Altenpflege Frage zur Religion und Anstellung

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Paddy

AW: Frage zur Religion und Anstellung

Hallo,

Du kannst dich fühlen wie Du willst. In konfessionellen Häusern ist eine konfession erforderlich, darüber gibt es auch mehrere Gerichturteile. Warum lässt Du dich denn nicht einfach taufen? Wenn Du nicht willst, dann musst Du weietr suchen.

LG Paddy

P.S. Ich bin bei einem katholischen räger abgelehnt worden, weil ich geschieden bin!

Hallo,

ich bin neu hier, habe mich gerade angemeldet und eins vorweg: Dieses Anmeldungsprozedere hier müsste dringend überarbeitet werden, es nervt einfach. Besonders die Kennzahlen, die trotz richtig eingetippt nicht erkannt werden.:mad_2:

Ich bemühe mich seit ca. 2. Jahren um eine Ausbildung als Altenhelferin. Ja ja Pflegenotstand, habe trotz Eignung nur Absagen erhalten.

Nun hat es endlich geklappt. Ich habe einen Schulplatz und war letzte Woche bei einem Vorstellungsgespräch im Altenheim. Der Personaler war auch begeistert von meinen Unterlagen, bis die Frage nach der Konfession kam. Ich bin aber konfessionslos.

Das bis dahin angenehme Gespräch veränderte sich schlagartig. Man wisse gar nicht, warum die Schule mich an diese Einrichtung weitergeleitet hätte, da alle Mitarbeiter zwingend eine Konfession benötigen. Egal was. Katholisch, Evangelisch oder Islam, hauptsache man gehört einer Kirche an. :blink:

Ich verwies auf meine guten Noten im Religionsunterricht, worauf der Personaler nur antwortete 'Auch noch ein Streber.' Den Einwand, dass man sich nicht auf ein Stückchen Papier (Taufurkunde) beruhen könne sondern es doch letztendlich auf ein Leben mit der Basis der Nächstenliebe ankäme, lies er nicht gelten. Ich mein, wie viele Papierkatholiken und Evangelen gibt es, die ihrer Konfession nicht gerecht werden... aber da soll dann alles gut sein, weil sie nur mit dem Taufschein wedeln brauchen?

Ich habe jetzt zur Option: Sollte man mir einen positiven Bescheid geben, verpflichte ich mich innerhalb von 6 Monaten einen Taufschein vorzulegen oder Entlassung. Amen. Wenn das mal nicht christilich ist.

Was aber, wenn ich mich für die buddhistischen Lehren entscheide, bei denen es ja gar keine Taufe gibt? Oder ich werde Hinduist? Weiss da jemand vielleicht besser bescheid, ich stehe im Moment arg sauer auf dem Schlauch. Ich kann das alles gar nicht glauben.
Ich fühle mich diskriminiert. Ausserdem bin ich nicht gerade wild darauf, Kirchensteuer zu zahlen. Ich geh eh nicht in die Kirche und glaube auch eher an die Wiedergeburt und beschäftige mich damit. Was für ein Desaster, das alles.


Brauche Rat :innocent: fühl mich so verloren gerade.




Mausgrau
 
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traveler

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Mensch paddy, kannst du es vielleicht sein lassen immer den kompletten Beitrag zu zitieren?

Die Maus hat ein Rad, da kann man an den Anfang scrollen, da steht ja alles.

Die Funktion ist dafür gedacht einzelne Zeilen/Sätze zu zitieren, damit der Leser weiß auf was du jetzt konkret Bezug nimmst.

Dass du auf den Beitrag des threadstarters Bezug nimmst versteht sich von selbst.

Nix für ungut und Danke.
 
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baerle

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Es ist nun mal eine Tatsache, dass ein kirchlicher Träger eine Konfessionszugehörigkeit in seinen Statuten verankert hat. Es gibt sicherlich noch andere Träger in deiner Region, du solltest da mal nach fragen. Meiner Meinung nach wäre es keine glückliche Lösung nur deswegen in die Kirche einzutreten.

Gruß Baerle
 
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Monika58

Monika58

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

da ich auch aus dem Bürowesen komme war es auch schlichtweg nie relevant.
und genau hier liegt der Hund begraben: im Gesundheitsbereich IST es relevant.

Ich habe mich zum falschen Zeitpunkt beworben, da waren die Gruppen leider schon voll.
ok, das passiert einmal ... aber 2 Jahre lang?? Wenn ich heute weiss, dass die Gruppe für dieses Jahr voll ist bewerbe ich mich morgen für die nächste Gruppe

Das kann ich nur, wenn es in diesem Hause Menschen gibt, die nicht getauft sind. Das ist lt. Personaler nicht so.
Dann scheint es diesem Haus wirklich wichtig zu sein.


Ich werde die Erwartungen erfüllen. Wenn auch mit schwerem Herzen.
Wenn ich jemals ein Bespiel für "Bigotterie" brauche, werde ich diese Diskussion zitieren.
Gruß
Monika
 
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JoyfulVoice

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Hallo
Ich weiß z.B. auch aus Kindertagestätten die einen kirchlichen Träger haben, dass Bewerbungen, in denen nicht steht ob du einer Konfession angehörst gleich auf den 2.Wahl Stapel wandern. Es wird schon in den Unterlagen erwartet, dass du es angibst.
Ich hatte damals ein Vorstellungsgespräch in einer Einrichtung mit kirchlichem Träger in dem ich über die 10 Gebote, das Glaubensbekenntnis und meine Bibeltreue befragt wurde. Damit hast du im Grunde fast Glück, dass du dich nur Taufen lassen sollst und nicht vorher sog. Taufunterricht für Erwachsene (ähnlich dem Konfirmationsunterricht) nachweisen sollst.
@ Wolfwint Wieso ist das so schwierig wieder in die Kirche einzutreten? In der kath. Kirche hab ich davon keine Ahnung, aber in der Evangelischen Kirche- gehst du nur zu deinem Pastor und füllst ein Eintrittsformular aus - den Rest macht dann das Pfarramt. Gegen einen Wiedereintritt wird sich niemand sträuben, denn jede Kirchengemeinde ist froh, wenn ihre Mitgliederzahl sich nicht weiter sinkt.

Und mit der Bewerbung muss ich Monika58 vollkommen recht geben. Wenn ich beim ersten Mal nach der Bewerbungsfrist abgegeben habe, erkundige ich mich, wann die nächste Abläuft, oder schreibe wirklich sofort eine für das nächste Jahr. Gerade wenn die ihre Kurse schlecht voll bekommen, kann man oft noch nachrutschen.
 
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JoAn 98

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Hallöchen,
meiner Meinung nach ist dieses alles eine schlechte Farce! Bist Du einer Konfession angeschlossen, stehen Dir alle Türen offen, selbst wenn Du die Kirche überholt und lächerlich findest. Bist Du HL in einer konfessionellen Einrichtung und findest Du als solcher Religion lächerlich, köderst aber Leute, die sich um einen Job zu bekommen, taufen lassen, bist Du das Non Plus Ultra!Will man in einer konfessionellen Einrichtund arbeiten, muß man sich einfach mi den Gegebenheiten abfinden! D.h. ganz einfach: Kirchensteuer zahlen! Ob Du glaubst oder nicht spielt keine Rolle.
Ich kenn ganz viele Menschen die mehr Menschlichkeit besiten und keiner Konfession angehören. Und diese sind mir lieber, als alle "Scheinheiligen" zusammen!
Gruß, JoAn
 
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Mausgrau

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

und genau hier liegt der Hund begraben: im Gesundheitsbereich IST es relevant.
Ich wusste nicht dass darauf so VIEL Wert gelegt wird. Zumal ich sogar kath. heiraten konnte ohne getauft zu sein. Und noch eins: Würde ich wirklich an Hölle, Fegefeuer oder Himmel glauben, könnte ich niemals einen Sterbenden begleiten. Das wäre ja grausam.

Ich weiß z.B. auch aus Kindertagestätten die einen kirchlichen Träger haben, dass Bewerbungen, in denen nicht steht ob du einer Konfession angehörst gleich auf den 2.Wahl Stapel wandern.
Mag sein. Da kenne ich mich nicht aus. Ich kenne es aus meiner Schule nur so, dass nicht nicht getauft sein musste, mich aber verpflichten musste den Religionsunterricht mitzumachen. Was ich auch gerne gemacht habe.

ok, das passiert einmal ... aber 2 Jahre lang?? Wenn ich heute weiss, dass die Gruppe für dieses Jahr voll ist bewerbe ich mich morgen für die nächste Gruppe
Du kannst Dich nicht morgen für die nächste Gruppe bewerben. Da gibt es Bewerbungsfristen. Vielleicht lag das Kind auch im Brunnen, weil ich mich online beworben habe. Von den meisten Einrichtungen kam nichtmals eine Absage. Wie dem auch sei - ich war ja nicht arbeitslos und deshalb nicht bestrebt, mich jede Woche erneut zu bewerben.

meiner Meinung nach ist dieses alles eine schlechte Farce!
Das ist es, was mich ärgert. Religöses Vorleben ade, man kommt einfach nur mit Taufschein weiter.

P.S. Ich bin bei einem katholischen räger abgelehnt worden, weil ich geschieden bin!

Mal angenommen: Wenn Du dich scheiden lassen musstest, weil dein Partner irgendwann anfing zu saufen, zu schlagen, fremdzugehen oder sonstwas.... dann ist man ja als gläubiger Katholik unverschuldet bestraft. Also entweder man duldet das Fremdgehen des Partners oder man wird entlassen bzw. darf nach der Scheidung nie wieder eine Lebensgemeinschaft eingehen?
 
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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Geh einfach in ein "Kirchen- Forum"o.ä. zu Gleichgesinnten. Da kannst Du Dich bestimmt besser austauschen.
Wasserfrau:mad_2:
 
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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Geh einfach in ein "Kirchen- Forum"o.ä. zu Gleichgesinnten. Da kannst Du Dich bestimmt besser austauschen.
Wasserfrau:mad_2:
Ich glaube nicht das meine Fragen hier den Rahmen sprengen. Zumal sie alle an die Altenpflege gekoppelt sind und es hier bestimmt viele User gibt, die mir das beantworten können. :bae:
 
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Monika58

Monika58

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Ich wusste nicht dass darauf so VIEL Wert gelegt wird.
Jetzt weisst Du es

Wie dem auch sei - ich war ja nicht arbeitslos und deshalb nicht bestrebt, mich jede Woche erneut zu bewerben.
Dann war der Hinweis auf die lange Wartezeit nur Polemik?!?



"Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich zu ändern vermag, und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden."
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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Hallo @Mausgrau,

ja, ich kann dich wirklich sehr gut verstehen. Und ich bin schon sehr verwundert, welche Reaktionen dein Beitrag hier nach sich gezogen hat. Dein angesprochenes Thema wie auch die folgenden Beiträge haben mich dann auch schon sehr 'aufgewühlt'. Nicht zuletzt, weil ich mit dieser Thematik in meiner Biografie mehrmals konfrontiert war.

Es begann vor vielen Jahren mit meinem Vorhaben Sozialpädagoge werden zu wollen. Als ich im Rahmen der FOS Praktika absolvieren musste war ich u. a. auch in einer evangelischen Kindertagesstätte beschäftigt. Das ich zu dieser Zeit bereits aus der katholischen Kirche ausgetreten war stellte erstmal kein Problem dar. Eine 'billige Hilfe', die sich für 50 DM im Monat voll motiviert einbrachte, war da sehr willkommen. Allerdings wurde mir gegen Ende des Praktikums (!) deutlich gemacht, dass ich als ausgebildeter Sozialpädagoge in keiner kirchlichen Einrichtung eine Anstellung finden würde - ich könne den religionspädagogischen Auftrag nicht erfüllen. Nachdem mir klar war, dass eine Mehrzahl aller Einrichtungen, in denen Sozialpädagogen beschäftigt werden, kirchliche sind, habe ich diesen Berufswunsch realistischerweise verworfen und die entsprechende Schulausbildung abgebrochen.

Nach vielen Jahren als Beamter in einem ganz anderem Bereich stand ich aus verschiedenen Gründen erneut vor einem Neuanfang. Eine Ausbildung zum Krankenpfleger entsprach meinen beruflichen Vorstellungen und auch mein fortgeschrittenes Lebensalter schien gerade in diesem Bereich kein Problem zu sein. Allerdings stand ich wiederum vor dem Dilemma, dass ein großteil der Träger von Krankenpflegeschulen in kirchlicher Hand war.

Ich entschied mich, der evangelischen Kirche beizutreten. Nicht aber aus Überzeugung, sondern eher aus dem Umstand heraus, dass der zeitnahe Beginn einer Ausbildung anders nicht realisierbar war. Und ja: ich hatte meine Bauchschmerzen, ich fühlte mich zu einem Entschluß gedrängt. Die Frage, ob ich mich für den Eintritt in eine Glaubensgemeinschaft entscheide, sollte nach meinem Empfinden nicht aufgrund einer 'weltlichen Notlage' erfolgen, sondern vielmehr aus inniger Überzeugung. Der Eintritt in die evangelische Kirche schien mir dabei das 'kleinere Übel' - ein erneuter Eintritt in die katholische Kirche dagegen war zu keinem Zeitpunkt für mich ein gangbarer Weg. Dafür waren meine Differenzen mit der Struktur und der Glaubens- und Morallehre der katholischen Kirche immer schon zu groß.

Nach meiner Ausbildung bewarb ich mich in vielen verschiedenen Häusern. U. a. auch in einem Krankenhaus katholischer Trägerschaft. Ich erhielt einen Bewerbungsfragebogen und war vollkommen entsetzt. Neben Fragen zu meiner Person und meiner Religionszugehörigkeit sollte ich die kirchlichen Eheschließungen aller meiner vier Geschwister aufführen. Ich zerriss den Fagebogen und dachte mir meinen Teil.

Etwas später - ich war nun in verschiedenen Anstellungen bei Trägern von Stadt und Land - entschied ich mich bewußt dazu, auch aus der evangelischen Kirche auszutreten.

Persönlich endet meine Geschichte aber vorläufig doch mit einem 'Happy End'. Seit einigen Jahren arbeite ich in einem evangelischen Haus. Bei Einstellung war dem Haus bekannt, dass ich keiner Konfession angehöre und in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebe. Mit dem Leitbild und dem gelebten Alltag dieses Hauses kann ich mich zu 100% identifizieren. Gesehen werden in erster Linie meine fachlichen und sozialen Kompetenzen. Da diese offensichtlich positiv bewertet wurden war es auch kein Problem, mir Aufgaben wie Praxisanleitung und stellvertretender Stationsleitung anzuvertrauen.

Mir ist es wichtig, deutlich zu sagen, dass ich bemüht bin nach christlichen Werten zu leben. Allerdings empfand ich für mich eine Zugehörigkeit zu einer Kirche immer eher als beengend. Es gibt soviele Restriktionen in einer Kirche, die überhaupt nichts mehr mit dem eigentlichen Glauben zu tun haben - wohl aber mit Machtanspruch. Und trotzdem gibt es immer wieder einzelne Menschen in diesen Kirchen, die meine höchste Wertschätzung haben und die für mich ganz klar Vorbildcharaker haben. Als Beispiel nenne ich mal eine Ordensfrau in unserem Haus, die durch ihre unorthodoxe Seelsorge und ihren Beistand für jeden ein offenes Ohr hat - egal ob Patient oder Mitarbeiter, egal ob christlich, muslimisch oder konfessionslos. Menschen wie diese Frau sind für mich die eigentlichen Würdenträger - weil sie die Würde in sich tragen und nicht von einem Mann in Rom verliehen bekommen.

Zurück zum eigentlichen 'Streitpunkt' - der Legitimität eines besonderen Kirchenarbeitsrechts.

Ich finde die heutigen Regelungen nicht mehr zeitgemäß. Sie gründen auf gesetzlichen Regelungen aus der Weimarer Republik (sind also fast 100 Jahre unverändert gültig). Selbst die Regelungen zu den sog. Tendenzbetrieben (auf die sich @renje bezog) sind im entsprechendem Gesetz ausdrücklich nicht auf Religionsgemeinschaften anzuwenden. Denn im Gegensatz zu Tendenzbetrieben unterliegen Religionsgemeinschaften beispielsweise nicht dem Personalvertretungsgesetz. Ausnahmeregelungen finden sich im Übrigen in vielen verschiedenen Gesetzen (z.B. im Arbeitszeitschutzgesetz - Ruhepausen können verkürzt werden, Höchstdienstzeiten verlängert, ...)

Klar ist also, dass Arbeitnehmer eines kirchlichen Trägers einem exklusiven, den Arbeitgeber priviligierenden kirchlichen Arbeitsrecht unterliegen, daß den einzelenen deutlich schlechter stellt als vergleichbare KollegInnen in z.B. städtischen Häusern.

Die Sinnhaftigkeit solcher tendenziösen Privilegien mag vielleicht noch relativ begründet sein bei Mitarbeiter der Kirchenverwaltung bzw. kirchlichen 'Würdenträgern'. Welche religionsspezifischen Anforderungen aber werden an Mitarbeiter in der Pflege, im ärztlichen Bereich, in der Hauswirtschaft, etc., pp. gestellt, die einen solch gewaltigen Eingriff in allgemein geltende gesetzliche Regelungen gerechtfertigt erscheinen lässt ? Und abgesehen davon: Bei Patienten, die in ein Krankenhaus kommen, wird auch nicht nach der Religionszugehörigkeit gefragt. Warum das dann eigentlich nicht ? Weil es aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht gewollt ist ? Und plötzlich wird wieder der christliche Wert der Toleranz zu Markte getragen ?

Abschließend sei dann auch noch die Frage erlaubt, wie sich kirchliche Einrichtungen eigentlich finanzieren und ob sich hieraus vielleicht ein besonderes 'moralisches' Recht ableiten lässt. Allgemein bekannt dürfte sein, dass sich die allermeisten kirchlichen Einrichtungen im caritativen Bereich nur noch zu einem Bruchteil über Kirchengelder (wie etwa der Kirchensteuer) finanzieren. Und natürlich werden staatliche Gelder bei geplanten Investition (etwa Um- oder Neubaumaßnahmen) gern genommen. So gesehen handelt es sich hier ausdrücklich nicht um das Motto 'Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe'. Nebenbei bemerkt: Wem ist schon bewußt, dass sämtliche hohe Würdenträger (wie z.B. Bischöfe) ihr 'Gehalt' vom Staat erhalten. Immerhin kostet das den Steuerzahler rund 500 Millionen Euro jährlich. Und die Regelung, wonach das geschieht ist erst knapp 200 Jahre alt.

Mein Fazit: Man nimmt nur allzu gern - ist aber nicht bereit, längst nicht mehr sinnhafte Privilegien in Frage zu stellen und auf sie zu verzichten. Und der Staat bzw. die politischen Parteien überlegen sich sehr genau, ob sie ein Fass aufmachen. Zu groß scheint da die Angst zu sein, Wählerklientel zu verärgern.

Also bleibt erstmal alles wie es ist. Auch mein Leben und das von dir @Mausgrau geht weiter. Es mag sein, dass dir in der aktuellen Situation nicht viel übrig bleibt, als dich nach einem anderen nichtkirchlichen Träger ausschauh zu halten. Und trotzdem finde ich es wichtig, dass Mißstände benannt werden müssen - auch wenn aktuell kaum Änderungen zu erwarten sind.

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@Monika58: Du hast so Recht mit deinem Zitat. Daher ist er ja auch schon lange Bestandteil meiner Signatur :thumbsup2:.

Allerdings würde ich beim aktuellen Thema differenzieren. Die aktuelle Situation von @mausgrau betrifft sicher die erste Zeile des Zitats. Und ich verstehe @Mausgrau auch so, als wüßte sie sehr genau, dass sie an dem bestehenden Dilemma aktuell nichts ändern kann. Langfristig aber habe zumindest ich noch die Hoffnung, dass sich auch für Mitarbeiter in kirchlichen Eionrichtungen etwas zum Besseren bewegen lässt.

Gruß Stefano
 
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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Allerdings würde ich beim aktuellen Thema differenzieren. Die aktuelle Situation von @mausgrau betrifft sicher die erste Zeile des Zitats. Und ich verstehe @Mausgrau auch so, als wüßte sie sehr genau, dass sie an dem bestehenden Dilemma aktuell nichts ändern kann. Langfristig aber habe zumindest ich noch die Hoffnung, dass sich auch für Mitarbeiter in kirchlichen Eionrichtungen etwas zum Besseren bewegen lässt.
Ich stimme Dir zu - auch ich habe ja Zweifel an der Sinnhaftigkeit der bestehenden Regeln geäussert. Aber ich sehe auch, dass sich die Situation nur über 2 Wege ändert:

1. den juristischen Weg - da wackelt es für "die Kirche" schon hie und da, aber noch trutzt die Burg
oder
2. darauf warten, bis die kirchlichen Träger eine solche (Personal-) Not bekommen, dass sie ihre Haltung den Zeiten anpassen

Gruß
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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Mal angenommen: Wenn Du dich scheiden lassen musstest, weil dein Partner irgendwann anfing zu saufen, zu schlagen, fremdzugehen oder sonstwas.... dann ist man ja als gläubiger Katholik unverschuldet bestraft. Also entweder man duldet das Fremdgehen des Partners oder man wird entlassen bzw. darf nach der Scheidung nie wieder eine Lebensgemeinschaft eingehen?
Es ist bei einer katholischen Ehe wie bei einem Arbeitsvertrag: Wenn man sich vorher genau informiert, weiß man, worauf man sich einlässt.
Ich denke, die Formulierung "..bis das der Tod Euch scheidet" ist klar. Eine Trennung akzeptiert die katholische Kirche - aber keine Scheidung und neue Partnerschaft.
Ob man es richtig findet oder nicht, ist was anderes.. aber es ist eindeutig.

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Es ist bei einer katholischen Ehe wie bei einem Arbeitsvertrag: Wenn man sich vorher genau informiert, weiß man, worauf man sich einlässt.
Ich denke, die Formulierung "..bis das der Tod Euch scheidet" ist klar. Eine Trennung akzeptiert die katholische Kirche - aber keine Scheidung und neue Partnerschaft.
Ob man es richtig findet oder nicht, ist was anderes.. aber es ist eindeutig.
Und genauso eindeutig sind die Vorschriften zur Empfängnisverhütung, zum Umgang mit Homosexualität oder dem Anspruch des Papstes auf Unfehlbarkeit. Und dies sind nur einige wenige Beispiele dafür, wie weltfremd sich die katholische Amtskirche zum Teil gebärdet. Und weil das so ist, wird es nur einen Bruchteil von Katholiken geben, die tatsächlich nach diesen Ansprüchen leben (können !!!) - weil Menschen eben nun mal Menschen sind, mit all ihren Schwächen.

Und nun soll mir mal einer erklären, warum solch weltfremde Moralvorstellungen für die Tätigkeit eines Arztes, Pflegers oder Handwerkers in einem Krankenhaus relevant sind. Und genau darum ging es ...

Gruß Stefano
 
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AW: Frage zur Religion und Anstellung

@ zebro: :super:
Die Ablehnung der katholischen Kirche gegenüber der Empfängnisverhütung hat bis heute weitreichende Folgen, insbesondere im Zusammenhang mit der Übertragung von Infektionskrankheiten.
Abslut notwendig ist es die Thematik des Threads zu diskutieren, auch wenn amn glaubt sich mit derzeitigen Gegenbenheiten abfinden zu müssen. Schließlich findet veränderung in den Köpfen der Menschen statt.
 
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Mausgrau

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Dann war der Hinweis auf die lange Wartezeit nur Polemik?!?
Ich komme, wie gesagt, aus einer ganz anderen Berufsspate. Dort werden Bewerbungen, die unpassend ankommen, nach Bestätigung auf eine Warteliste gelegt und dann gezogen, wenn wieder eingestellt wird. Das war hier nicht der Fall und es ist verwunderlich, wenn doch Personalnotstand herrscht und das ist meines Erachtens nach logisch nicht vertretbar.

@zebro
vielen Dank für deinen umfassenden Beitrag. Du hast mir stellenweise aus dem Herzen gesprochen. Ich fühle mich christlich aber gehe nicht 100% mit der Kirche konform. Gott, einen Glauben oder eine religöse Einstellung sollte man im Herzen tragen und nicht festmachen an einen Kirchenbeitritt. Natürlich werde ich an bestehenden Hierachien nichts ändern. Aber zumindest wird zum Nachdenken angeregt, wenn es massiv kritisch hinterfragt wird.

Es ist bei einer katholischen Ehe wie bei einem Arbeitsvertrag: Wenn man sich vorher genau informiert, weiß man, worauf man sich einlässt.
Ich denke, die Formulierung "..bis das der Tod Euch scheidet" ist klar. Eine Trennung akzeptiert die katholische Kirche - aber keine Scheidung und neue Partnerschaft.
Ob man es richtig findet oder nicht, ist was anderes.. aber es ist eindeutig.
Ja, die Ehe ist ein Vertrag. Es heisst nicht nur 'bis das der Tod euch scheidet', sondern 'zu Lieben, Achten und zu Ehren bis dass der Tod' euch scheidet. Wenn der erste Teil nicht vollzogen wird, ist der zweite Teil nur schwer durchführbar und es ist vertragsbruch, wenn sich jemand nicht an den ersten Teil des Satzes hält. Aber das wird ja schon nur zu Genüge kritisiert und nicht ohne Grunde nehmen immer mehr Menschen Abstand von kath. Gesetzen.
 
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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Hallo !
Das Urteil passt nicht wirklich zu der Ausgangsfrage der Themenerstellerin, wurde aber in einigen Antworten aufgeführt: Kündigung infolge einer Scheidung

Hierzu ein interessantes Urteil:

LAG Düsseldorf: Kündigung eines katholischen Chefarztes wegen zweiter Eheschließung unwirksam

[FONT=&quot]http://www.kostenlose-urteile.Duesseldorf-Kuendigung-eines-katholischen-Chefarztes-wegen-zweiter-Eheschliessung-unwirksam.news9883.htm[/FONT]

Gruß
Monokel
 
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Sonnensturm

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Dieses Urteil hatte Mausgrau auch schon angeführt.
Ausserdem war die Kündigung nur unwirksam, weil die "wilde Ehe" vorher geduldet wurde
und bei anderen Angestellten über Scheidung und 2. Ehe hinweggesehen wurde.
:innocent:Wasserfrau
 
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CroKoDoC

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AW: Frage zur Religion und Anstellung

Also dieses Problem kenne ich ebenfalls. Ich wollte mich von der Kirche abmelden da ich nicht an Gott glaube und den Glauben auch nicht lebe. Allerdings sagte mir da unsere Schulleiterin dass ich dies lieber lassen soll weil ich sonst Probleme bekommen könnte mich bei bestimmten Einrichtungen zu bewerben. Ich habs also gelassen obwohl es meiner Einstellung wiederspricht. Ich denke aber dass das schon ok für mich ist denn ein Job ist mir wichtiger als ein Evangelisch in der Bewerbiung stehen zu haben.
Extra einer Glaubensgemeinschaft beizutreten hätte ich mir denke ich auch nicht zumuten wollen. Wenn ich allerdings wirklich Schwierigkeiten hätte so einn Job zu bekommen wäre das für mich eine überlegung wert.
 
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So hier ist nochmal alles zusammengefasst über diese Sonderregelungen.
Arbeitsrecht der Kirchen ? Wikipedia
Ausserdem lassen die sich die Kirchensteuern vom Staat "eintreiben", Arbeitslose zahlen immer Kirchsteuer, ob sie wollen oder nicht und unsere lieben kirchlichen Würdenträger werden auch vom Staat entlohnt. Dem Steuerzahler sei Dank:devil::devil::devil:
:scheiterhWasserfrau
 
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