Fragen zu Thrombolyse_ Wer kann mir helfen??

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ciaobella

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Hallo an alle Stroke Unit -Pfleger/Schwestern :wink:

zur Zeit schreibe ich an meiner Hausarbeit im Rahmen meiner WB Stroke Nurse. Ich arbeite auf einer lokalen Schlaganfalleinheit, die erst seit wenigen Monaten die Lysetherapie durchführt (zuvor auf Intensiv). Deshalb hab ich das als ein geeignetes Thema für meine Station ausgewählt. Jetzt habe ich ein paar Fragen dazu. Manche werden vielleicht denken "das ist doch logisch", dennoch möchte ich meine Gedanken durch euch bestätigen. Es gibt kaum Quellen zum Thema Pflege bei Lyse.

1. Wird eine Thrombolyse durchgeführt auch wenn der Pat. eine offene Wunde z.B. Kopfplatzwunde hat ? Falls ja, reicht ein Druckverband aus und gut ist ?

2. In Anbetracht der äußerst kurzen Halbwertszeit v. Actilyse -> ist dabei folgendes tatsächlich notwendig?:
- 24 Std. eingeschränkte Bettruhe (Aufstehen nur zur Toilette)
- 24 Std. auf Zähneputzen und Nassrasur verzichten
- 24 Std. keine s.c. Injektion, Insulingabe über Perfusor
- 24 Std. kein DK oder Magensonde

3. RR 10-minütig oder ist das zu engmaschig ? Wie sind eure RR-Intervalle? Und wie sind eure RR Grenzen (185/110 mm/Hg?) ?

4. Pupillenkontrolle/Hirndruckzeichen 10-minütig ?

5. Welche Skalen verwendet ihr in der Pflege: NIH-SS oder andere ?

6. Wie führt ihr die Gewichtseinschätzung durch, wenn nicht gewogen werden kann ?


Könnt ihr mir weiterhelfen??

Vielen Dank :thumbsup2:
Gruß
ciaobella
 
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Fleschor_Max

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QAW: Fragen zu Thrombolyse_ Wer kann mir helfen??

Es gibt kaum Quellen zum Thema Pflege bei Lyse.
Gibts ja auch noch nicht so lange die Geschichte. Bei Herzinfarkt wird schon etwas länger lysiert, vllt. findeste da noch Infos.
1. Wird eine Thrombolyse durchgeführt auch wenn der Pat. eine offene Wunde z.B. Kopfplatzwunde hat ? Falls ja, reicht ein Druckverband aus und gut ist ?
Klar. Man hat ja jederzeit die Möglichkeit EKs zu geben. Neuronen haben wir aber nicht vorrätig ;).

Es gibt ein paar harte Kontraindikationen, beim Blutdruck z.B.. Aber prinzipiell ist im Sinne eines individuellen Heilversuchs bei uns vieles möglich. Wir lysieren auch die 94jährigen, obwohl eigentlich bei 80 Schluss sein sollte.
2. In Anbetracht der äußerst kurzen Halbwertszeit v. Actilyse -> ist dabei folgendes tatsächlich notwendig?:
- 24 Std. eingeschränkte Bettruhe (Aufstehen nur zur Toilette)
- 24 Std. auf Zähneputzen und Nassrasur verzichten
- 24 Std. keine s.c. Injektion, Insulingabe über Perfusor
- 24 Std. kein DK oder Magensonde
Wenn Lyse gegeben werden soll, wird bei uns in dem Augenblick automatisch ein DK gelegt, während die Lyse schon anläuft.
In einem gewissen Prozentsatz, der nicht gering ist, werden sie dann auch noch intubiert und in die Angio geschoben zur lokalen Lyse. Dann brauchen sie den DK eh, und wer ihn nicht mehr braucht, bekommt ihn am nächsten Tag wieder gezogen.

Nachdem die Lyse gelaufen ist, würde ich ihn bei nem Mann erstmal nicht legen in den ersten 24h, bei einer Frau schon. Das Blutungsrisiko ist bei ner Frau einfach viel geringer.
(bzw. ist immer eine Abschätzungsfrage. Wenn mir der Patienten halb ausm Bett springt wegen Harnverhalt, oder ich brauch ne Stundendiurese, dann muss man ja trotzdem was tun)

Wenn ich dem Patienten erst einen ZVK legen müsste um Insulin laufen zu lassen, weil er zu schlechte Venen für weitere Flexülen hat und die Flexülen alle schon prall belegt sind, dann ist es wohl sinnvoller ihm die s.c.-Injektion zu geben. Hämatothorax ist sicher das größere Risiko als ne Einblutung in die Haut ;).

Ich erlebe jetzt ziemlich viele Lysen seit >zwei Jahren, Blutungen hab ich noch nie als große Komplikation erlebt. Klar, es matschen irgendwelche Verbände durch, und die Patienten bekommen schneller blaue Flecken, aber am Ende nehmen wir das ziemlich gelassen. Das geht ja alles wieder weg und lässt sich behandeln.
Auf Nassrasur kann man wirklich verzichten.

Soweit ich die Studienlage kenne, ist das Risiko von bedrohlichen Blutungen sehr gering.

EDIT: Du musst bedenken, auch Patienten mit völlig verhunzter Gerinnung wegen hämatologischem oder hepatischer Erkrankung bekommen ja s.c.-Injektionen, putzen sich die Zähne, dürfen aufstehen und rumlaufen. Da muss man auch die Kirche im Dorf lassen.[/EDIT]
3. RR 10-minütig oder ist das zu engmaschig ? Wie sind eure RR-Intervalle? Und wie sind eure RR Grenzen (185/110 mm/Hg?) ?
15minütig bei uns. RR-Grenze systolisch 100-200mmHg. Ist ja ein Schlag, soll ja ordentlich durchblutet werden.
4. Pupillenkontrolle/Hirndruckzeichen 10-minütig ?
Das ist völlig übertrieben. Selbst bei Patienten die eine Hirnblutung haben schaut keiner alle 10min rein. 1x/h Pupillen reicht aus, wir machen dann relativ schnell auch eher alle 2-3h. Weil wie gesagt das Risiko von schweren Hirnblutungen nicht sehr hoch ist.

Wer richtig schnell blutet, den retteste auch nicht mit 10minütigen Kontrollen. Und einen steigenden Hirndruck merkste durch die Autoregulation auch am steigenden Blutdruck, und an der Vigilanz.
5. Welche Skalen verwendet ihr in der Pflege: NIH-SS oder andere ?
Machen bei uns die Assistenzärzte. NIH.
6. Wie führt ihr die Gewichtseinschätzung durch, wenn nicht gewogen werden kann ?
Ohne Wiegung passiert bei uns nichts. Wir haben einen Eingriffs-Aufnahmeraum/ aka Lyse-Lounge mit Waage, und noch eine Ersatzwaage im Lager, die wir auch direkt in den Zimmer unter die Betten packen können.
Könnt ihr mir weiterhelfen??
Ich kann dir keine Belege für oder gegen unsere Vorgehensweise geben. Es gibt da AFAIK schlicht bisher keine ausreichende Studienlage.

Was ich dir aber aus Erfahrungswerten von neurologischer und auch von neurochirurgischer ITS versichern kann: 1x/h Pupillenkontrolle ist völlig ausreichend, und für die meisten neurologischen Patienten ist auch alle 2Std in Ordnung.
Man sollte aber, und nur dann funktioniert das natürlich, in der Lage sein, auch kleine Pupillendifferenzen sicher zu erkennen. Aber so schwer ist das ja nicht. Im Zweifel holt man sich einen Kollegen und lässt den nochmal schauen.

Anders siehts natürlich aus, wenn die Bildgebung eine akute Einklemmungsgefahr zeigt, da kann man auch mal halbstündlich schauen, das ist aber bei Lysepatienten eher nicht der Fall, sondern eher bei denen die keine bekommen.

Ich denke wir lysieren so ca. 200 Patienten im Jahr, aber das jetzt nur mal grob ins Blaue geschätzt.
 
ciaobella

ciaobella

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AW: QAW: Fragen zu Thrombolyse_ Wer kann mir helfen??

Danke Fleschor_Max für deine super ausführliche Antwort :super:

Interessant, wie unterschiedlich doch so manche mit Lyse umgehen. Eine Freundin von mir arbeitet in einer bekannten Uni Klinik, dort wird sogar eine 5 minütige Pupillenkontrolle während der Lyse sehr ernst genommen. Was sich für mich persönlich auch etwas übertrieben anhört. Aber wie gesagt, die Kontrolle so engmaschig nur während der 1 Std. während die Lyse läuft.


Soweit ich die Studienlage kenne, ist das Risiko von bedrohlichen Blutungen sehr gering.
Um genau zu sein 1,7 %. Aber das ist Ansichtsache ob das viel oder wenig ist. Andere kleinere Studien ergaben eine höhere Rate. und nur weil eine große Studie von vielen tausenden Patietnen ein besseres Ergebnis ergab, würde ich mich da nicht so drauf ausruhen... 2 von 100... ist Ansichtssache. Aber wie du schon gesagt hast, die Praxis spricht nochmal was anderes. Du hast da mehr Erfahrung.


15minütig bei uns. RR-Grenze systolisch 100-200mmHg. Ist ja ein Schlag, soll ja ordentlich durchblutet werden.
Klar, bei einem Schlaganfall ohne Lyse tolerieren wir oftmals auch bis 210 syst.
Aber WÄHREND die Lyse läuft RR bis 200 syst.?? Uff... :verknallt


Ohne Wiegung passiert bei uns nichts. Wir haben einen Eingriffs-Aufnahmeraum/ aka Lyse-Lounge mit Waage, und noch eine Ersatzwaage im Lager, die wir auch direkt in den Zimmer unter die Betten packen können.
Ne Lyse-Lounge... Coool... Und so ne Bettwaage hätt ich auch gern, genial :eek:riginal:

Wünsch dir nen schönen Tag/ruhigen Dienst
Gruß ciaobella
 
F

Fleschor_Max

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AW: QAW: Fragen zu Thrombolyse_ Wer kann mir helfen??

Interessant, wie unterschiedlich doch so manche mit Lyse umgehen. Eine Freundin von mir arbeitet in einer bekannten Uni Klinik, dort wird sogar eine 5 minütige Pupillenkontrolle während der Lyse sehr ernst genommen. Was sich für mich persönlich auch etwas übertrieben anhört. Aber wie gesagt, die Kontrolle so engmaschig nur während der 1 Std. während die Lyse läuft.
5 minütlich? Damit ich kann ich alte verwirrte Patienten, die im Zweifel feste die Augen zukneifen, an den Rand des Wahnsinns treiben, was während einer Lyse jetzt nicht so der Bringer ist. Ich hab doch nicht nur die Pupillen um den Patienten einzuschätzen. Vigilanz, Blutdruck, Puls, Atmung, das gibt auch Infos. Wir sind auch eine Uni, man müsste mal das Outcome vergleichen.
Aber wie du schon gesagt hast, die Praxis spricht nochmal was anderes. Du hast da mehr Erfahrung.
Es gibt sicher so eine Rate von Patienten mit Nachblutung in das Infarktgebiet. Aber die Größe der Blutung ist in den meisten Fällen so gering, dass du die erst am nächsten Tag in der Kontrollbildgebung siehst, und niemals in den Pupillen.

Und dann würde auch keiner bei so ner Blutung intervenieren, und da es Infarktgewebe betrifft, hat man da auch keine weiteren Schädigungen.
Interveniert wird bei Blutungen eh meist erst bei Vigilanzveränderungen, vorher Blutdrucksenkung und Beobachtung. Und für Vigilanzbeobachtung brauchste nicht leuchten.
Ne Lyse-Lounge... Coool... Und so ne Bettwaage hätt ich auch gern, genial :eek:riginal:
Die Teile sind echt toll, brauchste nur das Bett auf die vier einzelnen Waagen draufrollen und beim Umbetten haste automatisch das Gewicht. Frag doch mal lieb, vllt. bekommste sowas.

Am skurilsten fände ich es natürlich 5minütlich zu leuchten, und dann das Gewicht aber nur zu schätzen ;).
 
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