - absolvierte berufsbegleitend ein Studiem der Pflegewissenschaften - kam einmal freudestrahlend zum Dienst. Nach Tagen der Recherche hat sie endlich einen wissenschaftlichen Beweis in Form eines Aufsatzes gefunden, der den Nutzen von Butter und Honig zur Mundpflege eindeutig bestätigt:laughing::laughing::laughing:

Leider war der Urheber ein Spaßvogel und die zitierten Quellen der Studie waren frei erfunden.

Vielleicht hat man ja innerhalb der Pflege, jeden Tag muss man das gleiche wieder und wieder machen, dass Gefühl etwas bleibendes Geschaffen zu haben. Man schreibt etwas auf, Heftet es ab, das Ganze hat eine vergleichsweise lange Halbwertszeit und endlich einmal kann man eine Aufgabe endgültig abschließen :kopfkratz:.

Gruß CdS
 
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traveler

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Kaufbeuren
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AW: Fragwürdige Verwissenschaftlichung durch Elaborisierung

Ja süss,
viele Leute haben auch nach der Steinlaus geforscht oder
nach dem ich glaube das hies boxing twin syndrom aus dem Pschyrembel.

Spricht aber nicht pers se gegen eine Wissenschaft in der Pflege - oder?

Leichtgläubige Menschen gibts in jedem Berufszweig, sowie studierte Dödel.
 
Qualifikation
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Fripi

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AW: Fragwürdige Verwissenschaftlichung durch Elaborisierung

Die Heulerei um die verrückten Pseudowissenschaftler kann ich zwar nachvollziehen, aber halte sie für genauso unproduktiv wie das Problem selbst.

Klar ist es nervig wenn jemand meint durch die etablierung einer eigenen Fachsprache alles besser zu machen und dann so tut als sei "Caringassoziertes handeln bei Copingstrategieentwicklung" besser als "Pflegerische Unterstützung bei der Verarbeitung" - allerdings ist das so armselig das da ja nun jeder nur noch milde lächelt, will ich mal hoffen. Andererseits haben wir wohl viel größere Probleme als die Pseudowissenschaftler, die tun keinem weh und in den seltensten Fälen würden tatsächlich Pflegestellen frei wenn man die "Wortakrobaten" einspart (Die mEn meistens eh häufiger verbale vollpfosten sind, sonst könnten sie sich anständig ausdrücken).

Trotzdem ist die auseinandersetzung mit grundlegenden Pflegerischen Tätigkeiten dringend notwendig, die Datenlage ist ot noch so dünn das selbst einfache Pflegehandlungen Axiomatisch behandelt werden müssen anstatt klar differenziert betrachtet werden zu können.

Einfach alle Pflegewissenschaft für unzureichend zu erklären ist eben genauso kurzsichtig wie manche Pflegewissenschaftler...

lg, Nils
 
Qualifikation
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Fachgebiet
Humanitäre Hilfe
Weiterbildungen
Algesiologische Fachassistenz
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Chef de Saucier

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AW: Fragwürdige Verwissenschaftlichung durch Elaborisierung

Spricht aber nicht pers se gegen eine Wissenschaft in der Pflege - oder?
Für wichtig halte ich das auf jeden Fall. Manche Handlung in der Pflege, z.b. bezüglich der Hygiene, beruht allein auf logischen Rückschlüssen - Annahmen - Vermutungen. Würde man das wissenschaftlich untersuchen, dann könnte man ggf. mehr über den tatsächlichen Sinn einer Handlung Aussagen. Manchmal kann man aber mit einem fehlenden Nachweis arbeiten indem man Handlungen ablehnt, da der Nutzen nicht nachgewiesen ist. Bsp:
Lagerung: rechts - Rücken - links - Rücken usw * genauso effektiv wie Rücken - links - Rücken - links ...

Gruß CdS
 
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