Allgemeinchirurgie Fragen einer Patientin

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Monsti

Monsti

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02.07.2005
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Hallo zusammen,

zwar ist's mir etwas peinlich, hier den ersten Beitrag zu schreiben, aber meine Fragen brennen mir schon lange auf der Zunge:

Am 22.01.2004 wurde bei mir in der Uniklinik Innsbruck wegen Morbus Hirschsprung/IND eine subtotale Kolektomie mit S/E Ascendo-Rektostomie durchgeführt.

Schon am übernächsten Morgen entleerte sich im Schlaf grauschwarzer Stuhlgang, worauf ich lediglich den verärgerten Kommentar der Schwester hörte, dass ich das nächste Mal doch bitte rechtzeitig läuten möge, wenn ich auf's Klo muss.

Bei der Säuberung unter Mithilfe der Schwester wurde ich angeschnauzt, ich möchte doch bitte nicht so krumm dastehen, schließlich sei ich nicht die erste Patientin mit einem großen Bauchschnitt.

An diesem Tag lagen meine Leukozythen bereits bei 1400 und mein crP-Wert bei über 50 mg/dl. Am Nachmittag bekam ich Schüttelfrost und hohes Fieber. Man verabreichte mir ein fiebersenkendes Mittel, und ich schlief ein. Kurz darauf war mein Bett wieder voll mit der grauschwarzen Brühe. Ich schleppte mich zum Bad und nahm mir eine der dort deponierten Windeln, da ich ärgerlicherweise keinerlei Kontrolle über diese Stuhlabgänge hatte.

Am nächsten Morgen sollte ich mich auf die Waage stellen. Ich stellte fest, dass ich 7 kg mehr wog, als vor der Aufnahme in der Klinik (und das nach 7 Tagen nur leeren Suppen und täglich 3 l KleanPrep zur Darmreinigung). Den gerade mit den Betten beschäftigten Schwestern sagte ich, dass da etwas nicht stimme, ich hätte 7 kg zugenommen. Die meinten nur: 55 kg? Seien Sie doch froh, so ein geniales Gewicht zu haben! Hätte ich gerne. Als ich sagte, noch nie in meinem Leben soviel gewogen zu haben, hörten sie schon nicht mehr zu.

Wenig später erfolgte die morgentliche Waschung im Bad. Die anwesende Schwester riss mir entsetzt die Windel weg und meinte, so gehe das aber nicht, ich müsse schon mal ein bisserl den Schließmuskel trainieren (das nach einer Woche KleanPrep!!!). Ich war mit meinen Nerven am Ende, weil mir noch während des Gesprächs die schwarze Soße an den Beinen herunter lief. Ich sagte, dass ich keinerlei Stuhldrang hätte, es liefe einfach. Die Schwester: "Reden Sie doch keinen Schmarrn, lassen Sie sich nicht so gehen." Ich setzte mich auf's WC und sagte der Schwester, sie möge mich jetzt doch bitte in Ruhe lassen. Kaum war sie wieder draußen, holte ich mir eine neue Windel aus dem Regal und ging ins Bett.

Am späten Nachmittag bekam ich erneut Schüttelfrost. Inzwischen war mein Mann da, der die Leuts wohl ziemlich aufgemischt hatte. Jedenfalls rückte man plötzlich mit einem mobilen Ultraschallgerät an und untersuchte. Gleich darauf erfolgte eine Pigtail-Drainage, bei der sich fast 8 l eitrig-kotige Flüssigkeit entleerten. Zu diesem Zeitpunkt lag ich bereits im Koma. Noch in der Nacht wurde ich notoperiert: Es wurde der Rest des bereits nekrotischen Dickdarms, der terminale Dünndarm und ein Großteil des Rektums entfernt sowie ein endständiges Ileostoma angelegt.

Diagnose: 4-Quadranten-Peritonitis mit Sepsis aufgrund einer Anastomoseninsuffizienz. Kurze Zeit später auch noch Pneumonie. Das Weitere war nicht sonderlich spaßig, wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt.

So, nun endlich zu meinen Fragen:

Ich hatte vorher keinerlei Erfahrungen mit großen Bauch-OPs, aber trotzdem recht schnell das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt. Es ging mir die ganze Zeit sowohl körperlich wie auch psychisch ziemlich besch****, war aber nicht in der Lage, meine Probleme sachlich und wohlformuliert so rüberzubringen, dass es von den Pflegekräften wahrgenommen und dokumentiert wurde. Weder wollte ich als Jammerpatientin dastehen, noch wollte ich, dass man meine Sorgen und Probleme einfach ignoriert. Die Pflegekräfte, die nach der zweiten OP plötzlich sch***freundlich und nervig überbemüht waren, hatten später zugegeben, mich die ganze Zeit nicht ernst genommen zu haben - abgehakt unter "einkotende Jammerpatientin".

Was hätte ich tun sollen bzw. wie hätte ich's rüberbringen sollen, damit meine Anliegen wahrgenommen werden? Wo lag mein Fehler? Wie seht Ihr das aus pflegerischer Sicht? Worauf achtet Ihr? Schaut Ihr auf Laborergebnisse? Wird sowas bei Übergaben oder in anderen Situationen besprochen? Hätte bei zeitigerem Eingreifen das Krankheitsbild harmloser verlaufen können?

Ich frage das weniger für mich selbst (hab's ja überlebt :wink: ), sondern deshalb, weil ähnliche Katastrophen leider immer wieder passieren. Mich interessiert, woran es da konkret immer wieder hapert. Aus meiner Sicht ist es primär die Kommunikation und Wahrnehmung des Pflegenden, dann aber natürlich auch die Dokumentation. Wie ist da Eure Sicht?

Bitte haut fleißig in die Tasten!

Dankeschön Grüßle von
Angie
 
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Pflege mich überwiegend selbst (Psoriasispolyarthritis, Kurzdarmsyndrom, endständiges Ileostoma, Rektumamputation 2007, schwerer Verwachsungsbauch)
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Nachtschwärmerin

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26.07.2006
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Hallo liebe Angie,

erst mal muß ich dir sagen das ich schockiert bin von soviel ignoranz, die du dort erlebt hast!!!
so etwas kenne ich persönlich nicht.
Spätestens bei den laborwerten, bzw. dem vermehrten untypischen Stuhlgang muss!!! man in aktion treten und Massnahmen ergreifen!

Die Op hättest du denke ich eh mitmachen müssen, aber das trara drumherum hätte dir erspart bleiben können.

ich finde es auch schrecklich, das wegen so Erlebnissen das Bild unseres Berufs so ins schlechte Licht rückt!

Es liegt immer nur an einzelnen, bzw. an einem Team, was sich an einem orientiert, um einfach nur mit zulaufen.

ich freue mich für dich, das du es so Gut überstanden hast, bin aber entsetzt darüber. das es so etwas wirklich gibt!

hatte heute selbst einen halben Notfall, und da ging es " nur " um einen halb gezogenen geblockten DK, der in der Harnröhre feststeckte und Schmerzen, RR-Abfall ect. mit sich bringte!

Also Fazit:
Bei uns wird jeder Pups ernst genommen, alles notiert und zur Not 5X angesehen/ kontrolliert.

Einen Lieben Gruß aus dem odenwald sendet dir
NS
 
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Rosi S.

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14.12.2005
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Is ja Irrsinn, das soll und darf NICHT vorkommen. Das muss doch einer bemerkt haben, dass da was nicht stimmt. Da gibts wenig zur Entschuldigung zu sagen. :mad_2: Natürlich hätten auch die Ärzte was merken müssen, aber wir Schwestern sind am nächsten am Pat. dran und da müssen wir beobachten. Und eigentlich wird sowas natürlich bei Übergabe weitergegeben und auch dokumentiert. Keine Ahnung was da los war. Wir sind alle nur Menschen, O.K.
Ich denke nicht, dass Du einen Fehler gemacht hast. Natürlich werden die Hartnäckigen Pat. am wenigsten überhört, aber nach so einer OP hat man ja auch nicht alle Kräfte beieinander und ist eben auf die Kompetenz des Pflegepersonals angewiesen!!!!
Monsti liebe Grüße mal wieder aus Bayern(siehst ich hab Dich gefunden):wink:
 
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Monsti

Monsti

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02.07.2005
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Liebe Nachtschwärmerin,

nicht dass ich falsch verstanden werde: Mein Posting soll keineswegs das Pflegepersonal niedermachen. Wäre auch wirklich unangebracht, da ich überwiegend sehr gute Erfahrungen gemacht habe - sogar an der Innsbrucker Klinik. Nur in diesem besonderen Fall war wohl einiges schief gelaufen, und ich wüsste halt gerne, was der Grund war und wie man so etwas verhindern kann.

Dass eine Anastomoseninsuffizienz von keiner Pflegekraft der Welt und auch keinem Arzt verhindert werden kann, weiß ich natürlich auch. Evtl. hätte die anschließende Lungenentzündung vermieden werden können ... keine Ahnung. Auf jeden Fall wären eine Menge Frust und Selbstzweifel verhindert worden. Ich fühlte mich damals wirklich total hilflos ausgeliefert und quasi wie selbst schuld an meinem Elend. Das verfolgt mich bis heute, besonders dann, wenn ich mal wieder (wie gestern) ähnliche Erfahrungen von anderen Patienten mitkriege.

Mein Mann hatte mir mit seiner damaligen Initiative vermutlich das Leben gerettet. Nun mal die konkrete Frage: Wie empfindet Ihr es z.B., wenn sich der Lebensparter oder die Eltern in eine Versorgung einklinken und bestimmte Forderungen stellen? Ich meine, Ihr Pflegenden seid ja zwangsläufig an vorderster Front, d.h. Ihr kriegt ca. 95% von dem ab, was Patienten und Angehörige beschäftigt.

Neugierige Grüße von
Angie
 
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Rosi S.

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14.12.2005
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Tja manche Angehörige sind sicher schwierig aber halt meistens, wenn sie zu wenig informiert sind. Es lässt sich viel mit Reden aus der Welt schaffen. Angehörige verstehen unsere Vorgehensweise manchmal nicht, aber wenn man es ihnen erklärt, hat man meistens weniger Probleme. icher gibt es da wie überall im Leben solche und solche Menschen.
Bei Kindern ist wohl hoffentlich klar, dass die eltern sich einmischen dürfen und sollen!! Das sind ja ihre Kinder! Natürlich will man für die das beste, aber auch da gilt( zumindest für mich) Info ist die beste Methode gegen Mißverständnisse.
 
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Monsti

Monsti

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02.07.2005
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Okay, Rosi,

das sehe ich ein. Habe gerade kürzlich im KH erlebt, dass ein Ehepartner ständig intervenierte, was nicht nur für das gesamte Pflegepersonal absolut nervtötend war. Auch wir Patientinnen im Zimmer rollten nur mit den Augen, weil seine Anliegen, die er sehr wortreich und lautstark von sich gab, auch für uns mehr als lächerlich waren. Werdet Ihr denn auf solche Situationen hin irgendwie geschult? Gibt es bestimmte Tricks, die ein Differenzieren ermöglichen, oder müsst Ihr Euch auf Eure Erfahrung und Menschenkenntnis verlassen?

Liebe Grüße von
Angie
 
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Antje1970de

Antje1970de

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04.01.2007
56355
Hallo Angie,
es entsetzt mich immer wieder sowas zu hören - obwohl - eigentlich leider auch wieder nicht.
Habe selbst als Krankenschwester eine eigene lange Krankengeschichte und auch um mich herrum bin ich diesbezüglich voll eingespannt.
Gott lob habe ich noch nie einen solchen extremen Fall bemängelt, aber auch ich gehöre zu den nörgelnden Patienten und Angehörigen.
Und leider finde ich, es wird zuviel erwartet vom Pflegepersonal, so daß viele einfach auf Durchzug schalten um ihre normale Arbeit überhaupt schaffen zu können und zusätzliche Probleme einfach nicht meistern können.
So traurig das auch ist.
Tut mir sehr leid für dich, gerade bei der Krankengeschichte würde es mir verständlicherweise sehr schwer fallen da noch Nachsicht aufzubringen.
Zum Glück ist es gut gegangen.
Weiterhin gute Besserung und alles Gute
 
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OP/Endoskopie
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Rosi S.

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14.12.2005
München
So richtig geschult werden wir da leider nicht:sad: , was aber bestimmt auch sinnvoll in dem Sinne wäre, dass wir die Pat. ja zunehmend als Kunden sehen sollen. Wie immer man diese Entwicklung auch beurteilen soll.
Ich gebe schon zu, dass man manchmal genervt ist, aber man darf das die Pat.und die Angehörigen nicht merken lassen. An manchen Tagen kann man damit gelassener umgehen, an manchen Tagen geht es einem schon an die Substanz. Besonders ungerechtfertigte Kritik, da fühle ich mich immer persönlich angegriffen, besonders, wenn man eh bemüht ist, wirklich das beste zu geben. Man darf den stress nebenbei auch nicht vergessen. Und angehörigengespräche sind nunmal auch sehr zeitaufwendig! Aber immer noch besser als:motzen: oder :ignore: .
 
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Krankenschwester, PA
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Berufsfachschule
Monsti

Monsti

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02.07.2005
6393
almgarten.info
Hallo Ihr Lieben,

es ist interessant, Eure Sicht der Dinge zu lesen. Natürlich verstehe ich, dass Ihr in nicht wenigen Situationen ordentlich genervt und ganz sicher oft auch total überfordert seid. Ich war ja nun oft genug im KH und weiß, was Ihr tagtäglich leistet. An dieser Stelle mal meine große Hochachtung für alle, die in der Akutpflege tätig sind.

Mir geht's vor allem um's Differenzieren, um eben solche Fälle, wie eingangs beschrieben und leider immer mal wieder vorkommend, zu vermeiden.

Im Anschluss an meinen eigenen Fall muss es auf der Station wohl zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen sein. So hörte es sich jedenfalls in einem Gespräch mit einer Oberärztin an, und die Reaktion der betreffenden drei Schwestern (nur diesen! :wink: ) war später ja auch deutlich.

Ich meine, es muss damals (etwas später) ja auch für die betroffenen Schwestern äußerst unangenehm gewesen sein. Was lernt man nun daraus? Was wird nach einer solchen Geschichte den Schwestern mit auf den Weg gegeben bzw. geändert? Ihr seht, ich löchere Euch gnadenlos. :D

Gnadenlose Grüße von
Eurer Angie
 
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Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
Hallo Angie,

erst mal Respekt davor, dass Du auch nach einer solchen Erfahrung noch differenzierst und nicht einfach auf alle Pflegekräfte schimpfst.
Was Dir widerfahren ist dürfte m.E. nicht vorkommen. Ich denke diese Pflegekräfte waren keineswegs geschult. Ich kann Dir aber auch sagen, dass ich niemals in so etwas geschult wurde. Alleine die Erfahrung und meine gewonnene Menschenkenntnis lassen mich heute reflektieren und mich immer wieder fragen was bringt einen PAtienten dazu jetzt so oder so zu reagieren.
In deinem Fall gab es Symptome, die zumindest dem zuständigen Arzt hätten gemeldet werden müssen, wo auch seitens der Pflegekräfte genauer nachgefragt hätte werden müssen. Für das Verhalten dieser Pflegekräfte fällt mir nur das Wort Ignoranz ein. Aus der Ferne vermag ich allerdings nicht zu sagen, was jemand zu einer solchen Ignoranz verleiten mag.
Ich denke wir verhalten uns alle mal nicht korrekt, genervt und vielleicht auch ungerecht. Ich habe mich auch schon bei Patienten entschuldigt, wenn mir leider erst hinterher auffiel, dass ich mich nicht korrekt verhalten habe.
Nichtsdestotrotz würde auch mich interessieren, ob es hier welche gibt, die geschult werden?
 
Qualifikation
Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
I

Illerhexe

Gesperrter Benutzeraccount
12.01.2007
Von Schulungen diesbezüglich habe ich noch nie etwas gehört.
Mich hat die Ignoranz dieser Schwestern schwer schockiert.
1. Wie kann ich bei einer 50 jährigen Frau denken, dass sie sich gehen lässt und den Stuhl einfach laufen lässt: lächerlich!
2. 7kg Gewichtszunahme in 1 Woche: da werden nur die internistischen Schwestern hellhörig, die chirurgischen haben wahrscheinlich vergessen, dass so etwas relevant seinkann
3. Fieber und Schüttelfrost muss sofort an den Arzt weiter gegeben werden!!

Ich selbst bin ein sehr temperamentvoller Mensch, der das Herz auf der Zunge trägt und mir rutscht so manches heraus, was besser ungesagt bleiben sollte. Trotzdem versuche ich mich wie ein Profi zu verhalten und stelle mir vor, über dem Bett ist eine Kamera installiert und jemand filmt mich. Da will ich mir nichts vorwerfen lassen. Das ist zwar ein irrer Trick, er funktioniert aber meist.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Onkologie/Hämatologie
R

Rixte

Hallo Angie,
Ich finde dein Erlebnis skandalös, so etwas sollte nicht vorkommen. Es tut mir Leid für dich und allen anderen, denen so etwas widerfährt.

Für mich ist es immer wichtig dem Patienten zuzuhören, doch leider ist zu häufig die Zeit knapp.
Die Symptome zu übersehen, ist eine Sache, darf auch nicht sein, aber jemanden Vorwürfe zu machen weil er/sie sich einkotet ist in meinen Augen so dreist.

Fast kein Mensch macht so etwas ohne Grund. Hier sollten keine Vorwürfe kommen, sondern nach dem Grund gefragt werden.

Was ich aber genauso schlimm finde ist, dass du dich schuldig fühlst und denkst du hättest einen Fehler gemacht bei der Kommunikation.
Du warst in einer Ausnahmesituation, so wie ich denke alle Menschen im KH mit körperlich und seelisch beinträchtigen Krankheiten.

Mein Motto ist behandle die Menschen so, wie du in der Situation behandelt werden möchtest. Und der Patient spürt am ehesten wenn etwas nicht stimmt, Er kennt seinen Körper.

Patienten sind, in bestimmten Situationen, im hohen Maße abhängig vom Pflegepersonal, deswegen haben wir eine besondere Sorgfaltspflicht, und sollten versuchen soweit es in unserer Macht steht die Situation für den Patienten so angenehm wie möglich zu machen.
Dazu gehört auch zuzuhören und zu überlegen.

Natürlich geschieht es immer wieder, dass Situationen falsch eingeschätzt werden. Besonders, wenn viele „nervige“ Pat. oder Angehörige auf der Station sind.
Das Personal überfordert ist, aus welchen Gründen auch immer. Meist ist es die Unterbesetzung

Ich denke mir, dass die Schwestern dieser speziellen Station auch für ihr Leben gelernt haben. Die werden bestimmt jetzt viel eher hellhöriger und fragen nach.
Ich persönlich habe vor 30 Jahren einen „Fehler“ gemacht, er ist glimpflich abgelaufen, also nichts passiert, aber es hätte was passieren können. Ich habe es bis heute nicht vergessen.

Was dir nicht hilft, aber allen Patienten die nach dir kommen.

Die Frage; wie wir auf unserer Station damit umgehen. Selbst von den Patienten oder Angehörige, wo wir denken es ist „psychischer Natur“ sei es wir meinen sie langweilen sich und wollen so Beachtung, oder Krankheitsbewältigung, wird bei der Übergabe gesagt was gewesen ist. Manchmal ist man „blind“ Sieht es nur aus einer Sicht, dann gibt es meistens jemand der dazu etwas sagt,( Könnte es das oder das sein.)

Wir sind auch nur Menschen, mit allen Fehlern und Schwächen und wer sagt er macht nie etwas falsch, behaupte ich der lügt. Aber was dir passiert ist, ist Ignoranz.

So etwas soll und darf nicht vorkommen.

Danke übrigens, das du es hier geschrieben hast. Ich muss dir ehrlich gestehen, dass ich nicht daran gedacht habe, dass ein Patient sich fragt, was hab ich falsch gemacht, was noch eine zusätzliche Belastung für ihn ist.

Haben sich die Pflegekräfte nicht mal entschuldigt? Auch wenn es nichts mehr hilft, aber dass ist doch wohl das Mindeste.

Wünsche dir alles Gute
Rixte
 
T

Tina.W

Bei uns im Haus gibt es in diesem Jahr ein Vortbildung zu dem Thema
Konfliktbewältigung mit Angehörigen.
Ich bin gespannt, ob man daraus etwas mitnehmen kann.Solche Dinge
sind ja sehr mit Emutionen verbunden, die lassen sich nicht einfach abschalten.
Oft hilft es sich zu besinnen und sich zu Fragen was würde ich wollen, wenn ich an der Stelle des Pat. wäre.
 
U

uninurse

Mitglied
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12.04.2005
36041
Liebe Angie,

wie meine Vorschreiber auch schon schrieben - Es ist unfassbar, ws dir wiederfahren ist - Fehler gibt es da von deiner Seite her ganz bestimmt keine. Du warst die Patientin - die Schwestern dafür da, um Probleme zu entdecken, weiterzuleiten. Wenn das nicht funktioniert sind die Schwestern wohl sehr fehl am Platz! Wenn du ignoriet wurdest, läuft es bei anderen Patienten sicher ebenso oder ähnlich. Das man hin und wieder auch mal einen Pat. erwischt, der einem nicht sympatisch ist - ist denke ich normal und menschlich, jedoch muss man fachlich korrekt bleiben und geäußerte Sorgen,Ängste,Probleme ernst nehmen und auch an die Ärzte weitertragen. Eine Entschuldigung für so ein Verhalten gibt es nicht. Schon gar nicht wenn es gleich mehrere Schwestern betrifft!
Zu den Schulungen: Es gibt schon jede Menge an Schulungen, in denen diese Probleme behandelt werden - sind meist jedoch freiwillig - viele Pflegekräfte leider auch nicht motiviert, an solch einer Schulung teil zu nehmen, obwohl sie ja sogar meistens von der Klinik bezahlt werden! Schade!
Ich kann nur hoffen, dass dir so eine Erfahrung nicht noch einmal passieren muss!


Schön, dass du dennoch so positiv eingestellt bist - die Kehrseite exsistiert nun leider auch von Jahr zu Jahr mehr - es gibt immer weniger so angenehme Patienten wie dich, die auch versuchen, das Personal und dessen Handeln zu verstehen und zu hinterfragen, warum bestimmte Aussagen oderer Handlungen so verlaufen. Oft ist der Patient seiner Meinung nach der einzigste mit der schlimmsten Erkrankung und niemand kann es ihm recht machen. Vielleicht haben diese Schwestern überwiegend nur noch solche Patienten erlebt, dass sie inzwischen ressigniert und müde sind, enttäuscht, es keinem mehr recht zu machen? Ich weiss es nicht. Am besten wäre es wohl, wenn du jene Schwestern selber befragen könntest. Vielleicht lesen sie ja auch deine Geschichte hier und lernen daraus?

Ganz liebe Grüße
Daniela
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Neurochirurgie
U

uninurse

Mitglied
Basis-Konto
12.04.2005
36041
Genauso handle ich. Wie möchte ich behandelt oder Angehörige von mir behandelt werden!
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Neurochirurgie
G

GPP

Hallo Angi,
...Fragen die bewegen:
Was hätte ich tun sollen bzw. wie hätte ich's rüberbringen sollen, damit meine Anliegen wahrgenommen werden? Wo lag mein Fehler?
Wo liegt der Fehler derjenigen, der Unrecht wiederfährt?...
Hättest Du was geändert, wenn Du gebrüllt hättest?... wenn Du mit dem Arzt gesprochen hättest?... oder musstest Du Dich darauf verlassen können, dass Du von Profis betreut wirst, die Dir schon sagen wenn was verutscht?
Hör bitte auf, Fehler bei Dir zu suchen!
Offensichtlich ist es so, dass da Kolleginnen gepennt haben und ihrer eigentlichen Proffession, so sie denn eine haben, nicht gerecht geworden sind. So was ist beschäment und alle Erkläungen, die man finden kann greifen ins Leere. Das darf nicht passieren und passiert doch immer wieder. Konsequenzen wären hier angebracht, aber welche?... Die Angestellte rauswerfen?.. die Institution bestrafen?... oder einfach aus dem Fehler lernen?...
Letzteres wäre wohl das beste, passiert aber in der Regel erst, wenn Fehlverhalten sanktioniert wird.

Hätte bei zeitigerem Eingreifen das Krankheitsbild harmloser verlaufen können?
So wie Du es beschreibst: Ja

Weiterhin alles Gute aus Nordbaden

Gerhard
 
D

Dettini

Hallo Angie,
eigentlich habe ich hier ja nichts verloren, bei all den Kollegen der Fachkrankenpflege, aber ich weiß ja, dass diese sehr tolerant mit Meinungen von anderen Menschen umgehen.

Erst einmal finde ich dieses Echo auf Dein Thema phänomenal. Ich selbst war erst zweimal zur OP in einer Klinik und habe durchweg sehr, sehr gute Erfahrungen machen dürfen. Kompetenz pur und das Erleben von natürlicher Freundlichkeit sind Dinge, mit denen ich heute das Wort Klinik in Verbindung bringe.

Als vor Jahren meine Mutter wieder einmal ins Krankenhaus kam, litt sie nach einigen Tagen an massiven Durchfällen. Sie konnte zwar zur Toilette, kam aber nie bis dorthin. Ein Schüler, der dort Dienst tat, reinigte das Zimmer von diesem Unglück. Meine Mutter, der das sehr, sehr peinlich war, gab dem jungen Mann 50,-- DM. Ich wunderte mich, denn ich besuchte sie damals alle zwei bis drei Tage und jedesmal fragte sie mich, ob ich Geld dalassen könne.

Erst nach einer Zeit, die Durchfälle waren weiterhin vorhanden, fragte ich sie, warum sie in der Klinik so viel Geld benötigt. Mittlerweile hatte der Schüler 250 Märker kassiert, was ihm, die Moralaposte werden es mir nachsehen, gegönnt ist. Denn sie hatte ja nicht nur Durchfälle wenn der junge Mann Dienst hatte, vermute ich mal.

Was mich als Sohn nur sehr störte, war der Umstand, dass meine Mutter durch diese heftigen Flüssigkeitsverluste schon kognitive Ausfallerscheinungen hatte. Also habe ich mit dem jungen Schüler gesprochen und ihn aufgefordert schnellstens den Arzt zu verständigen. Das Geld habe ich nicht angesprochen, weil es meiner Mutter nicht weh tat und wir ihm das kleine Zubrot gegönnt haben. Er hat dann sehr rasch sein Versäumnis nachgeholt und meiner Mutter ging es bald besser.

Es grüßt Dich ganz herzlich und hoffe, dass die Resonanz weiterhin bombastisch ist. Den Daumen nach oben richtend
Detlef
 
Monsti

Monsti

Mitglied
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02.07.2005
6393
almgarten.info
Hallo zusammen,

erst mal ein großes Dankeschön für die tolle Resonanz! Für mich ist es sehr interessant, etwas über die "andere Seite" zu erfahren, wobei ich denke, dass Ihr besonders engagiert seid, sonst wärt Ihr nicht in diesem Forum aktiv. Ja, Ihr habt Recht, ich hatte die ganze Zeit unterschwellige Schuldgefühle, und Ihr konntet mich davon überzeugen, dass sie in diesem Fall nicht angebracht waren/sind.

Natürlich erwarte ich nicht 100%ige Fehlerfreiheit - bei niemandem! Auch sehe ich, dass es teilweise wirklich sauschwer ist, in der Hektik des Klinikalltags auf jeden Patienten angemessen einzugehen. Ebenso kenne ich sie ja selbst, jene absolut nervtötenden Patienten, die sich aufführen, als wären sie in einem 5-Sterne-Hotel mit "All-inclusive-Service" und habe vollstes Verständnis für Schwestern, die mit hochrotem Kopf ins Zimmer stürmen mit den Worten: "Puuuh, bitte lasst mich mal ganz kurz bei Euch sein, ich muss mich ganz dringend vom Nebenzimmer erholen!"

Was mir damals widerfahren ist, darf ich - glaube bzw. hoffe ich - als unglücklichen Einzelfall betrachten.

Liebe Grüße von
Angie
 
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Lebenskünstlerin
Fachgebiet
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Studium: Geographie und kath. Theologie (Lehramtsstudium für das Amt des Studienrats) - Abgeschlossenes Erstes Staatsexamen
Borgi

Borgi

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15.09.2006
86647
Hallo Monsti!
Ich habe schon einige Deiner Beiträge gelesen und halte Dich wirklich für eine Musterpatientin, die sich alle von uns wünschen!
Ich denke gaaanz viele von uns haben schon sehr viel von Dir gelernt, da Du schon einiges an Diskussionen und Gedanken angeregt hast- ein dickes Dankeschön dafür!

Wie schon andere geschrieben haben:Du hattest wirklich an nichts schuld, auch mich hat diese Ignoranz der Kolleginnen sprachlos gemacht. Hätten sie gleich reagiert, hätte Dir einiges erspart bleiben können. Nicht die OP- ich schüttel immer noch den Kopf, dass man es hat soweit kommen lassen. Auch das PP muss 1+1 zusammenzählen können und dann Massnahmen unverzüglich einleiten. Dazu gehört auch das unverzügliche Benachrichtigen des Arztes.

Auch ich hoffe, dass die Kolleginnen daraus gelernt haben und sich ihrer Verantwortung bewußt geworden sind und nicht weiter leichtfertig Menschenleben aufs Spiel setzen. Danke, dass Du dich nicht hast langhaltig traumatisieren hast lassen und Du weiterhin an uns glaubst ;-)

Liebe Grüße

Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
Borgi

Borgi

Aktives Mitglied
Basis-Konto
15.09.2006
86647
:wassat: Ich habe mich eben ungünstig ausgedrückt-entschuldigung!
Sicher bist Du traumatisiert, sonst würdest du Dein Erlebnis nicht nach dieser langen Zeit zu verarbeiten versuchen. Aber Du hast Dich nicht berufsstandsbezogen traumatisieren lassen. Ich wünsche Dir, dass es Dir gelingt daran zu glauben, dass Du wirklich absolut nichts falsch gemacht hast. Die Fehler haben andere begangen!

Alles Liebe Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
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