Frage zu den Richtlinien der Pflegegradbeguttachtung

E

Eisberg

Neues Mitglied
Basis-Konto
19.09.2020
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Es geht um die Berücksichtigung von Ängsten bei einer Pflegegradbeguttachtung.
In den Richtlinien dazu
https://www.mdk.de/fileadmin/MDK-zentraler-Ordner/Downloads/01_Pflegebegutachtung/2019-11_BRi_Pflegegutachtung.pdf
steht folgendes:
F 4.3.10 Ängste
Die Person hat starke Ängste oder Sorgen, sie erlebt Angstattacken unabhängig von der Ursache.


In einem Fall aus meinem Umfeld hat die Gutachterin einer privaten Pflegekasse (wie auch die Vorgutachterin) bei einer Pflegegradbeguttachtung den Ansatz von Ängsten abgelehnt, weil es auf die Art der Ängste ankäme und die geschilderten Ängste nicht solche seien, die ansetzbar sind.
Doch der Wortlaut der Richtlinien ( = unabhängig von der Ursache) spricht dagegen.
Angestrebt wurde der Ansatz der Ängste mit lediglich der geringst möglichen Stufe (Stufe 1 = 1 Punkt).
Es wurden 2 ärztliche Bescheinigungen von Ärzten vorgelegt, die den Betroffenen schon seit sehr vielen Jahren gut kennen und die beide das Vorliegen von Ängsten bestätigen.
Die Richtlinien, die ich nannte, gelten auch für die Pflegekassen von Privatversicherungen.

Vorgetragen wurden Ängste, die der Betroffene hat wie:
<Angst vor Demenz - Er hat eine erbliche Krankheit, die bei den Angehörigen, diese Krankheit haben, zur Demenz führte und er hat schon häufigere Gedächtnisprobleme. Bei der Mutter des Betroffenen hat eine Operation die Demenz ganz stark verstärkt.
<Angst vor Ersticken infolge von Schluckstörungen - Er hatte sich schon so stark verschluckt, dass er etliche Sekunden nicht mehr atmen konnte
<Angst vor Tumoren - Er hatte bereits einen Tumor und hat einige unklare Raumforderungen für die er eine Operationsempfehlung hat. Wegen der Anästhesie hat er zudem Angst, dass eine Verschlechterung seiner Hirnleistung eintritt (siehe Angst vor Demenz). Die Operation schiebt er vor sich her.
<Angst in ein Pflegeheim zu müssen, weil er keine guten Erfahrungen bei seinen Eltern damit hat
<Angst vor einer Corona-Infektion - er ist hochgradiger Risikopatient und müsste mit einem schweren Verlauf wohl rechnen
<Angst vor der Zukunft, weil seine Versorgung absolut nicht gesichert ist und er nicht mal mehr einen Hausarzt hat (Gemeinde auf dem Land mit völliger Unterversorgung im hausärztlichen Bereich)

Der Betroffene bekommt häufige Attacken, wenn er über seine Situation auch nur nachdenkt. Er fängt dann oft an zu weinen und ist schwer zu beruhigen.
Der Betroffene wird derzeit noch von einer in seiner Wohnung lebenden Pflegeperson pflegerisch versorgt. Er ist zu 100 % schwerbehindert und hat Pflegegrad 2.

Frage in die Runde:
Hat hier jemand als Gutachter (für MDK oder für anderen Gutachtendienst? ) oder als Betroffener Erfahrung mit dem Ansatz von Ängsten in der Pflegegradbeguttachtung und kann davon berichten?
Wenn diese Ängste nicht berücksichtigungsfähig sein sollten, welche anderen Ängste sind dann gemeint?
 
Qualifikation
Pflegeunterstützung
M

Menschenkind

Mitglied
Basis-Konto
18.12.2012
Für mich stellt sich - abseits der Frage, in welchem Zusammenhang Ängste überhaupt angerechnet werden - die Frage, ob dieser eine Punkt mehr überhaupt das Gesamtergebnis des Pflegegrades beeinflussen würde. Dann kannst du dir nämlich den ganzen Aufwand sparen.

Im Modul 3 geht es um
- pathologische Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
- als Folge von Erkrankungen oder zerebralen Schädigungen
- die trotz durchgeführter Diagnostik und Therapie immer wieder auftreten
und
- Personelle Unterstützung erforderlich machen.

Die oben aufgeführten Ängste - reine Spekulation - wertet der MDK vielleicht als "allgemeine Themen" die in einer unklaren Lebenssituation mehr oder weniger bei jedem auftauchen (wie z.B. konkret vor vorhandenen Krankheiten, Pflegebedürftigkeit) - aber auch nach Klärung der Situation wieder verschwinden -> Ich habe Angst vor dem Ausgang einer OP, aber wenn diese geschafft ist, hat sich die Angst erledigt, weil die Ursache (OP) nicht mehr gegeben ist.

Wohingegen bei einem Demenzerkrankten, der in der Kindheit geschlagen wurde, morgens ein Moment der Angst besteht (Angst in der Grundpflege etwas falsch zu machen und dann wieder geschlagen zu werden), welcher durch die Demenz nicht therapeutisch aufgelöst werden kann und eine besondere Intervention erforderlich macht (z.B. durch Beziehungsklärung in der konkreten Pflegeperson) - die wird in der Regel ohne Probleme berücksichtigt.

Auch bei der Beurteilung von psychischem Verhalten und Problemlagen gilt die Voraussetzung, dass die Einschränkung (voraussichtlich) ein halbes Jahr vorliegen muss.

Daraus könnte also die Ablehung resultieren...ich würde mir aber eher Gedanken darüber machen, ob sich aus der Anerkennung von 1 zusätzlichen Punkt überhaupt der Pflegegrad ändert.
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann, freiber. Dozent
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)

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